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Die Agentur für Arbeit in Bernau und ein indirektes Bekenntnis zu Niedriglöhnen

„Hart ist das Leben der Beutelratte“ und rau das Klima auf den Arbeitsmarkt. Das hat Edeltraut Koch, neue Chefin der Agentur für Arbeit in Bernau, klar erkannt. Die 56-jährige versuchte sich dennoch als Optimistin und diktierte den Mitarbeitern der Märkischen Oderzeitung unlängst folgende Aussagen in den Block.

„Die FastFood-Kette zum Beispiel, die gerade in Bernau-Rehberge baut. „70 Leute wollen die einstellen. Das ist doch eine tolle Sache. Vor allem für Kunden, die variable Arbeitszeiten brauchen“. (…) Erfreulich seien auch die Chancen in der Sicherheitsbranche. „Man denkt immer, da sind nur starke Männer gefragt, die im Dunkeln um Gebäude laufen, aber da gibt es viele Jobs, die von jedermann zu machen sind.

Burgerbrater und Wachschützer. Sind das nicht ausgerechnet jene Branchen, deren Löhne und Arbeitsbedingungen nicht nur Gewerkschaftlern tiefe Sorgenfalten auf die Stirn treiben?
Vielleicht sollte sich Frau Koch mal ausrechnen was einer Familie zur Verfügung steht deren erwerbstätige Teile als Wachmann und Boulettenwenderin beschäftigt sind.

Nach aktuellen Meldungen ist die Zahl sogenannten „Aufstocker“ also Menschen , die von ihrem Lohn allein nicht leben können, auf 1,352 Millionen gestiegen.
Ob man sich in diesen Zeiten, ohne kritische Betrachtung der Hintergründe, über die Entwicklungen auf dem Niedriglohnsektor freuen sollte?

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Veröffentlicht von

Stefan ist von Beruf Sozialarbeiter und arbeitet mit chronisch kranken Menschen. Der 2-fache Familienvater ist Autor verschiedener Websites und gelegentlich auch noch als Sänger aktiv. Als leidenschaftlicher Naturschützer wurde er unlängst in die Panketaler Gemeindevertretung gewählt. Weitere politische Schwerpunkte sind die Ortsentwicklung, sowie soziale Themen.

14 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Ein ganz klares NEIN, Stefan. Über die Ausweitung des Niedriglohnsektors in der Region können wir uns nicht freuen!
    Vielleicht sollte Frau Koch für 3,50 bis 4,50 EUR im Wachgewerbe arbeiten und versuchen, damit eine Familie zu ernähren?
    Selbst wenn ihr Mann das gleiche noch dazu verdienen würde, wäre die „Gründung“ einer Familie schwierig.
    Und Ein-Euro-Jobs manifestieren den Niedriglohnsektor.
    Ich habe was dagegen, wenn der Staat die Unternehmen auf diese Weise subventioniert.

  2. @Andreas:
    Als ich den Artikel etndeckte war ich echt für einen Moment sprachlos.
    Ich meine, Frau Koch soll doch wohl eine halbwegs qualifizierte Arbeitsvermittlung verantworten. Wie soll das aussehen?

    Sie suchen einen Job mit flexiblen Arbeitszeiten?
    Na prima, willkommen bei Mc D.!

    Manchmal kann man den Kopf echt nicht so lange schütteln wie man gerne möchte.

  3. Lieber Stefan,
    ich habe mich ja intensiv mit dieser Problematik beschäftigt und könnte Dir noch andere „Klöpse“ erzählen, auch wie die Job-Center mit Erwerbslosen umspringen.
    Das hat nichts, aber auch rein gar nichts mehr mit Einhaltung der Menschenwürde zu tun.

  4. Gestern haben Medien und Bundesregierung die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UN, vor nunmehr 60 Jahren verkündet, gefeiert. Die Bundeskanzlerin wurde nicht müde, die Staaten anzuprangern, die Nachhole-bedarf bei der Verwirklichung dieser UN-Resultion haben. Leider hat sie die 30 Artikel der Erklärung der Menschenrechte nicht bis zum Ende gelesen. Denn gerade ab Artikel 23 wird es interessant, denn Hartz IV und deutsches Arbeitsamt stehen dem hier proklamierten Menschenrecht Recht auf Arbeit und in Artikel 25 auf einen Lebensstandard, der Gesundheit und Wohl gewährleistet, diametral entgegen. Und was ist eigentlich mit Artikel 27 (Recht auf Kultur) oder Artikel 24 (Recht auf Urlaub) in Bezug auf Arbeitslose und Hartz IV-Sklaven oder Geringverdiener. Mal ganz abgesehen von der Menschenwürde laut deutschem Grundgesetz. Widerliche Heuchelei, wohin man auch sieht.

  5. „Denn gerade ab Artikel 23 wird es interessant, denn Hartz IV und deutsches Arbeitsamt stehen dem hier proklamierten Menschenrecht Recht auf Arbeit und in Artikel 25 auf einen Lebensstandard, der Gesundheit und Wohl gewährleistet, diametral entgegen. Und was ist eigentlich mit Artikel 27 (Recht auf Kultur) oder Artikel 24 (Recht auf Urlaub) in Bezug auf Arbeitslose und Hartz IV-Sklaven oder Geringverdiener. Mal ganz abgesehen von der Menschenwürde laut deutschem Grundgesetz. “

    Ich weiß nicht was Sie wollen: Jeder HartzIV-Empfänger hat das Recht auf Arbeit. Und soweit ich weiß, hat auch jeder HartzIV-Empfänger Urlaubsansprüche und im HartzIV-Budget einen Posten Kultur (alle 2 Wochen ein Theater oder Kino-Besuch – das mach ich nicht mal). Und was die Menschenwürde angeht gibt es wohl kein Land auf der Welt mit solch hohen Sozialtransfers wie die Bundesrepublik.
    Statt die Sozialleistungen zu erhöhen sollten lieber mal neue und bessere Straßen gebaut werden, damit ich schneller zu meinen Kunden komme. In der dann frei werdenden Zeit kann ich meine Fähigkeiten einsetzen, um mehr Umsatz zu generieren und eventuell Leute einstellen. So erhöht man den Wohlstand und nicht durch Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung.

  6. @ohweia: Au weia, Herr/Frau Ohweia: Haben Sie schon mal davon gehört, dass man z.B. für Urlaub oder Kultur Geld braucht ? Und dass man als Hartz IV-Sklave seine gesamte Menschenwürde beim Arbeitsamt abgegeben muss, beweisen wohl nicht nur die vielen Kontrolletti-Shows im Fernsehen, wo man den Leuten in die Schränke und Unterhosen sieht. Man sollte vielleicht mal mit Betroffenen reden und auch mal einige nicht so regierungskonforme Zeitschriften lesen, bevor man aufhört, über die allgemeinen Menschenrechte nachzudenken, weil sie ja in diesem Land so arg verwirklicht sind…

  7. @Dr.Valentin

    Wer auf Kosten der (arbeitenden und steuerzahlenden) Allgemeinheit leben will, sollte sich auch einschränken. Die deutschen Sozialstandards sind hoch und teuer genug. Warme Mahlzeiten, warme Sachen und eine warme Stube, Krankenversicherung, Verkehr, Kultur: Ja was denn nun noch? Südsee-Urlaub, kostenloser Eintritt in öffentliche Freizeiteinrichtungen etc.? Jeder hat doch die Möglichkeit, seinen Marktwert durch z.B. Bildung und Auftreten zu erhöhen und nicht zu resignieren. Aber leider macht nicht jeder Gebrauch davon. Und nochmal: Wohlstand kommt durch Leistung, also Arbeit und nicht durch Sozialtransfers.
    P.S. Vieles sind doch auch Neid-Argumente, wenn man den ganzen Tag im Fernsehen sieht, wie schön es ist, reich zu sein, will man es natürlich auch haben…

  8. @ohweia: Sie haben aber schon mal von über 7 Millionen Sozialhilfe-Abhängigen in der Bundesrepublik gehört ? Die sind alle faul oder können ihren Marktwert nicht richtig steigern ? Sie wissen auch von dem immer mehr steigenden Anteil der Niedriglohn-Empfänger? Mir sind ihre „Argumente“ etwas zu viel „Bild“-Zeitungsniveau und letztlich sozialdarwinistisch.

  9. @ohweia
    nomen est omen?
    Mir scheint, entweder möchten Sie nur provozieren oder aber Sie durchblicken da einiges nicht richtig, insbesondere wenn es darum geht, wie in diesem Land – vor allem nach der Wende – von unten nach oben umverteilt wird.

    Auf Kosten der (arbeitenden und steuerzahlenden) Allgemeinheit lebt das Großkapital. Dieses saugt die Gemeinschaft und i.w.S. den „Staat“ immer mehr aus. Alle anderen gucken in die Röhre. Wenn Sie also nicht zum Großkapital gehören, sondern ein hart arbeitender Kleinunternehmer sind, sollten Sie sich mit der arbeitenden Bevölkerung solidarisieren und den wahren Gegner erkennen.

  10. @Dr. Valentin und Dr. Steiner

    Bei Herrn Steiner weiß ich es, bei Ihnen, Herr Valentin weiß ich es nicht: Ihre Doktorentitel haben Sie nicht in der Volkswirtschaftslehre gemacht. Woher soll denn das (Noch-mehr-) Geld kommen, um es den „Sozialhilfe-Abhängigen“ zu geben? Das muss doch erwirtschaftet werden. Und wo bleibt dann die Anreizfunktion, um überhaupt noch arbeiten zu wollen? In einer Gesellschaft ohne Geld (Siehe Startrek) hätte ich nicht den Antrieb zu arbeiten.
    Übrigens sind in der BRD 50 Prozent der Bevölkerung erwerbslos, also ca. 41 Millionen Menschen.

    [Rest dieses Kommentars gelöscht, da beleidigend. 18.12. 00:58, KHW]

  11. @oh weia: Woher kommt nur mein Bauchgefühl, dass Sie die Volkswirtschaft eben nicht mit Löffeln gefressen haben? Es ist hier nicht der Platz und ich habe auch kaum Lust dazu, Sie unbedingt schlau zu machen, aber Sie können es glauben: Das Geld ist da. Nehmen Sie nur mal die 92 € pro Mann und Tag, den unsere 3300 Afghanistan-Krieger so zusätzlich kassieren. Das summiert sich im Jahr auf rund 111 Millionen Euro.Wie lange sind wir schon in Afghanistan ? Oder die paar Milliönchen, die sich unsere teuren , aber oft überforderten Abgeordneten fast jährlich mehr genehmigen. Nun erzählen Sie mir nicht – als der große Volkswirtschaftler, der Sie sind – dass das alles Gelder sind, die der Bund verwaltet, einen Volkswirtschaftler stört das nicht, er verteilt die Mittel einfach auf die Länder und Kommunen um. Wollen wir mal gemeinsam den Rotstift ansetzen ? Mir fallen noch andere Sparmöglichkeiten ein: Die Tierversuche der Bundeswehr mit ABC-Waffen, die bundeswehreigenen Spionagesatelliten, das militaristische Denkmal im Bendler-Block, das ohne die sinnlosen Kriegseinsätze in aller Welt nicht gebraucht würde, die großkotzigen Regierungsneubauten in Berlin, weil man sich in den ehemaligen DDR-Ministerien trotz teurer aufwendiger Renovierung immer noch Splitter in die kostbaren Wessi-Ärsche gezogen hat und und und . Von der größenwahnsinnigen Kreisverwaltung in Eberswalde – um mal auf diese Ebene zu kommen – und ähnlichen Prestigeobjekten auf Kreis-und Gemeindebenen möchte ich gar nicht erst reden.
    Lieber oh weia, Sie sind der Zweite in diesem Blog, der mir mangelnde ökonomische Kenntnisse nachsagt. Ich beginne, dieses Gequatsche langsam persönlich zu nehmen, denn Sie denken nicht volkswirtschaftlich, sondern nur aus Ihrer eigenen egozentrischen Perspektive auf Focus- und Bildzeitungsniveau. Ach ja, falls es Sie interessiert: Ich bin Dipl.-Ing. und habe mit einem betriebswirtschaftlichen Thema promoviert. Meinetwegen denken Sie was Sie wollen, aber wie wäre es mit etwas mehr und vor allem EIGENEN volkswirtschaftlichen Denken?
    Ich bleibe dabei: Hartz IV ist menschenunwürdig und ein Verstoß gegen die Charta der Menschenrechte, da der Mensch zum Staatssklaven gemacht wird.

  12. @Dr. Valentin
    Bleiben Sie ruhig bei Ihrer Meinung. Ich bin auch dafür, dass HartzIV-Empfänger in Arbeit kommen. Aber es auch knallharter Fakt, dass nicht alle für den ersten Arbeitsmarkt geeignet sind. Und manche wollen nicht, weil Sie aufgrund Ihrer Eignung weniger Lohn als Sozialgeld erhalten.
    Und zu Ihren Zahlenspielchen: Laut Bundeshaushaltsplan 2008 kostet HartzIV allein dem Bund rund 21 Milliarden Euro. Zusammen mit den Ländern und Kommunen ergibt sich eine Summe größer 40 Milliarden Euro im Jahr. Bei einer geforderten Erhöhung des HartzIV-Regelsatzes wären das so 8 Milliarden Euro extra. Da müssen Sie Ihre Vorschläge noch etwas aufstocken… Und bevor Sie auch anfangen, ei den ungeliebten Reichen anzufangen, habe ich schon mal einen Vorschlag: Eine Million HartzIV-Empfänger in Arbeit bringen, spart schon mal so 8-10 Milliarden, wenn die dann auch noch in die Sozialsysteme einzahlen, könnten wir… die Schulden reduzieren.