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Ersatzpflanzungen für gefällte Linden in Tuchen erfolgten nicht vor Ort

Wir erinnern uns an den Fall Tuchen, einer Barnimer Provinzposse besonderer Art: Gegenüber der „Hochzeitskirche“ wurden im November 2006 drei kerngesunde Linden im besten Alter abgesägt, (s. MOZ-Bild: Fällung der dritten und letzten Linde), weil sie im Zuge ihres Dickenwachstums eine Feldsteinmauer beiseite gedrückt haben (s. Bild links: Nach den Fällungen). Die Behörden des Landkreises Barnim nahmen weder Rücksicht auf den Wert der stattlichen 120 Jahre alten Bäume, noch darauf, dass das schöne Ortsbild dadurch erhebliche Einbußen erleiden würde. Das Kettensägen-Massaker erregte deshalb zu Recht die Gemüter.
Mittlerweile geht man im Barnim mit dem Baumschutz etwas sensibler um. Fortschritte hinsichtlich einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen dem behördlichen Naturschutz (des Kreises und der Stadt Eberswalde) und dem ehrenamtlichen sind erkennbar. Man geht mehr aufeinander zu, nimmt sich gegenseitig mehr Ernst.

In Tuchen ist die ehemals schiefe Feldsteinmauer nach über zwei Jahren fast vollständig restauriert worden. Auch die Ersatzpflanzungen für die gefällten Bäume sind erfolgt. Doch bedauerlicherweise nicht im Ort Tuchen selbst, sondern als Nachpflanzungen in der Allee an der Kreisstraße 6006 zwischen Tuchen und Klobbicke! Das ergab die Nachfrage von Konrad Polczynski bei der Unteren Naturschutzbehörde Barnim.

Der Tuchener hatte sich jahrelang um den Erhalt der Dorflinden bemüht, im Vorfeld der Fällung versucht, Kompromisse für die Erneuerung der Mauer bei gleichzeitigem Erhalt der Linden auszuhandeln und den Fall auch nach der Fällung unermüdlich weiter begleitet.

Nun zeigt sich Konrad Polczynski mit den ausgeführten Ersatzpflanzungen wenig zufrieden. Letzte Woche sprach er mit dem BAR-Blog: „Ich bin enttäuscht darüber, dass die Ersatzpflanzungen für die drei Linden nicht in Tuchen durchgeführt worden sind. Hier wurden in den letzten Jahren zahlreiche Bäume beseitigt, genügend Pflanzplätze wären also vorhanden. Lindenpflanzungen im Ort selbst hätten dem Ortsbild gut getan.“

Warum die Ersatzpflanzungen nicht im Tuchener Ortskern erfolgt sind, muss noch in Erfahrung gebracht werden, notfalls über eine Anfrage im Kreistag Barnim.
Meines Erachtens wird man allerdings kaum von Ersatzpflanzungen sprechen können, wenn sie nicht in unmittelbarer Umgebung realisiert worden sind.

In der derzeit im Entwurf befindlichen Baumschutzverordnung für den Landkreis Barnim sollte deshalb ein Passus enthalten sein, der Ersatzpflanzungen, wenn machbar, an Ort und Stelle zwingend vorschreibt oder zumindest der Durchführung in unmittelbarer Umgebung Priorität einräumt.

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Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

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