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Der Stellenwert des Naturschutzes im Barnim

kettensage3.JPGAm Donnerstag bin ich in der Märkischen Oderzeitung auf den Artikel „Ihrke: Naturschutz ist uns wichtig“ gestoßen, der mich geradezu gedrängt hat, etwas dazu zu schreiben. In diesem Beitrag beteuert der Barnimer Landrat Bodo Ihrke im Zuge öffentlicher Kritik in der letzten Kreistagssitzung, kein gespanntes Verhältnis zum Naturschutz zu haben. Doch nach meinen Erfahrungen liegt ihm der Naturschutz nicht wirklich am Herzen.
War es nicht Ihrke, der vor Jahren die Umstrukturierung der Kreisverwaltung „im Sinne einer anderen Prioritätensetzung“ und damit gegen ökologische Interessen vornahm? In widersinniger Weise wurde die Untere Naturschutzbehörde dem Bauordnungsamt unterstellt und damit in ihrer verwaltungspolitischen Durchsetzungsfähigkeit geschwächt. Glaubwürdig wäre der Landrat erst, wenn er die Sachgebiete Bodenschutz, Abfall- und Wasserwirtschaft sowie Naturschutz in einem Umweltamt vereinigen und zugleich uneffektive Verwaltungsstrukturen zügig reformieren würde.

Es kann eben nicht vertuscht werden, dass der Naturschutz im Landkreis Barnim keinen hohen Stellenwert genießt. Die Liste von Naturzerstörungen, welche nicht geahndet oder nicht ausgeglichen wurden oder aber nicht ausgeglichen werden konnten, ist lang. Und alle haben noch die Allee Rüdnitz-Danewitz-L29 vor Augen, wo über 700 Bäume nur durch aktives Bürgerengagement vor den Kettensägen der Kreisbehörden gerettet wurden.

Darüber hinaus mangelt es an ernsthaften Bemühungen für einen aktiven Natur- und Landschaftsschutz. Dazu gehören freiwillige Leistungen des Landkreises zum Erhalt und Aufbau der Barnimer Kulturlandschaft, wie die Anpflanzung von Obstbaumalleen und Hecken an Feldwegen als Biotopverbundsysteme. Jeder darin investierte Euro wäre gut verwendet und würde der Gemeinschaft als Wertschöpfung in vielerlei Hinsicht mehrfach zurück fließen. Hierbei stehen die regional tätigen Naturschutzverbände der Kreisverwaltung gern beratend zur Seite. Bei den vom Landrat aufgeführten Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen jedoch handelt es sich nicht um freiwillige Leistungen, sondern um gesetzliche Verpflichtungen, die der Landkreis – beispielsweise im Zuge naturzerstörender Bauvorhaben oder Baumfällungen – erfüllen muss.

Vor diesen Hintergründen kann in der Kreispolitik ein politischer Neuanfang nur gelingen, wenn die Schlüsselfiguren aus Kreistag und Kreisverwaltung alte verkrustete Denkmuster ablegen. In der Gesundheits- und Tourismusregion Barnim muss endlich eine moderne Wirtschaftspolitik Einzug halten, die nicht Gegensätze zwischen Ökologie und Ökonomie konstruiert, sondern den Natur- und Umweltschutz programmatisch als auch praktisch einbindet und somit wirtschaftlich besser zu nutzen versteht.

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Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

2 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Die Schreiben der Unteren Naturschutzbehörde Barnim zu Naturschutzverstößen von Anliegern im NSG „Faule Wiesen“ an der Panke (Zepernick/Schönow/Bernau)sagen so viel über das „große“ Interesse der Kreisverwaltung am Naturschutz aus, dass ich sie mir eingerahmt habe. Dieser Landrat und sein Stellvertreter Bockhardt sind eine einzige Katastrophe – und nicht nur für den Naturschutz und die Umwelt im Barnim.

  2. Wer wie diese Region auf Tourismus und seine Nutzung setzen muß, der kann doch nicht wirklich die Genehmigung einer Müllverbrennungsanlage in Erwägung ziehen. Aber all das paßt doch irgendwie zusammen, denn viele Bewohner hier sind echte Ignoranten gegenüber Ihrer natürlichen Umgebung. Straßenbäume sind nur im Wege, lassen Laub fallen, müssen etwas gepflegt werden. Alles viel zu viel Aufwand. Wer so denkt, hat keine besseren Politiker verdient.