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Landrat ohne Namen?

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Landrat Bodo Ihrke. Pressefoto. Quelle: www.spd-eberswalde.de

Viele Barnimer dürften den Namen ihres Landrates Bodo Ihrke noch nicht einmal kennen. Das jedenfalls glaubt der CDU-Kreistagsabgeordnete Dr. Thomas Jakobs. Damit sollte er nicht daneben liegen.
Im Vorfeld der Kommunalwahlen 2008 hatte ich mir den Spaß erlaubt, Eberswalderinnen und Eberswalder nach dem Namen des Kreischefs zu fragen. Etwa 100 Meter vom „schönen“ Paul-Wunderlich-Haus, dem Sitz des Landrates, entfernt. Es waren 30 an der Zahl. Doch nur 2 Personen konnten mir den richtigen Namen nennen. Ich gebe zu, die Umfrage war alles andere als repräsentativ, dürfte dennoch ein Stimmungsbild nahe der Realität zeichnen.

Der Eberswalder Bürgermeister Friedhelm Boginski ist bereits nach zwei Amtsjahren populär. Durch seine beherzt klare Positionierung in Sachen Sondermüllverbrennungsanlage Theo Steil gewann er bei den Bürgerinnen und Bürgern an Ansehen. Bodo Ihrke hingegen – mit seinen 19 Amtsjahren als Landrat schon ein kommunalpolitischer Methusalem – gilt in der Bevölkerung von Bernau bis Eberswalde immer noch als Unbekannter. Das sollte ihm zu denken geben.

In der Märkischen Oderzeitung nimmt Dr. Jakobs diesen Umstand nun zum Anlass, dass der Landrat doch lieber durch den Kreistag gewählt werden sollte, weil ansonsten die Wahlbeteiligung mies ausfallen könnte. Dies kann ich nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. Wenn Bürgermeister direkt gewählt werden dürfen, warum sollte für Landräte nicht Gleiches gelten? Würde man mit einer Direktwahl nicht ein Zeichen setzen, dass sich die Bevölkerung hierdurch zukünftig besser mit ihrem Kreisfürsten identifizieren kann?

Doch mit dem alten Landrat Bodo Ihrke hat man es sich bequem eingerichtet. Diejenigen, die an den Trögen sitzen, werden dort weiterhin den Ton angeben. Spielchen um Pöstchen und Ämter sind beliebt. Und wäre es böswillig, wenn ich behaupten würde, dass auch der neue Barnimer Kreistag ein großer Klüngelhaufen ist, der sich wohlwollend um den Landrat schart?
Einige Kreistagsabgeordnete davon ausgenommen, die besten Willens eine bürgernahe und transparente Politik jenseits der Hinterzimmer anstreben.
Und diejenigen wissen schon, dass ich sie von meiner Kritik ausnehme…

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Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

11 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Lieber Herr Dr. Steiner, was ist daran schlecht, wenn ein Politiker sich nicht bei jeder Veranstaltung oder aus anderem Anlass in den Mittelpunkt, sprich vor die Foto-Presse stellt? Es ist sicher auch Ihrer Aufmerksamkeit nicht entgangen, dass dies durch andere Personen des Kreises gern wahrgenommen wurde. Für mich zählen in den 19 Jahren die Ergebnisse und die können sich im Kreis Barnim doch durchaus sehen lassen. Ich habe den Landrat in der Kreisverwaltung viele Jahre, besonders in der für uns besonders aktiven Zeit nach der Wende begleitet. Ich kann sagen, dass, obwohl ich nicht sein Parteigänger bin, seine Arbeit meinen höchsten Respekt errungen hat.

  2. Lieber Herr Dr. Stolpe,
    auf der menschlichen Ebene kann ich gut verstehen, dass man Bekannte, gute Geschäftskollegen als auch alte Mitstreiter gegenüber Kritik von außen in Schutz nimmt. Wenn nach subjektiver Bewertung die Vorzüge dieser Personen hierbei in den Vordergrund gestellt werden und über die negativen Begebenheiten mehr oder weniger der Mantel des Schweigens gedeckt wird, wäre auch das für mich noch nachvollziehbar und akzeptabel.
    Sicherlich wäre es auch eine plumpe Schwarz-Weiß-Malerei, wenn ich die Amtszeit des Landrates Bodo Ihrke nur negativ zeichnen würde. Aber lassen wir doch mal die Kirche im Dorf. Barnim ist nicht der einzige Landkreis in den neuen Bundesländern, wo sich nach der Wende einiges getan hat. Sicherlich ist dies aber nicht nur das Verdienst des Landrates, sondern vieler Bürgerinnen und Bürger; solche die dort beheimatet sind und andere von außerhalb. Doch sicherlich können sich nach 19 Dienstjahren eine Menge „Stoffwechselprodukte“ ansammeln, die dann zum Anwachsen der Günstlingswirtschaft führen. Ich drücke mich hier extra mal vorsichtig aus.
    Ich habe auch nicht eingefordert, dass ein Landrat bei jeder regionalen Veranstaltung dabei sein sollte. Wenn dieser aber in der ansässigen Bevölkerung nach 19 Dienstjahren noch nicht einmal namentlich bekannt ist, dann komme ich schon ins Grübeln. Solch ein Agieren hat wenig mit Volksnähe zu tun.
    Anhand zweier konkreter Beispiele möchte ich meine Kritik ergänzen:
    – Wann räumt Landrat Bodo Ihrke in seinem Kreishaus endlich auf und setzt klare Signale gegen das ausufernde Mobbing mit Blick auf den Schutz von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern? Wann setzt er sich für seine „kleinen“ Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein und spricht ein Machtwort gegenüber einigen Personen der Führungsebene? Gleiches gilt für die GLG, wo er als Aufsichtsratsvorsitzender diesbezüglich seinen Einfluss geltend machen könnte.
    – Wann „entsorgt“ er endlich Ulrich Gräfe, der als Chef des Job-Center Barnim eine ganz üble Rolle, nach innen wie nach außen, spielt?

  3. Nein, ich wollte kein Schutzschild aufbauen und ich bin auch dafür, dass man für seine Fehler auch oder gerade in der Politik kritisiert und bestraft werden muss. Es geht mir nur um ausgewogene Gerechtigkeit, die auch Verdienste würdigt.
    Sicher ist der Kreis Barnim kein Einzelfall in den neuen Bundesländer und vielleicht ist auch mein Stolz etwas verletzt, weil ich mich jahrelang für eine fachlich gute und effektiv arbeitende Verwaltung erfolgreich eingesetzt habe – mit der Unterstützung des Landrates.
    Nun mit den Umfragen ist es ein eigen Ding. Ich denke Sie wissen auch, dass Nachfragen nach unseren Außenminister oder Länderchefs gerade bei den jungen Mitbürgern mit grauenvollen Ergebnissen enden. Politikverdrossenheit??

  4. @Dr. Stolpe
    Okay. Das habe ich verstanden.
    Zu den Umfragen: Es sind ja nicht nur die 30 Umfragen gewesen, sondern auch zahlreiche Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern im Barnim, die größtenteils den Namen ihres Landrates nicht kennen, und schon gar nicht, mit welchem Inhalten dieser agiert.

    Ein Beispiel von vielen: Welche konkrete persönliche Aussage von Bodo Ihrke gibt es zur geplanten Sondermüllverbrennungsanlage in Eberswalde?
    Das war und ist ein Thema, was viele Bürgerinnen und Bürger die letzten Jahre bewegt hat. Und was kam von ihm? Dieses in etwa. Werden auf diese Weise die Sorgen der Bevölkerung Ernst genommen?

  5. Hallo Dr. Steiner, das war ja ein Treffer ins Schwarze, das mit Theo Steil. daran habe ich nicht mehr daran gedacht. Es ist aber auch eine Überlegung wert, ob es nicht die schwache Parteistruktur ist, die es zulässt, dass ihre Spitzenleute ohne Positionierung zu solchen wichtigen Themen durch die politische Welt taumeln!
    Nun ja Sie sehen , es gibt eine Reihe von Argumenten, die man sachlich austauschen kann und sie sind bezüglich Ihrke lange nicht erschöpft.

  6. @Dr. Stolpe
    Da gebe ich Ihnen Recht. Das Austauschen von Argumenten ist immer konstruktiv.
    Zur Steil-Anlage: Hier gab es seitens der Parteistruktur klare Vorgaben. Auf meine Initiative (als ich noch SPD-Mitglied war) hat sich der SPD-Ortsverein Finow frühzeitig gegen den Bau einer solchen Sondermüllverbrennungsanlage positioniert. Die SPD-Eberswalde, der zweite Ortsverein auf dem Gebiet von Eberswalde, hat dann später nachgezogen.
    Ich habe den Eindruck, dass der Verwaltungsschef Ihrke nur solche Parteibeschlüsse umsetzt, die ihm auch „in den Kram passen“ oder nützlich sind. Umsetzen muss er sie ja auch nicht, denn er ist ja nicht parteigebunden, sondern selbständig handlungsfähig. Doch eines ist er letztendlich doch: Den Bürgerinnen und Bürgern seines Amtsgebietes verpflichtet.
    Gerade vor diesem Hintergrund halte ich die Direktwahl von Landräten für eine gute Sache.

  7. Heute ist ein interessanter Leserbrief zum besagten MOZ-Artikel Landratswahl: CDU schwenkt um des recht fleißigen MOZ-Leserbrief-Schreibers Helmut Koch veröffentlicht worden.
    Ich habe mich mit Herrn Koch nicht abgesprochen, ja ich kenne ihn noch nicht einmal persönlich. Umso bemerkenswerter ist es, dass er in seinem Brief auf das Gleiche hinauszielt, was ich schon geschrieben habe. Er schreibt von „Gerangel um Macht und Posten in den Hinterzimmern der Politik mit dem Ziel, die Wahl des Landrates im Kreistag doch noch durchzusetzen“. Und dass mit fadenscheinigen Begründungen wie geringe Wahlbeteiligung und zu geringer Bekanntheit des Landrates seine Wiederwahl im Kreistag vorangetrieben werden soll.

    @Marco
    Alles Frustrierte! Nicht nur hier im Barnimblog und in der Barnimer Bürgerpost, sondern jetzt auch schon in der MOZ dieser Herr Koch, wenn man Ihren Sätzen Glauben schenken darf…

  8. Liebe Redaktion,
    völlig unpolitisch möchte ich anmerken:
    Methusalem war ein Mann und kein Es!

    Freundlich grüßt Sie

    Thomas F. Engelhardt

  9. Lieber Herr Engelhardt,

    auch wenn wir keine Redaktion haben, bedanken wir uns herzlich für diesen Hinweis!

    Mit bloggenden Grüßen,
    Karl-Heinz

  10. @Thomas F. Engelhardt
    Klar, das werde ich sofort verbessern.
    Manchmal schleichen sich Fehlerteufelchen ein (dies aber auch bei der „Zeit“ und der „Welt“).
    Vom Autor also danke für den Hinweis!

  11. Gestern wurde in der MOZ mein Leserbrief zum Artikel „Ihrke drängt auf schnelle Wiederwahl“ veröffentlicht:

    Landrat Bodo Ihrke zieht jetzt alle Register. Belehrend und mahnend drängt auf seine Wiederwahl. Doch stehen bei ihm wirklich die gute Entwicklung des Landkreises Barnim und die hier lebenden Menschen im Vordergrund? Meines Erachtens geht es ihm vielmehr um seine Pfründe, um Amt und Machterhalt. Das ist doch allzu durchsichtig. Wie war es vor einigen Jahren, als Ihrke sein Amt am liebsten von heute auf morgen gegen den lukrativen Posten des Geschäftsführers der Krankenhausholding eingetauscht hätte? Wie stand es da mit seiner Verantwortung gegenüber dem Landkreis? Derzeit scheinen sich dem Landrat keine besseren beruflichen Alternativen zu bieten, oder wie soll man seine offensiven Vorstöße interpretieren? Wenn Bürgermeister in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl vom Volk gewählt werden dürfen, warum sollte für Landräte nicht Gleiches gelten? Herr Ihrke, geben Sie den Weg für die Direktwahl des Landrates jetzt frei!