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Zerstörung à la Amazonien vor der Haustür – Holzkraftwerk Eberswalde profitiert

Raubbau in Schorfheide-ChorinAm letzten Wochenende sind der Dendroentomologe Georg Möller und ich im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin auf ein fürchterliches Biotopholz-Gemetzel gestoßen.
Im Revier Eichheide (Zentrale Schorfheide) lagern am Rande der Forstwege schätzungsweise über 2000 Kubikmeter „Plünderholz“ in Holzpoltern. Schwerpunktmäßig handelt es sich um Biotopholz. Es wurde nach einem klassischen Muster, dem „Entrümpelungshieb“, in einer unerträglich rücksichtslosen, mit den Erfordernissen des Kulturlandschaftsschutzes bzw. des Naturschutzes nicht zu vereinbarenden als auch in einer absolut nicht abgestimmten Form gewonnen und soll nun dem Holzkraftwerk Eberswalde (HoKaWe) zugeführt werden.

Vieles davon stammt sicherlich von zahlreichen neu angelegten Rückegassen, die den Wald zerschneiden und teilweise tiefe Furchen im Waldboden hinterlassen haben. Wir erlebten einen erschreckenden Anblick der Verwüstung!

Das Revier Eichheide ist ein FFH-Gebiet bzw. Naturschutzgebiet, welches eine Heimstätte für dutzende Urwaldreliktarten, wie Heldbock (Cerambyx cerdo) , Eremit (Osmoderma eremita), Hirschkäfer (Lucanus cervus) und Körnerbock (Megopis scabricornis) bietet. Hier wurde das einzige aktuell bekannte Vorkommen des Körnerbockes im gesamten norddeutschen bzw. mitteldeutschen Raum belegt. Der bis 5,5 cm große Käfer ist eine nach Artenschutzgesetz besonders und streng geschützte Art.

Auf den Poltern lagern Biotopbäume, die nachweislich vom Körnerbock besiedelt worden sind (das Foto zeigt Georg Möller vor einem solchen Holzpolter, wie er auf einen vom Körnerbock besiedelten Stamm zeigt).
In der Nacht beobachteten wir die Eiablage von vier Weibchen des Körnerbockes in die Polter. In einer der für das „Krematorium“ „aufgebahrten“ hohlen Eiche haben wir sogar ein lebendes Eremiten-Männchen gefunden.

Eine Vielzahl Beweisfotos von den Holzpoltern wurden gemacht und den zuständigen Behörden und Naturschutzverbänden zur Verfügung gestellt.

Aus rechtlicher Sicht darf das geplünderte Holz auf keinen Fall vollständig ins Heizkraftwerk. Ein großer Teil mit hoher Wertigkeit als Lebensraum gefährdeter Arten muss zurück ins Gelände und dort sorgfältig gelagert werden. Entweder wieder aufrecht als Pyramide oder aufrecht eingegraben.

Neben der widerrechtlichen Nutzung von Biotopholzstämmen kritisieren wir die verschwenderische Nutzung von wertvollem Stammholz, welches ebenfalls als Brennholz an das Holzkraftwerk Eberswalde geliefert werden soll. Diesbezüglich stellt sich die Frage, ob die bis über 50 cm dicken Stämme in Form einer sinnvolleren Nutzung nicht besser der Holz-, oder zumindest der Papierindustrie, zugeführt werden sollten.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass auf politische Weisung der „Heißhunger“ des Holzkraftwerkes Eberwalde befriedigt werden soll. Dies nicht zuletzt auf Kosten des globalen Kohlenstoffhaushaltes. Die positive Selbstdarstellung unserer Landesforstverwaltung in Bezug auf die Umsetzung einer ökologisch nachhaltigen Waldbewirtschaftung wirkt angesichts dieser massiven Übernutzung des öffentlichen Waldes wie ein groß angelegtes Täuschungsmanöver. Von einer vorbildlichen Bewirtschaftung kann keine Rede mehr sein.

Sehr zeitnah haben jetzt zwei Verwaltungen, das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und die Abteilung Forst- und Naturschutz des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (MLUV), begonnen, sich mit dem Fall zu beschäftigen.
Gemeinsam mit den Naturschutzverbänden wird die Erstattung einer Anzeige in Erwägung gezogen als auch eine Presse-Großaktion und Protestkundgebung geplant.

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Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

28 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Was bleibt ist Entsetzen über einen solchen Naturfrevel,wer immer hier auch seine Zerstörungswut in dilettantischer Weise ausgetobt haben mag!
    Naturbanausen eben, denen jede Ehrfurcht vor der Natur abhanden gekommen ist! Ob Fauna oder Flora, – geschützte Käfer oder wertvolle Sauerstoffspender, – sie schrecken vor nichts zurück! Mit Motorsägen bewaffnet scheuen sie sich auch nicht, in FFH- oder Naturschutzgebiete einzudringen, um selbst dort alles platt zu machen!
    Man sollte sich vorsichtshalber hinter Schloss und Riegel sperren!

  2. Die vom Körnerbock und Eremit besiedelten Stämme liegen ja nicht erst seit ein paar Tagen auf den Holzpoltern, sondern wohl eher seit einigen Monaten. Hier stellt sich die Frage, warum solche Verstöße der Naturwacht des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin nicht aufgefallen sind? Haben sie es nicht gesehen oder wollten sie es nicht sehen?

    Der Körnerbock ist nach WISIA (http://www.wisia.de/FsetWisia1.de.html) in BArtSchV Anhang 1 und in BNatSchG gekennzeichnet als streng und besonders geschützt.
    BNatSchG v. 25.3.2002
    §10 Abs. 2
    Nr. 10 besonders geschützte Art
    Verbot diesen Tieren nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Fortpflanzungs- oder Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören.
    Verbot diese Tiere in Besitz oder in Gewahrsam zu nehmen, zu haben oder zu verarbeiten. Die Tiere zu verkaufen, zu kaufen, zu befördern oder zur Schau stellen. (§42 BNatSchG). Die Fortpflanzungs- und Ruhestätten geschützter Tiere müssen auch gegen nicht absichtliche Beeinträchtigung geschützt werden. Das gilt auch für die Jagdausübung.

    Nr. 11 streng geschützte Art
    Verbot diese Tiere während der Fortpflanzungs- und Aufzuchtszeiten erheblich zu stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert. Eingriffe in Biotope die als Lebensraum dieser Art dienen sind nur zulässig, wenn er aus zwingenden Gründen des überwiegend öffentlichen Interesses gerechtfertigt ist.
    (§ 42 und §19 BNatSchG).

    … somit ein klarer Verstoß.
    Und da müsste die Staatsanwaltschaft eingreifen, insbesondere, da ja noch was zu retten ist ggf. Gefahr im Verzuge mit Einstweiliger Verfügung zu stoppen.

    Gestern habe ich die Untere Naturschutzbehörde Barnim über diese Angelegenheit informiert und Anzeige erstattet. Es liegt nun in deren Zuständigkeit, unverzüglich (!!!), konsequent und sachgerecht zu handeln.

  3. Sehr geehrte Frau Kleb, sehr geehrter Herr Steiner,

    wie sie auf dieser Internetseit mit falschen Angaben und falschen forstfachlichen Begriffen „Wetter“ machen gegen die Forstverwaltung ist einfach unverschämt.

    Sehr geehrte Frau Kleb, die Landesforstverwaltung ist sich Ihrer Verantwortung für Natur und Gesellschaft wohl bewußt. Im täglichen Arbeitsfeld hat sie den Spagat zwischen Naturschutzextremisten, Naturliebhabern, Wanderern, Brennholzkunden, Großkunden, Jagdgästen, Waldpadagogik, usw. zu vollziehen.

    Wenn die LFV (Landesforstverwaltung)mit der Motorsäge die Wälder betritt, dann geschieht dies auf Grund von Grundsätzen der ordnungsgemäßen modernen Forstwirtschaft. Zertifiziert nach PEFC und weltweit anerkannt.

    Naturschutzextremisten wie Sie, die blindlings auf Berichte reagieren, die maßlos übertrieben sind, sollten sich erst einmal Vorort einen Einblick verschaffen und sich dort informieren.

    Sehr geehrter Herr Steiner,

    das Einvernehmen ist nach § 9 der Gebietsverodnung nur bei der Aufstellung von Bauleitplänen oder bei Maßnahmen zur Unterhaltung der Straßen, Wege, Deiche und Gewässer.

    Desweiteren sind nach § 7 Maßnahmen der ordnungsgemäßen naturnahmen Forstwirtschaft befreit von den Verboten nach § 6 Abs.1 Ziffer 9-12 und 18.

    Ich habe mir dieses Holz angesehen. 2000 Kubikmeter sind weit überschätz von Ihnen. Desweiteren handelt es sich nicht um Biotopholz. Biotopholz ist stehendes und liegendes Totholz. Bei dieser Maßnahme wurden stehenden äusserlich nicht erkennbare Bäume „geerntet“, nicht geschlachtet, gemetzelt oder auf irgend einen andere Art und Weise zu fall gebracht.

    Wenn Sie von „sicherlich … zahlreich neu angelegten Rückegassen“ sprechen, dann wissen sie es nicht, oder haben von ordnungsgemäßer Forstwirtschaft KEINE AHNUNG. Ich bitte Sie sich, bevor sie solche Artikel schreiben und dann auch noch veröffentlichen, schlau besser schlauer zu machen. Gemäß ordnungsgemäßer Forstwirtschaft (Waldbaurahmenrichtlinie, Zertifizierung, usw.) ist ein Mindestabstand der Rückegassen von 20 m vorgeschrieben. Bei Holzerntemaßnahmen (so werden Holzwerbungen bezeichnet und nicht „Entrümelungshieb“, das können sie bei sich auf dem Dachboden machen)werden Reisigmatten zur bodenschonenden Holzrückung ausgelegt bzw. bei feuchtem Wetter Boogiebänder über die Räder der Fahrzeuge gezogen, um den Bodendruck zu minimieren. Übrigens ein Rückepferd hat auf den Quadratzentimeter gerechnet einen wesentlich höheren Bodendruck als eine Forstmaschine.

    Von dieser Internetseite und von solchen extrem übertriebenen Artikeln kan ich nur eins halten : A B S T A N D !

  4. Sehr geehrter Herr Maier,

    herzlichen Dank für Ihren Kommentar, der eine gute Grundlage für eine sachliche Diskussion hier auf dem Barnim-Blog bietet!

    Mit freundlichen Grüßen
    Karl-Heinz Wenzlaff

  5. Was passiert jetzt mit den Baeumen, die der Koernerbock besiedelt hat und die auf den Holzpoltern liegen?

  6. Sehr geehrter Herr Maier,
    zunächst einmal herzlichen Dank für Ihren Beitrag hier im Barnimblog, der die Diskussion anregen könnte.

    Für uns ist es keine Schwierigkeit, all Ihre hier angebrachten Argumente souverän zu widerlegen. Zusätzlich untermauert durch Beweisfotos.
    Noch einmal: Nachhaltige Forstwirtschaft sieht anders aus als das, was Georg Möller und ich im Revier Eichheide „entdecken“ mussten. Ich wünschte, dass dem nicht so wäre. Doch die Realität ist leider eine andere.

    Beispielsweise findet sich Ihre forstwirtschaftstheoretische „bodenschonende Holzrückung“ im Revier Eichheide nicht. Im nächsten Beitrag stelle ein Foto rein, so dass die Öffentlichkeit sich ein Bild machen kann, ob Sie nun, oder wir, eine wahrheitsgemäße Berichterstattung geben.

    Im Übrigen würde ich mich freuen, wenn Sie nicht Abstand vom Barnimblog halten, sondern auch weiterhin kritisch mitmischen. Denn davon lebt dieses Blog!

    @Karsten
    Was mit den vom Körnerbock besiedelten Bäumen nun geschieht, weiß ich nicht. Denn bislang habe ich noch keine Antwort von der zuständigen Behörde, der Unteren Naturschutzbehörde Barnim, erhalten.
    Ich empfehle Interessierten, dort mal diesbezüglich nachzufragen.

  7. Pingback: Keine bodenschonende Bewirtschaftung im Forstrevier Eichheide - BAR-blog | Wir bloggen den Barnim

  8. Kann es sein, dass Verordnungen, Gesetze, Richtlinien, Verfügungen, Zertifizierungen usw. für dieses 21. Jahrhundert (in dem immer noch an jedem Tag hunderte von Tierarten aussterben) unzureichend, nur auf Profit bedacht und direkt umweltfeindlich sind? Warum berichtete der rbb in einer seiner Hauptnachrichtensendungen für Brandenburg vor etwa einem dreiviertel Jahr über zunehmenden Raubbau im Forst, hektargroße regelrechte Schachbrettmuster, die man aus dem Wald wegen des Profits herausfräst (ich weiss, das ist wieder der falsche Begriff), ohne dass diese Verfahrensweise den Gesetzen des Landes Brandenburg entgegen steht? Warum ist gerade die Ära Woidke durch viele umweltfeindliche Gesetze, so z.B. die sogenannte Baum“schutz“verordnung gekennzeichnet? Last but not least: Warum muss man Menschen, die sich um Natur und Umwelt – und damit um menschlichen Lebensraum- Sorgen machen,dabei aber natürlich meist keine Fachidioten sind, als Naturschutzextremisten beschimpfen? Zumal mir nicht klar ist, was das eigentlich sein soll.

  9. Sehr geehrte Diskussionsteilnehmer,

    wenn in eine deutschlandweit bekannte Naturlandschaft deutlich eingegriffen wird, erwartet die Öffentlichkeit eine Erklärung. Wenn es um Wald geht, ist zunächst die zuständige Forstverwaltung gefragt. Daß sie an die Naturschutzgesetze und die zugehörigen Verordnungen gebunden ist, bedarf keiner Diskussion. Sehr wohl sollte man jedoch die Ermessensspielräume diskutieren. Angesichts der großen, anhaltenden Naturverluste in unserem Land durch Überbauung und Zerschneidung sollte man Ermessensspielräume zugunsten des Naturerhalts nutzen. Das war hier vielleicht nicht der Fall.

    Sollte wirtschaftlicher Nutzen dem Naturerhalt vorgehen, sind eine verantwortliche Erklärung und ein Ausblick auf die geplante weitere Entwicklung angemessen. Das gilt besonders für ein Biosphärenreservat, eine hohe Auszeichnung der UNESCO. Träfe das hier zu, sollte man es in diesem Forum nachholen.

    Aus der Ferne stellt sich noch eine Frage: Fanden die hier diskutierten Maßnahmen in einem Schutzgebiet statt (z.B. FFH- oder Vogelschutzgebiet, Kern- oder Pflegezone des Biosphärenreservats) ?

    Mit freundlichen Grüßen aus dem Naturpark/Biosphärenreservat Pfälzerwald(D)-Nordvogesen(F).

  10. @Rudolf Ahrens-Botzong
    Ich freue mich, dass sich mit Ihnen auch zunehmend Fachleute an dieser Diskussion hier im Barnimblog beteiligen!
    Entsprechend Ihrer Frage möchte ich Ihnen antworten, dass die Maßnahmen nach unserer Recherche in einem Schutzgebiet stattfanden. Wie ich im Artikel geschrieben habe, handelt es sich bei dem im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin gelegenen Forstrevier Eichheide um ein FFH-Gebiet bzw. Naturschutzgebiet.

  11. Eine freche Zerstörung!

    Zwecks entomologischer fotografischer Beobachtung war ich erst letzten Freitag in diesem Gebiet, nahe Groß Schönebeck, und die großen Mengen von frisch geschlagenem Holz (bes. Buche) haben mich verwirrt. Laut meinen Informationen war dieses Gebiet ein unberührter Beinahe-Urwald mit dicken Eichen und viel Totholz. Doch das hügelige Areal, durch das ich radelte, sah aus wie ein ganz normaler, wirtschaftlich intensiv genutzter deutscher Waldabschnitt. Da mir ein Förster diese Gegend als Lebensraum extrem seltener Arten wie Mulmbock, Eichenbock, Hirschkäfer etc. empfohlen hatte, war ich umso enttäuschter. Wenn diese wertvolle Landschaft tatsächlich seit kurzem intensiv genutzt wird, muss dieser Schwachsinn sehr bald gestoppt werden. Wo sonst in Gesamtdeutschland gibt es noch eine solche Vielfalt an bedrohten Arten?

  12. Dieses Waldgebiet mit seinen Arten hat bereits mehrere intensive und extensive Nutzen überstanden. Zu DDR Zeiten war dieses Gebiet Staatsjagd mit einem wesentlich überhöhtem Wildbestand in dem kaum Pflanzen am Boden nach wachsen konnten. Seit dem die Forstwirtschaft wieder die Bewirtschaftung der Wälder übernommen hatte (bereits nach der Wende) wurde Holz innerhalb des Nachhaltigkeitsgrundsatzes geschlagen. Auch heute bei etwas anderen Bewirtschaftungsgrundsätzen wird Nachhaltig in den Wäldern Holz geerntet.

    Ein Grundsatz bei der Bewirtschaftung der Landeswälder ist die Nutzung von der Rückegasse aus. Damit wir der restliche Waldboden überhaupt nicht befahren. Das dadurch natürlich die Rückegassen erheblich grösseren Belastungen unterliegen, ist jedem logisch Denkenden klar.
    Das dann parziell auf feuchteren oder sandigeren Stellen die Rückefahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von >= 12 to mehr oder weniger tiefere Fahrspuren hinterlassen, sollte auch jedem klar sein.

    Die Ziele des Biosphärenreservats Schorfheide Chorin sind folgende:
    „Biosphärenreservate gelten weltweit als wichtiges Instrument, eine nachhaltige, d.h. dauerhaft-umweltgerechte Nutzung der natürlichen Ressourcen modellhaft in einem weltweiten Netzwerk zu entwickeln, zu erproben und umzusetzen. Sie repräsentieren alle wichtigen Landschaftstypen in den einzelnen Georegionen der Erde. Sie sollen drei Aufgaben erfüllen:

    Schutz, um Landschaften, Ökosysteme, Arten und die genetische Vielfalt zu sichern;

    Entwicklung, um wirtschaftliche Regionalentwicklung zu fördern, die kulturell, sozial und ökologisch nachhaltig ist; sowie

    Unterstützung von Forschung, Umweltbeobachtung und Informationsaustausch“

    Ein kompletter Nutzungsverzicht wäre als entgegen den Zielen des Biospährenreservats. Mit dem Verzicht der kompletten Befahrung der Waldflächen geht die Landesforstverwaltung einen sehr großen Schritt in Richtung Naturschutz und nachhaltige Bewirtschaftung der Waldflächen.

    Sie sollten nun auch nun mal die Kirche im Dorf lassen. Und nicht jeden Käfer den Sie irgendwo im Wald finden als Anlass nehmen um diese Flächen gleich unter Schutz zu stellen. Wenn ein Kranich beispilesweise auf einer Landwirtschaftliche Fläche landet wird dies nicht auch gleich unter Schutz gestellt. Der Landwirt ackert und bestellt weiterhin sein Feld. Gerade weil er er bewirtschaftet stellen sich die verschiedensten Arten ein. Genauso un nicht anders sollte man es auch im Wald sehen. Gerade weil die Landesforstverwaltung die Wälderbewirtschaftet, entstehen klein und kleinst Biotope für verschiedenste Arten. Und selbst in einer Rückefahrspur können sich Arten in den an gebildeten Pfützen und Wasserstellen entwickeln und Ihre Art fortpflanzen. Bitte auch über diese Aspekte mal nachdenken.

  13. Sehr geehrter Herr Maier,
    mit Ihrer gebetsmühlenartigen Verharmlosung dieses immensen Schadens im Forstrevier Eichheide ändern Sie nichts an den Fakten, die Sie sehr wohl erkannt haben, aber nicht gern wahrhaben wollen. Gesetzesbruch muss geahndet werden, und nichts anderes liegt hier vor.
    Möglicherweise arbeiten Sie bei der Landesforstverwaltung Brandenburg, zumindest jedoch bei einer anderen landesbehördlichen Institution, auf welches Ihre IP-Adresse hindeutet.
    Dann verstehe ich in diesem Zusammenhang natürlich Ihre Intension: Wessen Brot ess ich, dessen Lied sing ich.
    Andererseits freue ich mich, wenn hier mittlerweile auch die Landesbehörden mitlesen. Sie sollten ruhig wissen, dass die Bürger wachsam sind und nicht einknicken.
    Im Übrigen wurde Anzeige bei der Europäischen Kommission gestellt, die sich nun mit diesem Fall beschäftigen wird.

  14. Sehr geehrter Herr Steiner,
    mit großem Interesse verfolge ich die Vorgänge in einem Revier, welches ich selbst von 1989 bis 1995 verantwortlich forstlich bewirtschaften durfte. Ich kenne die Biosphärenreservatsverordnungen (BRVO) und die gesetzlichen Entwicklungen seit 1989 sehr genau und frage mich deshalb, ob Sie Ihre Anzeige bei der Europäischen Kommission gründlich durchdacht haben und evtl. auch die Ergebnisse einer eingehenden Prüfung als Wissenschaftler ertragen können.
    Erstmals veranlasste mich die BRVO mit dem Thema Verbot des Holzrückens mit Fahrzeugen außerhalb der Wege und Rückegassen (BRVO § 6, Abs. 1, Pkt. 13) zu beschäftigen, da ich bis dahin die ganzflächige Befahrung aller 8-15 Jahre nicht als schädlich empfand. Das kam also vom Naturschutz im Sinne des Bodenschutzes und der Konventionen von Rio und Folgenden. Inzwischen hat die Landesforstverwaltung über die freiwillige Zertifizierung nach PEFC viel härtere Vorgaben, als sie 1989 in die BRVO geschrieben wurden.
    Die von Ihnen fotografierten Hölzer stammen zum Teil aus der Abt. 144 des Revieres Eichheide. Diese Abteilung liegt in der Zone 2 des BR und beinhaltet eine Schlucht, die gemeinhin Libanon genannt wird.
    In der Zone 2 des BR gilt ebenfalls § 7 Abs. 2 Pkt. 2 , die ordnungsgemäße naturnahe forstw. Bodennutzung ist von den Verboten der BRVO unberührt.
    Die von Ihnen angeprangerte Nutzung ist eine reine Bestandeserschließung aller 40 m, was gegenüber einer Erschließung aller 20 m sehr vorsichtig war. Zumal es sich bei dem Bestand keineswegs um einen „Beinahe- Urwald“ handelt, sondern um einen sehr weit von der potentiellen natürlichen Vegetation entfernten Roteichenbestand handelt.
    Nun kann ein Laie schon mal die Roteiche mit Rotbuchen verwechseln, Sie doch aber hoffentlich nicht!
    Die Roteichen sind im BR sehr unerwünscht und nichts liegt näher, als hier durch viel stärkere Eingriffe eine Entwicklung zu standortsgemäßeren Baumarten zu erreichen. Aber der Förster war ja offensichtlich schon bei der vorsichtigen Variante ein ganz Böser.
    In den Roteichenbeständen findet man keine große Artenvielfalt an Insekten, dazu muss mehr Licht und Mischung mit einheimischen Baumarten gewährleistet werden.
    Körnerbock und Eremit müssten ihre Lebensweise stark verändert haben seit meiner Eichheider Zeit, wenn sie heute in viel zu dunklen Roteichenbeständen und deren Holz leben.
    Jawohl in Abt 142, ca. 1000 m vom Tatort entfernt, wurden derartige Käfer zu meiner Zeit in Buchenzerfallsstadien nachgewiesen und werden dort auch noch sein.
    Diese Bäume wird auch keiner angerührt haben, ich habe sie jedenfalls nicht in Poltern gefunden.
    Biotopbäume hält die LFV in jedem Laubholzbestand an 100 Jahre vor, nicht jeder trockene Baum ist ein Biotopbaum. Der Bestand ist meines Wissens aber auch jünger als 100.
    Ich gebe Ihnen recht, dass man nicht jeden trockenen Stamm aus dem Wald schleppen muss. In Abt 144 war, so glaube ich, seit meiner Zeit niemand mehr auf der Fläche und zu meiner Zeit „ging“ gar kein Roteichenholz. So dürfte hier der erste schwache Eingriff seit 1989 (und vorher wurde im Staatsjagdgebiet dort auch 25 Jahr lang nichts gemacht) vorliegen. Da häufen sich dann auf Schneisen auch mal trockene Bäume, das Wort Biotopbaum kommt mir bei Roteichen im NSG der BR gar nicht in den Sinn.

    Was nun von Ihren Anschuldigungen als Anzeige bei der Europäischen Kommission übrig bleibt, wissen nur Sie.
    Die Art und Weise, wie Sie mit der ehrlichen Arbeit anderer umgehen, schreit jedenfalls gen Himmel und dient dem Naturschutz nicht. Eine sachliche Auseinandersetzung wäre dienlich gewesen.

    Herrn R. Lohse hätte ich etwas mehr Insiderkenntnisse zugetraut als er im Leserbrief in der MOZ zu erkennen gab. 1996 oder 1997 gab es mal eine Endfassung eines Entwurfes einer Pflege- und Entwicklungsplanung (PEP)für die NSG des BR Schorfheide- Chorin. Entweder diese teure Planung ist nie aus der Entwurfsphase herausgekommen, eine gültige PEP liegt den Förstern des BR jedenfalls seither nicht vor. Es wäre mal spannend, was zur 144 Eichheide da drin stand. Sicher nicht der Schutz einer fremdländischen Baumart…
    Die „Streitigkeiten“ um Eichheide 144 vor einer sauberen fachlichen Diskussion mit den Vorgängen bei Redernswalde zu vergleichen erscheint mir ebenfalls nicht fair, hier vor allem nicht gegenüber der UNB.

  15. Sehr geehrter Herr Schmiedel
    (oder soll ich Sie besser unter Ihrem anderen Namen Ulrich Maier anschreiben?),
    ist es Ihnen überhaupt gestattet, private Agitation von dem PC einer Dienststelle des Landes Brandenburg zu betreiben? Es würde mich brennend interessieren, was Ihr Vorgesetzter dazu meint :-)

    Erst einmal nehme ich es Ihnen nicht ab, dass Sie a) das Revier Eichheide ausreichend kennen und b) in der Zeit zwischen 1989 und 1995 dafür verantwortlich waren. Da können Sie andere veräppeln, mich jedenfalls nicht. Das nur so mal am Rande ;-).

    Aber nun zur Sache, denn ich möchte Sie jetzt ernst nehmen: Seien Sie versichert, dass ich mich nicht auf den Roteichenbestand im Forstrevier Eichheide beziehe. Auch spreche ich nicht von entnommenen nordamerikanischen Roteichen, sondern von Biotop- und Altbäumen einheimischer Baumarten wie der Traubeneiche, Rotbuche und Waldkiefer, welches Sie als Fachmann unschwer auf dem obigen Foto erkennen können ;-)

    Ich denke also, wir reden hier vollends aneinander vorbei. Deshalb würde ich Sie bitten, sich mal die Situation vor Ort vollständig im gesamten Gebiet anzusehen. Gern würden Georg Möller und ich mit Ihnen einen Ortstermin vereinbaren, um Ihnen die Sachlage zu erläutern. Doch soweit ich weiß, sind die Polter leider schon abtransportiert worden. Zudem wundere ich mich, dass Sie nicht schon längst Kontakt mit uns aufgenommen haben, denn wir waren im August mehrmals in diesem Revier und hätten Sie gern zu einem Spaziergang mit Erfahrensaustausch eingeladen.

    Die Rückespuren jedoch, die sich tief in den Waldboden eingeschnitten haben und rigoros sogar durch ein besonders sensibles und schützenswertes einzeitliches Abflusstal (!) gehen, sind aber noch deutlich erkennbar. Allein dies hat nichts mit einer in einem Biosphärenreservat bzw. FFH-Gebiet erforderlichen schonenden Waldbewirtschaftung zu tun. Wenn Bedarf besteht, so lassen Sie sich bitte diese Beweisfotos von Gregor Beyer (Leiter des NABU-Naturerlebniszentrums Blumberger Mühle) zuschicken.

    Im Übrigen habe ich nicht behauptet, dass ICH Anzeige bei der Europäischen Kommission gestellt habe. Georg Möller und meine Wenigkeit haben für die Sache sensibilisiert; am Zuge sind jetzt andere.
    Im Übrigen kann ich mich den fachlichen Ausführungen von Reimer Loose in seinem MOZ-Leserbrief nur anschließen, der dieses Gebiet wie seine Westentasche kennt.

  16. Sehr geehrter Herr Dr. Steinert,
    Ihre Anfeindung und Verunglimpfung meiner Person, zeigt mir die Sinnlosigkeit einer sachlichen Diskussion mit Ihnen.
    Das muss ich mir wirklich nicht antun.
    Wöllten Sie wirklich Naturschutz, hätten Sie das mit sachlicher Ratgebung vor Ort tun können.
    Ihre Selbstdarstellung kann mich nur abstoßen, passt in Ihren derzeitigen Wahlkampf. Schön das Sie mich nicht kennen…

  17. Hallo Herr Schmiedel,

    das haben Sie richtig erkannt.
    Dies hier ist ein undemokratisches, heuchlerisches, selbstgefälliges und alles Meinungsverschiedenes ausgrenzendes Forum.
    Hier werden bei jeder Kritik Beiträge entfernt, persönliche Verunglimpfungen geschrieben und mit maximaler Arroganz reagiert.
    Einer von denen will sich wählen lassen…

  18. Hallo „Walter Papst“,
    Wie Sie sehen, wird Ihre Kritik nicht entfernt.
    Und wer bitteschön verunglimpft hier wen?

    Mann, seid Ihr allesamt mutig, aus Eurer Anonymität und Deckung heraus gegen Personen zu schießen, die hier im Forum mit einem realen Namen erscheinen. Alle Achtung, vor Euch ziehe ich meinen Hut. Das nenne ich Zivilcourage!!! :-(

  19. Reimer Loose wurde im obigen Kommentar von „Herrn Schmiedel“ angesprochen und bat mich,
    für ihn die folgende Passage in das Barnimblog zu setzen:

    Ich schätze Herrn Oberförster Schmiedel und glaube schon, daß er bemüht ist seinen Beruf mit viel Freude und Einsatzbereitschaft auszuüben. Er hat insofern Recht, wenn er feststellt, daß es zur Zeit keinen bestätigten PEP gibt. Über einen PEP hatte ich aber auch nicht gesprochen. Was er aber scheinbar nicht weiß, ist die Tatsache, daß es für das Naturschutzgebiet Nr.19 Kienhorst, Köllnsee, Eichheide eine “ Beschreibung, Bewertung und Entwicklungskonzept“ -Teilbereich Wälder&Forsten- gibt (aus 1999). Diese Unterlage wurde mit den zuständigen Forstbediensteten durchgesprochen und übergeben. Ein solcher Eingriff in dieser Form war und ist aber nicht vorgesehen. Wer aufmersam meine Kritik zu Redernswalde gelesen bzw. zur Kenntnis genommen hat wird festgestellt haben, daß meine Kritik zum damalige Sachverhalt nicht zu Sachfragen war, sondern daß bestimmte Gesetzlichkeiten nicht eingehalten wurden. Auch damals hatte die UNB eine sehr widersprüchliche und merkwürdige Stellung bezogen. Dies hat sich nun leider wiederholt, daher mein Bezug zu Redernswalde. Wer meine Kritik zu Redernswalde und jetzt zum Libanon aufmerksam liest kann unschwer erkennen, daß ich eigentlich noch einen anderen Kritikansatz habe, der kurz ausformuliert lautet
    – Warum reden die Naturschützer und Förster, wenn es um Maßnahmen in Naturschutzgebieten geht,
    nicht im Vorfeld darüber. Ich bin überzeugt, da lassen sich immer gemeinsame Wege finden, sogar wenn es erforderlich ist KOMPROMISSE.

    Reimer Loose

  20. Wow das ist viel Holz, dafür muß ich meinen Kettensägenführerschein machen.

    Gruß
    Joachim

  21. Pingback: Beliebte Beiträge im Barnim-Blog 3. Quartal 2008

  22. Am letzten Samstag bekam ich nun endlich ein Antwortschreiben der Referentin Anke Jenssen vom Landesumweltamt Brandenburg, Regionalstelle Ost, Frankfurt (Oder). Ich setze es hier mal rein:

    Hier: Ihre Anzeige an die UNB Barnim vom 6.8.2008 über eine nichtgenehmigte forstliche Maßnahme im Revier Eichheide verbunden mit artenschutzrechtlichen Verstößen

    Sehr geehrter Herr Dr. Steiner,
    ich möchte Sie über das Ergebnis der naturschutzrechtlichen Prüfung des von Ihnen in o.g. Angelegenheit angezeigten Sachverhalts unterrichten.
    Die Fachbehörde für Naturschutz hatte zu prüfen, ob durch forsteinrichtende Maßnahmen im Revier Eichheide, OF Pechteich (Schorfheide) eine Ordnungswidrigkeit im Sinne eines Verstoßes gegen den § 42 BNatschG vorliegt.
    Dieser Verdacht konnte nicht bestätigt werden. Ein entsprechendes Verfahren zur Verfolgung und Ahndung wurde nicht eingeleitet.
    Mit freundlichen Grüßen
    A. Jenssen
    Referentin

    Bravo, Frau Jenssen!
    Und dies hat nun über drei Monate Zeit in Anspruch genommen, um zu einem solchen, für den Naturschutz kontraproduktiven Entscheidungsergebnis zu gelangen? Ich habe von Ihnen in ihrer Rolle als Mitarbeiterin des LUA ja schon viel wenig Gutes gehört, aber dies schlägt doch dem Fass den Boden aus!
    Vor diesem Hintergrund dürfte doch die Frage erlaubt sein, ob man im Sinne des Bürokratieabbaus und der Kosteneinsparung nicht einige Alibi-Fachabteilungen des Brandenburgischen Landesumweltamtes besser einstampfen sollte?

  23. Frau Referentin A. Jenssen bescheidet, daß der Verdacht auf Vorliegen einer Ordnungswidrigkeit im Sinne eines Verstoßes gegen den § 42 BNatschG seitens des Landesumweltamtes nicht bestätigt werden konnte.

    Leider fehlen die Gründe für diese Entscheidung.

    Konnte der Verdacht nicht bestätigt werden, weil sich die Behörde nicht weiter gekümmert hat und demzufolge keine Informationen vorlagen?
    Oder hat die Behörde sich gekümmert und konnte nichts feststellen, weil die Holzpolter vielleicht schon abtransportiert waren?
    Oder hat die Behörde lediglich die zuständige (und verdächtigte) Forstbehörde befragt und daher keine Bestätigung des Verdachts erhalten?

    Behörden arbeiten nach Vorschriften. Unterstellungen sind daher nicht angebracht.
    Nach den Vorschriften müssen Bescheide aber auch begründet werden, soweit ich weiß.

    Lieber Andreas,
    bitte veröffentliche doch hier auch die Begründung des Bescheids von A. Jenssen. Die müßtest Du ja auch erhalten haben.

    Gruß Gerd

  24. @Gerd Markmann
    Lieber Gerd, der Bescheid von Frau Jenssen ist in dieser hier veröffentlichen Form vollständig. Es gibt keine Begründung. Vielleicht ein guter Grund, da nochmal nachzuhaken.

    Du schreibst, Behörden arbeiten nach Vorschriften. Das ist insofern richtig. Trotzdem sind die Spielräume vorhanden, z.T relativ groß und die jeweiligen Entscheidungen immer von den handelnden Personen abhängig. Auch vor den Gerichten wird Recht gesprochen, doch das Recht ist auslegbar. Das macht es ja so kompliziert.
    Wenn wir Umweltverbände genügend finanzielle Mittel zur Verfügung hätten und mit einem guten Umweltanwalt, wie dem Berliner Peter Krämer (Sache Allee Rüdnitz-Danewitz-L29), klagen würden, könnte sich die Forstverwaltung sicherlich warm anziehen.

  25. Nach all der Aufregung hat es mich dann doch mal interessiert und habe den „Libanon“ und Umgebung aufgesucht. Beruflich bin ich in dieser Hinsicht durchaus einiges gewohnt und nahm nach den Kommentaren der Fachkollegen doch an, dass ich zumindest nichts zu sehen bekomme, was mir den Abstecher verleidet – doch oh contraire. Der Sinn der Maßnahme kann sich dem distanzierten Fachmann nicht in Gänze erschließen. Hier wurden u.a. Rückegassen durch Einschnitte und Hänge gezogen, wo es auf Förstergenerationen absehbar nichts wirtschaftlich zu rücken gibt. Stattdessen wurden diverse naturschutzfachliche interessante Bäume für diese Rückegassen gefällt, insbesondere auch ältere heimische Laubbäume und Altkiefern. Das befahren der Hänge ist auch aus Sicht des Bodenschutzes bedenklich. Aus meiner Sicht stehen Schaden und Nutzen hier in keinem vertretbaren Verhältnis. Das versteht auch ein Zertifizierer, die keineswegs immer sklavisch an die Einhaltung von Rückegassenabstände bestehen.
    Anhand noch vorhandener Polter, umherliegender Stammteile und an Stubben war erkennbar, das erkennbare Lebensstätten verschiedener streng, besonders streng und/oder durch FFH Richtlinien geschützter Vogel-, Insekten- und Säugetierarten betroffen waren. Ob der Menge kann dies nicht ein vereinzeltes Versehen gewesen sein. Die Entnahme dieser Bäume kann auch nicht ernsthaft den Regeln der guten fachlichen Praxis entsprechend bezeichnet werden. Vermeidbare Beeinträchtigungen von vorhandenen Biotopen danach sind zu unterlassen, erst recht in Schutzgebieten! Forsten müssen in diesem Zusammenhang keine Befreiungen beantragen, sich aber sehr wohl z.B. dennoch sinngemäß an §42 BNatSchG halten – das wäre nämlich „der guten fachlichen Praxis“ entsprechend. Also bleibt die erkennbare Vorgehensweise m. E. ein Verstoß gegen Bundes- und Landsnaturschutzrecht, selbstverständlich auch im Forstbestand. Daher ist es nicht nachvollziehbar, wie man zurechterwägen will, dass das manifeste „Naturschutzvergehen“ doch keines sei. Den Intentionen des internationalen und nationalen Naturschutzrechtes entspricht man so jedenfalls keineswegs.
    Vielfach ist das eingeschlagene Holz für ein Holzheizkaftwerk vorgesehen. Hat denn keiner ethische Bedenken dabei, dieses aus einem Schutzgebiet zu befüttern?
    Ein Autor (weiter oben) forderte mehr vorzeitige Abstimmung zum erreichen fachlich vertretbarer Kompromisse zwischen Forstwirtschaft und Naturschutz. Doch bleibt ein Problem: Wer als Fachmann offenen Auges durch deutsche Wälder geht, kann nicht übersehen, dass in der forstlichen Praxis leider häufig den Zielen des Natur- und Artenschutzes sowie des Bodenschutzes zuwider gehandelt wird. Es gibt hierbei Bundesweit betrachtet durchaus Unterschiede, doch könnte dies an nicht ausreichender Kenntnis der einschlägigen rechtlichen Grundlagen oder an naturschutzfachlichen Defiziten liegen? Es gibt auch Kollegen, die die Ursache eher in unreflektiertem Festhalten an „Traditionen“ oder in schlichtem Unwillen oder in Abschottungsverhalten einer Berufsgruppe sehen. Ein anderer Kollege tendiert zu der Ansicht, dass die Rolle des Natur- und Artenschutzes (und dessen Experten) unter Forstleuten reflexhaft begrenzt würde, aus Furcht vor einem sozialen Bedeutungsverlust. Tatsächlich mögen in der verschiedenen Einzelfällen jeweils verschiedene Anteile mehrerer Aspekte in Kombination beteiligt sein. Doch ist dies letztlich nicht wichtig.
    Ich frage mich, ob die forstliche Ausbildung den heutigen Anforderungen entspricht, in denen Artenschutz und rechtliche aufgrund europäischer Rechtsnormen immer höhere Bedeutung erlangen?
    Inzwischen gibt es so viele Beispiele naturschutzfachlich zumindest unglücklichen Vorgehens von Forstverwaltungen und dagegen so wenig als gelungen zu bezeichnende Abstimmungsprozesse, dass man sich doch schon wundern muss, das der Naturschutz nicht die Abschaffung der Forstverwaltungen in der tradierten Form fordert. Forstliche Aufgaben könnten sehr gut durch ein Fachreferat eines Umweltministeriums erfüllt werden. Wenn dann leitende Positionen mit Fachleute des Naturschutzes und der Landschaftspflege besetzt wären, könnte auch eine höhere naturschutzfachliche und auch eine breitere rechtliche Kompetenz sichergestellt werden. Im Falle einer guten Strukturierung ist mit Sicherheit auch eine höhere Effizienz und damit ein geringeres Haushaltsdefizit zu erwarten, trotz verbesserter Schonung des Naturhaushaltes. Man könnte bei der Gelegenheit auch die Wirtschaftlichkeit bestickter Uniformen und zahlreicher bewohnter Förstereien überprüfen.

  26. Sehr geehrter Herr „Eichhörnchen“,

    vielen Dank für Ihren langen Kommentar. Hier bei uns auf dem Barnimblog ist es üblich, Kommentare unter seinem bürgerlichen Vor- und Zunamen abzugeben.

    Gerade bei Ihrem fachlich fundierten Kommentar hätte ich mir das gewünscht. Noch mehr Glaubwürdigkeit verleihen Sie Ihrem Kommentar, wenn Sie eine korrekte E-Mail-Adresse und ein Foto auf http://www.gravatar.com verwenden.

    Herzliche Grüße
    Karl-Heinz Wenzlaff

  27. Lieber Herr Wenzlaff, gern käme ich ihrer Bitte nach, doch wären berufliche Nachteile dann recht warscheinlich. Oder: Ewin das Eichhörnchen bekäme dann ganz fix seinen buschigen Schwanz rasiert.

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