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Es ist vollbracht: Der Barnimer Abfallkalender ist da!

barnimer-abfallkalender.jpgPünktlich zum Beginn der Adventszeit und von vielen sehnsüchtig erwartet wurde er nun endlich verteilt: Der Barnimer Abfallkalender 2008. Wohl kaum ein Erzeugnis aus bundesdeutschen Amtsstuben sorgt beim Bürger für so viel Freude wie dieses Werk. Zwar werden auch in diesem Jahr miesepetrige Meckerer, arglistige Atheisten, müde Misanthropen und sonstige Staatsfeinde einwenden, die wichtigsten Inhalte dieses Kalenders – nämlich die Tourenpläne der Abfallentsorgung – seien wie im Vorjahr nur mit einer Dechiffriermaschine zu entziffern. Einige besonders böse Zweifler sollen im vorigen Jahr sogar mit einem Billigflieger nach London geflogen sein, um für diesen Zweck die im dortigen Imperial War Museum ausgestellte Enigma zu nutzen.

Die Kreisverwaltung macht aber ausdrücklich darauf aufmerksam, dass diese Verfahrensweise der Papierentsorgung auf Grund des Klimawandels soeben durch die Bundesregierung nachhaltig verboten wurde. Um den Bürgern entgegenzukommen, werden allerdings in Zusammenarbeit mit den Volkshochschulen in Bernau und Eberswalde Grundstudienkurse in altägyptischer Kryptologie und Esotherik zum sagenhaften Preis von nur 491,72 € angeboten – Abfallentsorgung inklusive.

Aber zurück zu diesem wunderbaren Werk. Vor allem bestechen natürlich Format und Farbe des Kalenders. Erinnern wir uns an früher, d.h. an das Jahr 2006. Wie war das früher primitiv: Ein plumpes DIN A5-Heft in Schwarz-Weiß-Optik und lausige Tabellen, von jedem Idioten zu entziffern. Der neue Kalender entpuppt sich zudem wie wir später noch sehen werden als buntes Spielzeug für die ganze Familie, wie wichtig in diesen familienfeindlichen Zeiten!

Und – ist es wirklich so kompliziert, die Tourenpläne für eine konkrete Gemeinde oder Straße herauszufinden? Wir haben getestet und müssen diese Frage ausdrücklich verneinen!

bingo-mit-gelben-saecken.jpgZunächst bewaffnet man sich mit einer möglichst neuen Gleitsichtbrille und einer starken Lupe von Optiker Vielmaus sowie einem dicken Textmarker, einem Kugelschreiber, einem Leimtopf und einer Schere. Dann prägt man sich auf Seite 4 des Kalenders die Zeichenlegende ein. Ab Seite 9 findet man dann das Verzeichnis zu den Tourenplänen. Jetzt den Ort, Ortsteil/Straße aufsuchen und die Ziffern unter den jeweiligen Symbolen (siehe Zeichenlegende – ha, schon vergessen?!) mit dem dicken Textmarker anstreichen oder am besten gleich heraus schreiben. Das ergibt für den Ortsteil Schönow die wunderbaren Lotto-Jackpot-Zahlen 8 (Müll) – 4 (Gelbe Säcke) – 3 (Papier). Nunmehr auf Seite 17 beim Tourenplanhausmüll (Unbedingt auf die richtige Tonnengröße achten!) die Tour Nr. 8 heraussuchen und die entsprechende Zeile am besten ausschneiden. Aufkleben auf ein DIN-A4-Blatt und mit einem Kugelschreiber als Mülltour kennzeichnen. Analog für Gelbe Säcke (4) und Papier (3) verfahren. Nicht davon durcheinander bringen lassen, dass auf Seite 7 das Symbol der Gelben Säcke plötzlich bei Leichtverpackungen auftaucht. Wenn man dann am 32. Januar die Mülltonne herausstellt und die Müllabfuhr kommt nicht, war das richtige Datum vielleicht der 10. Pluviôse des Französischen Revolutionskalenders und Sie beginnen am besten wieder auf Seite 4.

Seien Sie nicht so negativ, Sie werden hier immerhin gebildet, irgendwann klappt es schon und vielleicht ist ja der Nachbar doch nach London geflogen? Sehen Sie einfach mal nach links oder rechts! In der Zwischenzeit erfreuen Sie sich an den schönen Bildchen ab Seite 28 und vergessen dabei mal ganz schnell, dass der ganze Quatsch mit Ihren Abfallgebühren finanziert wurde.

Wie gesagt, man hätte die einfachen Tabellen, wie sie bis zum Jahr 2006 üblich waren, mit wesentlich geringerem finanziellen Aufwand beibehalten können. Aber wo blieben dann der ganze Spaß und der Nervenkitzel? Und über wen oder was könnten wir dann unseren beißenden Spott ausschütten?

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Veröffentlicht von

Dr. Valentin ist ursprünglich Schönower, lebte aber 31 Jahre in Berlin, bevor er 1996 wieder in sein Heimatdorf zog und sich seitdem über die Kommunalpolitik wundert. Er ist promovierter Diplom-Ingenieur und betreibt eine kleine Firma mit dem Schwerpunkt Im- und Export von Medizintechnik für den operierenden Augen- und HNO-Arzt. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Sein allergrößtes Hobby ist zur Zeit sein privater Blog, über den er sich in fast jeder freien Minute Gedanken zur Themenauswahl macht. Im Urlaub und an den Wochenenden im Sommer findet man ihn meist mit dem Canadier auf den Brandenburger und Mecklenburger Gewässern. Wenn er in seiner restlichen Freizeit nicht mit seiner Frau und dem Hund lange Spaziergänge unternimmt, liest er sehr gern und hört fast alle Arten von Musik – von heavy metal bis Bach.

4 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Einen herzlichen Morgengruß aus der (bald eingemeindeten) Nachbar-Gemarkung.

    Wir, im Landkreis MOL, hatten bereits in der letzten Vorweihnachtszeit das Vergnügen mit diesem Kunstwerk. Hocherfreut nahm ich damals die Gebrauchsanleitung zu Kenntnis und mir zum Selbststudium einen halben Tag frei.

    Künstlerisch wird das Gesamtwerk erst durch die zusätzlichen Verzierungen mit den schicken kleinen Symbolen zum Genuss und verspricht so, ordentlich nach Tourenplan aufbereitet, zukünftig hohe Wertzuwächse.

    Nach Ablauf des Geltungszeitraumes gehört dieses Teil also nicht in den Papiermüll (sind die geklebten Schnipsel nicht eigentlich auch Sondermüll?) sondern in den Bankentresor!

    Im Übrigen ermöglichte uns die selbständige künstlerische Aufbereitung des Kalenders ein abendfüllendes Programm in geselliger Familienrunde, jeder wollte mittun. Und wann hat man das schon einmal!

  2. Eine in letzter Zeit immer peinlichere – weil tief im Rektum der Politik vergrabene- Lokalzeitung feiert „das Werk“ heute natürlich als große Errungenschaft. Wahrscheinlich arbeitet dort jemand heftig an seinem sicheren Arbeitsplatz in der Kreisverwaltung. Gut, es gibt viel Schlimmeres als diesen KAlender, auch im Barnim. Aber da es so viel Schlimmes gibt, hätte ich den halben Tag Urlaub (Danke an den Hönower !) wirklich lieber zum Geldverdienen- zumal fast alle Gebühren, Abgaben und Steuern ständig steigen – oder eben doch zur Erholung genutzt!

  3. Bei diesem lustigen Artikel stösst mir der bittere Bei-und Nachgeschmack übel auf. Ist denn der büroherrliche Unfug überhaupt nicht und nirgends einzudämmen?! Im übrigen ist doch die UNsinnigkeit der ganzen Abfalltrennung erwiesen.
    Der technische Fortschritt hat das System längst überholt aber wir Bürger zahlen immer noch viel Geld an clevere Schreibtischtäter und lassen uns unnötig mit MÜLL beschäftigen.

  4. Pingback: Meine Lieblings-Beiträge auf dem Barnim-Blog