web analytics

Wer ist Schuld am Klimawandel? – TAZ-Artikel von Professor Stefan Gössling (FH Eberswalde)

Wer trägt besonders stark zum Klimawandel bei? Dieser schwierigen aber wichtigen Frage ist Stefan Gössling, Professor an der FH-Eberswalde, in einem heute erschienenden TAZ-Artikel nachgegangen und hat dabei, rein statistisch betrachtet, die „Lohas“ als überdurchschnittliche Emissionsverursacher ausgemacht.

Die wer oder was bitte? Nun, eigentlich gehören „Lohas“ (steht für „Lifestyle of Health and Sustainability“) zu den Guten. Sie kaufen brav im Bioladen ein, radeln gern und achten nicht zuletzt beim Energieverbrauch auf Qualität und Herkunft. Andererseits treibt sie ihr Bildungshunger, verbunden mit einem (wie gesagt, statistisch) überdurchschnittlich komfortablen Einkommen, oft in ferne Länder und die damit verbundene Vielfliegerei lässt die „Luftverschmutzungskasse“ offenbar heftig scheppern.

„Lohas“, so Gössling:

“leben in vielen Punkten sehr nachhaltig, aber die Bedeutung ihres Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung liegt mehr in den strukturellen Änderungen, die ihre Lebensweise induziert, also der Schaffung „grüner“ Märkte, als in der Aufgabe klimaintensiver Lebensweisen. In Bezug auf Emissionen von Klimagasen tragen Lohas vermutlich mehr zum Klimawandel bei als der Durchschnittsbürger. Zwar glauben Lohas an eine rigorose Klimapolitik, aber das fällt leicht, wenn man zu den hohen Einkommensgruppen gehört, die von steigenden Energiepreisen nicht wirklich betroffen sind. Ist damit das Ziel einer nachhaltigen Klimapolitik, die auf sozialer Gerechtigkeit bauen sollte, ein Paradoxon? Die Antwort ist: nein. Denn Lohas haben durch ihre gesellschaftliche Stellung und starke Präsenz in den Medien ein Klima geschaffen, in dem eine höhere Bereitschaft entsteht, sinnvoll zu handeln. Diese erfasst immer weitere Teile der Bevölkerung und selbst deutsche Tabus wie die Einführung eines Tempolimits auf Autobahnen oder die Besteuerung des Flugverkehrs werden jetzt von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung unterstützt.(…)

Letztlich aber, meint der Experte für nachhaltigen Tourismus,

“bleibt die Umsetzung des Klimaschutzes eine Aufgabe der Politik: Verhaltensänderungen dürfen nicht eine Aufgabe des Einzelnen bleiben, sondern es muss gemeinsame Regeln geben. Genau dieser Schritt der Umsetzung bleibt allerdings ein hypothetischer, denn die Macht der Lobbyisten in Deutschland scheint größer zu sein als der demokratische Mehrheitswille. Und das ist sicherlich nicht der Fehler der Lohas.“

Wer ist Schuld am Klimawandel? – TAZ-Artikel von Professor Stefan Gössling (FH Eberswalde) auf Facebook teilen
Wer ist Schuld am Klimawandel? – TAZ-Artikel von Professor Stefan Gössling (FH Eberswalde) auf Twitter teilen
Wer ist Schuld am Klimawandel? – TAZ-Artikel von Professor Stefan Gössling (FH Eberswalde) auf Google Plus teilen

Ähnliche Artikel:

Veröffentlicht von

Stefan ist von Beruf Sozialarbeiter und arbeitet mit chronisch kranken Menschen. Der 2-fache Familienvater ist Autor verschiedener Websites und gelegentlich auch noch als Sänger aktiv. Als leidenschaftlicher Naturschützer wurde er unlängst in die Panketaler Gemeindevertretung gewählt. Weitere politische Schwerpunkte sind die Ortsentwicklung, sowie soziale Themen.

3 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Der Vielfliegerei könnte man leicht einen
    finanziellen Riegel vorschieben.
    Heute kostet ein Flug nach Rom weniger als die Taxifahrt vom Flughafen zum Stadtzentrum. Die Bahn kann überhaupt nicht mit dem Billigflieger konkurrieren.
    Aber die Abschaffung der Billigflieger ist heute (noch) nicht mehrheitsfähig.

  2. Also ist die Reisefreiheit statistisch Schuld am Klimawandel – interessant.