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„Von Maden und Menschen“ – Aus für Gisa Kuhn im Seniorenheim Zepernick

Die Heimaufsicht hat sich viel Zeit genommen, in dieser Woche aber doch entschieden. Im Ergebnis wird der „Gemeinnützigen Gesellschaft für Senioren und Behinderte Niederbarnim mbH“ unter Leitung von Gisa Kuhn die Betreibererlaubnis für das Zepernicker Seniorenheim entzogen. Das Verbot erstreckt sich neben dem im Gemeindebesitz befindlichen Haupthaus auch auf die Rotunde. Spätestens im Januar müssen Kuhn & Co. Das Gelände verlassen.

Inzwischen werden immer mehr üble Details bekannt. So berichtete die Märkische Oderzeitung am Freitag dass, nachdem man

im Zuge der zahnärztlichen Behandlung den Bewohnern die künstlichen Gebisse entnommen habe, hätten sich in darunter liegenden Essensresten und im Gaumen mehrerer alter Leute lebende Maden gefunden. Generell sei angesichts der fehlenden Pflege häufig „starke Geruchsbelästigung“ im Mundbereich auffällig gewesen. Die sehr oft wechselnden Pflegekräfte hätten zum Teil, so hieß es, nicht einmal gewusst, welcher Bewohner noch natürliche Zähne und wer ein herausnehmbares Gebiss hat.


Die Suche nach einem neuen Betreiber läuft derweil auf Hochtouren. Eine parteiübergreifende Arbeitsgruppe hat aus den Bewerbern ein „Favoritenquartett“ erwählt, dass am vergangenen Montag in der Gemeindevertretersitzung präsentiert wurde. Im Publikum befanden sich etliche Mitarbeiter, die mit Transparenten und in Wortbeiträgen insbesondere ihrer Sorge um die bestehenden Arbeitsplätze Ausdruck gaben.

Obwohl es sicher vernünftig ist, den Betreiberwechsel voranzutreiben, bleiben diverse Fragen, die auch im Interesse der Senioren nicht unter den Tisch fallen dürfen. Von zentraler Bedeutung ist dabei natürlich die Frage, warum man die Kuhn-Gesellschaft so lange gewähren ließ. Schließlich lagen der Heimaufsicht ernstzunehmende Beschwerden bereits seit über 2 Jahren vor.

Aber auch Gemeindevertretung und Verwaltung dürfen sich nicht hinter dem Vermieterstatus verschanzen, sondern sind zur Ursachenforschung aufgerufen. Denn Gisa Kuhn, die ehemalige Zepernicker Ortsbürgermeisterin, war in der Gemeinde gut bekannt und auch die Unzufriedenheit der Mitarbeiter kann prinzipiell Keinem wirklich verborgen geblieben sein.

Das Geschehen um das Seniorenheim wurde seitens der regionalen Medien recht intensiv begleitet und fand breites Interesse. So sei z.B. an unseren Artikel „Der lange Abschied einer Sonnenkönig“ erinnert, der fast 100 mal kommentiert wurde. Die Niederbarnimer-Grünen haben bereits im Juli diesen Jahres einen entsprechenden Pressespiegel erstellt, der bis heute regelmäßig aktualisiert wird.


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10 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Mich würden vor allem 3 Dinge interessieren:
    1. Welchen Einfluss hatte die Parteimitgliedschaft von Frau Kuhn bei der Erstellung des überaus günstigen Pachtvertrages für den Altbau?
    2. Da m.E. der uns allen bekannte Carsten B. zu der damaligen Zeit Direktor des Amtes Panketal war, würde ich gern die Beweggründe des Amtes für einen derartigen Vertrag kennen!
    3. Was muss eigentlich noch alles an das Tageslicht kommen, damit die Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung und Mißhandlung von Schutzbefohlenen ermittelt?

  2. Man hört ja oft so Einiges über schlimme Zustände, aber wenn ich so etwas lese, wie das mit den Maden bin ich schlichtweg fassungslos. Ich kann einfach nicht begreifen, wie Jemandem andere Mitmenschen so gleichgültig sein können, dass solche Zustände eintreten. Ich hoffe, dass Alles restlos aufgeklärt wird und die Schuldigen wirklich bestraft werden.

  3. Jetzt reicht es aber. Was wird denn noch alles auf dem Rücken der Pflegekräfte ausgetragen?! Dieses Vorkommnis ( Maden ) ist weder der Leitung, dem Personal oder dem Gesundheitsamt bekannt.
    Vielleicht will man ja das Personal vor dem neuen Betreiber noch schlecht machen?
    In diesem Staat ist das ganze Gesundheitssystem marode. Die Krankenkassen schreiben für die Pflege und Arbeit am Menschen Zeiten vor. Diese sind überhaupt nicht zu schaffen. Und das ist in jedem Pflegeheim und ambulanten Dienst so. Man arbeitet aber mit MENSCHEN, Menschen die sehr viel Aufmerksamkeit, Zuwendung, Zeit und Pflege bedürfen. Jede Pflegekraft in diesem Heim hat ihr menschenmögliches getan. Überstunden sind keine Seltenheit sondern an der Tagesordnung ( im ganzen Gesundheitswesen ). Vielleicht sollte die Politik mal an richtiger Stelle ansetzten und nicht alles auf dem Rücken der Pflegekräfte austragen ( der ist von der schweren körperlichen Arbeit sowieso schon krumm genug ).

  4. @Luise: Die Märkische Oderzeitung benennt „im Heim tätige Zahnärzte“ als Quelle dieser Information. Man mag von der MOZ halten, was man will, aber die werden wohl ihre Quellen gut gesichert haben. Ein Boulevard-Blatt ist die MOZ wahrlich nicht, und selbst für Boulevard-Blätter gilt der Deutsche Pressecodex, dessen Ziffer 1 lautet: „Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.“

  5. MOZ:

    http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Bernau/id/209705

    Wenn man das liest, kann man sich denken, dass im Zepernicker bald richtig ausgemistet wird.

    Maden und Abzocke der Bewohner („Verwahrgeldkonto“) habe dann hoffentlich ein Ende.

    Wenn irgendetwas in der Berichterstattung der letzten Wochen nicht falsch gewesen wäre, hätte sich der derzeitige Betreiber sicher presserechtlich dagegen zur Wehr gesetzt.

    @Luise: Niemand macht der Belegschaft einen pauschalen Vorwurf, wie überall gibt es auch dort gute und weniger gute Angestellte, in einigen Monaten wird jeder seinen Platz gefunden haben oder sich halt neu orientieren müssen – ein ganz normaler Vorgang bei einem Betreiberwechsel. Jedenfalls haben die Mitarbeiter des Seniorenheims unter sehr schlechten Bedingungen gearbeitet und die meisten haben sicher versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Das wird die neue Heimleitung bei ihren Personalentscheidungen sicher berücksichtigen. Weiterbildung ist ja auch schon angekündigt. Also, nach vorne schauen!

  6. Anbei ein aktueller Link der Niederbarnimer-Grünen, in denen ein Untersuchungsausschuss zur Seniorenheimproblematik gefordert wird.:

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