Kunst im Barnim 5.Teil: Berliner Verein will sich auch auf Kosten Barnimer Künstlerinnen und Künstler bereichern
Geschrieben von Sophia V. Eriss in Kultur, Tags: Godiva von Freienthal, Renate Kuenast, Thomas Koehler, 2.001 mal gelesenWas es mit dem Eldorado der Kunst auf sich hat erfuhr ich auf Nachfragen. Mit solch einem Eldorado hatte ich dann erstmal nicht gerechnet.
Mehrere Künstlerinnen und Künstler hatten im September 2008 eine Email erhalten mit der Aufforderung doch Werke für die Jubiläums Auktion des elledorado e.V. aus Berlin zu spenden. Die Mail gebe ich hier im Original wieder, denn Godiva von Freienthal, sie hatte diese Mail sogar mehrfach bekommen stellte sie mir freudigst zur Verfügung.
Wichtig: Bitte um Werkspenden für elledorado Jubiläumsauktion 2008
Liebe Künstlerinnen und Künstler,
liebe Galeristinnen und Galeristen,
in diesem Jahr feiert elledorado e.V., der lesbisch-schwule Förderkreis Berlin sein 10jähriges Jubiläum. Seit seiner Gründung hat der Verein mehr als 80 Projekte mit mehr als € 120.000 unterstützen können – z.T. große Kulturveranstaltungen, z.T. kleinere innovative Projekte, die schwule, lesbische und transidente Lebenswelten positiv darstellen. Ziel des Vereins ist, Diskriminierung entgegenzuwirken.
Der Fördertopf des Vereins speist sich aus den Mitgliedsbeiträgen seiner mehr als 100 Mitglieder und aus den Erlösen verschiedener Benefizveranstaltungen. Im Jubiläumsjahr 2008 steht eine Benefizkunstauktion im Zentrum der Mittelakquise.
Wir als Schirmherren der Jubiläumsauktion möchten Sie bitten, Werke für diese Auktion zu stiften. Die Arbeiten kommen am 10. Dezember 2008 um 19.30 Uhr in der Berlinischen Galerie zur Versteigerung.
Das Veranstaltungskonzept mit weiteren Erläuterungen und ein Factsheet mit den Details zur Einlieferung sind angefügt.
An dieser Stelle möchten wir Sie um Ihre Unterstützung bitten und Ihnen im Voraus für Ihr Engagement danken!
Mit besten Grüßen
Renate Künast++++++++++++++Peter Kurth++++++++++Harald Pignatelli
Fraktionsvorsitzende GRÜNE+++Vorstand ALBA AG+++Fernsehmoderator
In diesem Zuge wurde den Galerien in Berlin Mitte ein Werbeangebot gemacht wenn sie sich an dieser Auktion beteiligen. Geworben werden sollte in den Magazinen Monopo, FRONT und Siegessäule, weitere sollten dazu gewonnen werden.
Der Erlös dieser Auktion soll dem elledorado e.V. zu Gute kommen, damit weiterhin schwul-lesbische Projekte gefördert und der Teddy-Award finanziert werden kann. Da es sich um Werkspenden aus Ateliers und Galerien handelt werden weder Künstlerinnen noch Künstler noch Galeristen oder Galeristinnen an dem Erlös beteiligt. Gut die Galerien bekommen etwas Werbung geboten, und darüber sind die Galerien ganz froh, denn der Berliner Bär brummt doch recht leise in Mitte. Für die Auktion werden Kataloge in einer Auflage von 2000 Stück gedruckt in den die einzelnen Kunstwerke, die zur Versteigerung stehen Kunstsammelnden und Interessierten zugesandt
Die Jury, welche die 60 zur Versteigerung zugelassenen Werke aussucht, besteht aus Ingolf Kern, dem stellvertretendem Chefredakteur des Monopol-Magazins, Achim Drucks vom FRONT-Magazin, Andreas Winter von der Siegessäule, Dr. Thomas Köhler von der Berlinischen Galerie und Cornelia Wichtendahl, Galeristin und Vertreterin der Galerien Berlin Mitte.
So weit die Fakten aus Berlin.
Godiva von Freienthal ist immer noch sehr wütend über die Aktion. Hier gebe ich mein Gespräch mit ihr wieder:
„Nur weil es Hipp ist Kunst zu versteigen, werden mal wieder Kunstschaffende abgezockt, denn nun ist es nicht so, dass die Künstlerinnen und Künstler am Auktionserlös beteiligt würden. NEIN!! Den Gesamte Erlös streicht der elledorado e.V. ein. Das die meisten Kunstschaffenden und auch die kleinen Galerien von trockenem und hartem Brot leben müssen ist ja nun kein Geheimnis mehr“, erzürnt sich die Künstlerin. „Der Trend geht auf der einen Seite für wenige zu völlig überzogenen Kunstpreisen und auf der anderen Seite zum Anspruch, Leistungen von KünstlerInnen grundsätzlich kostenlos zu ergattern. Da vereinbart jemand mit laut geäußertem LeasingInteresse einen Raumbesichtigungstermin mit mir, schon mit dem Gedanken im Hinterkopf (das erfahre ich erst später), ich werde bestimmt auch kostenlos meine Werke zur Verfügung stellen und wenn nicht, dann wenigstens mal soeben ein Konzept für wechselnde Ausstellungen in einer Kanzlei aus dem Ärmel zu schütteln. Selbstverständlich kostenlos.
Keine Rechtsanwältin, kein Steuerberater stellt mir ihre bzw. seine Dienstleistung kostenlos zur Verfügung. Von mir wird es selbstverständlich erwartet“, erläutert Godiva.
„Du hast Gegenmaßnahmen ergriffen??“ frage ich sie. „Ja, im Frühling diesen Jahres habe ich das Projekt kein Geld keine Kunst no money no art gestartet.
Schon seit Jahren publizieren verschiedene Kunstverbände die schlechte finanzielle Situation von Kunstschaffenden, in der Kunstzeitung 145 spricht Chefredakteur Karheinz Schmid, deutliche Worte über die Ausbeutung von Kunstschaffenden, die als Hoffnarren verheizt werden. Alle wollen Kunst, doch die meisten nicht dafür bezahlen. Auf Events sind Künstlerinnen und Künstler gern gesehen als Sahnehäubchen und bei Erfolg wird sich mit ihnen gebrüstet. Der elledorado e.V., der sich gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben stark macht will jetzt die eine Diskriminierung mit der anderen aufwiegen, dass dies ist eine unerträgliche Verkehrung der Prioritäten darstellt liegt auf der Hand.
Meine Unterstützung hat Godivas Aktion kein Geld keine Kunst no money no art.
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