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Es war einmal ein Mann (6. Teil) … oder „ … und vergiss nicht zu spülen!“

Bisher erschienen: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5

Das alte Jahr hatte für die Chefs mit einer guten Nachricht geendet. Gerade waren sie von einem Familientreffen aus ihrer sizilianischen Heimat zurückgekehrt, da besuchte sie auch schon Herr Eva. Er hatte Ihnen mitgeteilt, dass die Freunde vom zuständigen Amt ihre Arbeit wie gewünscht erledigt hatten. Man konnte sich eben auf die Familie verlassen. Nachdem er ihnen mit einfachen Worten den Sachverhalt erklärt hatte, verstanden sie es auch. Endlich war es amtlich, dass die „Betriebstoilette“ wie das Projekt von Herrn Altendom seinerzeit während eines Rollator-Ausfluges genannt wurde, Realität werden konnte. Zwar musste nun mit Klagen und Beschwerden gerechnet werden, doch hatten sich in Schweinebaum mittlerweile die alten Verbindungen als hilfreich erwiesen.

Auch die Fürsten auf Kreis- und Landesebene, die Herren Seine und Knaller, die sich ja immer neutral verhalten hatten – bei derartigen Aussagen hielten sich die Chefs immer den Bauch vor Lachen und waren nur schwer zu beruhigen – wollten nun sogar schlichten. „Da könnten wir ja auch Herrn Eva zum schlichten schicken“, sagte einer der Chefs und wieder lachten alle. Herr Eva war beeindruckt, dass einer der Chefs einen eigenen Gedanken formulieren konnte und nicht nur geistigen Schrott gebar, wie es sonst der Fall war.

Wütend dachte Herr Eva daran, dass erst kürzlich das gleiche Projekt aus Umweltschutz-Gründen auf einem Betriebsgelände in einer Stadt namens Tschernobyl abgelehnt wurde. Er wusste zwar nicht, wo diese Stadt liegt, war aber dennoch sehr froh, dass wenigstens im Landkreis Bargeld das Projekt von den Verantwortlichen geschätzt wurde. Nachdem er noch einige Hänseleien der Chefs über sich ergehen lassen musste, fragte einer: „Fahren Sie wieder wie unsere HEIZWERTREICHEN RESTSTOFFE mit dem Zug zurück nach Schweinebaum?“. Wieder lachte der gesamte Raum und auf dem Gesicht Herrn Evas zeigte sich der zarte Hauch einer Wangenrötung. Gott sei Dank war die Luft auch auf dem Betriebsgelände der Zentrale derart schlecht, dass die Mitarbeiter auf dem Gelände nur angeleint gefahrlos herumlaufen konnten. Niemand hatte somit die Reaktion Herrn Evas bemerkt.

Klar war, dass Herr Eva wieder auf einem der LKWs mitfahren musste und dass es sich um Giftmüll handelt. Einmal hatte die Fahrt durch Glatteis etwas länger gedauert und schon hatte sich der Müll durch den Container gefressen. Immer wenn man mit einem Kontrolleur einen Termin machen würde, das wäre ein- oder zweimal im Jahr, verschickte man ein wenig Hausmüll oder anderen wenig giftigen Müll. Alle würden dann im Unternehmen einen „Showarbeitstag“ einlegen. Sogar nachts wurde dann nicht gearbeitet. Ansonsten arbeitete das gesamte Unternehmen jetzt 24 Stunden lang.

Durch das Chaos auf dem Betriebsgelände, das als Hintergrund für eine Tsunami- oder Nachkriegs-Doku herhalten könnte, war es nicht mehr auseinander zu halten, welcher Betriebsteil nun eigentlich arbeitete. Also war Herr Eva in den letzten Tagen wieder auf dem Balkan unterwegs um Mitarbeiter zu finden, die ins Lohngefüge passen. Er war wieder vom regionalen (Groß-)Flughafen Schweinebaum, über die Luftkreuze Altenburg-Nobitz und Memmingen nach Tirana geflogen. Der Rückflug erfolgte dann über Heringsdorf und Trollenhagen. Alle Flughäfen waren vom Service sehr unterschiedlich. In Schweinebaum wurde die Bockwurst aus einem alten O-Bus gereicht, in Altenburg die Bratwurst aus einer Chemnitzer Straßenbahn und in Heringsdorf das Fischbrötchen aus einem alten Fischerboot. Das Personal, also die jeweils 3 Rentnerinnen, war sehr freundlich. Auch auf dem Rückflug kümmerten sich die 5 Flugbegleiterinnen sehr gut um die 3 Fluggäste.

Unter den Kandidaten beim Headhunting für Adam`s Family waren wieder alle möglichen Berufgruppen. Da man ja rund um die Uhr arbeitete brauchte man – passend zur Länge der Schichten – z.B. 2 Seher pro Tag. Endlich hatte man auch Frauen im Metallgewerbe, denn 2 Schwestern des Sehers wurden eingestellt. Eine hatte im offenen Kanal Tirana Karten gelegt, passte also hundertprozentig in die Stellenbeschreibung „Eingangskontrolleur“. Die andere hatte selbst keine derartigen Fähigkeiten. Allerdings hatte ihr dressierter Schimpanse diese Fähigkeiten. Natürlich wurden die benötigten Bananen vom Lohn abgezogen. Die Wirtschaftsförderer aus dem Metallbereich veröffentlichten sofort die erfolgreiche Einstellung von Frauen in der Metallbranche im aktuellen Amts(käse)blatt.

Manchmal fing der Schimpanse schon an, geschäftig Knöpfe und Regler zu bedienen, wenn man den Chefs noch mittels Kasperlepuppen den Sachverhalt verdeutlichen musste. Aber Herr Eva begnügte sich mit dem Wissen, dass der Blinde hier schon den Lahmen stützen würde.
Herr Eva war wieder auf seinem Betriebsgelände. Jemand musste es ihm sagen, denn sehen konnte er die Eingangstür erst als er nur noch einen Meter von der Klinke entfernt war. Man hatte hin- und herüberlegt, was man gegen die hohe Staubbelastung tun konnte. Dann hatte einer der Chefs die Idee Brillen einzusetzen, die auf Wärme reagieren. Nach ein paar Minuten der Gewöhnung war die sehr hohe Staubbelastung kein Problem mehr. Problematisch würde es nur werden, wenn mal wieder etwas brannte. Aber da lag die Wahrscheinlichkeit bei höchsten 75 Prozent, also kein Problem. Das sehen auch die Familienangehörigen vom Amt für Naturfreunde nicht anders.

In der nächsten Woche würden die Chefs mit den Landesfürsten auf dem Betriebsgelände zusammenkommen. Das Unternehmen hatte sich beim Schlichtungsverfahren für die gleiche Konstellation entschieden, die man schon bei der ersten Vorstellung der „Betriebstoilette“ hatte. Auf mögliche Zweifler verzichtete man ebenso wie beim ersten Termin. So konnte man sich auch privater unterhalten, denn schließlich ließ das Wetter auch wieder die gemeinsame Benutzung des nahegelegenen Golfplatzes zu. Dass die Chefs Herrn Eva wegen seiner Tätigkeit in der „Betriebstoilette“ immer 50 Eurocent neben seine Kaffeetasse legten und das Ganze mit der Bemerkung „Hände waschen nicht vergessen“ quittierten, machte ihn wütend. Er dachte dann immer an den am höchsten qualifizierten Primaten im Unternehmen und lächelte.

Was hatten die Regional(liga)politiker in den letzten Wochen nicht alles für lustige Dinge getan. Zum Beispiel hatte die gute Frau Prost, die immer dann wenn die Weinkrämpfe nachließen, um Verständnis für die Umweltvernichter aus der Region buhlte, eine Meinung zu Umweltfreveln. Allerdings lag der Tatort in diesem Fall 10000 km entfernt und ein vorgezogener Urlaub war damit in Sicht. Es ist ja auch um diese Jahreszeit wesentlich wärmer in den Tropen als im Bundesland Feuerfestung. Mancher schob jede Fehlentwicklung allein auf den ehemaligen Bürgermeister von Schweinebaum und versuchte dabei vergessen zu machen, dass man doch selbst im Regionalpuppentheater saß und noch sitzt.

Auch die regionalen Kooperationsunternehmen der Adam`s Family legten sich voll ins Zeug, um sofort loslegen zu können. Um vor allem nachts bauen zu können wurden Nachtsichtgeräte an Maurer und Zimmerleute ausgeteilt, jeder Mitarbeiter der Bauunternehmen musste wegen des Personalschnittes bei der Adam`s Family eine slawische Sprache beherrschen, man musste die persönliche Volltarnung sicherstellen und jegliche Firmenwerbung auf der Baustelle wurde untersagt.

So ging also alles wie gehabt nach den Vorstellungen der Familie seinen Gang.

Irgendwie ging es der Regional(liga)politik wie einem alten Motor. Alles läuft nur, wenn man „immer gut ölt“.

ENDE

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