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Die Zukunft der Billigflieger – TAZ-Interview mit Professor Wolfgang Strasdas (FH Eberswalde)

Kürzlich fand in Berlin eine Tagung zum Thema „Klimawandel fordert Tourismuswandel“ statt. Mitorganisator Wolfgang Strasdas, Professor an der Fachhochschule Eberswalde und Leiter des Master-Studienganges „Nachhaltiges Tourismusmanagement“, äußerte sich gestern gegenüber der TAZ auch zur Zukunft der „Billigflieger“.
Entsprechende Gesellschaften wie die Ryanair sollen , wenn es nach dem Willen einiger „Barnimer Politfürsten“ geht, in absehbarer Zeit auf dem Flughafen-Finow starten und landen können.
Aber nun zum Interview:

“TAZ: Wie sehen Sie die Zukunft der Billigflieger?
W. Strasdas: Die Billigflieger setzen darauf, dass Energie nicht zu teuer ist, und sie sparen an allen anderen Kosten. Deshalb haben bei den Billigfliegern die Energiekosten einen höheren prozentualen Anteil als bei anderen Airlines. Sie sind sehr anfällig für Ölpreissteigerungen. Als der Ölpreis jetzt hoch war, haben sie bestimmte Strecken eingestellt. Ich glaube, dass die Verknappung von fossilen Brennstoffen eine sehr viel größere Rolle spielen wird als irgendwelche staatlichen Eingriffe, wie beispielsweise die jetzt beschlossenen Einbeziehung des Flugverkehrs in den Emissionshandel auf EU-Ebene. Wenn jetzt noch irgendwelche großen Erdölvorkommen gefunden werden, dann fürchte ich, dass Billigflieger fröhlich weiterfliegen. Zurzeit wird es jedoch enger. (…)“

Zur Frage der Akzeptanz seitens der Konsumenten entspann sich folgender Dialog:

„TAZ: Ist der Klimawandel auch bei den Konsumenten angekommen?
W. Strasdas:
Nach der Reiseanalyse wissen die meisten, dass es ein Problem ist. Und ich würde sagen, der nachhaltige Tourismus hat in vielen Bereichen auch Fortschritte gemacht. Zum Beispiel was die Nutzung lokaler Produkte anbetrifft. Was auch funktioniert: dass man nachhaltig wirtschaftende Hotels in Anspruch nimmt. Das steht für Qualität. Aber der Knackpunkt ist auch nach der Untersuchung des Bundesumweltministeriums zum Umweltbewusstsein: Die Umweltbewussten machen alles richtig bis auf den Bereich Mobilität. Da sind sie nicht besser als alle anderen. Wir haben eine Studie gemacht zusammen mit der Verbraucherinitiative. Dabei kam heraus, dass die Umweltbewussten sogar eine höhere Reiseintensität haben als der Durchschnitt. Das ist das Problem.

TAZ: Verzicht und Einschränkung liegen also nicht im Trend?
W. Strasdas: Man ist umweltbewusst, wo es dem eigenen Erleben, der eigenen Erfahrung dient. Da ist Nachhaltigkeit ein Zusatznutzen. Aber wo es darum geht, auf Dinge zu verzichten, kommt man ganz schnell an Grenzen. Ich glaube deshalb, dass freiwillige Nachhaltigkeit eine ergänzende Strategie ist, aber wir kommen nicht darum herum, Energie teurer zu machen.“

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4 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. @Stefan Stahlbaum

    Was soll das mit den „Barnimer Politfürsten“? Geht das auch sachlicher oder wollen Sie demnächst auch ein paar Spitznamen?

  2. Wohl jede Gesellschaft muss sich nachsagen lassen, dass sie aus den vorhergehenden das „Beste“ antizipiert. Vor 20 Jahren kursierte dazu folgendes an den Stammtischen:

    Was hat die DDR aus den früheren Ordnungen übernommen? Aus der Urgesellschaft die modernen Produktionsmittel, aus der Sklavenhaltergesellschaft den Umgang mit den Menschen, aus dem Feudalismus die vielen kleinen Fürsten und aus dem Frühkapitalismus den Kampf um den 8-Stunden-Tag.

    Hmm. Also das mit den Produktionsmitteln hat sich inzwischen geändert…

  3. @Micha:
    Wenn ich mich hier zu verschiedenen Dingen auslasse geht es zunächst um meine perswönliche Beurteilung, wie ich Dinge sehe , beurteile und fühle.
    Der Begriff „Politfürsten“ umschreibt für mich das Vorgehen bzw. die Äußerungen einiger Beteiligter in Sachen“Flughafen“ recht treffend. Sie müssen das weder mögen noch unkommentiert lassen (aber Letzteres ist ja bereits geschehen.
    Spitznamen habe ich schon einige, wobei die eher aus dem Freundes-und Bekanntenkreis stammen.
    Aber keine Angst, die politischen Mitbewerber schonen mich nicht und ich habe schon manche deftige Beleidigung entgegennehmen dürfen (.
    Das geschah bislang aber stets in „vertraulichen Mails“ u.ä. und da bleibts dann auch.

    Der Begriff Politfürst ist (meines Erachtens) allenfalls nicht wirklich originell , da er in der Presse (mehrheitlich übrigens im Bezug auf CDU und CSU) recht häufig Verwendung findet.

    Nun ja, bleiben Sie diesem Blog gern kritisch (und natürlich sachlich) erhalten

    Einen schönen Abend wünscht

    Stefan Stahlbaum

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