web analytics

Gemeinsam für Vielfalt, Toleranz und Demokratie

Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sind uns leider auch im Barnim nicht unbekannt. Dass diese Erscheinungen weiterhin keine Randprobleme sind, zeigen die Wahlergebnisse rechtsextremistischer Parteien bei den letzten Brandenburger Kommunalwahlen sowie Berichte aus der pädagogischen Praxis. Die Kommunen in unserem Landkreis setzen sich auf unterschiedliche Weise damit auseinander. Positiv ist Eberswalde zu erwähnen. Nach der Wende als rechtsextremistisches Nest bekannt und vor allem durch den Tod des Angolaners Amadeu Antonio zu trauriger Berühmtheit gelangt, schlossen sich die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Eberswalde zusammen. Es entstanden Gruppen wie der „In- und Ausländer/innenkreis“ und der „Afrikanische Kulturverein Palanca e.V.“. Studierende der Fachhochschule Eberswalde initiierten das Netzwerk „Für ein tolerantes Eberswalde“, das 1999 mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet wurde. Im Jahr 2003 gründeten Bürgerinnen und Bürger sowie Mitwirkende des Netzwerkes „Für ein tolerantes Eberswalde“ und Mitglieder des Vereins „Lokale Agenda 21 Eberswalde e. V.“ die „Bürgerstiftung Barnim Uckermark“. Diese fördert das bürgerschaftliche Engagement und den Gemeinsinn.

Anders in Bernau : Hier scheinen Probleme mit DVU und NPD nicht zu existieren. Obwohl Landesparteitage, Kameradschafts – und Musikabende der NPD im Schönower „Alten Dorfkrug“ eigentlich eine ganz andere, eine deutliche Sprache sprechen. Trotzdem wiegeln kommunale Politiker wie Ortsvorsteherin Adelheid Reimann (SPD) weiter ab und finden dabei Unterstützung auch bei der Regionalpresse. Da die Nazis schön gesittet und meist in Anzügen auftreten, stört sich fast niemand an den Veranstaltungen im Dorfkrug. Man will Ruhe im Ort, deswegen soll lieber nicht über die Nazis geredet werden. Das könnte auch dem Ansehen der ganzen Stadt schaden. Es ist einfacher und bequemer, den Boten der schlechten Nachricht und die Nachricht selbst zu ignorieren. Ein Schauer der Erregung, der vor der Kommunalwahl für leichtes Blätterrauschen im Pressewald sorgte, ist nach dem Einzug der DVU ins Stadtparlament von Bernau wieder der Tagesordnung gewichen. Zwar sind Einzelne, wie Vertreter der Bügerinitiative „Wir für Schönow“ oder der Pfarrer gegen Nazis aktiv. Aber deren Veranstaltungen leiden unter mangelnder Beteiligung der Bürger, sind eher eine traurige Bestandsaufnahme und zeigen,wie weit die Feinde der Demokratie in Bernau und Umgebung schon im „Normalen“ angekommen sind.
Es muss also etwas geschehen in Bernau und Umgebung. Aber was ? Zunächst einmal müsste die Bernauer Politik das vorhandene Nazi-Problem erkennen und Zeichen gegen politischen Extremismus setzen. Und warum nicht bei der Kreisstadt Eberswalde abgucken ? Auch aufgrund der oben genannten Initiativen wurde Eberswalde von der Bundesregierung im Jahre 2007 mit dem Titel “ Ort der Vielfalt“ ausgezeichnet. So wäre eine Beteiligung Bernaus an der bundesweiten Initiative „Orte der Vielfalt“ ein erster Schritt in die richtige Richtung, nämlich gerade bei jungen Menschen die demokratische Kultur , die Zusammenarbeit aller Demokraten und damit das zivile Engagement zu stärken sowie Toleranz und Weltoffenheit zu fördern.

Das Programm „VIELFALT TUT GUT – Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend startete bereits Anfang 2007. Ziel der Initiative ist es, Städte, Gemeinden und Kreise in ganz Deutschland in ihrem Engagement für Vielfalt zu stärken. Unterstützt wird die Initiative durch die Länder, die kommunalen Spitzenverbände sowie Organisationen der Zivilgesellschaft und aus Wirtschaft und Gewerkschaft.

Um das Bekenntnis für Vielfalt, Toleranz und Demokratie in den kommenden Jahren langfristig und überall vor Ort zu unterstreichen, sind alle Kommunen in Deutschland aufgerufen, sich an der Initiative zu beteiligen. Besonders engagierte Kommunen können sich für ein Schild, das sie als „Ort der Vielfalt“ auszeichnet, bewerben. Auf der Webseite www.orte-der-vielfalt.de findet sich ein Bewerbungsformular, das zur Teilnahme ausgefüllt und eingereicht werden kann. Das Programm läuft bis 2010, Bewerbungstermin für 2009 ist der 20. Februar 2009. Auch wenn das etwas kurz erscheint: Denken wir Bernauer doch mal intensiv und vor allem gemeinsam über eine Beteiligung unserer Stadt an diesem Programm und damit über eine Bündelung der zweifellos vorhandenen vielfältigen Initiativen gegen Rechtsextremismus nach!

Gemeinsam für Vielfalt, Toleranz und Demokratie auf Facebook teilen
Gemeinsam für Vielfalt, Toleranz und Demokratie auf Twitter teilen
Gemeinsam für Vielfalt, Toleranz und Demokratie auf Google Plus teilen

Ähnliche Artikel:

Veröffentlicht von

Dr. Valentin ist ursprünglich Schönower, lebte aber 31 Jahre in Berlin, bevor er 1996 wieder in sein Heimatdorf zog und sich seitdem über die Kommunalpolitik wundert. Er ist promovierter Diplom-Ingenieur und betreibt eine kleine Firma mit dem Schwerpunkt Im- und Export von Medizintechnik für den operierenden Augen- und HNO-Arzt. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Sein allergrößtes Hobby ist zur Zeit sein privater Blog, über den er sich in fast jeder freien Minute Gedanken zur Themenauswahl macht. Im Urlaub und an den Wochenenden im Sommer findet man ihn meist mit dem Canadier auf den Brandenburger und Mecklenburger Gewässern. Wenn er in seiner restlichen Freizeit nicht mit seiner Frau und dem Hund lange Spaziergänge unternimmt, liest er sehr gern und hört fast alle Arten von Musik – von heavy metal bis Bach.

3 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Lieber Herr Dr. Valentin,

    vielen Dank für diesen wichtigen Beitrag. Dem kann ich mich nur anschließen. Hinzuzufügen ist allerdings noch, dass es in Brandenburg ein nicht unbeträchtliches Problem mit dem Linksextremismus gibt. Dieser zeigt sich oft in der mutwilligen Beschädigung oder Zerstörung fremden Eigentums, da die Eigentümer einer – aus der Sicht der Linksextremististen – falschen sozialen Schicht („Reiche“, „Bonzen“ etc.) angehören. Zerkrazte oder abgebrannte Autos, eingeworfene Fensterscheiben sind Ausdruck dieser besorgniseregenden Entwicklung.

    Hardy

  2. Hallo,

    Das mit Tolleranz passt nich zu den Beitrag von 3.1.09 wo sie bei REWE in Schönow wahren. Da schreiben sie das Leute im Geschäft rumstehen und träumen und Kinder brüllen oder gerade noch mit Worten ihnen von Hals zu halten wahren. Können sie keine Kinder leiden?
    Und außerdem fahren wir immer mit den Rad zum Einkaufen, da brauchen wir kein Parkplatz. Und für die Bäume machen Sie auch was .
    Wir finden das nich schön, wenn wir immer von Leuten angemeckert werden, wenn Kinder mal nich so leise sind.

    Nicky

  3. Zunächst mal: Ich habe nicht Sie oder Ihre Kinder oder generell Kinder gemeint. Ich habe selber Kinder, und hoffentlich bald Enkel. Es ging mir um den Einkaufswahnsinn und die Hektik vor und zwischen den Festtagen, mit denen wir uns eigentlich diese Festtage heillos verderben lassen. Als der vorher brüllende Junge anfing, an meinen gerade aufs Band gelegten Waren herumzuspielen, habe ich der Kassierin in die Augen gesehen. Die arme Frau war so fertig, dass sie nicht mal mehr die Augen verdrehen konnte. Mein Anliegen war also auch mal aufzuzeigen, wie wir uns gegenseitig durch Hektik und Intoleranz fertig machen. Mal ehrlich, hat die Kassierin nicht auch ein bißchen Toleranz für ihr Nervenkostüm verdient? Von mir gar nicht erst zu reden. Schade, dass das nicht richtig rüber gekommen ist bzw. mißverstanden werden konnte.