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Ferkelaufzuchtanlage in Ziethen: nein! Sondermüllverbrennungsanlage in Eberswalde: egal?

Sondermüllverbrennungsanlage, BuckowIn einem Artikel der Märkischen Oderzeitung spricht sich die Leitung des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin gegen den geplanten Ferkelaufzuchtbetrieb in Ziethen aus. Als Begründung wird genannt, dass diese Anlage im Landschaftsschutzgebiet und zugleich in unmittelbarer Nähe zu FFH-Gebieten liegt. Aufgrund dessen sowie wegen der Art des Betriebs sei „mit einer Beeinträchtigung der Landschaft zu rechnen“. Zudem würde man Probleme für die touristische Entwicklung der Region sehen.

Eine deutliche Positionierung, und die aufgeführten Argumente sind meines Erachtens gut und richtig. Jedoch:

Mir ist nicht bekannt, dass sich die Biosphärenreservatsleitung bislang gegen die mittlerweile vom Landesumweltamt genehmigte Sondermüllverbrennungsanlage der Theo Steil GmbH in Eberswalde ausgesprochen hat, obwohl diese zum größten Schadstoffemittenten in der Region werden dürfte. Nach internen Informationen haben sich die Mitarbeiter dieser Einrichtung selbst einen Maulkorb verordnet, um nicht Gefahr zu laufen, den Genehmigungsbescheid ihres Dienstherren, des Landesumweltamtes, zu unterlaufen.
Bedauerlich, weil die Leitung des Biosphärenreservates mehr Mut besitzen sollte, wenn es um wichtige regionale Umweltbelange geht, bei denen ihr fachlicher Rat erwünscht ist. Unterschiedliche Maßstäbe anzulegen, ist daher nicht angebracht.

Denn nicht nur Massentierhaltungen stehen einer zukunftsorientierten Entwicklung des Barnims entgegen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass Natur und Umwelt in einem weitaus stärkeren Maße durch Inbetriebnahme dieser Sondermüllverbrennungsanlage geschädigt werden. Das dürfte aber auch der Leitung des Biosphärenreservates bekannt sein.

Verschärfend kommt hinzu, dass Sondermüllverbrennungsanlagen nicht unwesentliche Mengen an Schwermetallen und Sevesogiften (Dioxine und Furane) freisetzen, die im Vergleich zu den bei einer Ferkelaufzucht entstehenden Nähr- und Schadstoffen nicht biologisch abbaubar sind und deshalb verstärkt in der Landschaft akkumulieren. Solche Umweltgifte bleiben nicht auf den Eberswalder Raum beschränkt. Mit dem Wind werden sie weit verbreitet und gelangen auch in die sensiblen, schützenswerten Gebiete des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin. Welche Langzeitschäden sie dort anrichten, ist kaum abschätzbar.

Bildquelle: www.mva-eberswalde.de

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Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik.
Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB).
Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht.
Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

1 Kommentar » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Hallo Andreas,

    ich freue mich dennoch für die Leute aus Klein-Ziethen (wirkt irgendwie wie das weltbekannte „kleine gallische Dorf“).
    Die Entscheidung zur MVA Eberswalde macht das allerdings nicht wirlich verständlicher.