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Falsche Ersatzpflanzungen: Bürgerinitiative „Straßenbaumaßnahme Ahrensfelde“ wehrt sich

Die Bürgerinitiative „Straßenbaumaßnahme Ahrensfelde“ hat bei ihrer Gemeinde und der Unteren Naturschutzbehörde Barnim (UNB) Protest eingelegt.
Grund: Entgegen der Absprachen und Auflagen sollen in den sanierten Straßenzügen des Dichterviertels nicht standortsgerechte Bäume angepflanzt werden.
Ob es dabei um die Nutzung eventueller Einsparungpotentiale auf Kosten hochwertiger Ersatzpflanzungen geht, ist bis dato ungewiss.

Die Vorgeschichte: Wir erinnern uns an die Baum- und Alleenrodungen im Zuge von Straßensanierungsarbeiten in Ahrensfelde Anfang dieses Jahres. Die UNB stimmte seinerzeit dem Bauantrag der Gemeinde Ahrensfelde, der einen baumerhaltenden Straßenausbau nicht vorsah, im Wesentlichen zu und segnete damit in sozialpartnerschaftlicher Weise die Fällungen ab.

Diese bei einer Straßensanierung rigorose und fantasielose Vorgehensweise rief sowohl beim Barnimer Baumschutzstammtisch als auch bei den Anwohnern des Dichterviertels Unmut hervor, welcher in der Gründung der Bürgerinitiative „Straßenbaumaßnahme Ahrensfelde“ mündete.

Bei einer Zusammenkunft von Beteiligten im Juli dieses Jahres gelobte der Ahrensfelder Bürgermeister Wilfried Gehrke (CDU) Besserung und versprach eine transparente Informationspolitik sowie die frühzeitige Einbindung von Anwohnern und Baumfachleuten bei künftigen Straßenbauvorhaben.

Vor diesem Hintergrund erreichte mich vor ein paar Tagen eine E-Mail der beiden Sprecher der Bürgerinitiative, Ingo Jänich und Susanne Emonds, die mich dann doch sehr ins Erstaunen versetzte.
Beide Vertreter schrieben darin, dass sie nun Näheres über die geplanten Ersatzpflanzungen, die bereits in den nächsten Tagen erfolgen sollen, in Erfahrung bringen konnten. So sollen nach den Straßensanierungen die Pflanzstandorte bereits markiert sein. Doch anders als abgesprochen sei vorgesehen, als Ersatz für die etwa 150 gefällten, überwiegend 80 bis 90 Jahre alten Linden, klein- bis mittelwüchsige Manna-Eschen zu verwenden. Dies würde jedoch der von der UNB (AZ 236.031.138) vom 21.02.08 erteilten Auflage grob widersprechen.

In einer E-Mail an Frau Wenzel (Bauamt Ahrensfelde) als auch an Herrn Pätzold (Untere Naturschutzbehörde Barnim) hat die Bürgerinitiative „Straßenbaumaßnahme Ahrensfelde“ nun die strikte Einhaltung der von der UNB erteilen Auflagen eingefordert, da u.a. die vorgesehenen Bäume der Art Manna-Esche nicht standortsgerecht sind.
In einer weiteren E-Mail verlieh ich als Vertreter des Naturschutzverbandes GRÜNE LIGA Brandenburg den Forderungen der Bürgerinitiative Nachdruck.

Nun hat die Gemeinde auf diese Protestschreiben und Telefonate reagiert. Die vorgesehenen, schlecht gewählten Baumarten sollen nun doch nicht gepflanzt werden. Dies wäre ein kleiner Teilerfolg.

Allerdings stellen sich mir folgende Fragen:
– Warum muss bei den Bürgern nicht selten der Eindruck erst entstehen, dass sie von den kommunalen Verwaltungen über den Tisch gezogen werden? Soll so Vertrauen aufgebaut werden?
– Und warum müssen Bürgerinitiativen zwangsläufig die Aufgaben gut bezahlter Behörden übernehmen, weil diese ihren Aufsichtspflichten nur unzureichend nachkommen? Denn eigentlich hätte der Fall hier durch die Untere Naturschutzbehörde Barnim von Anfang bis zum Ende aufmerksam begleitet werden müssen. Doch scheinbar ist es allein der Wachsamkeit und dem ehrenamtlichen Engagement der Bürgerinitiative „Straßenbaumaßnahme Ahrensfelde“ zu verdanken, dass nicht schon wieder „kommunaler Murks“ passieren wird.

Als Barnimer Baumschutzstammtisch werden wir die Anwohner in ihrem Ansinnen auch weiterhin unterstützen, so dass die sanierten Straßenzüge wieder standortsgerechte einheimische Linden erhalten, die sich in zweiter Menschengeneration zu stattlichen Bäumen entwickeln können und das Wohngebiet aufwerten.

Dr. Andreas Steiner
GRÜNE LIGA Brandenburg

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Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

3 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Gibts gar nicht wo die still und heimlich Geld sparen wollen. Aber schön dass da wer so aufmerksam drauf achtet – kann ja nicht sein! LG B.

  2. Die Blumenesche ist wirklich ein billiger Baum darum geht es meist den Stadtplanern die hart rechnen müssen. Andere Kriterien zählen da nicht.

  3. @Friedrich
    Danke für die Info. Du bestätigst mir das, was ich immer vermutet habe.
    Ich werde mich nun erkundigen, ob die Blumenesche zu den eher „preiswerteren“ Baumschulgehölzen zählt.
    Vielleicht ist hier im Forum auch ein praktizierender Baumschul- oder Landschaftsgärtner, der mir diese Frage beantworten kann?