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Der Wind des Widerstandes – Bundesweite Tagung gegen die Agro-Gentechnik in Eberswalde

„Auf die Bewegung kommt es an“. Unter diesem Motto trafen sich am ersten Februar-Wochenende Kritikerinnen und Kritiker der Agro-Gentechnik im Eberswalder Waldsolarheim. In Brandenburg befinden sich auch in diesem Jahr wieder die meisten Genmais-Flächen. Dort ist die Aussaat von MON 810 geplant. 1.650 Hektar waren zum 18.02.2009 im bundesweiten Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) für die märkischen Felder angemeldet. Daher wollten die OrganisatorInnen unbedingt ein Zeichen setzen und das Treffen ins Hauptanbauland verlegen. Eine gute Idee.

Auf der bundesweiten Tagung der gentechnikfreien Regionen und Initiativen diskutierten 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Vorträge, Workshops und Diskussionsrunden bildeten die Grundlage für einen erfrischenden Austausch. Dabei waren Mitglieder von Bürgerinitiativen gegen Gentechnik, engagierte Landwirtinnen und Landwirte, sowie Studierende der FH Eberswalde. Imkerverbände und Umweltgruppen waren ebenfalls vertreten. Auch Politikerinnen und Politiker der LINKEN und Grünen nutzten die Chance zum Austausch. Im Zentrum der Tagung standen Strategien und Aktivitäten gegen Gentechnik im Essen, auf dem Acker und im Stall. Veranstaltet wurde sie von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), dem Anbauverband Bioland, dem BUND, dem Gen-ethischen Netzwerk, dem Projekt „Gentechnikfreie Regionen in Deutschland“ und Greenpeace. „Noch vor zehn Jahren waren wir eine der wenigen Organisationen, die zu Gentechnik gearbeitet haben“, sagte Ulrike Brendel, Gentechnikexpertin bei Greenpeace, „heute sind wir eine von vielen.“ Die Bewegung wächst und scheint in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein. Den Profitmaximierungsinteressen der Agrarkonzerne bläst der Wind des Widerstandes entgegen.

Der Blick der Veranstaltung ging von Europa über den Atlantik in das Gentechnik-Anbauland Nummer 1. Die USA ist mit 60 Millionen Hektar trauriger Spitzenreiter. Der amerikanische Reisanbauer Greg Massa machte Halt in Eberswalde, um über die Probleme der Koexistenz – dem Nebeneinander von gentechnisch verändertem und normalem Reis – zu berichten. Als Präsident der Vereinigung der kalifornischen Reisbauern berichtete Herr Massa über die Anbausituation in den USA und über die damit verbundenen Schwierigkeiten. Kontaminationen würden auch über größere Distanzen nachgewiesen. Besonders für Biobauern sei dies Existenz bedrohend, weil sie ihre entsprechend zertifizierten Produkte dann nicht mehr verkaufen könnten.

Der Sonntag war geprägt vom Austausch und gemeinsamen Planungen. Gute Erfahrungen wurden weiter gegeben, Termine vereinbart und gemeinsam über knifflige Herausforderungen nachgedacht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten über erfolgreiche Feldbesetzungen, kontroverse Debatten mit Landwirtschaftsbetrieben und gute Informationsveranstaltungen. Aber auch knifflige Fragen wurden gestellt. Wie soll ich mit Nazis in einer Bürgerinitiative gegen Gentechnik umgehen? Gerade in Mecklenburg-Vorpommern, wo sich die NPD im Landtag gegen die Agro-Gentechnik stark macht, ist das ein allgegenwärtiges Problem. Auch Motivationskünste waren gefragt. „Jetzt ist unser Genfeld weg und die BI zusammengebrochen“, stellte eine Aktivistin fest. „Wir können ja Tagesreisen zu unseren Feldern anbieten“, kommentierte ein Vertreter des „Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft Berlin-Brandenburg“ süffisant.

Die Tagung war ein voller Erfolg. Auch wenn sich leider die gastgebende „Gentechnikfreie Kommune Eberswalde“ nicht blicken ließ. Der Einladung der Veranstalter, der Eberswalder Bürgermeister möge ein Grußwort zur Eröffnung halten, wurde leider nicht gefolgt. Die FDP ist sowieso keine Freundin der gentechnikfreien Landwirtschaft. Die CDU auch nicht, daher gibt es auch 2009 wieder viel zu tun: Die neue Genmais-Anbausaison steht bevor und die EU-Zulassung von zwei neuen Genmais-Sorten zum Anbau soll verhindert werden. Wie jedes Jahr wird es auch 2009 Aktionen und Proteste gegen den Anbau von gentechnisch verändertem Mais geben. Der Plan in Weesow (OT von Werneuchen) einen Genmaisversuch durchzuführen hat viele bereits auf die Barrikaden getrieben. Zum Glück erfolgreich. Der Versuch findet nicht statt.

Mehr Infos unter: www.gentechnikfreies-brandenburg.de

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