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Salamitaktik der Alleenzerstörung im Landkreis Barnim

Es erfasst einen mit Grausen und zugleich mit ohnmächtiger Wut, wenn man zurzeit durch das Barnimer Land fährt. Überall in den Alleen sind unzählige Bäume mit Fällmarken, diesem großen roten X, und der zugehörigen Nummer, versehen.

Die Zahlen bewegen sich in den Straßenabschnitten immer im zwei- bis dreistelligen Bereich. Sei es an der L 23 zwischen Joachimsthal und Althüttendorf oder an der B 2 zwischen Biesenthal und Spechthausen. Im letztgenannten Abschnitt wurde als höchste Zahl die 102 registriert.

Es werden also, wie jedes Jahr, mehrere hundert Bäume zu Fällung freigegeben und die Alleen immer mehr aufgelichtet und entwertet. Hunderte sind eher eine konservative Schätzung, wahrscheinlich sind es ein paar tausend. Die genauen Zahlen für dieses Jahr müssen beim Landkreis Barnim noch in Erfahrung gebracht werden.

Nun wird es Zeit, auch mal Ross und Reiter zu nennen: Der für die zweimal im Jahr durchzuführenden Baumschauen zuständige Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde Barnim ist Herr Blankenburg. Deshalb möchte ich hier, im öffentlichen Forum, folgende Fragen an ihn richten:

  • Herr Blankenburg, Sie können doch unmöglich jedes Jahr so viele Bäume zur Fällung kennzeichnen? Es wird Ihnen doch keiner abnehmen, dass all diese Bäume nicht mehr verkehrssicher sein sollen? Jüngstes Beispiel lieferten unsere Recherchen in der Allee Britz-Golzow .
  • Herr Blankenburg, warum müssen so viele Alleebäume gekennzeichnet werden? Was steckt hinter diesem System? Ich möchte es gern durchschauen. Werden Sie von übergeordneter Stelle unter Druck gesetzt, dementsprechend eifrig zu handeln? Wird das Holzkraftwerk Eberswalde mit diesem Bäumen „gefüttert“? Wie viel kostet die Fällung eines Alleebaumes, was bringt der Holzertrag ein und wer verdient daran bzw. profitiert in welcher Weise letztendlich von den Fällungen?
  • Herr Blankenburg, stimmt es, dass im Landkreis Barnim für Baumfällungen ein gesonderter Haushaltstitel besteht und dass jedes Jahr die Mittel ausgeschöpft bzw. bis Jahresende verbraucht werden müssen? Wenn ja, wäre es dann auch schon mal erforderlich „ein paar Bäume mehr“, unabhängig von ihrem Vitalität, für die Fällung zu kennzeichnen?

Andererseits möchte ich meine Fragen an die regional tätigen Naturschutzverbände richten. Warum geht diesbezüglich nicht langsam ein Aufschrei durch die Mitgliederstrukturen von BUND und NABU? Warum sehen die Bürgerinnen und Bürger der Region, bis auf wenige Ausnahmen, tatenlos zu und protestieren nicht gegen eine derartige Zerstörung der heimatlichen Kulturlandschaft?
Welche Strategien werden die Verantwortlichen der Kreispolitik für den Schutz alter Alleen entwickeln?

Fragen über Fragen, deren Anspruch auf Vollständigkeit ich hier nicht erheben möchte. Es geht mir an dieser Stelle vielmehr darum, zum Nachdenken anzuregen und Impulse für Aktivitäten zu geben.
Und es geht mir nicht darum, zwei Tage nach Halloween Horrorszenarien zu beschreiben. Doch ich bin davon überzeugt: Wenn jetzt nicht konsequent protestiert und gehandelt wird, ist abzusehen, dass die alten Alleen im Landkreis Barnim bald Geschichte sein werden!

Dr. Andreas Steiner
GRÜNE LIGA Brandenburg

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Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

9 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

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  2. Um es mit einfachen Worten und kurz zu fassen: Es ist erschreckend, wenn man durch die Alleen des Landkreises Barnim fährt und die schöne Natur genießen möchte und einem dann immer wieder die Sinne geraubt werden, wenn man dann jedesmal die vielen gekennzeichneten Bäume sieht, die der Fällung zum Opfer fallen sollen.
    Andreas, du siehst das nicht allein so. Ich empfinde ebenfalls, dass es hier im Landkreis Barnim extrem an die Substanz der noch bestehenden alten Alleen geht. Ich hoffe, dass dir alle Deinen Fragen ordentlich beantwortet werden und nicht wieder irgendein Murks gefaselt wird. Warum wird die Gesellschaft heutzutage gegenüber dem alten Wertgut immer gleichgültiger? Das macht mich wütend. Ich hoffe, dass endlich den noch übriggebliebenenen Naturliebhabern und Naturschützern dieser Region auch die Augen aufgehen und nicht nur immer einer Person, der dann nur als Queruland hingestellt wird. Es geht hier um Tatsachen, die nunmal vorhanden sind und wo dagegen gekämpft werden muss und das nicht nur wie Don Quijote, der allein gegen die Windmühlen kämpfte. Es wird in allen Kategorien immer wieder für den schönen Barnim geworben, an erster Stelle, weil wir so eine wunderschöne waldreiche Gegend haben. Dann sollte man auch dafür was tun und nicht immer dagegen. Ein Mensch mit 80 Jahren hat ein gutes Leben schon fast hinter sich, ein Baum hingegen steckt da noch in Kinderschuhen.

    Okay, das war jetzt zwar nicht kurz aber eindeutig. ;-)

  3. @Buntspecht
    Vielen Dank für Deinen Kommentar!
    Es freut mich, dass es doch noch einige gibt, die genauso denken wie ich.
    Im Barnimer Baumschutzstammtisch können wir noch einige Mitstreiterinnen und Mitstreiter gut gebrauchen.
    Wenn Du Kontakt mit mir aufnehmen möchtest, könntest Du es unter meiner E-Mail-Adresse andreas_steiner@web.de tun.

  4. @Andreas
    ….danke, Du wirst von mir hören und lass Dich bloß nicht von den „Oberen Zehntausend“ kleinmachen. Solche Menschen, wie Dich braucht unser Barnim!
    Wenn die Bäume reden könnten, dann hätten sie so einiges zu berichten. Und wenn jeder gefällte Baum weinen könnte, dann würden hier so manche Bäche fließen.

  5. Auch ich schließe mich meinen Vorrednern an. Wann endlich lernen die Politiker verantwortlich mit den Recourcen umzugehen ?
    Bestes Beispiel ; das Mühlenberger Loch für Airbus, Naturschutzgebiete werden zerstört, im Nachhinein braucht Airbus die Fläche nicht, da der Umfang der vorher gesehenen Produktion nicht erreicht wird.
    Hier fallen uralte Bäume zum Opfer,mit der faulen Ausrede, sie seien Schuld am Unfallaufkommen. Wie wäre es mit Verkehrsschildern , für (blinde ?) Autofahrer,
    “ Vorsicht Bäume“ ???
    Gerade diese alten Alleen machen den Charme der Mark Brandenburg und M-P aus.
    LG,Judith aus Hamburg

  6. hm ich würd mich da an euerer stelle mal ans land brandenburg wenden :) bin gespannt was da rauskommt.

  7. gibt es da nicht die Möglichkeit einer Petition?
    1. Zur Klärung des WiesoWeshalbWarum UndWer? und
    2. Zur Unterbindung dieser so wie es aussieht planvollen Alleen Abholzung.

    Wie ist es mit einer UnterschriftenSammlung über den Barnim Blog??
    Ich unterschreibe da gerne mit und werde auch gerne weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter darauf aufmerksam machen.

    Übrigend finde ich es sehr markaber, dass gerade über der KommentarEingabeMaske
    eine Werbung für Hochwertige Kunstbäume geschaltet ist.
    Ist das ein Wink mit dem Wald zum Gummibäume stecken, wegen der Unfallfreundlichkeit??

  8. Der Kreis Barnim blamiert sich immer aufs Neue.
    Die Flachexperten haben von „Blasen und Tuten“ keine Ahnung,
    jedenfalls im Alleenschutz.