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Verkehrsminister Reinhold Dellmann als Alleenvernichter

Alleenabholzung in Sommerfelde (Stadt Eberswalde) Heute rühmt sich Verkehrsminister Reinhold Dellmann in zwei MOZ-Artikeln (Auch eine junge Allee ist eine Allee und Dellmann für Nachpflanzung alter Alleen) als großer Alleenschützer und -begründer. Tatsächlich aber ist das Gegenteil der Fall! Welche Geisteshaltung Dellmann zum Thema Alleenschutz einnimmt, entlarvt seine gestrige Erklärung zur Allee Rüdnitz-Danewitz-L29. Dort hätte er am liebsten die über 600 vitalen Straßenbäume gerodet und durch neue ersetzt. Dass dies gegen bestehende Naturschutzgesetze verstößt, interessiert ihn scheinbar nicht.

Deutlich wird, dass es Dellmann beim Thema Brandenburger Alleen keineswegs um Naturschutz, Landschaftsästhetik oder um ein erhaltungswürdiges kulturelles Erbe geht. Einzig und allein zählt eine rücksichtslose Kostenersparnis mit Blick auf die Pflege alter Straßenbäume. Medienwirksam inszenierte Neupflanzungen wie an der Messingwerkstraße in Lichterfelde müssen dann alibihaft dafür herhalten, dass an gleicher Stelle wertvolle Alleenaltbestände weichen mussten. Obwohl die Umwelt- und Imkerverbände Sturm gegen seine haarsträubend fehlerhafte Alleenkonzeption laufen, zeigte sich der Minister bislang beratungsresistent.

Neben Kostenersparnis spielt eine Rolle, dass bei der Komplettfällung und Wiederbegründung von Alleen lukrative Aufträge der Planung, Rodung und Neupflanzung vergeben werden können. Zudem kann das anfallende Holz an Biomassehöfe und Holzkraftwerke verscherbelt werden. Niederreißen und Aufbauen statt dauerhaft erhalten – leider immer noch ein altbewährtes Motto! Wenn Dellmann aber so weiter agiert, wird er in die Brandenburger Geschichte nicht als Alleenbegründer, sondern vorrangig als Alleenvernichter eingehen.

Die Brandenburger lieben ihre stattlichen alten Alleen wie ihre denkmalgeschützten Gebäude. Im Land sollte sich deshalb so schnell wie möglich breiter Widerstand regen, der Dellmanns Abholzungspolitik endlich einen Riegel vorschiebt.

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Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik.
Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB).
Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht.
Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

2 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Hallo Andreas,
    ich kann Deinen Frust und Deine Wut in absolut jeder Beziehung nachvollziehen.
    Am heutigen Tag bin ich durch Lichterfelde, durch Sommerfelde und die B 158 von Freienwalde nach Berlin gefahren. Es fällt mir deshalb sehr schwer zu glauben, dass Alleen komplett gerodet werden müssen. Die B 158 ist hier ein prima Gegenbeispiel. Hier kann man neue und alte Bäume nebeneinander sehen.
    Dass die neugepflanzten „Besenstiele“ in Lichterfelde und Sommerfelde attraktiv für Touristen sind, wage ich zu bezweifeln. Auch hier hat Herr Dellmann wohl etwas andere Vorstellungen von einem Urlaub im Barnim. Fällt das eigentlich nur mir auf, dass die Fällungen jeweils genau an der Ortsgrenze enden und z. B. zwischen Eberswalde und Sommerfelde die alte Allee weiterleben darf?
    Und was kommt eigentlich dabei heraus, wenn man die gepflanzten 13000 und die abgeholzten 11000 Bäume mit dem jeweils produzierten Sauerstoff multipliziert? Irgendwie geht dann die Rechnung des Herrn Dellmann nicht mehr auf.
    Es ist schon recht paranoid, wenn die gleichen Leute, die ein paar Gramm CO2 weniger beim Pkw bejubeln rücksichtslos die CO2-O2-Wandler roden, wo durch Land, Bund oder EU gefördert wird.
    Natürlich den Blick immer geradeaus (auf den eigenen Vorteil) gerichtet. Diese Jacke dürfen sich übrigens auch die regionalen Altvorderen anziehen, die wertvolle durch teilweise wertlose Gehölze ersetzen.
    Feste Jungs, macht nur weiter so …

  2. Dass die Alleenvernichtung, wie übrigens auch die der großflächig unzerschnittenen Landschaften, in Ostdeutschland in die Zeit nach der ach so auch ökologisch motivierten Wende fällt, korrespondiert mit dem Getöse von „Bürgerrechtlern“, die den Kampf gegen den Klimawandel ernsthaft mit der Einschränkung von Freiheit gleichsetzen. Dass die etablierten Westparteien (einschließlich der Grünlichen) schlußendlich Lobbyisten der Wirtschaft sind, ist immer klar gewesen. Dass sich die Nachfolger der Wendeaktivisten (einschließlich der Gelinkten) ebenfalls zu einfaltspinsligen Holzfällern entwickeln oder es schon immer waren, war auch klar.
    Es bedarf längst einer umweltpolitischen Bewegung fernab, des infantil-merkantilen Parteien- und Vereinstheaters. Aber es gibt sie (noch) nicht. Ich habe diesbezüglich allerdings auch keine übertriebenen Hoffnungen.