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Straßenbau an der Breitscheidtstraße/Thälmannstraße – Eine laaaaange Geschichte

breitscheidt.jpgEs ist jetzt gut 30 Monate her, da beschloss die Gemeinde Panketal den Ausbau des Straßenzuges Breitscheidstraße/Thälmannstraße. Nach bewährtem Muster sollte dies das Ende eines der längsten Alleenabschnitte des Ortes bedeuten. Knapp 200 Linden drohte die Kettensäge. Die Argumente der Fällbefürworter waren „ die ewig Gleichen“.
Die Verkehrssicherheit geböte, angesichts des Straßenzustandes, einen durchgängigen Ausbau auf 5,50m , die Bäume seien alt und krank und es wäre somit ein Gebot der Vernunft, sowie der Nachhaltigkeit die „ollen Krücken“ komplett zu erneuern.

Um das zu legitimieren hatte man einmal mehr auf die bewährten Dienste von Prof. Volker Rudolph zurückgegriffen, der den Abgeordneten im Resümee auch brav zur Radikallösung riet.
Das Problem: So sehr der Professor auch mit dem Lebensalter (das Zeitzeugen auf ca 67 Jahre bezifferten) und den Schadstufen umherjonglierte, es blieb das Bild einer vitalen und erhaltenswerten Allee.
Folgerichtig wurde der Antrag auf Fällgenehmigung seitens der Unteren Naturschutzbehörde abgelehnt.
Zur Begründung hieß es:

Im vorliegenden Fall sind zwingende Gründe zur Erhöhung der Verkehrssicherheit nicht , die die Fällung der Allee rechtfertigen nicht erkennbar. Der Verkehr auf dem genannten Straßezug läuft flüssig und ohne offenbar ohne alleebedingte Probleme. Die Fahrbahnschäden könnten im vorhandenen Profil durch Reparaturen behoben werden. Im Vergleich zur Ausgangssituation sind für die Verkehrssicherheit auf dem Straßenzug durch den geplanten Ausbau keine wesentliche Verbesserungen zu erkennen. Außer einer Tempolimitierung wurden Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit i. S. des § 72(2) ) BbgNatSchG bisher nicht eingeleitet.
Die vorgesehene Variante des Straßenbaus ist aus Sicht des gebotenen Alleenerhalts die ungünstigste, da keine realistische Möglichkeit zum erhalt der Bäume besteht (Alternative Varianten die den Baumbestand besser berücksichtigen wurden mit o.g. Gemeindevertreterbeschluss verworfen).
Der verbleibende Platz für mögliche Neupflanzungen wird bei der vorgesehen Ausbauweise als nicht ausreichend für die Entwicklung einer neuen Allee angesehen, zumal aufgrund des Leitungsbestandes in den Straßenseitenbereichen bezweifelt werden muß dass wirklich eine komplette Neubepflanzung möglich ist.
Die vom Gutachter festgestellte Lebenserwartung von noch 20 Jahren für einen Großteil der Bäume wird als ausreichend angesehen, um den Erhalt der Allee Vorrang gegenüber dem Straßenbau und Neuanpflanzungen zu geben, deren Erfolgsaussichten unklar sind
Der hohe ökologische Wert (Staubbindung, Lebensraum usw.) und die bekannte Wohlfahrtswirkung von Baumbeständen sind ebenfalls Argumente für den Erhalt der Allee.

Nicht nur aus diesem Grund waren Anwohner und Baumfreunde früh alarmiert und protestierten gegen den „sinnlosen Kahlschlag“. Auf „www.pankesurfer.de“ entspann sich die heftigste Online-Diskussion, die das „Domdorf bislang erlebt hatte.

Da die Verwaltung und eine „hauchdünne“ Mehrheit“ der Gemeindevertreter aber unbedingt fällen wollten, initiierten engagierte Einwohner ein „kassierendes Bürgerbegehren“ das bauliche Alternativen zum Alleenerhalt enthielt. Am 14. August 2005 votierten schließlich knapp 3000 Einwohner für den Bestand der Bäume.
Damit wurde das in Brandenburg besonders hohe Quorum zwar knappe verfehlt, aber selbst „Betonbürgermeister“ Rainer Fornell (der mit wesentlich weniger Stimmer in sein Amt gewählt wurde) musste einsehen „ das dem Bauvorhaben offensichtlich die Akzeptanz fehlte“.

Wer nun an ein Einlenken der Entscheidungsträger glaubte sah sich schnell getäuscht. Der beleidigte Verwaltungschef verordnete den Anwohnern eine Wartezeit. Irgendwann, so der offensichtliche Hintergedanke, sei der Leidensdruck wohl ausreichend groß und der Widerstand erlahmt.

Im April 2007 ging Panketals Verwaltung erneut in die Offensive . Da der erhoffte Leidensdruck offenbar nicht schnell genug wuchs entschloss man sich ein wenig nachzuhelfen. Zu diesem Zweck erinnerte man sich (nach 2 Jahren Stillstand) des schlechten Straßenzustands und drohte damit einen Teil der Straße sperren zu lassen. Der Verkehr sollte fortan über die Vierwaldstätter Straße umgeleitet werden, was kalkulierbare Proteste der dortigen Anwohner hervorgerufen hätte.

Schließlich einigte man sich auf folgenden Beschluss:

Als Maßnahme der Verkehrssicherung beauftragt die Gemeindevertretung Panketal den Ausbau des Straßenabschnittes Gletscherstraße bis Zillertaler Straße in der R.-Breitscheidt/E.- Thälmannstraße hinsichtlich der beitragspflichtigen Abschnittsbildung und einer separaten Entwässerungslösung zu prüfen. Es ist beabsichtigt, in der Thälmann-Straße einen Erhalt der Bäume und in der Breitscheidtstraße die Fällung von Bäume und Neuanpflanzung durchzuführen.
Die Ergebnisse sind der Gemeindevertretung als Grundlage für eine weitere Planung vorzulegen. Die erforderlichen Mittel bis zur Genehmigungsplanung (Lbh. 4 HOAI) für diesen Anschnitt sind im Nachtragshaushalt einzustellen.

Nach Aussage Rainer Fornells „ginge es bei besagter Maßnahme auch um den optischen Vergleich Fällung – Baumerhalt“. Dem Bürger solle vor Augen geführt werden wie „schön“ eine Straße ohne den alten Baumbestand aussehen könnte.
Das erscheint reichlich überflüssig, wurden doch in Panketal bereits etliche Alleen vernichtet und teilweise neu bepflanzt. An „Referenzobjekten“ mangelte es also nicht
Entsprechende Sinnfragen wurden dann im Rahmen der folgenden Einwohnerfragestunde wohlweislich nicht beantwortet.

Nun dümpelte der angeblich so extrem gefährliche Straßeabschnitt weitere 5 Monate ungesperrt vor sich hin. Vor ca. 3 Wochen wurde dann auf www.panketal.de das Ergebnis monatelanger Planungsarbeit präsentiert.
Das „Ingenieurbüro Arkus“, wie Prof. Rudolph ein ständiger Bestandteil „Panketaler Straßenbaukunst“ entwarf sein „Ei des Kolumbus“.
Was sich dann schließlich „aus der Schale pellte“ wirkte wenig innovativ.
5,50 m Ausbaubreite mit einseitigem Gehweg (laber, laber, laber), Kostenpunkt: knapp 400000 €, 29 von 68 Bäumen weg, Nachpflanzung an anderer Stelle.

Um diesmal wirklich sicher zu gehen hatte man sich mit „Hinz und Kunz“ sorgfältig abgestimmt
Ob Straßenverkehrsbehörde, Barnimer Busgesellschaft oder Untere Naturschutzbehörde, alle wurden im Vorfeld befragt und gaben, so „Arkus“ mit stolzgeschwellter Brust“ im Vorfeld ihr „Ja-Wort“.

Die „UNB“ reagierte auf Nachfrage „dezent überrascht“. Es habe zwar tatsächlich eine gemeinsame Begehung stattgefunden, die Vielzahl der zu fällenden Bäume hätte aber, ebenso wie die „geoutsourcte“ Nachpflanzung, nie zur Debatte gestanden.

Die ganze Planung, ein Fall für den Papierkorb?. Panketals Gemeindevertreter haben der Vorlage einstweilen dennoch zugestimmt und wollen die Pläne demnächst der Anwohnerschaft vorstellen.

Ob umsetzbar oder nicht, wen stört es?

Foto: Andreas Neumann

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3 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. An Abholzungsbeispielen in der Region (vor und nach einer Alleerodung) mangelt es nun wirklich nicht. Mit diesbezüglichen Fotos könnte ich meinem Parteigenossen Rainer Fornell gern aushelfen. Erst kürzlich habe ich Bilder von der Alleenbeseitung in der Gemeinde Schorfheide (OT Lichterfelde) geknipst. Auch Uwe Graumann vom LUA, der im Rahmen eines Alleenkolloquiums an der FH Eberswalde einen Redebeitrag hatte, könnte ihm zahlreiche Bilder zur Verfügung stellen.
    Nur soweit: Ein solcher Eingriff wirkt sich immer verheerend auf das Landschafts- oder Dorfbild aus.
    Mit der gleichen Logik könnte sich man sich auch einen Arm abhacken um auszuprobieren, ob es einem dann im Leben besser geht.

  2. Nun habe ich einen Artikel über die Baum- und Alleefällungen an der L 293 Finow-Lichterfelde geschrieben, die vom Landesbetrieb für Straßenwesen Eberswalde initiiert und von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Barnim abgesegnet wurde.

    Hier kann man eindruckvoll ersehen, wie verschandelt das Lichterfelder Ortsbild nach einer solchen Alleeabholzung aussehen kann:

    Baumfällungen an der Altenhofer Straße und Messingwerkstraße; SPD-Finow; 04.11.2007

  3. Pingback: Straßenplanung in Panketal wieder einmal anders - BAR-blog | Wir bloggen den Barnim