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Efeuinsel am Finower Freigraben wird zerstört

Es vergeht offensichtlich keine Woche, in welcher der Naturliebhaber die wunderschöne Landschaft des Barnims ungetrübt genießen kann. Gerade jetzt im Herbst wüten die Kettensägen wieder gnadenlos und oft ohne Sinn und Verstand.

Gerade bin ich einem Hinweis nachgegangen und habe mir die „Efeuinsel“ am Freigraben in Finow, unweit der Heegermühler Schleuse, angeschaut. Dort wurden heute morgen mehrere efeubewachsene Erlen rücksichtslos umgesägt. Etliche ökologisch und landschaftlich wertvolle dicke efeubewachsene Bäume sind gekennzeichnet, die wohl noch gefällt werden sollen. Mir blutet das Herz, wenn ich diese Verwüstungen sehe! Ein herber Einfriff in den Naturhaushalt, zumal die Efeuinsel Heimstätte und Rückzugsrefugium etlicher Vogel- und Fledermausarten ist.

Die so genannte Efeuinsel, ein Erlenbruchwald, ist ein ausgewiesenes Naturdenkmal. Der Eberswalder Dr. Günter Riedel hatte sich seinerzeit dafür stark gemacht, dass dieses einmalige, wunderschöne Finower Kleinod unter Schutz gestellt wird.

Nachdem ich mir das Ausmaß der Zerstörung angeschaut habe, bat ich die Untere Naturschutzbehörde Barnim, die Fällarbeiten mit sofortiger Wirkung stoppen zu lassen. Gleichzeitig stellte ich gegen den Verursacher dieses Naturfrevels Anzeige. Denn es handelt sich um einen mit den Naturschutzverbänden nicht abgestimmten Eingriff in ein Naturdenkmal, der nicht zuletzt die Zerstörung von Lebensstätten geschützter Tierarten zur Folge hat.
Um breite Öffentlichkeit zu schaffen, habe ich gleichzeitig die regionalen Medien davon in Kenntnis gesetzt.
Möglicherweise ist der Auftraggeber der Maßnahmen das Wasser- und Schiffahrtsamt und die Begründungen für die Fällungen – wie könnte es anders sein, die Verkehrssicherungspflicht.

In den nächsten Tagen werde ich hier noch ein Bild vom Ort des Geschehens reinstellen.

Dr. Andreas Steiner
Vorstandsmitglied GRÜNE LIGA Brandenburg

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Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

5 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Wie sich das Bild doch überall gleicht, wie bei uns in Waldkirch im Schwarzwald: Hier wurde in diesem Jahr der Stadtpark auf Vordermann gebracht. Dagegen ist nichts einzuwenden. Doch das man im Zuge dessen das anliegende Waldstück auf radikalste Art und Weise ausgedünnt hat ist für mich bei den hervorgebrachten Argumenten nicht nachvollziehbar. Da greift schon eher das Argument Wirtschaftlichkeit, denn der Wald ist ja schlließlich Wirtschaftsfaktor und diesem Fallen dann schon mal locker mehrere hundert Jahre alte Eichen zum Opfer.

  2. So eben habe ich eine Pressemitteilung der Unteren Naturschutzbehörde Barnim erhalten, die ich der Öffentlichkeit in vollständiger Form nicht vorenthalten möchte.
    Es wurde ein Kompromiss gefunden, bei dem die noch vorgesehenen Bäume nicht entfernt, sondern eingekürzt wurden. So konnten die Stämme in einer Länge von mehr als 5 m Länge stehen gelassen werden und damit auch die armstarken Efeuranken erhalten werden. Das ist zu begrüßen:

    Efeu-Insel

    Das Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde, Außenbezirk Finowfurt, hat über Sommer in eigener Regie am gesamten Finowkanal und angrenzenden Gewässern Baumschauen durchgeführt, bei denen die akuten Gefahrenbäume registriert wurden. Die auffälligen Bäume wurden bei der UNB zur Fällung beantragt.

    Am 6.11.08 fand eine Begehung der Efeu-Insel gemeinsam mit dem Baumschauer des WSA statt. Die beantragten Bäume wurden besichtigt und kontrolliert und Maßnahmen festgelegt, die sowohl dem Verkehrssicherungsaspekt als auch dem ND-Status der Fläche gerecht werden. Eine entsprechende Genehmigung wurde erteilt.

    Es werden keine kompletten Bäume gefällt. Es ist allerdings notwendig, Bäume einzukürzen, um die Bruch- bzw. Wurfgefahr zu minimieren. Der Bestand bleibt grundsätzlich erhalten und kann weiter treiben.
    Die Arbeiten werden seit gestern (17.11.08, 11 Uhr) von Baumkletterern des WSA ausgeführt. Zu Beginn der Arbeiten und bei den ersten Bäumen war die UNB dabei, die Baumkletterer wurden über die Sensibilität des Gebietes aufgeklärt und eingewiesen. Die ersten Bäume wurden ohne Probleme bearbeitet.

    Die Erlen, an denen der Efeu wächst, sind in der Mehrzahl sehr schlank und groß, haben also ein sehr ungünstiges H/D-Verhältnis. Viele Bäume sind stark geneigt, da sie heliotroph „aus dem Bestand heraus“ gewachsen sind. Zum Teil sind umfangreiche Höhlungen und Faulstellen in den Wurzelstöcken vorhanden. Der Efeu verstärkt sowohl die statische Belastung der Bäume als auch die Windlast. Die ganzjährige Windlast durch den immergrünen Efeu ist eine zunehmende Gefahr für den Gesamtbestand, bei dem die Bäume nur das (notwendige) Gerüst für den geschützten Efeu bilden.

    Hinsichtlich des ND-Status des Efeu-Bestandes ist die Einkürzung bruchgefährdeter Bäume eine Pflegemaßnahme, die nach § 4 Nr. 2 der Verordnung des Landkreises zur Ausweisung von Naturdenkmalen vom 8.10.2001 nicht genehmigungsbedürftig ist. Das Einvernehmen mit der UNB reicht aus. Dies ist erfolgt.
    Darüber hinaus gibt es keine gesetzliche Verpflichtung, bei Pflegemaßnahmen an Naturdenkmalen die Naturschutzverbände zu beteiligen.
    Bei den Baumbeständen an Gewässern handelt es sich nicht um Alleen. Hier gilt weder der Alleenerlass der Straßenbauverwaltung noch die Beteiligungspflicht der Naturschutzverbände.
    Die Wasserstraßenverwaltung des Bundes, der der Finowkanal und seine Nebengewässer unterstehen, ist angehalten, die allgemeinen Baumschauen 2 mal jährlich durchzuführen. Sie bildet eigene Sachkundige aus und setzt diese ein. Bei genehmigungspflichtigen Dingen wird die UNB rechtzeitig und regulär einbezogen.

    Fazit:
    Die beantragten Komplettfällungen wurden abgewendet. Die auszuführenden Maßnahmen wurden auf ein notwendiges Minimum beschränkt. Ein Kompromiss zwischen Verkehrssicherungspflicht, ND- und Baumbelangen wurde gefunden.

  3. @Florian Zurheiden
    herzlichen Dank! ;-)
    Diesen Dank möchte ich diesmal an die UNB Barnim weiterreichen, die hier sehr aufmerksam war und vorbildlich die Angelegenheit begleitet hat.

    Doch eines sollte zukünftig beachtet werden:
    Die Bürgerinnen und Bürger sollten frühzeitig über solche Eingriffe über die Medien informiert werden, bevor sie durch Kettensägengeräusche unsanft aus dem Schlaf gerissen werden und sich wer weiß was denken, was für Baummassaker in ihrer unmittelbaren Umgebung geschehen.

  4. Aber das ist doch gerade deren Taktik: Tatsachen schaffen und zwar unumkehrbare. Diskutieren hinterher bringt ja nichts, die Bäume kann man ja nicht wieder ankleben. Diskussionen vorher sind dagegen Gift!