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Barnimer Unternehmer gegen Sondermüllverbrennungsanlage Theo Steil

In einer stichprobenhaften Umfrage hat der Inhaber der Firma Holzmarkt Köhn aus Klosterfelde, Toralf Köhn, Barnimer Unternehmerinnen und Unternehmer über ihre Einstellung zur geplanten Sondermüllverbrennungsanlage der Theo Steil GmbH am Eberswalder Standort befragt.

Insgesamt faxte Köhn seine Umfrage an 287 Unternehmen, die im Umkreis von Eberswalde ansässig sind. Dabei hat er sich aus Zeitgründen nur an Firmen gewandt, deren Faxnummern im Telefonbuch vermerkt sind.

Zuerst das weniger erfreuliche Ergebnis: Von diesen befragten Firmen haben ihm leider nur 73 geantwortet. Allerdings: Davon wiederum sprachen sich 68 und damit 93% gegen die Errichtung der Sondermüllverbrennungsanlage aus, während lediglich 5 Unternehmen zu den Befürwortern gehörten!

Interessant ist, dass kleinere Firmen bzw. Selbständige am häufigsten geantwortet haben. Zu ihnen gehören u.a. Tischlereien, Heizungsbaufirmen, Ingenieurbüros, Baufirmen, Autohäuser, Hotels, Hörgerätespezialisten, zwei Ärzte und drei Steuerberater. Darüber hinaus sprachen sich zwei größere Unternehmen der Region gegen die Steil-Anlage aus. Ansonsten haben sich alle anderen Großunternehmen nicht an der Umfrage beteiligt. Aus Datenschutzgründen werden die Namen der Teilnehmenden nicht veröffentlicht.

Toralf Köhn ist mit dem Umfrageergebnis zufrieden, wenngleich er sich einen größeren Rücklauf gewünscht hätte:

„Schon mehrfach hat sich der Unternehmerverband Barnim in der Öffentlichkeit hinter die Firma Steil gestellt. Es wird dadurch der Eindruck erweckt, dass wir Barnimer Unternehmer und Gewerbetreibenden für die geplante Sondermüllverbrennungsanlage sind. Um das mal klarzustellen: Der überwiegende Teil der Unternehmer hier im Barnim ist gegen diese Anlage! Wer sich objektiv mit den Fakten auseinandergesetzt und sich die Mühe gemacht hat, die Auswirkungen für unseren Landkreis bis zum Ende zu durchdenken, muss zu der Erkenntnis kommen, das diese Pilotanlage nur Nachteile und Gefahren für die Region bringen kann! Sicher können einige wenige durchaus persönliche Vorteile aus der Sache ziehen. Aber auch diese – wenn sie hier im Barnim wohnen bleiben – können für ihre Familien Gesundheit nicht erkaufen. Das Umfrageergebnis zeigt, dass die Unternehmer im Barnim gegen die Anlage votieren und damit Verantwortung für ihre Heimat zeigen!“

Toralf Köhn weist außerdem darauf hin, dass die Zielprämie in Höhe von 10.000 Euro zur Verhinderung der Steil-Anlage – ausgelobt von Unternehmern aus der Region – immer noch aktuell ist.

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Hier zur Info noch der genaue Wortlaut der Umfrage:

Barnimer Unternehmerverband stellt sich hinter Theo Steil (MOZ vom 27.03.08)
Umfrage: Wo stehen die Barnimer Unternehmer?

Sehr geehrte Barnimer UnternehmerInnen,

wie ist Ihre persönliche Ansicht zum Thema „Sondermüllverbrennungsanlage Theo Steil“?
Der Barnimer Unternehmerverband hat schon mehrfach in der Öffentlichkeit den Anschein erweckt, die geplante Versuchsanlage wäre für die Wirtschaft im Barnim unerlässlich und die Barnimer Unternehmer sind grundsätzlich für die Anlage.
Deshalb möchten wir jetzt eine Umfrage starten. Wie ist eigentlich Ihre Meinung zu diesem Thema?
Braucht der Barnim eine Sondermüllverbrennung?

► von 90.000 – 100.000 t Importmüll/Jahr
► von Gewerbeabfall aus 80 % hochgiftiger Shredderleichtfraktion bestehend (eine Schadstoffzusammensetzung, wie sie bislang noch nie in einer Anlage in Deutschland verbrannt wurde! Es gibt also keine Erfahrungswerte – das Landesumweltamt schätzt die Schadstoffbelastung vom Schreibtisch aus ein – der Barnim dient quasi als Versuchsregion!)

► von 180 t Blei/Jahr im Input (geringste Dosen Blei sind bereits tödlich!)
► mit Antimon im Output (grenzwertüberschreitend, Anreicherung in den Körperzellen, erbgutverändernd) und weiteren gefährlichen Stoffen mit einer Emission dicht unter den Grenzwerten infolge billigster Filtertechnik (das Gros der chemischen Reaktionen ist noch gar nicht bekannt / keine Grenzwerte!)
► bei einer niedrigen Verbrennungstemperatur von 850° C (Vorschrift bei BSE-Kadavern:870° C; bei Chloranteil (Shredderleichtfraktion) von > 1,3 % sind 1.100° C ! Einfacher Hausmüll wird bei bester Technik bereits bei 1.200° C verbrannt!)

► mit dem Transport und der Lagerung von hochtoxischen Stoffen (z. B. 180 t Blei/Jahr rein – 180 t Blei/Jahr wieder raus– angeblich als Schlacke –)
► mit einem Standort der Anlage in der Hauptwindrichtung von Eberswalde und weiteren Orten und Ortsteilen (langfristige Schadstoffanreicherung mit Auswirkungen auch auf das Biosphärenreservat Schorfheide (Tourismusmagnet) – damit sind weit größere Gebiete und viel mehr Menschen betroffen, als bisher zum Untersuchungsradius gehören), Rückzahlung von EU-Fördermitteln!?
► mit erheblichen Wertverlusten der Immobilien im Umkreis der Stadt Eberswalde

Weitere Fakten auf der Homepage der Bürgerinitiative für eine gesunde Umwelt – Schorfheide e.V.
(BI-S): www.mva-eberswalde.de

Brauchen wir Unternehmer und Gewerbetreibende, braucht die Wirtschaft im Barnim eine Sondermüllverbrennungsanlage? Können Sie für Ihr Unternehmen oder Ihre Familie wirklich Nachteile erkennen, wenn sie nicht gebaut werden sollte!?
Wir Unternehmer, die sich bereits gegen diese Anlage ausgesprochen haben, und die Bürgerinitiative, möchten die Ansicht der Barnimer Unternehmer ermitteln:

Befürworten Sie die geplanten Sondermüllverbrennungsanlage in Eberswalde?
ja
nein
Umfrageergebnis mitteilen …………………………………………..
Absender ( evtl. Firmenstempel )

Antwort bitte an folgende Fax-Nr.: 03 33 96 / 7 90 92
Holzmarkt Köhn – Klosterfelde-
(Wir würden uns freuen, wenn Sie die Umfrage an Ihre Geschäftspartner weiterreichen)

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Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

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