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Bernau haut Berlin? – Gedanken zum Stadtschloss

Für die einen ist es ein überflüssiger Protzobjekt, für andere ein Symbol der Zukunft Berlins oder gar den „Sieg der Demokratie“. So oder so wird sich der Neubau des Berliner Stadtschlosses wohl nicht mehr verhindern lassen und im Jahr 2010 beginnen.

Teile des Schlosses könnten, wenn es nach Robert Priem geht, zukünftig aus Bernau kommen. Der 28-jährige Steinmetzmeister beteiligte sich an einer Initiative des „Fördervereins Berliner Schloß“, dass dem Jahrgangsbesten einen 1,5 Tonnen schweren Sandsteinblock zur Verfügung stellte. In 3-wöchiger Arbeit entstand daraus ein Fenstersims, der später die Fassade des Schlosses zieren soll. Jetzt hat Priem „Blut geleckt“ und will unbedingt weiter für den „Palastaufbau“ arbeiten. Eine entsprechende Werkstatt in der Hussitenstadt ist in Planung.

Die Kosten für das ehrgeizige Projekt werden derzeit auf 480 Millionen Euro geschätzt. Weitere 10 Millionen verschlingt im Vorfeld der „selektive Rückbau“ des Palastes der Republik. Mindestens 32 Millionen bleiben am Berliner Senat hängen. Ob es gelingt, die bereits eingeplanten Sponsoren zu begeistern wird sich zeigen.

Sinnfragen hinsichtlich des Kosten-Nutzen-Verhältnisses liegen nahe, verhallten aber weitgehend ungehört. Der „Heimathorst des Pleitegeiers“ braucht sein Schloss … und Basta!

Eine wesentliche Parallele zu „Erichs Lampenladen“ ergibt sich somit in jedem Fall. Damals wie heute sind die Bauwerke ein in Stein gehauenes Zeugnis menschlichen Geltungsbedürfnisses.

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Veröffentlicht von

Stefan ist von Beruf Sozialarbeiter und arbeitet mit chronisch kranken Menschen. Der 2-fache Familienvater ist Autor verschiedener Websites und gelegentlich auch noch als Sänger aktiv. Als leidenschaftlicher Naturschützer wurde er unlängst in die Panketaler Gemeindevertretung gewählt. Weitere politische Schwerpunkte sind die Ortsentwicklung, sowie soziale Themen.

4 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Das ganze Stadtschloss-Palast-Gedöns ist doch ein Affentheater, um die Berliner von den wahren Problemen ihrer Stadt abzulenken.

    Und wirtschaftliche Interessen stecken (wie immer) auch dahinter:
    1. wäre das ICC schon 17 Jahre pleite, wenn alle großen Kongresse und viele Konzerte in Berlins Mitte und nicht an der westlichen Umgehungsstraße stattgefunden hätten.
    2. gilt in der Berliner Bauindustrie mehr als woanders der Satz: „Wir bauen uff und reißen nieda – so hamwa Arbeet imma wieda.“

  2. Einen Sieg der Demokratie würde ich dieses Bauwerk nicht nennen, eher das Gegenteil ist der Fall. Rückwärtsgewandtes Design als Zeichen der neuen Monarchie?

  3. Das indirekte Zitat eines Leserbriefes an die FAZ (Sieg der Demokratie) feiert meines Erachtens weniger das Schloß als Demokratiegewinn , als den Abriss des Palastes der Republik.
    O-Ton:
    „Honi ist tot, der Palast ist entfernt. Allen Palastliebhabern sei gesagt: Die DDR ist 1989 gestorben, die Demokratie hat gesiegt!!!“

    Naja….

  4. Das selbe Theater gibt es ja in Potsdam auch.
    Hier wird fast jede Opposition dagegen nieder gemacht und tot geschwiegen.
    Immerhin haben wir (ein paar Studenten) uns aufgerafft und eine Initiative „Bildung sta(d)t Schloss“ gegründet.
    Wir können zwar nicht viel verändern, aber vielleicht ein bißchen zum Denken anregen.

    Die Initiative „Bildung sta(d)t Schloss“