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Windjammern

wind_vogel.jpgEs ist doch erstaunlich, wie eine technische Innovation wie die Windkraft die Welt polarisiert! Mit Erstaunen habe ich einen Artikel in der MOZ über die kommende Ausweisung von neuen Windnutzungsgebieten in der Uckermark und im Barnim gelesen, der ein leuchtendes Plädoyer gegen Windenergie darstellt. Kein Vorurteil wurde dabei ausgelassen, von Verspargelung der wertvollen, touristisch genutzen Landschaft über Lärmbelästigung bis hin zum vielzitierten Vogelschredder war wirklich alles dabei.

Mir fallen dazu gleich ein paar Fragen ein: Wie laut ist so eine Anlage überhaupt? Was genau ist Verspargelung? Und wieviele Vögel „schreddert“ so eine Anlage? Und was vielleicht am wichtigsten ist, von wievielen neuen Anlagen ist denn hier die Rede?

Zum Ersten: laut Bundesverband WindEnergie (BWE) emittiert eine herkömmliche 1.5MW-Anlage an der Gondel (also in ungefähr 70 m Höhe) Schall von etwa 105 dB Stärke. Da aber die Schallabnahme in der Entfernung einer logarithmischen Skala folgt (die Energie von Schallwellen sinkt in der Luft mit dem Quadrat der Entfernung, aber lassen wir die mathematischen Einzelheiten) sind am Fuß des Turmes (direkt unter der Anlage) nur noch rund 60 dB zu messen. In 100 m Entfernung sind es gerade noch 55dB. Zum Vergleich: ein Fernseher bei Zimmerlautstärke emittiert 60 dB. Nun müssen laut Baunutzungsverordnung ( BauNVO § 35) mindestens 800m Abstand zu Wohngebäuden eingehalten werden, zu geschlossenen Ortschaften oder gar Klinikbereichen ist der Abstand noch größer. Mir stellt sich die Frage, wie man da überhaupt noch etwas von einer Anlagen hören können will…

Zur Verspargelung: Ja, eine Windkraftanlage kann schonmal über 100m hoch sein. Ja, die Tendenz geht hin zur Errichtung von Windparks, das heißt, es werden viele Anlagen in Formation auf eine Fläche gestellt.
Der Knackpunkt aber ist: Windkraftanlagen sind im Gegensatz zu technischen Anlagen wie etwa Hochspannungsmasten die auch schonmal 100 m hoch sein können (und sogar noch wesentlich höher, wie die Masten Elbekreuzung 1 und 2 mit 227m) bewegte Objekte und fallen dadurch erheblich mehr ins Auge.
Ob man am Ende Windparks als Spargel ansieht ist aber meines Erachtens vor allem eine subjektive Einschätzung.

Jetzt zu den Vögeln: Es gibt so viele Verhaltensweisen in Bezug auf Windkraftanlagen wie es unterschiedliche Vogelarten gibt. Man kann ebenso sowenig pauschal sagen, dass die Anlagen Vogelschredder sind wie man sagen kann, dass überhaupt keine Vögel zu Schaden kommen. Zu jedem Windprojekt ist eine ornitologische Untersuchung emfehlenswert, denn Windkraft und Vogelschutz sollten meiner Meinung nach nicht gegeneinander arbeiten, denn letzendlich sollen sie doch beide dem Umweltschutz nützen. Zum Vergleich: der BUND listet auf: „Man geht davon aus, dass jeweils ca. 5 – 10 Millionen Vögel im Straßenverkehr und an Hochspannungsmasten pro Jahr in Deutschland sterben.“

Unter dem Strich kann bisher niemand genau sagen, von wie vielen neuen Windrädern in der Uckermark und im Barnim die Rede ist, die Panikmache dagegen ist groß und eine objektive Debatte ist nicht erkennbar.

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10 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Es sind ja nicht die rationalen Argumente, die wirklich zählen. Rational dürfte es jedem allmählich klar sein, dass Erdöl, Braunkohle und Atomkraft nicht ohne Probleme zu haben sind. Lärm? Kein Problem – solange der Flugplatz nicht in meiner Nähe ist. Antennenmasten – wen stören die, außer denen, die ihn direkt vor der Nase haben? Dreck in der Luft? Müllverbrennung? Krematorium? Umgehungsstraße? Überall, nur bei mir nicht!!
    So werden brave, urplotzlich aus ihrer Lethargie aufgeschreckte Blödzeitungs-Ignoranten spontan zu Umwelt-, Vogel- oder Waldschützern, je nach persönlichem Bedarf.
    Dieweil kochen ignoranzgewohnte Lokalpolitiker ihre eigenen größenwahnsinnigen (z.B. Finowfurter Flug- und Rummelplatz-)Süppchen, und keiner kriegt’s mit. Was würde es auch ausmachen, solange jeder stets nur vor der eigenen Haustür aktiv ist und die eigentliche gemeinsame Sache – für unsere Kinder eine lebenswerte Welt zu hinterlassen – die ich- und jetztbezogenen Spießbürger in Wirklichkeit einen Dreck interessiert.
    Jede noch so dumme Polemik wird nachgeplappert. Tausende tote Wildtiere auf der Autobahn – ja und? Tausende tote Mitbürger jedes Jahr durch den Straßenverker – Pech halt! Rauchende Eltern in Autos? Es kriegt ja nicht jedes Kind davon Lungenkrebs. Jedenfalls meins nicht! Mit dem Auto rasen, soviel das Kleinhirn hergibt – immer weiter so, nicht wahr, Frau Merkel? Auch als letztes und einziges Land auf der Welt!
    Umwelt? Vernunft? Zukunft? Wen kümmert’s denn wirklich…

  2. Ich stimme Hartmut völlig zu. Auch mich (sorry:) kotzt dieses pseudo-umweltschützerische Geplapper und die dümmliche Tourismus-Besorgtheit an, mit der Leute argumentiern, denen das Abbagern ganzer Landschaften für dreckigste Energiegewinnung aus Braunkohle, das Fällen von Alleen und von Bäumen an Wasserstraßen im Namen des Tourismus und überhaupt sonst jegliches umweltpolitische Thema am Arsch vorbei geht. Ganz plötzlich entdecken diese Leute Zweifel am Einsatz von Technik, die sie sonst nicht im Mindesten haben, wenn sie eine von tausend tollen Autosendungen im Fernsehen schauen oder ihren Laubpuster anwerfen um die Einfahrt vom Laub zu befreien, wenn sie nicht gleich die Lösung des Laubproblems endgültig mit der Kettensäge angehen.
    Und unsere industriehörigen Medien machen auch gern mit, wenn es darum geht, die Vorbehalte gegen Windparks zu nähren, anstatt darauf hinzuarbeiten, dass deren Anblick angenehm empfunden wird, weil hier endlich der Klimaschädigung entgegengearbeitet und unsere Zukunft gerettet wird.

  3. Also ich bin eigentlich hier gelandet, weil ich infos suchte nach der Zahl der toten Vögel. Dabei wohne ich in er Nähe eines Windkraftwerkes und kann bestätigen, dass zumindest einige Vögel die Anwesenheit des Krafwerkes gut überleben können. Von daher und auch weil es nicht so viele Tiere sein werden, wäre eine gut abgeschätzte Statistik schon hilfreich. Also falls jemand die Zahl per comment ergänzt, ich bin auf der Benachrichtigungsliste.

  4. Aus eigenem Interesse bin ich mal zu einem dieser Windräder gefahren, um mir die angebliche Lärmbelästigung anzuhören.
    Nun, im Endeffekt war das Windrad entschieden leiser als meine Straße vor der Tür. Von daher können solche Klagen ja nun wirklich nicht ernst genommen werden.

    Und was den Vogelflug angeht, da sterben sicherlich mehr Tiere an den Scheiben von Glashäusern, als an den Windrädern.

  5. Ich vermute, daß solche Ammenmärchen gene von interessierter Seite in die Welt gesetzt werden, um den Ausbau alternativer Energiequellen durch damit erzeugten Widerstand der Bürger massiv zu behindern.
    Jede alternativ hergestellte und verbrauchte Kilowattstunde erzeugt Magengeschwüre bei Monopolisten, die daran nicht verdienen oder sogar draufzahlen müssen.
    Je mehr Windräder behindert werden, umso länger kann man mit Braunkohleverstromung Geld machen und ungehindert ganze Landstriche mit dem Segen der Landesregierung verwüsten.
    Von daher kann die Strategie gegen die Verbreitung von Unsinn nur lauten Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung!

  6. Leute wenn ich das wieder lese – Verschwörungstheorien, Monopolisten, Magengeschwüre bei Monopolisten und so weiter. Habt ihr eigentlich keine anderen Sorgen? Ich meine: Kraftwerke und Stromversorgung sind eine Sache und tote Vögel eine andere. Und wenn die Tiere wirklich gefährdet sind, dann macht nur eines wirklich Sinn. Man muss das Problem ansprechen. Denn nur Probleme, die man also solche akzeptiert, die kann man lösen. Wenn man ein Problem totredet, dann verweigert man einen Zustand, in dem andere über eine mögliche Lösung nachdenken können.

    Also bitte: Etwas weniger Verfolgungswahn und mehr Realität. Oder anders. Wann gibt es wirklich zuverlässige und verlinkbare Studien über die Gefährdung der Vögel durch Windkraftanlagen?

  7. @ Wolfgang:

    es gibt schon eine ganze Weile Studien zu diesem Thema und auch eine umfangreichen Artikel:

    (kein völlig unabhängiger Link, zugegeben, aber wer würde sonst solche Studien veröffentlichen?)

    @all: bei der Errichtung eines jeglichen Bauwerks wird die Umwelt in Mitleidenschaft gezogen und wenn das nur ein Schuppen auf dem Hof ist. Bei einer Windkraftanlage sind die Ansprüche an die Umweltverträglichkeit sogar vergleichsweise hoch und um Vögel und Fledermäuse zu schützen gibt es je nach Standort sogar Abschaltzeiten, (beispeilsweise in der Dämmerung wenn die Fledermäuse fliegen) Einschränkungen bei der Errichtung (es darf nicht in der Brutzeit gebaut werden) oder eine Begrenzung der Nabenhöhe. Das bedeutet, dass längt nicht das Potential genutzt wird, das technisch möglich wäre und praktisch jede stehende Anlage ist ein Kompromiss zwischen möglicher erzeugter Energie und Zugeständnissen an die Natur.

    Bei diese ganzen Diskussion sollten wir meiner Meinung nach nicht aus den Augen verlieren war wir wollen: und das ist ohne größere Einschränkungen in Zukunft auf unserem Niveau weiterleben. Angesichts sich verknappender Ressourcen und Klimaerwärmung sind Alternativen zu herkömmlichen fossilen Energieträgern zwingend notwendig! Wind, Sonne, Wasser und die Wärme der Erde liefern Energie und diese nicht zu nutzen wäre fatal. Aber auch das wieder sehenden Auges und als Kompromiss zur Natur.

  8. @ Thomas Dyhr – Sagma ist das nicht der Bürgerliche Name von Thomas D. von den Fantastischen Vier – ist das Zufall oder haben wir hier prominenten Besuch

  9. Es wäre interessant zu erfahren ob meine grüner Vorstandsfreund Thomas Dyhr auch rappen kann. Mit der Gitarre klappt es (ohne ihm vorgreifen zu wollen) wohl immerhin schon ganz gut.
    Der Fanta-4-Sänger heißt meines Wissens Thomas Dürr. Klingt ganz ähnlich, ist aber doch ein „bißchen“ was Anderes.