web analytics

Choriner Kroneneiche stehen lassen!

Die 500jährige Choriner Kroneneiche, ein Naturdenkmal in der Revierförsterei Senftenthal, ist abgestorben, wie die Märkische Oderzeitung berichtet. Doch was passiert nun? Siebzehn Festmeter Eichenholz soll sie liefern, Intarsienholz für China womöglich.

Dr. Andreas Steiner aus Finow schrieb dazu einen Leserbrief an die Märkische Oderzeitung, den das Barnim-Blog mit freundlicher Genehmigung ungekürzt veröffentlicht.

[Update 5. Juli 2007 14:20] Wie das Barnim-Blog von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Barnim erfuhr, besteht keine Veranlassung zur Sorge. Von Seiten des Landesforstbetriebes liegt bei der UNB kein Fällantrag für die Kroneneiche vor, was bei Beseitigung eines Naturdenkmals aber zwingend erforderlich wäre. Die UNB bezweifelt, dass die Forstleute überhaupt die Absicht haben, den Baum zu fällen. [Ende des Updates]

Mein Kommentar dazu: Auch ich habe den Artikel in der MOZ so verstanden, als wenn die Fällung bevorstünde. Schön, wenn es nicht so wäre.

Leserbrief an die Märkische Oderzeitung, Dr. Andreas Steiner, 4. Juli 2007
Abgestorbene Kroneneiche als Biotopbaum stehen lassen

Wenngleich die 17 Festmeter des hochwertigen Holzes der abgestorbenen Choriner Kroneneiche einen hohen ökonomischen Wert darstellen, würde ich es begrüßen, wenn man dieses Naturdenkmal in seiner Funktion als Biotopbaum stehen lassen würde. Die europäische Biodiversitäts-Konvention und das europäische Schutzsystem NATURA 2000 haben dazu beigetragen, dass der Erhalt alter Bäume und des Totholzes in forstliche Zielsetzungen Eingang gefunden hat. Dennoch sind viele Wälder aufgrund einer zunehmend intensiven Forstwirtschaft sehr arm an solchen Strukturen.

Tote und absterbende Bäume sind Bestandteil der natürlichen Walddynamik. Das Totholz der Kroneneiche würde einen reichhaltigen Lebensraum für unzählige darauf spezialisierte Tierarten, wie höhlenbewohnende Vögel, Säuger (z.B. Fledermäuse, Siebenschläfer), zahlreiche Insektengruppen und holzzersetzende Pilzen bieten, die auf die verschiedenen entstehenden Substrate spezialisiert sind. Je nach Baumart, Dimension, Form, Exposition und Zersetzungsgrad bietet Biotopholz einen Nahrungs-, Schlaf- oder Brutplatz für viele in Deutschland vom Aussterben bedrohte Arten.

Zudem sind solche mächtigen abgestorbenen Bäume wertvolle „Trittsteine“ in einem Biotopverbundsystem, so für die auf Biotopholz angewiesenen extrem bedrohten und wenig mobilen Totholzkäfer (z.B. dem Eremiten).

Der Erhalt der toten Kroneneiche als Biotopbaum würde dem Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin gut zu Gesicht stehen.

Choriner Kroneneiche stehen lassen! auf Facebook teilen
Choriner Kroneneiche stehen lassen! auf Twitter teilen
Choriner Kroneneiche stehen lassen! auf Google Plus teilen

Ähnliche Artikel:

1 Kommentar » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Die Kroneneiche! Ab 1980 wanderte und wandelte ich oft an ihr vorbei auf dem Weg von Senftenhütte zum Bhf. Chorin und umgekehrt. (Mitunter musizierend auf `nem leisen Dudelsack zum Schrecken von Jäger und Getier)

    Da sie mitten im Wald steht, die Eiche, kann man sie in ihrer Ehrwürdigkeit nicht von weitem erkennen. Sie ist abweisend, so gut wie nicht erkletterbar. Doch ist sie was Besonderes.
    D`rum soll man sie doch ruhig stehen lassen solang sie will. Vielleicht ein Nachfolgerlein hinpflanzen – vor Rehbiss und dummen Jungen einstweilen durch ein Gärtlein geschützt…denn schließlich steht ein Försterdenkmal auch dabei das sagt, daß dort schon`mal gepflanzet ward.

    Halali!