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Meine Glosse zum Neujahrsempfang 2009 des Eberswalder Bürgermeisters

Beim diesjährigen Neujahrsempfang des Eberswalder Bürgermeisters wurde das „Wir-Gefühl“ gepredigt. Die Märkische Oderzeitung berichtete am 10./11.01.09 ebenfalls etwas ironisch darüber in ihrem Artikel „Heißer Tee und viel Optimismus“.

Wie lässt sich der Begriff „Wir-Gefühl“ im Rahmen dieser Veranstaltung interpretieren? Soll die verdeckte Botschaft etwa lauten: Vermeidung der politischen Auseinandersetzungen im Sinne von „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht“?

Im Oberbarnim wird es den Bürgern schwer zu vermitteln sein, dass sie alle im gleichen Boot sitzen. Dazu gibt es in zu vielen Bereichen zu unterschiedliche Interessenlagen, die derzeit beim besten Willen nicht unter einen Hut zu bringen sind. So ist bei einer Erwerbslosigkeit über 20%, vielen Niedriglohnjobs und einer mehr als gefühlten Perspektivlosigkeit abzusehen, dass hier die Schere zwischen Reich und Arm weiter auseinander gehen und die Abwanderung voranschreiten wird.

Oder darf ich das „Wir-Gefühl“ dahingehend interpretieren, dass sich Verwaltung und Politik zukünftig mehr Gedanken machen werden, wie die Region entwickelt werden könnte, so dass wirklich alle partizipieren? Oder eben als in die Tat umzusetzende Solidaritätserklärung der besser Gestellten gegenüber den bislang abgehängten Bevölkerungsteilen? Wenn das „Wir-Gefühl“ so gemeint ist, dann könnte diese ansonsten leere Floskel tatsächlich mit Leben erfüllt werden.

Positives Denken allein ist nicht mehr als weiße Salbe. Ohne Optimismus geht sicherlich nichts, doch wenn dieser nicht unterfüttert wird, bringt uns das nicht weiter. Wenngleich es beim Neujahrsempfang weniger harmonisch angekommen wäre, sollte der Finger in der Wunde nicht fehlen, um Probleme aufzuzeigen, die dringend angegangen und gelöst werden müssen.

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Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

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  1. Dellmanns Wir-Gefühl hat Anklänge an die Burgfriedenspolitik des letzten deutschen Kaisers.
    Am 4. August 1914 versammelte Kaiser Wilhelm II. in Berlin die Vertreter aller im Reichstag vertretenen Parteien um sich und erklärte in einer Thronrede:
    „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche! Zum Zeichen dessen, dass Sie fest entschlossen sind, ohne Parteiunterschied, ohne Stammesunterschied, ohne Konfessionsunterschied durchzuhalten mit mir durch dick und dünn, durch Not und Tod zu gehen, fordere ich die Vorstände der Parteien auf, vorzutreten und mir das in die Hand zu geloben.“

    Und Bürgermeister Boginskis These „Wer eine gute Bildung hat findet auch Arbeit“ ist mehr als einfach gestrickt. Bin ein bisschen überrascht über solche Aussagen, weil ich von einem Geschichtslehrer mehr erwartet habe.