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Auswirkungen der Wirtschaftskrise im Barnim – „Mit einem blauen Auge davongekommen“?

In Zeiten der Krise fällt der Blick oft auf Jene die sie verwalten.
Dementsprechend hat „Forum“, das Wirtschaftsmagazin der IHK-Ostbrandenburg, Christian Ramm befragt. Der 55-jährige leitet die Agentur für Arbeit in Eberswalde. Hier einige Auszüge:

Momentan gibt es kaum positive Bilder in der bundesweiten Wirtschaft. Die Finanz- und Konjunkturkrise sorgt für eine trübe Stimmung. Wie hat sich die weltweite Krise bislang auf den Arbeitsmarkt ihres Agenturbezirkes ausgewirkt?
Auch bei uns ist seit Jahresbeginn die Zahl der Arbeitslosen gestiegen. Allerdings nicht in dramatischer Form, unser Anstieg ist überwiegend saisonal bedingt und deutlich geringer als in anderen Regionen Deutschlands. Barnim und Uckermark sind überwiegend durch Klein- und Kleinstbetriebe geprägt und auch nicht extrem exportabhängig. Diese Struktur hilft uns jetzt in der Krise. Allerdings gibt es auch bei uns – besonders im Bereich der Logistik und bei den Automobilzulieferern – Auftragsrückgänge. Ende Februar waren im Barnim und in der Uckermark 26.606 Menschen arbeitslos. Die Arbeitslosenquote ist gegenüber Januar nicht gestiegen, sondern lag im Agenturbezirk im Februar wieder bei 16,1 Prozent und damit um 1,7 Prozentpunkte unter dem Februarwert von 2008.

Wie hilft die Arbeitsagentur den von der Krise betroffenen Unternehmen der Region?
Eine ganz wichtige Hilfe ist das Mittel der Kurzarbeit. Wenn die Auftragslage dünn wird, muss somit kein Mitarbeiter entlassen werden. In unserem Agenturbezirk haben bis Anfang März 61 Unternehmen für 804 Mitarbeiter Kurzarbeit beantrag.


Nach Prognosen für die kommenden Monate befragt hält sich Ramm zurück und bezeichnet Schätzungen als unseriös. Wahrscheinlich zu Recht. Zum Verhältnis der Agentur und den regionalen Unternehmen heißt es:

Vor der Umstrukturierung des Arbeitsamtes zur Agentur für Arbeit handelten die meisten Mitarbeiter nach der Devise, wir kümmern uns um die Arbeitslosen, dann haben auch die Unternehmen etwas davon. Heute gehen wir anders ran und sagen, wir kümmern uns um die Unternehmen, dann geht es auch den Arbeitslosen besser. Ich suche den Kontakt zu den Firmen der Region, besuche Unternehmerverbände, Kreishandwerkerschaft und andere Organisationen und arbeite in verschiedenen Netzwerken mit. Außerdem sind rund 30 Mitarbeiter direkt im Arbeitgeberservice tätig. Der bessere Zugang auf die Unternehmen hat sich bei uns bewährt. Im Jahr 2007 fand ein Arbeitsloser bei uns durchschnittlich nach 200 Tagen eine neue Tätigkeit. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert bei 150 und jetzt im Januar bei 128 Tagen. Von dieser Entwicklung profitieren Arbeitslose und Unternehmen.

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1 Kommentar » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Daß die Finanzkrise nicht bis in die Regionen des Barnims und der Uckermark durschlägt habe ich auch schon an einigen anderen Stellen gehört. Aller voraussicht nach wird es aber doch anders kommen. Da sich die Finanzkrise im Moment zur Wirtschaftskrise wandelt, die zuerst tatsächlich die Exportwirtschaft betrifft. Wenn die gänzlich unten liegt, folgt dann der Binnenmarkt und der Arbeitsmarkt. So verlaufen die zyklischen Wirtschaftskurven in der Tendenz immer. An dem Punkt Einbruch des Binnenmarktes und des Arbeitsmakrtes sind wir noch gar nicht angelangt. Aber der kommt – auch bei uns. Schließlich haben wir hier ja keine autarken Wirtschaftskreisläufe. Wenn wir dann im Tal sind, befindet sich die Exportbranche möglicherweise schon wieder Berg auf.
    Was allerdings nicht so gut vorhersehbar ist, sind die Auswirkungen der Konjunkturpakete. Die gab es ja in der Form noch nicht. Ich bin sehr gespannt, wie sich das entwickelt. Wahrscheinlich wird der wirtschaftliche Abschwung damit nicht so stark dafür aber länger.