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„Unparteiischer Experte“ Vattenfalls plädiert für „ökologischen Freileitungsbau“

Ein Beitrag von Hartmut Lindner, Mitglied der Bürgerinitiative “Biosphäre unter Strom – keine Freileitung durchs Reservat”.

Die Märkische Oderzeitung (MOZ) widmete in der Wochenendausgabe (27./28.12.2008) eine halbe Seite dem Trassenkonflikt. Während Cornelia Behm (MdB, Grüne) sich für die Erdverkabelung der Uckermarkleitung bei der Querung des Biosphärenreservats und Eberswaldes ins Zeug warf, plädierte Prof. Harald Schwarz von der TU Cottbus dafür, die Uckermark solle eine Vorreiterrolle für einen „ökologischen Freileitungsbau“ übernehmen.

Dass er den „ökologischen Freileitungsbau“ in Anführungsstriche setzte, wird ihm bei Vattenfall noch Ärger bereiten, wenn er die nächsten Drittmittelanträge einreicht.

Wie aus dem Forschungbericht der TU Cottbus 2006 hervorgeht, der im Netz einzusehen ist, hat Prof. Schwarz von Vattenfall für ein Forschungsprojekt (2005-2007) Optimierung elektrotechnischer Komponenten im Eigenbedarf von Kraftwerken 220.000 Euro erhalten.

Deshalb wundert es auch nicht, dass sich der Professor bei seiner Stellungnahme zum Trassenkonflikt keine eigenen Gedanken gemacht, sondern den Standpunkt seines Geschäftspartners vertreten hat. Natürlich im Gestus der Unparteilichkeit und des unabhängigen Experten.

Die MOZ hat die Leser über die Verbindung Prof. Schwarz – Vattenfall im Unklaren gelassen.

Hartmut Lindner, Senftenhütte

(Nachtrag 30.12.2008) Hier der Beleg aus dem Jahresforschungsbericht:

Prof. Dr.-Ing. Harald Schwarz erhielt von 2005 bis 2007 insgesamt 609.000 € Forschungsmittel von Vattenfall (Quelle: TU Cottbus, Jahresforschungsbericht 2006, Seite 78)

Prof. Dr.-Ing. Harald Schwarz erhielt von 2005 bis 2007 insgesamt 609.000 € Forschungsmittel von Vattenfall (Quelle: TU Cottbus, Jahresforschungsbericht 2006, Seite 78)


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11 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Ich frage mich langsam wen Vattenfall eigentlich noch nicht „unter Vertrag genommen hat“.
    Brandenburgs Landesregierung überbietet sich in nützlichen „Symphatiebekundungen“ und auch Wissenschaftler haben offenkundig begriffen:
    „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“

  2. Ich wüßte gern, wo „im Netz“ sich der Beleg für die 220.00 Euro findet. Dann könnten wir unseren Lesern nämlich auch einen Link liefern.

  3. Hallo Blogger
    anbei der Link: link.

    unter Punkt 3.119
    ist das benannte Projekt „Optimierung elektrotechnischer Komponenten im Eigenbedarf von Kraftwerken“ zu finden. Im gesamten Bericht finden sich die Verbindungen von Prof. Schwarz und der Energiewirtschaft als Auftraggeber seiner Forschungen. Unparteiisch ist der Herr wohl eher nicht.

  4. @Mathias: Danke für den Link. Ich habe den Beleg von Seite 78 des Forschungsberichtes 2006 oben nachgetragen. Danach hat Prof. Harald Schwarz allein in diesem Projekt in drei Jahren 609.000,00 € Forschungsmittel von Vattenfall Europe Generation erhalten.

    Liebe Kollegen von der Märkischen Oderzeitung,
    wäre das nicht eine kleine Erwähnung in eurem Artikel wert gewesen?
    Oder ist Vattenfall bei Euch auch einer der „namhaften Kostenträger“ (sprich: Werbekunden)?

  5. Hallo,
    polemische Argumente in dieser Massierung sind höchstens Balsam für die geschundene Volksseele, aber nichts gegen die ökonomische Kraft eines Konzerns. Hier müssten schon Gegenargumente – Gegengutachten mit gleicher Durchschlagskraft her! Wo sind sie? Sie sollten eine derartige Darstellung abrunden.
    Um Irrtümer vorzubeugen, Ich bin für die Erdverkabelung, zumindest in der Stadt Eberswalde.

  6. Lieber Dr. Stolpe!

    Die Details der Erdverkabelung finden Sie unter link

    Der Begriff „ökologischer Freileitungsbau“ ist nicht seriös – unwissenschatlich. Dazu hätte sich der Prof.Schwarz nicht hinreißen lassen sollen. Er ist kein kleiner Fisch, er ist Geschäftsführender Direktor von CEBra.
    Gruß
    Hartmut Lindner

  7. Guten Morgen Herr Lindner,
    vielen Dank für den interessanten Hinweis. Leider funktioniert der gegebene Link nicht, aber man kann ja auf der allgemeinen Seite sehr gute und fundierte Aussagen finden.
    Viele Grüße und Wünsche für 2009
    Dr. Stolpe

  8. Sorry, dass der Link nicht klappt.
    Man muss zunächst http://www.netzausbau-niedersachsen.de anklicken und sich dann zu der Seite durchklicken, auf der das Konzept der Teilverkabelung der Trasse Ganderkesee – St.Hülfe dargestellt wird. Dort findet man unter der Überschrift „2 Technische Rahmenbedingungen“ die Darstellung der Erdverkabelung.

    EON (eon/Netz) hat auch eine Übersicht zu den Investitionskosten der 380-kV-Neubauplanungen veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass die Investitionsmehrkosten durch die Teilverkabelung (ca. 45% der Trassenlänge) nicht ganz das Doppelte der Investitionskosten der Freileitungslösung für die gesamte Trassenlänge betragen (244 Mio Investition für Freileitungslösung / 466 Mio Mehrkosten durch Teilverkabelung). Dabei ist zu berücksichtigen, dass diese Lösung durch 102 Teilverkabelungen sehr kostenintensiv ist. So sind allein auf der Strecke Ganderkesee – St. Hülfe auf insgesamt 59 km Länge 37 Teilverkabelungsabschnitte vorgesehen.
    Damit widerlegt EON die Horrorzahlen von Vattenfall, die von 10 bis 15fach höheren Investitionskosten ausgehen.

  9. Ich wünsche allen Besucherinnen und Besuchern des Barnimblogs ein gesundes, glückliches und erfolgreiches 2009!

    @Karl-Heinz
    Dir vielen Dank für die gute Recherche über die aquirierten Vattenfall-Forschungsmittel des Herrn Prof. Schwarz!

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