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Plakat-Aktionen gegen Sondermüllverbrennungsanlage Theo Steil in Eberswalde

Plakat gegen SondermüllIn beeindruckender Weise wehren sich die Bürgerinnen und Bürger von Eberswalde und Schorfheide mit Plakat-Aktionen gegen die geplante Sondermüllverbrennungsanlage der Theo Steil GmbH. Auf der Homepage der Bürgerinitiative für eine gesunde Umwelt – Schorfheide e.V. (BI-S) sind einige davon abgebildet.

In der breiten Bevölkerung wird diese Sondermüllverbrennungsanlage abgelehnt: Mehr als 14.000 Unterschriften und über 4.000 Einwendungen sprechen eine deutliche Sprache. Bedauerlicherweise wurde der Bau im Dezember 2007 durch das Landesumweltamt Brandenburg (LUA) unter Minimalanforderungen genehmigt. Es war ein schönes Weihnachtsgeschenk der Behörden an das Unternehmen! Denn der Betreiber hat seine Wünsche damit zu fast 100% erfüllt bekommen.

Die Genehmigung bedeutet grünes Licht für subventionierten Mülltourismus nach Eberswalde. Zur Profitmaximierung eines einzelnen Unternehmens, gegen den Willen der Anwohner und zum Schaden der Region. Ein kontraproduktives Signal für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Wirtschafts- und Umweltpolitik im Land und unvereinbar mit dem Leitbild „Eberswalde 2020″.

Anfang des Jahres hat dann ein anonymer Unternehmer aus dem Barnim für die Verhinderung der Steil-Sondermüllverbrennung in Eberswalde 10.000 Euro ausgelobt. Eine Prämie, die noch auf den „Weißen Ritter“ wartet.

Derzeitiger Verfahrensstand ist, dass beim Landesumweltamt knapp 100 Widersprüche gegen die Genehmigung der Sondermüllverbrennungsanlage eingegangen sind. Sie haben aufschiebende Wirkung. Im Zuge einer Baufeldräumung ist die Beseitigung des Vegetationsbestandes auf der geplanten Anlagenfläche im Zeitraum vom 15. März bis 15. September eines Kalenderjahres jedoch nicht zulässig. Ein Baubeginn vor Mitte September 2008 wäre damit ausgeschlossen.
Eine solche eingeräumte „Gnadenfrist“ sollte von Gegnern der Sondermüllverbrennungsanlage auf vielfältige Weise gut genutzt werden!

In der heutigen Ausgabe der MOZ fordert der Unternehmerverband Barnim für das Unternehmen Steil Rechtssicherheit mit Blick auf die Baugenehmigung.
Mir kommen die Tränen, wenn Verbandssprecher Erhard Polzer vorgibt, dass die von der Stadt Eberswalde eingereichte Klage nicht nur das Bauprojekt, sondern die Existenz der gesamten Firma Theo Steil bedrohen würde. An Hochstapelei ist das wohl kaum zu übertreffen.
Und Steil-Betriebsleiter Wotschke nannte als weitere Gründe für die neue Anlage die Schaffung von Arbeitsplätzen. Wie viele werde es denn wohl sein? 5 vielleicht? Mit konkreten Zahlen hielt sich Herr Wotschke aber zurück.

Der Unternehmerverband Barnim sollte sich besser überlegen, welchen Herren er dienen möchte. Eine diesbezügliche Hofierung der Theo Steil GmbH lässt tief blicken und bedeutet eine Ohrfeige für die benachbarte Großbäckerei Märkisch-Edel. Hier würden Arbeitsplätze in Größenordnung verloren gehen, wenn das Sondermüll-Projekt verwirklicht wird. Gesunde Nahrungsmittel und Gift nebeneinander passen eben nicht zusammen.

Bildquelle: www.mva-eberswalde.de

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Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik.
Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB).
Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht.
Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

5 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Richtig überraschend kommt die Haltung des Barnimer Unternehmerverbandes leider nicht.
    Hierzu hatte ich im Januar letzten Jahres folgenden Artikel auf dem BAR-Blog veröffentlicht:
    http://www.bar-blog.de/2007/01/15/unternehmerverband-barnim-fuer-sondermuellverbrennung-in-eberswalde/

    Mich würde übrigens sehr interessieren wie die Masse der Barnimer Unternehmer über das Vorhaben denken. In einer Region, die in wachsendem Maße auf Tourismus,Freizeit, und Gesundheitsangebote setzt droht hier wesentlich mehr Unternehmen erheblicher Schaden als der angesprochenen Großbäckerei.

    Ich hoffe sehr , dass der erstaunliche Elan der Bürgerinitativen und anderer Aktiver nicht nachlässt. Meine Solidarität besteht in jedem Fall fort.

    Grüße

    Stefan Stahlbaum

  2. Als (Klein)Unternehmer ohne Angestellte, aber mit einem Geschäftspartner, muss ich zugeben, dass ich das Verhalten des Unternehmerverbandes , http://www.uv-barnim.de, zumindestens nachvollziehen kann. Wenn man sich anschaut, wer dort alles Mitglied ist, muss man sich aber auch schnell klar sein, dass höchstwahrscheinlich nicht jedes Verbandsmitglied so denkt, wie es nach aussen dargestellt wird. Ich weiß sogar von einigen, die auf Grund ihres politischen Engagements und ihrer Mitgliedschaft im Unternehmerverband in einer echten Gewissenszwickmühle stecken. Letztendlich ist der UV Barnim keine homogene Interessengruppe. Und darum ist diese Äußerung wohl eher eine Verlautbarung des Vorstandes des UV. Man möchte sich solidarisch mit den Unternehmerkollegen zeigen.

    Ist es denn wirklich so, dass die Proteste der Barnimer sich grundsetzlich gegen die Errichtung einer Sondermüllverbrennungsanlage auf dem Steil-Gelände richten oder gegen diese konkrete, die nur mit dem niedrigsten Stand der Filtertechnik ausgerüstet werden soll?

  3. @Andreas Gläßer
    14.267 Unterschriften und 4.007 Einwendungen zeigen klar, was die Eberswalder und Schorfheider wollen. Nämlich unter allen Umständen keine Sondermüllverbrennungsanlage. Und dieses Bürgervotum sollte man Ernst nehmen. Profite für ein einzelnes Unternehmen und Lasten für die Bürgerinnen und Bürger?
    Ein klares NEIN!

  4. Meine Frage zielte auch eher dahin, ob es in der Unterschriftensammlung um das wie oder das ja/nein ging. Wenn ich mich mit den Menschen unterhalte, sagen die mit Abstand meisten in etwa: „Wenn die Anlage wenigstens mit der bestmöglichen Filtertechnik arbeiten würde…“ Ich erlebte eigentlich hauptsächlich bei den zum Thema abgehaltenen Veranstaltungen, dass die Volksseele regelrecht hochkochte (was mit Verlaub gesagt, durch gute Rethorik schnell zu erreichen ist, wie ich als Schaffender der Marketingbranche versichern kann). Wenn man die Leute einzeln und privat trifft, relativieren sich die Standpunkte oft. Ich glaube, hier sind Fronten aufgebaut worden, die sich über die Dauer des Protestes völlig verhärtet haben.

    Dazu hat mit Sicherheit auch die, gelinde gesagt, dämliche Kommunikationspolitik der Firma Theo Steil beigetragen. Ein Unternehmen mit fortschrittlichem Marketingkonzept hätte sicherlich rechtzeitig verstanden, dass mit Vertuschung und Unter-den-Teppich-kehren von Informationen nicht nur das eigene Image, sondern auch der erhoffte Profit gefährdet werden. Wenn man ein Unternehmen in einer Region betreibt, dann sollte man sich nicht gegen das Wohl der dort Lebenden stellen.
    Ich frage mich, welchen Sachstand wir heute hätten, wenn Steil von vornherein mit der für den Umweltschutz bestmöglichen Technik gearbeitet hätte?

    Aber eigentlich ist die ganz pragmatische Frage doch: Warum brauchen wir bei der derzeitgen Überkapazität in den Bereichen Müllverarbeitung und Müllverbrennung überhaupt eine weitere Anlage, egal wo in Deutschland? Es gibt ja auch nur einen Schornsteinfeger im Bezirk.

    Ich fass mir aber auch immer gern selbst an die Nase. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, soll in dieser Anlage bei Theo Steil vorwiegend Abfall aus der Altautoverwertung bearbeitet werden. Das heisst, dass unsere hauseigene Müllproduktion erst die Voraussetzungen schafft für eine Profitgarantie in dieser Branche. Wieviele, irgendwann zur Verschrottung anstehende, Kraftfahrzeuge stehen hinter den vielen Befürwortern der Unterschriftensammlung? Ich selbst habe in meinen 35 Lebensjahren schon 2 Wagen verschrotten oder verwerten lassen und bin mir über die Tragweite dessen erst seit dem Wirbel um die Steil-Anlage vor unserer aller Haustür bewußt geworden. Schaffen wir uns jetzt alle keine Autos mehr an? Können wir unseren Luxusstandard überhaupt reduzieren (den ja die Allermeisten in Deutschland, ob Unternehmer oder Hartz-VI-Empfänger, noch haben)?

  5. @Andreas Gläßer
    Das sind gute Fragen, die Du hier aufwirfst.
    Von Anfang an bin ich Mitglied der Bürgerinitiative für eine gesunde Umwelt – Schorfheide e.V. (BI-S) und kann versichern, dass es immer unserer Bestreben war, nach bestem Wissen und Gewissen die Bürgerinnen und Bürger sachlich fundiert und objektiv zu informieren. Rhetorik ist ja schön und gut, aber allein damit, ohne die nötigen Fakten im Hintergrund, kommt man auch nicht weit.
    Die Leute sind zwar generell leider zu wenig politisch interessiert und engagiert, aber ja nicht dumm und lassen sich durch Bauernfängerei auch nicht für dumm verkaufen. Ein Glück, das dies so ist.

    In Sachen Kommunikationspolitik der Theo Steil GmbH gebe ich Dir vollkommen Recht. Aber das Unternehmen scheint es seit jeher nicht für nötig zu erachten, auf Kooperationskurs zu gehen. Wie Du siehst, haben sie die Baugenehmigung nun auch ohne das Bestreben auf gute Nachbarschaftlichkeit in der Tasche.

    In Sachen Überkapazität von Müllverbrennungsanlagen und bessere Wiederverwertung alter Autoteile könnte ich jetzt einen Sermon schreiben. Dazu verweise ich aber lieber auf die Homepage unserer Bürgerinitiative (Rubrik Leserbriefe). Nur soweit: Es gibt effizientere, ökologisch bessere und damit nachhaltigere Verwertungsmethoden für Schredderleichtfraktionen, z.B. die Pyrolyse (in Schwarze Pumpe). Darum geht es der Firma Steil aber nicht, denn wenn sie ihre Autoteile dort verwerten lassen würde, müsste sie dies bezahlen und könnte den Gewinn aus der eigenen Verwertung plus Subventionen nicht einstecken. So einfach ist das.