VW-SiCon-Verfahren soll Recycling von Altfahrzeugen revolutionieren
Geschrieben von Dr. Andreas Steiner in Wirtschaft, Tags: Eberswalde, Landesumweltamt Brandenburg, Theo Steil GmbH, Umwelt, 3.939 mal gelesenWie wir wissen, möchte sich die Theo Steil GmbH am Eberswalder Standort den Bau einer auf “vorsinflutlich” technologischen Niveau konzipierten Sondermüllverbrennungsanlage für nichtverwertbare Teile von Schrottautos mit Fördermitteln vergolden lassen. Als Sahnehäuptchen obendrauf erhielt die Firma dafür noch die Segnung des Brandenburgischen Landesumweltamtes. Und dies, obwohl es bereits bessere Verwertungstechnologien gibt.
Da richten wir doch besser unseren Blick in den beschaulichen Oberharz, wo der Wind der Zukunft weht.
Hier leitet Prof. Daniel Goldmann am Lehrstuhl für Rohstoffaufbereitung und Recycling der Technischen Universität Clausthal ein hochinteressantes Forschungsprojekt mit dem ehrgeizigen Ziel einer rohstoffeffizienten Wiederverwertung von Altfahrzeugen.
Bevor der Umweltschutztechniker an die TU kam, arbeitete er 20 Jahre lang in der Industrie, zuletzt für die Volkswagen AG in Wolfsburg. Für VW entwickelte er das sogenannte Volkswagen-SiCon-Verfahren. Es dient dazu, die vom Gesetzgeber nach EU-Richtlinien vorgegebene höhere Altfahrzeug-Verwertungsquote von 95 Prozent bis zum Jahr 2015 in ökonomisch und ökologisch sinnvoller Weise erfüllen zu können. In der Vergangenheit lag diese bei knapp 80 Prozent. So konnten bislang noch nicht alle aufbereiteten Fahrzeugreste, wie beispielsweise Schreddersand, optimal genutzt werden. Das soll sich nun im TUInstitut für Aufbereitung, Deponietechnik und Geomechanik durch die Entwicklung von Verfahren und Maschinen ändern.
Das VW-SiCon-Verfahren wurde bereits im Jahr 2006 mit dem Europäischen Umweltpreises ausgezeichnet. Es funktioniert wie folgt: Nach Trockenlegung und Demontage des Fahrzeugs werden die verbleibenden Teile geshreddert. Die Shredder-Rückstände bieten eine Vielzahl von verwertbaren Bestandteilen, die im Aufbereitungsprozess zerkleinert und sortiert werden. Hartkunststoffe und Gummi (Roh-Granulat) können dann in Hochöfen als Ersatz von Öl und Kohle eingesetzt werden. Schaumstoff und Textilien (Roh-Flusen) können als Hilfsmittel bei der Entwässerung von Klärschlamm dienen. Für die Verwendung von Glas, Rost, Eisen- und Lackpartikeln, Kupfer-, Blei- und Zinkanteilen (Roh-Sand) wird an der Technischen Universität Clausthal nach optimalen Verwendungsmöglichkeiten geforscht. Bisher mussten die Glas-, Rost- und Lackreste im Schreddersand in Sonderdeponien gelagert werden. Um ihn zu nutzen, wenden die Clausthaler Wissenschaftler derzeit ein Verfahren aus der Goldgewinnung an. Leichte mineralische und organische Stoffe fließen ab, schwere Metall-Partikel bleiben am Boden liegen. Das Ergebnis ist ein kostbares Kupferkonzentrat.
Dies stößt auf das Interesse der Medien. So drehte ein Fernsehteam von 3sat im Institut von Professor Goldmann einen Beitrag für das Wissenschaftsmagazin „hitec“, der vor kurzem ausgestrahlt wurde.
Quellen: TUContact 22/2008 Wissenschaft & Forschung, S. 30-31, 3sat-Magazin hitec
Ähnliche Artikel:
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann lesen Sie unser RSS-Feed oder abonnieren Sie neue Artikel bequem per E-Mail. Vielen Dank!
als E-Mail senden
Artikel (RSS)