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Laubentsorgung in Bernau – und kein Ende

Das Chaos ist allgegenwärtig und vor allem hausgemacht bei der diesjährigen Laubentsorgung in Bernau. Während man in der Biesenthaler Verwaltung verstanden hat, dass es sich immer um das „öffentliche“ Laub handelt (MOZ vom 27./28.10.07, Seite 18), wird der Bürger in Bernau immer noch so behandelt, als träte er als Bittsteller an die Stadtverwaltung heran (ebenda, Seite 15).

Erinnern wir uns: Im vorigen Jahr hatte man per Ordre de Mufti die Bürger dazu verdonnert, das stadteigene Laub der stadteigenen Straßenbäume per Auto und Anhänger an einen beliebig festgelegten zentralen Sammelpunkt zu fahren. Dieser Unsinn wurde nach massiven Protesten der Bürger von der Stadtverordnetenversammlung wieder abgeschafft. Typisch für die Bernauer Stadtverwaltung ist allerdings, dass man nun a.) mit höchstem bürokratischen und finanziellen Aufwand eine Regelung wieder einführt, die auch für den Bürger alles andere als vernünftig und günstig ist und b.) die beschwerdeführenden Bürger für die miserable Arbeit der Stadtverwaltung und das angerichtete Chaos verantwortlich macht. (siehe Interview mit einer subalternen Angestellten eben dieser Stadtverwaltung in der MOZ vom 27./28.10.07, Seite 15)

Fassen wir doch mal zusammen, wie es jetzt ablaufen soll, wobei wir nicht vergessen sollten, dass wir immer noch vom Laub der stadteigenen Straßenbäume reden und der Bürger die Entsorgung desselben in
seiner karg bemessenen Freizeit ausführt:

  1. der Bürger holt sich zunächst Säcke bei der Stadtverwaltung (Öffnungszeiten beachten, eventuell Urlaub nehmen!) ab, muss dabei nachweisen, dass er überhaupt stadteigene Bäume vor dem
    Grundstück hat, dass diese Laub tragen und oft genug muss er um die Anzahl der Säcke feilschen. Das durfte ich selbst schon erleben.
  2. Dann harkt er mehrmals die Woche (eventuell früher von der Arbeit gehen!) das Laub zusammen, stopft es in die stadteigenen, teuer bedruckten Säcke und stellt diese bereit, wobei er sich natürlich nach den Terminen der Stadtverwaltung zu richten hat – die allerdings noch nicht ganz feststehen – und wehe, die Säcke stehen nicht Montag früh um 7 vor der Tür!
  3. Nach neuesten Richtlinien muss er die Säcke wohl auch noch wiegen, denn die Säcke sollen nun nicht zu schwer sein.

Damit ist für Abwechslung in der Woche und an den Wochenenden gesorgt. Mein Dank dafür an die Stadtverwaltung! Aber es ergibt sich doch noch eine einzige, bürokratisch nicht ganz erfasste und geklärte Frage: Was passiert mit dem Laub der Bäume, dass z.B. auf die andere Straßenseite geweht wird, wo der Anlieger vielleicht keine amtlich genehmigten Laubsäcke ausgehändigt bekommen hat? Gibt es dafür schon ein Antragsformular?

Spaß beiseite: Alles in allem habe nicht nur ich dieses ganze bürokratische und vor allem teure Getue der Bernauer Verwaltung mehr als satt. Und die Verwirrung bei den Bürgern ist fast hundertprozentig, man muss nur mal durch die Straßen gehen. Im übrigen kommen mir die wiederholt publizierten Regelungen inklusive der Öffnungszeiten des Amtes, bei dem man die Säcke abholen soll, schon fast wie Sabotage an den Beschlüssen der SVV vor! Und die Öffnungszeiten sind eine absolute Schikane! Wenn wir schon per Gesetz verpflichtet wurden, die Arbeit der Kommune zu erledigen – im Mittelalter nannte man so etwas Frondienst – dann erwarten wir auch vernünftige Lösungen. Und da fallen mir die Panketaler oder auch die Biesenthaler Lösung (die MOZ berichtete am Wochenende) ein: Eigene Säcke werden befüllt, vor die Tür gestellt und vom Bauhof vor Ort ausgeschüttet. Die leeren Säcke werden über den Zaun geworfen. Kein Steuergeld für aufwendig mit dem Wort „Laubsack“ bedruckte Säcke der Stadtverwaltung, kein Ärger mit Müll oder Gartenabfällen in den Säcken. So einfach und so bewährt – jahrelang auch in Schönow. Aber da man sich in Bernau offensichtlich in eine Art „Erbfeindschaft“ zum
Nachbarort Panketal oder auch zu Biesenthal hineingesteigert hat, wird das wohl nichts mehr werden mit den einfachen Lösungen. Man müsste dazu vielleicht mal über die Stadtmauer schauen und – wie
sagt da wahrscheinlich der einzige Beamte in der Bernauer Stadtverwaltung – nämlich der beratungsresistente Bürgermeister: „Das haben wir noch nie so gemacht!“

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Veröffentlicht von

Dr. Valentin ist ursprünglich Schönower, lebte aber 31 Jahre in Berlin, bevor er 1996 wieder in sein Heimatdorf zog und sich seitdem über die Kommunalpolitik wundert. Er ist promovierter Diplom-Ingenieur und betreibt eine kleine Firma mit dem Schwerpunkt Im- und Export von Medizintechnik für den operierenden Augen- und HNO-Arzt. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Sein allergrößtes Hobby ist zur Zeit sein privater Blog, über den er sich in fast jeder freien Minute Gedanken zur Themenauswahl macht. Im Urlaub und an den Wochenenden im Sommer findet man ihn meist mit dem Canadier auf den Brandenburger und Mecklenburger Gewässern. Wenn er in seiner restlichen Freizeit nicht mit seiner Frau und dem Hund lange Spaziergänge unternimmt, liest er sehr gern und hört fast alle Arten von Musik – von heavy metal bis Bach.

7 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. an dieser stelle möchte ich daran erinnern, welche populismus-vorwürfe sich die unabhängigen fraktion ande letzten / anfang diesen jahres anhören musste, als sie gegen die neuregelung sturm lief. zur gleichen zeit schlug die cdu vor, für die stästischen laubsäcke zusätzlich 5 EUR Gebühren zu erheben – trotz weiter bestehender wegbringverpflichtung wohlgemerkt!
    auf der letzten svv verkündete handke sodann, dass viele bürger irritiert seien, dass sie nunmehr das laub nicht mehr wegbringen müssen. Dieser mann kennt keine scham mehr!

  2. Die erste Runde der Laubentsorgung ging in Schönow gestern über die Bühne. Wie es zu erwarten war,hatten viele Beruftätige keine Zeit gehabt, in den unmöglichen Öffnungszeiten zum Amt zu fahren und sich dort stadteigene Laubsäcke zu besorgen.Stattdessen hatten sie blaue Müllsäcke mit dem stadteigenen Laub befüllt. Die wurden – wie auch nicht anders zu erwarten gewesen war – natürlich nicht mitgenommen.Außer bei meinem Nachbarn: der kunkelte eine Weile mit den städtischen Angestellten herum und siehe da, die blauen Säcke fanden ihren Weg auf den LKW.Komisch, muss man sich jetzt auch schon in Bernau die kommunalen Dienstleistungen mit Schmiergeldern erkaufen? Ich kann das gar nicht glauben !

  3. Kann das in Schönow beschriebene nur bestätigen, ein Großteil der Anlieger
    hatte das Laub in Säcke gefüllt, aber nur die „Offiziellen“ wurden mitgenommen.
    Mir gegenüber hatte der Nachbar 3 Off. und 7 Blaue, die 3 wurden rausgefischt.
    Ein paar Häuser weiter wurden die Blauen Säcke wiederum entleert dann wieder
    stehen gelassen?
    Jetzt ist mir klar warum ich Soli. Beitrag Zahle, ein Gesundes Hirn kann sich
    so etwas nicht einfallen lassen!

  4. Heute erhielt ich eine Pressemitteilung der Bernauer Stadtverordneten Dr. Dagmar Enkelmann. In der „Barnimer Bürgerpost“ ist diese nicht zu verwerten. Aber vielleicht ist sie hier in diesem Diskussionszusammenhang interessant.
    Demnach hat Frau Enkelmann zum Laubentsorgungsproblem einen Brief an den Bernauer Bürgermeister Hubert Handke geschrieben. Hier der Wortlaut:

    ————————————————-
    Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
    es häufen sich auch in meiner Sprechstunde sowie in schriftlicher Form Beschwerden der Bürgerinnen und Bürger über die bürgerunfreundlichen Ausgabezeiten für Laubsäcke.
    Wer z.B. in Berlin arbeitet, und das tun – wie wir beide wissen – nicht wenige Bernauerinnen und Bernauer, hat kaum die Chance, Laubsäcke in der angebotenen Zeit vom Bauhof zu holen.
    Ich bitte Sie hiermit dringend, alternative Öffnungszeiten (z.B. an einem Sonnabendvormittag) bzw. Ausgabeorte (z.B. Rathaus, Räumlichkeiten in den Ortsteilen) festzulegen und die Einwohner darüber zu informieren.
    In der Hoffnung auf eine freundliche Antwort verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
    Ihre Dagmar Enkelmann
    —————————————————-

    Ich will dies nicht bewerten.
    Aber ein Wort zum Bernauer Laubproblem insgesamt sei mir gestattet:
    Aus Eberswalder Sicht kommt mir das Ganze vor wie eine Provinzposse.
    Allerdings verstehe ich auch nicht, warum alle das Laub unbedingt los werden wollen. Bei dem Laub handelt es sich wertvolles organisches Material, das man zum einen klassisch kompostieren kann und zum anderen sehr gut als Mulchmaterial zur winterlichen Abdeckung der Beete im Garten verwenden kann. Ein sehr guter Ersatz für teuren Mineraldünger.
    Ich verweise in diesem Zusammenhang auf das interessante und informative Buch von Kurt Kretschmann „Mulch total – Der Garten der Zukunft“.

  5. @Andre Huth: Ich stimme Ihnen voll zu, vor allem was die Frage nach dem gesunden Hirn betrifft. Schreiben Sie mal an den Bernauer Bürgermeister, sie bekommen garantiert eine Antwort, die vor Selbstgefälligkeit und Frechheit nur so trieft. d.h. wenn er überhaupt antwortet. Aber dann wissen Sie auch, wer hinter dem Chaos steckt.
    @Gerd Markmann: Danke für die Info. Ich habe in der vorigen Woche alle 5 Fraktionen in der Bernauer SVV angemailt und um die Meinung der Volksverteter zu dem Chaos gebeten.Frau Enkelmann hatte mich schon im obigen Sinne informiert. SPD, Freie und CDU haben noch nicht geantwortet. (Von der CDU bin ich das schon gewöhnt, die haben es offenbar nicht nötig, mit den Wählern zu kommunizieren). Aber die alternativen Öffnungszeiten sind doch nur ein kleiner Teil des selbstgemachten Problems. Ein wesentlich größeres Problem steckt in der Idiotie mit den „stadteigenen“ Säcken, die teuer und zeitaufwendig bedruckt werden müssen. Daraus wird die Stadtverwaltung dann wieder die Schlußfolgerung ziehen, dass man aus Kostengründen doch lieber wieder Container irgendwohin – am besten auf den Mond- stellen muss.Wenn man die ganze Sache etwas verallgemeinert,stellt sich für mich die Frage, was man als Bürger von einer Stadtverwaltung samt Bürgermeister erwarten kann, die noch nicht mal so ein klitzekleines Problem lösen können?
    Zum Kompost bin ich der Meinung meines Vorschreibers. Leider setzen sich nun in Ostdeutschland langsam aber sicher auch die Blumentopfgärten von 200 m² ohne Baum und Strauch durch, so dass einige meinen, sie hätten keinen Platz für einen Komposthaufen und ihre Gartenabfälle lieber in den Wald schütten.Deshalb sind die Laubsäcke wohl doch besser für die Umwelt.

  6. Ich kann die Besitzer der „Handtuchgärten“ durchaus verstehen, wenn sie keinen Platz für einen Komposthaufen haben, wo sie ihr Laub lassen können. Doch auch in größeren Gärten wird das Laub oftmals keiner sinnvollen Verwendung zugeführt, sondern man möchte sich dem am liebsten entledigen. Da ist sicherlich auch eine gewisse Bequemlichkeit die Ursache.
    Nicht umsonst verschwinden immer mehr alte Bäume aus den Gärten, weil sie nur als „lästige Laubschleudern“ angesehen werden.
    Auffällig ist allerdings, dass in den Nobelstadtteilen von Berlin (Onkel Toms Hütte, Zehlendorf) die Haus- und Gartenbesitzer der Villen sehr wohl auf den Erhalt ihrer Baumbestände achten. Hier wird nicht so ein Raubbau am Stadtbild wie im Umland der Hauptstadt betrieben.

  7. Für dieses Jahr scheint der Bernauer Amtsschimmel besiegt: Die MOZ veröffentlichte heute eine Nachricht, dass aufgrund von Beschwerden „einiger“ Bürger ab sofort blaue Säcke für die Laubentsorgung genutzt werden können. Letztes Aufwiehern: Man muss irgendein Amt anrufen und dort die Zahl der zu entsorgenden Säcke angeben. Nun ja, ohne unnötigen Aufwand geht es nicht in Bernau, sind wir schon gewöhnt. Und so kann man in jedem Fall die Wichtigkeit des Amtes unterstreichen.Was soll’s, wenn sie nicht unser Geld kosten würden, wäre uns das alles fast egal.
    Freuen wir uns auf das Frühjahr und die neuen Blätter und dann im Herbst…