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Gegenwind für Vattenfalls 380-kV-Freileitung

Während in den Ausschüssen und informellen Runden des Bundestags noch um die Feinheiten des Energieleitungsausbaugesetzes (EnLaG) und die darin enthaltenen Pilotprojekte zur Erdverkabelung verhandelt wird, gewinnt der Konflikt um Vattenfalls 380-kV-Freileitung auf regionaler Ebene an Fahrt, was sich auch in der Berichterstattung der Lokalpresse niederschlägt. „Unversöhnlicher Steit um neue Stromleitung“ (MOZ, 12.2.09) und „Einigung nicht in Sicht“ (Eberswalder Blitz, 21./22.2.09), so lauten die letzten Schlagzeilen.

Seit Dezember gibt es im Barnim dank der Bürgerinitiative Biosphäre unter Strom – keine Freikeitung durchs Reservat mächtig Gegenwind für Vattenfall. Die Stadtverordneten von Eberswalde und die Gemeindevertreter von Chorin haben sich am 18.12.08 für die Erdverkabelung der geplanten 380-kV-Trasse ausgesprochen und auch der Kreistag Barnim hatte sich bereits zwei Tage vorher, am 16.12.08, so positioniert.

Seit Sommer 2008 arbeitet Vattenfall intensiv an der Fertigstellung der Planungsunterlagen für das Planfeststellungsverfahren, das im März über die Bühne gehen soll. Da sind solche Beschlüsse kommunaler Körperschaften mehr als ärgerlich.

Natürlich nimmt Vattenfall die demokratischen Voten nicht für voll, aber der Konzern muss sich doch der Diskussion stellen und da machen die Vertreter der Trassenplanung keine gute Figur.

Das war schön zu beobachten, bei der Präsentation in Eberswalde (18.12.08) und erst kürzlich wieder, am 10.2.09, im Ausschuss für Landwirtschaft, Umweltschutz und Abfallwirtschaft des Kreises.

Die Aufgabe, die sich den Schönrednern von Vattenfall im Barnim stellt, ist auch wirklich kompliziert. Immerhin führt die 380-kV-Trasse durch den Naturpark Barnim und das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Hier sind es in erster Linie Argumente des Landschafts- und des Volgeschutzes, die gegen die Freileitung vorgebracht werden.

Aber auch die Gesundheitsgefährdung, die von einer 380-kV-Freileitung in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung ausgeht, spricht gegen die Realisierung von Vattenfalls Plänen.

Besonders brisant ist die Trassenführung in Eberswalde, wo die 380-kV-Freileitung von Lichterfelde kommend der bestehenden Doppeltrasse einer 110-kV- und einer 220-kV-Freileitung folgend Wolfswinkel und Finow-Ost überspannt und am Brandenburgischen Viertel vorbeiführt.

Der Vertreter Vattenfalls versichert allen Ernstes, dass die Mindestabstände von 50 Metern respektiert, ja dass „in der Regel sogar ein Abstand von 100 Metern“ eingehalten würde. Soviel Rechtstreue, ist man versucht zu sagen, sieht man bei einem großen Konzern gern. Aber die brandenburgische Rechtslage ist völlig veraltet und nicht ohne Grund geht das niedersächsische Erdkabelgesetz von Mindestabständen bei Freileitungen im Höchstspannungsbereich von 400 Metern aus. Auch die WHO empfiehlt diesen Mindestabstand, denn die elektromagnetischen Felder können bei Kindern das Risiko von Leukämie deutlich erhöhen und bei Erwachsenen eine Fülle anderer Krankheitsbilder hervorrufen (Schlaflosigkeit, Alzheimer u.a.).

Davon will man bei Vattenfall nichts wissen, die Risiken werden, wie üblich verharmlost. Aber diese Strategie greift nicht mehr. Der Umweltausschuss des Kreises ließ sich davon nicht beeindrucken.

Für den 5.3.2009 ist auf Initiative von Carsten Zinn, Ortsvorsteher im Brandenburgischen Viertel, um 18.00 in der Grundschule Finow eine Bürgerversammlung für Finow und das Brandenbugische Viertel angesetzt, auf der über die geplante 380-kV-Freileitung und ihre Gefahren informiert und diskutiert werden soll.

Vattenfall und auch die BI Biosphäre unter Strom – keine Freileitung durchs Reservat (und Eberswalde) haben ihr Kommen zugesagt. Hier können sich auch die betroffenen Anwohner zu Wort melden.
Nicht über unsere Köpfe – Erdkabel statt Freileitung in „Biosphäre“ und Wohngebieten!

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6 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Lieber Hartmut,
    das ist auch so ein brisantes regionales Thema, zu dem sich Herr Meckel als zuständiger Bundestagsabgeordneter seines Wahlkreises positionieren sollte.
    Ist von ihm dazu schon was gekommen?

  2. Lieber Andreas!
    In letzter Zeit nicht. Aber gegen Ende des vergangenen Jahres gab es eine gemeinsame Presseerklärung von Meckel und Bierwirth für die Erdverkabelung.
    Das Problem besteht bei der SPD einfach darin, dass sie verbal für die Erdverkabelung eintritt, aber wenig dafür tut.
    Die Initiative zum Brandenburgischen Erdkabelgesetz hätte von der SPD kommen müssen, als Regierungsvorlage, vor allem nach dem Scheitern der Bundesratsinitiative im Septmeber 2008. Da kam nichts. Und als die Linke dann die Initiative dazu einbrachte, da wurde auf den Koalitionsvertrag und die ablehnende haltung der CDU verwiesen.
    So wird es evtl. auch im Bundestag gehen.
    Wenn die CDU die Erdverkabelung der „Uckermarkleitung“ nicht mitträgt, und Jens Koeppenhat sich da ja eindeutig für die Freileitung ausgesprochen, dann wird es eben kein Pilotprojekt in der Uckermark und im Barnim geben.
    Entschiedenes Eintreten für die Interessen der Region sieht anders aus. Meckel kam auch nicht zum Parlamentarischen Abend der BI und des MAB am 27.1. ins Atrium in der Friedrichstr.
    Da wäre Möglichkeit zum persönlichen Gespräch gewesen, das er ja so schätzt.

  3. Ich denke, dass das Umweltbewusstsein langsam besser wird. Außerdem wird die Marktlücke Umweltschutz immer grösser, da ja auch der Bedarf steigt. So nimmt die Entwicklung auch langsam einen positiven Verlauf. Desweiteren sollte man auch die Wirtschaftskriese als Chance sehen, denn wenn alte Strukturen vernichtet werden, werden neue Strukturen wachsen. Wie die Natur so will wenn etwas Neues entsteht kann um weiten besser und moderner sein. Lass die Politik nur machen, die wollen alle nur Ihr Geldwelt retten und nicht unsere Umwelt. In der Politik geht’s nur um Macht und nicht um Idealismus.
    Hier ist auch ein Tipp für euch zum Posten NEUER Rekord bei Kohlendioxidausstoß
    Mit nachhaltigem Gruß
    Heinz

  4. Vattenfall-Themen könnten sich eigentlich von selbst lösen, wenn man bedenkt, dass Biostrom gar nicht so viel teurer ist! Und von Anbietern wie EWS kommen auch noch Anregungen zum sparen. Welche Stromanbieter wollen denn schon, dass man mit elektrischer Energie sparsam umgeht. Ich habe seit letztem Jahr Biostrom aus der Steckdose und fühle mich wohl dabei. Als nächstes Projekt werden wir unser Dach bestücken, und uns langsam in Richtung neutral zu bewegen.

  5. @renatura
    Ich stimme zu, mit dem Anbieterwechsel könnte man Vattenfall durchaus unter Druck setzen.
    Der Wechsel zu einem weniger belastenden Stromanbieter ist wirklich einfach und ohne Probleme durchführbar.
    Ich habe das auch schon gemacht. Vattenfall ist – laut greenpeace – der Stromanbieter mit dem schmutzigsten Strom. Vattenfalls CO2-Ausstoß pro kWh liegt 300gr über dem Durchschnitt.
    Also zu einem umweltfreundlichen Anbieter wechseln!

  6. Ich denke, dass wir deutschen noch immer den saubersten Strom produzieren. Soll natürlich kein Massstab sein. Macht es denn eigentlich einen Unterschied zwischen den Biostromanbietern aus oder ist es egal welchen man da nimmt? Das ihr für Umweltschutz finde ich gut.
    lg
    Hienz