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I had a dream

Szene 1:
Ich sehe die Welt durch die Augen eines Leberwurstbrötchens, das liebvoll mit Gurke und Kresse garniert ist. Neben mir sitzt der Bernauer CDU-Stadtverordnete Frank Goral, der mich soeben aus einer nostalgisch anmutenden Butterbrotverkleidung gewickelt hat. Ein lieblich Glöckchen klingt… die Versammlung kann beginnen.

Aber irgendwas ist merkwürdig. Die sonst so beschauliche Veranstaltung gleicht einem Tollhaus. Ich schaue mich um, entdecke Gudrun Gaethke, die im Stile eines Bratwurstverkäufers vom Berliner Alexanderlatz vergoldete Presseausweise an völlig überforderte Journalisten verteilt. Neben ihr rezitiert Lothar Bisky (wo kommt der denn plötzlich her?) aus den „witzigsten Missverständnissen des Alten Testaments“. Plötzlich ein Poltern! Meine Augen suchen das Geräusch. Es stammt von Dagmar Enkelmann, die auf den Schultern Hubert Handkes in Schlangenlinien durch den Saal reitet. Die attraktive Bundestagsabgeordnete trägt die strassverzierte Galauniform Juri Gagarins und bewirft ihre Kollegen gekonnt und zielsicher mit fliederfarbenen Gummibärchen.

Alle Menschen sind glücklich und richten ihre glasig schimmernden Augen verzückt gen Himmel.

Szenenwechsel:
Ich habe plötzlich das Gefühl, mich nicht mehr bewegen zu können, sehe an mir herunter und erkenne mich als monströse Lautsprecherbox auf einer festlich geschmückten Bühne. Der 1. „inoffizielle“ Bernd Findeis-Fanclub hat wirklich weder Kosten noch Mühen gescheut und ein gigantisches Open-Air-Festival auf die Beine gestellt. Am Vibrieren meiner Membranen kann ich deutlich spüren, dass bereits mächtig die Post abgeht.

Die Band besteht zu 90% aus Zombies im „Original Line-Up des Oktoberklubs“ und einer Handvoll Beduinen, die mit Schellenkränzen auf hochglanzpolierte Aktenschränke eindreschen. Karl Eduard von Schnitzler singt „Octopus’s Garden“ in einer Version der Sesamstraße und wird im Background von Walter Ulbricht unterstützt. Sein leicht kehliges, aber überaus gekonntes „Yeah, Yeah, Yeah“ werde ich mein Lebtag lang nicht vergessen.

Mit einiger Mühe drehe ich mich um etwa 40 Grad und kann so einen Blick auf das bunte Treiben am Bühnenrand erhaschen. Auch hier wird allerlei Kurzweil geboten. Ich erkenne Günther Mittag an der Negerkusswurfmaschine und Margot Honecker, die – als Schlumpfine verkleidet – regenbogenbunte Karnevalsperücken an das begeisterte Volk verteilt. Auch der „Love, Peace and Happiness-Workshop” von Minister Erich Mielke findet regen Zuspruch.

Alle Menschen sind glücklich und richten ihre glasig schimmernden Augen verzückt gen Himmel.

Szenenwechsel:
Ich erwache schweißgebadet und mit rasendem Puls. Jetzt kann mir nur noch das Fernsehen helfen. Ich fingere nach der Fernbedienung… Scheiße, Sat1! Angewidert werfe ich die störrische „Plastikgurke” an die Wand… Teletext… Na bitte, es geht doch!

Die blassgelben Buchstaben verschwimmen noch ein bisschen vor meinen Augen, einige Schlagzeilen kann ich aber entziffern:

  • Polizist beißt Wildpinkler
  • Saure-Gurken-Zeit in Brandenburg: Sven Petke zum Gurkenkönig gewählt
  • Bahnstreik kreativ: Lokführer „bodypainten“ Hartmut Mehdorn
  • CDU will Stasi-Behörde schließen

Häh…?

Schlagartig falle ich wieder in tiefen Schlaf. Ich bin verwirrt, aber ich habe verstanden.

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3 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Ganz große Klasse. Als Horrorfilm unübertroffen, vor allem Goral, Handke und Enkelmann kann ich mir zum Beispiel gut als Gestalten in „The House of Wax“ vorstellen. Wer noch fehlt im Gruselkabinett sind die „Widerstandskämpfer“ Merkel und Thierse. Wahrscheinlich wäre es dann aber nicht mehr lustig…

  2. Aua…. na hoffentlich steckt das nicht an und ich träume auch noch davon. Aber in so einen Traum passt auch noch:
    Erich Mielke schiebt seinen Lehrling Schäuble durch den Wald und berichtet aus „Kundschafterzeiten“ und wie man sein Gegner am besten ermordet und entsorgt. Plötzlich kommt die oben beschriebene Enkelmann wie beschrieben angeritten, rollt einen Stein beiseite und buddelt einige SED Millionen aus die dringend im Kampf gegen Andersdenkende gebraucht werden

  3. Habt Ihr doofe Träume! Ich wanderte neulich Nachts zum Brocken. Am Wegesrand stand ein Blümchen, das sagte: „Die Renten sind sicher“ Daneben war ein Kohlfeld und ein Kohlkopf rief: „Es soll keinen schlechter gehen“ Oben angekommen schallte ein Echo durch den ganzen Harz: „Heute ist ein wunderschöner Tag für die Arbeislosen“ Also bin ich schnell nach Haus gelaufen, habe meine Koffer gepackt und bin mit dem Geld meiner Firma in den Urlaub geflogen. Wenigstes Nachts lasse ich es mir gutgehen!