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Naturschutzverbände für baumerhaltenden Straßenausbau in Ahrensfelde

Geplante Fällungen in AhrensfeldeIn einer Stellungnahme hat das Landesbüro anerkannter Naturschutzverbände im Land Brandenburg die von der Gemeinde Ahrensfelde geplanten Fällungen von über 100 alten Alleebäumen (das Barnim-Blog berichtete ) abgelehnt und sich für einen baumerhaltenden Ausbau der Freiligrathstraße, der Fichtestraße und der Jahnstraße ausgesprochen.
Dem Landesbüro gehören BUND, GRÜNE LIGA, NaturFreunde, NABU und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) an.

Folgende Fakten fanden Eingang in die Stellungnahme, die am 07.01.08 der Unteren Naturschutzbehörde Barnim (UNB) übermittelt wurde:

Die vorgesehenen Baumfällungen werden abgelehnt, weil sie gegen

– § 31 BbgNatSchG Alleen dürfen nicht beseitigt, zerstört, beschädigt oder sonst beeinträchtigt werden

und gegen

– § 41 BNatSchG Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen, Abs. 3 Lebensstätten nicht ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören

verstoßen.
Zudem würden sie einen massiven Eingriff sowohl in das Ortsbild von Ahrensfelde als auch in den Naturhaushalt darstellen.

Nach Ansicht der Verbände sind zahlreiche Angaben im Gutachten des beauftragten Projektbüros nicht schlüssig. So wird die Bauplanung bemängelt, die einen baumerhaltenden Straßenausbau gar nicht erst in Erwägung zieht. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Vitalität der von der Fällung betroffenen Altbäume deutlich schlechter eingeschätzt wird, als sie tatsächlich ist.
Betont wird auch, dass die vorgesehenen Ersatzmaßnahmen (Neupflanzung von 120 Jungbäumen) bei Gegenüberstellung der Fällungen von 106 alten Bäumen aus vielerlei Gründen keinen tatsächlichen, zeitnahen Ersatz darstellen.

Gerade alte Bäume, in weitaus geringerem Maße jedoch Jungbäume, erfüllen in Städten und Ortschaften zum Wohle der Anwohner wertvolle gesundheitliche und ökologische Funktionen. Sie schaffen ein günstiges Kleinklima, reinigen die Luft von Abgasen und Stäuben (aktuelle Feinstaubproblematik), schlucken Lärm, bieten Lebensräume für zahlreiche Tierarten und tragen damit maßgeblich zur Erhöhung der Wohn- und Lebensqualität bei. Durch konsequente Neupflanzungen in den betroffenen Alleestraßen von Ahrensfelde jedoch würde der derzeitige durch ausgewachsene Straßenbäume geschaffene funktionale Wert als auch die Ästhetik des Ortsbildes erst nach mehreren Jahrzehnten wiederhergestellt.

Gefordert wird eine Neuplanung des Straßenausbaus in den betreffenden Straßen, die einen vollständigen Erhalt der Alleenaltbestände zum Ziel hat. Es wird empfohlen, nach den Straßenausbauarbeiten bereits vorhandene Lücken durch Neuanpflanzungen aufzufüllen und an den alten Bäumen baumpflegerische Maßnahmen zu veranlassen.

Wir dürfen gespannt sein, ob die Untere Naturschutzbehörde Barnim diesmal die fundierte Stellungnahme berücksichtigen und entsprechend umsetzen wird oder sie sich weiterhin in „gutsherrenartiger, scheindemokratischer Manier“ über Empfehlungen der Naturschutzverbände hinweg setzt. Dies sollte eine Messlatte dafür sein, ob die Fachbehörde dem Landesbüro anerkannter Naturschutzverbände die Hand reicht und eine konstruktive Zusammenarbeit anstrebt.

Denn leider hat die dem Bauordnungsamt unterstellte und damit nicht mehr ganz unabhängige UNB in jüngster Zeit Genehmigungen dafür erteilt, dass wertvolle Alleenabschnitte der Kettensäge ausgeliefert werden konnten. So geschehen in Eberswalde (OT Sommerfelde) als auch an der Altenhofer Str./Messingwerkstraße (Finow und Lichterfelde).

Am „Fall Ahrensfelde“ wird sich also exemplarisch zeigen, ob künftig eine erstrebenswerte konstruktive Zusammenarbeit zwischen Kreisbehörden und Ehrenamt mit Blick auf den regionalen Natur- und Umweltschutz möglich sein wird.

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Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik.
Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB).
Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht.
Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

5 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. In der heutigen Bernauer Ausgabe der MOZ wird nun über den Fall berichtet.
    Nicht annähernd zufriedenstellend und damit ein fauler Kompromiss wäre es allerdings, wenn nur 1/4 der Bäume erhalten bleiben könnten.
    Ökologisch nicht akzeptabel ist auch ein teilweiser Ersatz von Altbeständen durch kleinkronige Bäume.

    Wenn der Ahrensfelder Bürgermeister dann noch die geplanten Fällungen von LINDEN damit begründen möchte, dass „früher doch jeder dran rumgeschnitten hat“, fällt mir nicht mehr viel dazu ein, außer dass der Herr darüber einfach keine Ahnung zu haben scheint. Denn Linden gehören zu den Baumarten, die am besten „Schnitte und Verstümmeleien“ vertragen können, weil sie eine große Regenerationsfähigkeit besitzen.

    Um es auf den Punkt zu bringen: Die Gemeinde Ahrensfelde sucht den einfachsten Weg, und dabei sind die Bäume leider im Weg. Vielleicht will man sie auch einfach loswerden, damit man keine Arbeit mehr mit ihnen hat…

  2. Soeben hat mich ein verzweifelter Anwohner aus Ahrensfelde angerufen. Im Moment laufen ungenehmigte Fällungen an den Ahrensfelder Straßen.
    Ich habe bereits Herrn Ziegener von der Unteren Naturschutzbehörde informiert und mich kurzfristig mit der MOZ-Redaktion Bernau in Verbindung gesetzt.
    Es scheint so, als wenn die Gemeinde Ahrensfelde Tatsachen schaffen will…

  3. Na bitte,

    wie die MOZ berichtet gibt es für die Ahrensfelder Bäume (d.h. was davon noch steht) erstmal eine kleine Atenpause
    http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Bernau/id/221554
    Danke Andreas.
    Hoffenlich wächst der öffentliche Druck gegen die ignorante Abholzpolitik übereifriger „Plastikommunen“ (wir brauchen keine Bäume, wir sind „pflegeleicht und abwaschbar“) auch in diesem Fall weiter.
    Besonders äergelich übrigens, dass man die zuständigen Behörden fortwährend auf bestehende Gesetze hinweisen muss.

    Grüße von

    Stefan Stahlbaum

  4. Pingback: Kahlschlag in Ahrensfelde - BAR-blog | Wir bloggen den Barnim