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Zwischenerfolg für die Platanen in Mönchmühle

schildow.jpgBis zum letzten Platz gefüllt war heute abend der Bürgersaal im Schildower Rathaus. Zwei Platanen, die das Ortsbild an der Mönchmühle prägen, sollen nach dem Willen von Bürgermeister Brietzke und dem von ihm beauftragten Gutachter Prof. Volker Rudolph aus Panketal gefällt werden. Prof. Rudolph nahm Gelegenheit, vor dem Umweltausschuss der Gemeinde Mühlenbecker Land und den Bürgern in aller Ausführlichkeit die Gründe für seine Fällempfehlung darzulegen: Pilzbefall und das Ergebnis einer neuartigen Computertomographie, die eine zu geringe Restwanddicke der Platanen bescheinigt, waren seine Hauptargumente.

In der anschließenden Fragestunde der Bürger wurden vor allem Vorwürfe zur schlechten Informationspolitik von Bürgermeister Brietzke laut, der weder den Umweltausschuss noch den Ortsbeirat im Vorfeld seines Fällantrages bei der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) informiert hatte, aber meinte mit einer Information an die Presse Ende Juli seiner Informationspflicht Genüge getan zu haben.

Das Ergebnis der Sitzung des Umweltausschusses ist doch ein Erfolg für die Demokratie: Der Umweltausschuss schlägt der Gemeindevertretung vor, ein Gegengutachten einzuholen, das alle Möglichkeiten des Erhaltes der beiden Naturdenkmäler prüft und Alternativen zur Fällung aufzeigt. Bürgermeister Brietzke will der Gemeindevertretung sogar zuvorkommen und das Gutachten morgen in Auftrag geben.

Auf die Frage aus dem Publikum, was solch ein Gutachten kosten werde, wollte sich weder der Bürgermeister noch Gutachter Prof. Rudolph äußern. Dieser meinte, dass sich seine Kollegen über den Auftrag sicher freuen würden. Der Vertreter der UNB des Landkreises Oberhavel beantwortete die Frage, die im Raum stand: „Wir geben ja auch öfter solche Gutachten in Auftrag. 1000 Euro plusminus 20 Prozent oder etwas mehr.“

Ich wünsche den Mönchmühlern Durchhaltevermögen und weitere Demokratieerlebnisse. Das war heute ein guter Abend für die Platanen der Mönche!

Update vom 13.09.2007: Kommentar von Helge Treichel, Märkische Allgemeine Zeitung.

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3 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Dieses Tagesergebnis ist erfreulich. Herzlichen Dank für Deine Teilnahme, Karl-Heinz!

    Die kommunalen Verwaltungen müssen endlich begreifen, dass nicht alles zu einem „reinen Verwaltungsakt“ vorkommen darf, bei dem die Bürgerinnen und Bürger außen vor gelassen werden. Natürlich ist es schön bequem, die Ohren vor kritischen Stimmen aus dem Volk zu verschließen. Doch die Leute fordern nun Mitspracherecht bei Angelegenheiten ein, die sich direkt vor Ihren Haustüren abspielen.
    Zudem schafft man eine transparente Verwaltung nicht mit gläsernen Türen und Wänden in modernen und technokratisch sterilen Verwaltungstempeln, wo sich keine menschenwürdige Arbeitsatmosphäre entwickeln kann.

  2. Liebe Barnimer Baumfreunde, herzlichen Dank für Eure wichtige Untersützung. Anbei ein Leserbrief, den ich heute an die MAZ geschrieben habe zum Auftreten von Professor Rudolf, in Erwiderung eines Kommentars „HERZ GEGEN HIRN“.

    Sehr geehrter Herr Treichel,

    also Herz gegen Hirn ist wohl nie zu empfehlen, nicht medizinisch, nicht politisch. Aber Herz mit Hirn oder Hirn mit Herz, das ist es was ich aus Ihrem Beitrag herausgelesen habe, denn Sie bringen in Ihrem Kommentar ja genau das Mitgefühl zum Ausdruck, dass uns MühlernbeckerInnen zum Protest gegen die Nacht+Nebel-Baumfällung aufgebracht hat.

    Auch ich will nicht von einer morschen Platane erschlagen werden, wenn ich abends von der Arbeit kommend meinen Weg von S-Bahnhof ins Musiker-Viertel gehe. Aber was ich will, ist dass das was Sie „Heimat, Identität, Ortsgeschichte“ nennen, genauso ernst genommen wird wie die Gefährlichkeit des Brandkrustenpilzes.

    Ein Gutachter wie Professor Rudolf, der von mir nach der Umweltausschuss Sitzung auf die Gefahren für den Damm vor der Mönchmühle angesprochen, erklärt: ich bin Freiberufler und mache nur meinen Job, diese Fragen hatte ich nicht zu prüfen, ich sollte nur die Verkehrsicherheit begutachten, handelt unpolitisch und in der Konsequenz verantwortungslos.

    Es ist das immer gleiche Spiel, dass die Ängste der Bürger gegen die angebliche Fachkompetenz der Fachleute ausgespielt werden. Die gesellschaftliche Verantwortung des Professor Rudolf tendiert zumindest in diesem Fall gegen Null. Die Anwesenheit eines Vertreters des Barnim-Blogs war deshalb eine große Unterstützung, da er darauf verweisen konnte, dass mehrere Gutachten von Professor Rudolf von Gerichten bereits „kassiert“ wurden. Herrn Rudolfs Verteidigung dazu erklärte seine eigenen Defizite: „Nicht aus fachlichen, sondern aus formalen oder politischen Gründen“. Es geht hier also nicht um herziges Misstrauen gegen hirnige Wissenschaftler, sondern um Wissenschaftler, die die ganzheitlichen und politischen Dimensionen Ihres Handelns nicht erkennen wollen oder können.

    Viel wichtiger aber, und auch da stimme ich der Tendenz Ihres Kommentares zu, ist das Verhalten von Bürgermeister Brietzke. Mit seiner bornierten Ablehnung von Bürgerbeteiligung und auch dem sehr taktischen Umgang mit der Wahrheit („ich habe seit dem 27.7. die Öffentlichkeit informiert…“) schürt er die grassierende Politikverdrossenheit.

    Es ist eine Frage der Verteidigung unserer parlamentarischen Demokratie, solch einem Verständnis und Verhalten von Bürgermeistern, das mitschuldig ist an geradezu amerikanischen Verhältnissen der Wahlbeteiligung, entgegen zu treten, und den Bürgern Mut zu machen, Ihre Rechte einzuklagen, wahr zu nehmen, und wachsam zu sein. Dafür hat sich das frühe Aufstehen gelohnt. Es könnte ja sein, dass die Aktion vom Montagmorgen Symbolwert hat: Das Mühlenbecker Land steht auf! Für Transparenz, Bürgerbeteiligung und solidarische Lösungen.

    Herzliche Grüße
    Mathis Oberhof

  3. Pingback: Platanen an der Mönchmühle werden nun doch gefällt « BAR-blog | Wir bloggen den Barnim