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Vattenfalls 380-kV-Freileitung durch die Uckermark, den Barnim und Teile von Märkisch Oderland?

Nicht über unsere Köpfe! Nicht unter dem Niveau der technischen Entwicklung! Erdkabel statt Freileitung in der Biosphäre und Wohngebieten!

Das ist die Quintessenz eines Aufrufes den 8 Ortsbürgermeister, deren Ortsteile unmittelbar an der Trasse der von Vattenfall geplanten 380 kV-Freileitung liegen, unterschrieben haben. Sie haben damit ein Zeichen gesetzt, dem sich hoffentlich noch viele Mandatsträger aus der Uckermark und dem Barnim und hoffentlich auch die Stadt Eberswalde anschließen.

Die Stadtverordneten und der Bürgermeister von Angermünde haben ihren Protest gegen die geplante Freileitung bereits am 28. Juli in einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten Platzeck und den Präsidenten des Landtags von Brandenburg deutlich ausgesprochen.

Jetzt ist die Zeit, wo der Protest gegen die von Vattenfall geplante 380 kV-Freileitung von Bertikow über Vierraden, Angermünde und Eberswalde nach Neuenhagen bei Berlin artikuliert werden muss, wenn er politisch wirksam werden soll. Jetzt muss deutlich werden, dass die Region die Freileitung, die Vattenfall mit der wohlkalkulierten Schlafmützigkeit der Behörden hinter dem Rücken der Bürger geplant hat und über deren Köpfe hinweg durchsetzen will, ablehnt. Dabei stehen die Chancen der Bürger nicht schlecht.

Immerhin hat die Landesregierung den Appell der Bürgerinitiative Biosphäre unter Strom – keine Freileitung durchs Reservat vom Juni 2008 aufgegriffen und Ende August die Aufnahme der Uckermarkleitung in die Liste der Pilotprojekte zur Erdverkabelung, die im Gesetzentwurf der Bundesregierung zum beschleunigten Ausbau des Energienetzes (EnLaG) vorgesehen sind, gefordert. Der Umweltausschuss des Bundesrats hat zwar dem Antrag Brandenburgs zugestimmt und eine entsprechende Empfehlung formuliert, aber diese Empfehlung hat in der Bundesratsversammlung vom 19.9.08 keine Mehrheit gefunden. Der Gesetzentwurf wurde so, wie er von der Bundesregierung eingereicht worden war, in den Bundestag weitergeleitet, denn auch die Hardliner der Energiekonzerne im Bundesrat, die alle Pilotprojekte zur Erdverkabelung kippen wollten, haben für ihre Empfehlung keine Mehrheit gefunden.

Jetzt ist der Bundestag am Zug, denn hier wird das Gesetz wahrscheinlich im März 2009 verabschiedet.

Die Bürgerinitiative Biosphäre unter Strom – keine Freileitung durchs Reservat hofft, dass es ihr gelingt durch intensive Öffentlichkeitsarbeit und die Kooperation mit anderen Bürgerinitiativen die Abgeordneten des Bundestags zu überzeugen, dass die Uckermarkleitung in die Liste der Pilotprojekte der Erdverkabelung aufgenommen werden muss.

Das wäre zwar ein wichtiger Erfolg, aber damit wäre die Vattenfall-Freileitung noch nicht vom Tisch, denn die Pilotprojekte sehen nur eine teilweise Erdverkabelung in Naturschutzgebieten und in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wohngebieten vor. Überall da, wo die Freileitung eine Mindestabstand von 400 Metern zu Wohngebieten nicht einhalten kann, müßte dem Gesetz folgend erdverkabelt werden. Das wären beträchtliche Teile der Trasse, aber nicht die Uckermarkleitung insgesamt. Hier kommt es im Planfeststellungsverfahren auf die Widerstandskraft der Bürger an. Hier muss und wird vor Ort hart gerungen werden. Die Uckermarkleitung geht scharf an Landin vorbei, von 400 Metern kann hier keine Rede sein. Sie berührt Kerkow und überspannt Schmargendorf, quert das Ziethener Seebruch und schwenkt dann nach Buchholz, wo sie in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern verläuft. Das Wohngebiet von Senftenhütte wird durchschnitten und dann werden die Wohngebiete von Golzow und Lichterfelde tangiert, bis die Leitung schließlich Finow-Ost überspannend Eberswalde quert, indem sie in unmittelbarer Nähe des Brandenburgischen Viertels verläuft. Von Mindestabständen im Sinne der modernen Gesetzgebung, die allerdings in Brandenburg noch nicht angekommen ist, kann da keine Rede sein. Hier gelten immer noch antiquierte Mindestabstandsbestimmungen von 50 Metern, sodass Vattenfall jede Kritik an der Trassierung mit dem Hinweis,. dass der Konzern die gesetzlichen Vorschriften respektiere, von sich weist.

Deshalb ist eine Novellierung der Mindestabstände von Freileitungen zu Wohngebieten dringend erforderlich und im kommenden Landtagswahlkampf von den Parteien einzufordern. Keinem Kandidaten, der sich der Novellierung dieser Mindestabstandsregelungen verschließt, sollte man seine Stimme geben. Deshalb ist es notwendig, schon vor der nächsten Landtagswahl auf eine Novellierung der Mindestabstände zu drängen. Hier sollten die Parteien mal in Vorkasse gehen, damit ein Wahlbetrug ausgeschlossen ist.

Was spricht gegen die Freileitung? Weshalb Erdverkabelung?
Die von Vattenfall geplante Trassenführung, die im Raumordnungsverfahren von der Planungsbehörde als bedingt genehmigungsfähig beurteilt wurde, verläuft zum großen Teil durch das Biosphärenreservat und den Naturpark Barnim. Freileitungen zerstören das Landschaftsbild und gefährden eine Vielzahl von Vogelarten, nicht nur die in der Uckermark durchziehenden Kraniche und Störche. Vor allem viele Wasservögel kollidieren mit den Freileitungen, wenn sie in der Dämmerung von ihren Futterplätzen zu den Schlafplätzen fliegen.

Aber die geplante 380 kV-Freileitung verstößt nicht nur gegen die Belange des Landschafts- und Naturschutzes, sie gefährdet vor allem auch die Menschen, die an der Trasse wohnen, denn von einer 380 kV-Freileitung geht eine erhebliche Gesundheitsgefährdung aus, weshalb die Weltgesundheitsorganisation eine weiträumige Umgehung von Wohngebieten fordert. Deshalb hat Niedersachsen in sein Erdkabelgesetz Mindestabstände von 400 Metern zu Wohngebieten festgeschrieben, die von der Bundesregierung für die Pilotprojekte der Erdverkabelung übernommen wurden.

Vor allem Kinder, die im Umfeld dieser Leitungen leben, sind einem gesteigerten Risiko von Leukämie ausgesetzt. Bei Erwachsenen steigt das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken. Die Liste anderer Gesundheitsge-fährdungen ist sehr lang, wird in der öffentlichen Diskussion aber nicht wahrgenommen, denn noch beherrscht Vattenfall den Diskurs. Es gibt kaum unabhängige Gutachter, denn die Großkonzerne der Energieindustrie finanzieren eine Fülle von Drittmittelprojekten und kontrollieren damit einen großen Teil der Forschung.

Wir werden sehen, wie schwer sich die Stadt Eberswalde tun wird, einen wirklich unabhängigen Gutachter für die Risikobeschreibung der Freileitungstrasse zu finden.

Es kennzeichnet den Zynismus, der die Diskussion über die Freileitungen prägt, dass viele Experten zwar die gesundheitlichen Risiken als unbewiesen oder umstritten zurückweisen, aber gerne bereit sind, einzuräumen, dass durch eine Freileitung der Wert der angrenzenden Immobilien erheblich gemindert wird. Freileitungen sind also mit wirtschaftlichen Schäden verbunden, die Eigentümer von Immobilien zu tragen haben, aber auch die Tourismusunternehmen werden erhebliche Einbußen zu verzeichnen haben.
Gerade die Konzepte eines sanften Tourismus, die auf eine intakte Natur setzen und nicht auf Event und Remmidemmi aus sind, sind hier besonders gefährdet. Das sind aber gerade die Unternehmen, die die Ziele des Biosphärenreservats teilen und unterstützen. Hier ist die Erbitterung spürbar, dass die Biosphärenverwaltung in der Verteidigung der Biosphäre sehr zurückhaltend ist. Viele, die ihren Wohnsitz im Biosphärenreservat gewählt haben, in der Hoffnung, hier von schädlichen Umwelteinflüssen verschont zu bleiben, müssen nun feststellen, dass nicht sie das Biosphärenreservat schützt, sondern dass sie durch umweltpolitisches Engagement das Biosphärenreservat schützen müssen, im eigenen Interesse.
Auch der Verfasser hat dies schmerzhaft begreifen müssen. Als er zum ersten Mal in der Presse von der geplanten 380 kV-Freileitung erfuhr, hat er lässig die Zeitung auf die Seite gelegt, mit dem Gedanken, das mögen die im Stromkonzern vielleicht planen, aber die Biosphärenverwaltung wird das schon zu verhindern wissen. Schließlich lebe ich ja in einem von der UNESCO anerkannten Schutzgebiet. Nur deshalb konnte das Raumordnungsverfahren hinter dem Rücken der Öffentlichkeit durchgeführt werden, obwohl es formal korrekt publiziert wurde. Niemand wollte glauben, dass die Trassierung einer 380 000 Volt-Freileitung (!) durch das Biosphärenreservat jemals von den Planungsbehörden genehmigt werden könnte.

Heute sind wir klüger.
Und deshalb mischen wir uns ein, deshalb protestieren wir gegen die geplante Freileitung, deshalb unterstützen wir die Landesregierung in ihrem Bestreben, die Uckermarkleitung , die nicht nur durch die Uckermark, sondern auch durch den Barnim und besondern durch Eberswalde geht, als 5. Pilotprojekt zur Erdverkabelung in das EnLaG aufzunehmen. Deshalb fordern wir eine Novellierung der Mindestabstandsregeln von Freileitungen zu Wohngebieten und ein Erdkabelgesetz des Landes Brandenburg, um die Anwohner vor den Gefahren der Freileitungen zu schützen. Deshalb werden wird unsere Rechte nutzen, um im Planfeststellungsverfahren, das unmittelbar bevorsteht, Einspruch gegen diese umwelt- und menschenfeindliche Planung zu erheben.

Hartmut Lindner, Senftenhütte

Weitere Infos:
Bürgerinitiative: Biosphäre unter Strom – keine Freileitung durchs Reservat
c/o Thoms Pfeiffer, Buchholzer Str,. 22, 16230 Chorin OT Serwest, Tel.: 033364 509001
Mail: biosphaere@trassenfrei.de
Spendenkonto: Kulturlandschaft Uckermark e.V.
Sparkasse Uckermark BLZ: 170 560 60
Kontonr.: 363 100 1125
Stichwort: Schutz der Biosphäre
Die Spendenbescheinigungen werden umgehend ausgestellt. Spenden sind beim Finanzamt geltend zumachen, da die Arbeitsgruppe Biosphäre unter Strom – keine Freileitung durchs Reservat im gemeinnützigen Förderverein des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin Kulturlandschaft Uckermark. E.V. alle Kosten verursachenden Aufgaben der BI übernimmt.

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5 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Die Freileitungen will Vattenfall nicht zum Spass bauen. Der ( von Umweltschützern geforderte ) weitere Ausbau der Windkraft an den Küsten erfordert neue Leitungen um den Strom zum Verbraucher zu bringen. Insgesamt sind etwa 1000 km neue Höchstspannungsleitungen notwendig. Diese können natürlich auch als Erdkabel verlegt werden. Allerdings stellt sich die Frage, ob schweres Gerät im Reservat erlaubt wird. Ich gehe davon aus, das eine stimmgewaltige Bürgerinitiative solche massiven Eingriffe in die Natur verhindern würde. Der „grüne“ Strom bleibt an der Küste hängen wegen des -Wasch mich, aber mach mich nicht nass- Problems.

  2. @Thomas Ebert
    Schweres Gerät wird sowieso im Biosphärenreservat verwendet werden, ob nun als Erdkabel oder als Freileitung. Die Schneise im Bereich des Kabels muss ohnehin freigestellt bleiben.
    Und die Bürgerinitiative hat nie eine „Wasch mich, aber mach mich nicht nass-Strategie“ vertreten. Ich würde vorschlagen, Sie wenden sich mit Ihren speziellen Fragen direkt an Hartmut Lindner, Mitglied der BI und gleichzeitig Autor des Barnimblogs. Da sind Sie an der fachkompetenten und richtigen Stelle.

  3. @Thomas Ebert,

    Es gehört zu den absurden Aspekten des Konflikts um die Freileitung, dass Vattenfall – ein Energiegigant, der den „schmutzigsten Strom“ in der ganzen Republik (30% mehr CO2 als der Durchschnitt) produziert und erfolgreich verkauft – in Sachen Erdkabel ausgesprochen umweltsensibel aufritt. Angeblich sind Erdkabel nicht umweltverträglich, für Menschen gefährlich und unwirtschaftlich (zu deutsch: zu teuer).
    Die Muffenbauwerke, die alle Kilometer notwendig sind, stören auch das Landschaftsbild. Dagegen schwingt eine Freileitung locker durch die blühende Landschaft.
    Vatenfall hat das in der Unterlagen für die Anhörung im Wirtschaftsausschuss sehr schön bebildert dargestellt, als ob die Bundestagsabgeordneten Analphabeten wären.
    Nichts davon ist allerdings haltbar.
    Die Freileitungstrassen sind 90 m breit – man kann das sehr schön immer dann sehen, wenn eine Freileitungstrasse eine Bundesstraße oder Kreisstraße im Wald kreuzt.
    Trassen für Erdkabel sind ca. 10 m breit. Nur während des Arbeitsprozesses benötigt man eine Arbeitstrasse von ca. 30 m.
    Die BI hat übrigens für die Erdverkabelung eine alternative Trassierung außerhalb des Biosphärengebiets (parallel zur geplanten Erdgastrasse Schwedt – Freienwalde) angeregt und ca. 20 umweltschutzorientierte Verbände und Vereine haben in einer gemeinsamen Erklärung dieser Trasse zugestimmt. Vatenfall will davon nichts wissen. Die Leute sind einfach nicht bereit, auf Kritik einzugehen. Die ziehen ihren Stiefel durch, egal, was es die Umwelt kostet.
    Ganz nach dem Motto auf dem Staek-Plakat: „Die Luft (Umwelt) gehört allen – Wir aber bestimmen den Giftgehalt!“

    Besonders problematisch ist die Freileitung aber bei der Querung von Wohngebieten (z.B. Seftenhütte und insbes. Eberswalde). Hier ist die Erdverkabelung die einzige Form, in der die Leitung gebaut werden kann. Alles andere sollte nicht genehmigt werden.
    Das haben die Stadtverordneten von Eberswalde und auch die Gemeindevertretung von Chorin klar erkannt und entsprechende Beschlüsse gefaßt. (Der Kreistag Barnim übrigens auch.) Es wird also eng für Vattenfall.
    Mal sehen, wie die Dinge weitergehen.
    Im Mai wird das EnLaG verabschiedet und dann kommt das Planfeststellungsverfahren.
    Hier kommt es darauf an, dass die Bürger ihre Interssen wahrnehmen und Einwendungen bei der Plungsbehörde einreichen. Die Träger kommunaler Belange sind aufgefordert, die Interessen der Kommunen und Bürger zur Geltung zu bringen.
    Die BI wird dabei Argumentationshilfe leisten.

    Nicht über unsere Köpfe – Keine Freileitung durchs Reservat und Wohngebiete!

  4. @Thomas Ebert!
    Dass die Uckermarkleitung dem Trasport der Windenergie dient, ist auch sehr fraglich. Weshalb verläuft die Trasse denn zunächst in West-Ost-Richtung (Bertikow nach Vierraden)? In Vierraden wird keine Windenergie in diesem Ausmaß benötigt. Hier soll Strom aus Polen aufgenommen werden. Das ist gegenwärtig der billige Strom des polnischen Kohlekraftwerke und künftig möglicherweise der Atomstrom von Gryfino (geplant für 2020).
    So wird der Atomausstieg durch den Giganten Vattenfall konterkariert. Wenn es in der BRD keine neuen AKWs gibt, dann bauen wir sie eben in Polen. Das Netz wird schon jetzt ertüchtigt. Die Debatte um die erneuerbaren Energien ist da ein gutes Szenario. Falschspielertrick – durchaus durchschaubar.