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Erich Honecker-Besuch in der Bundesrepublik – Eine persönliche Erinnerung

Eher zufällig stieß ich dieser Tage auf eine Notiz zum Honecker-Besuch (1987) in der Bundesrepublik. Das war vor über 20 Jahren, passt nicht zwingend zum Thema Barnim , gehört aber schlicht zu meinen persönlichen Erinnerungen.

Im April 1984 verließ ich mit meiner Familie die DDR in Richtung West-Berlin. Meine älteste Schwester hatte bereits Mann und Kind, lebte in Berlin(Ost) und stellte erst im Anschluss einen Ausreiseantrag.
Besonders meine Mutter unternahm in der Folgezeit viel, um die Zusammenführung unserer Familie zu forcieren.
Sie gehörte zu den Frauen (und Männern) die regelmäßig am Checkpoint Charlie demonstrierten.
Über die „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte“ ergab sich die Möglichkeit die „Heimkehr des Generalsekretärs“ vor Ort zu erleben.

Ich glaube es waren 7 Menschen die in der Nacht vor „Erichs Nostalgietrip“ in einem Kleinbus von Berlin ins Saarland aufbrachen. Dazu gehörten 3 ehemalige politische Häftlinge deren Namen mir leider entfallen sind, das Ehepaar Dombrowski, meine Mutter und ich.
Dieter Dombrowski, seiner Zeit Landesvorsitzender der Jungen Union und heute umweltpolitischer Sprecher der CDU im Brandenburger Landtag, begrüßte uns im „Honecker-Express“. Seine Frau Petra fuhr für die „IGFM“ mit.

Am frühen Morgen erreichten wir, mittelschwer übernächtigt, den Marktplatz von Neunkirchen. Hier fand dann die Demo statt.
Ein aus Zäunen und Gittern improvisiertes Gefängnis bildete den Mittelpunkt. Auch 2 Männer unserer Gruppe zogen sich entsprechende „Uniformen“ an uns fungierten als „Grenzer“ und Häftling.
Einige Ex-DDRler, die aus der Gegend um Stuttgart angereist waren, verteilten Flugblätter.
Unter einem Foto Honeckers stand die Warnung„Vorsicht,( …)Kreditbetrüger.“
Als ich ca. 2 Wochen später meine Freundin in Zepernick besuchen wollte fand ich ein solches Flugblatt in meiner Jackentasche. Dummer Weise befand ich mich bereits zwischen Pass- und Zollkontrolle und war ziemlich erleichtert, dass ich noch rechtzeitig auf einen Papierkorb stieß.

Meine Schwester konnte übrigens 3 Monate später zu uns kommen. Ich kann nicht einschätzen, ob unsere „Öffentlichkeitsarbeit“ im Saarland dazu beigetragen hat.

Vor ca. einem Jahr hat die „junge Welt“ den ehemaligen Botschafter Karl Seidel zu Hintergründen und Effekten des „BRD-Besuches“ befragt.

Sein Fazit:
“Die Frage der deutschen Einheit stand bei dem BRD-Besuch überhaupt nicht zur Diskussion. Beide Seiten gingen von der Existenz zweier selbständiger deutscher Staaten auf lange Sicht aus. Hätte Kohl auch nur im Entferntesten an ein Ende der DDR 1990 gedacht, hätte er Honecker 1987 nicht eingeladen. Es begann nun eine neue Phase der deutsch-deutschen Beziehungen, von beiden Seiten als Umsetzung der getroffenen Festlegungen gedacht. Niemand konnte auch nur ahnen, dass diese Phase nur kurz sein würde.

Zweifellos gab es in der DDR hohe Erwartungen im Zusammenhang mit dem BRD-Besuch Honeckers. Sie richteten sich vor allem auf Reiseerleichterungen für breite Kreise der Bevölkerung. Doch nichts geschah. Dies war ein gravierender politischer Fehler, der nicht wenig zum Ende der DDR beigetragen hat. Die Ergebnisse der Reise wiegten die DDR-Führung in Sicherheit. Es blieb alles beim alten Trott, der Erfolg der Reise schlug schließlich ins Gegenteil um.“

(Quelle: www.vip-ev.de)

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