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Bernauer Stadtverordneter unter Stasi-Verdacht

Wie die Bild-Zeitung offenbar heute berichtete, soll der Bernauer Stadtverordnete Dr. Bernd Findeis (CDU) als Stasi-IM geführt worden sein.
Findeis hatte im Januar einen Antrag auf Überprüfung der Stadtverordneten hinsichtlich einer eventuellen Stasi-Mitarbeit zunächst mit unterzeichnet, seine Unterschrift jedoch vor der Abstimmung zurückgezogen.

Wie der ehemalige Chefarzt damals gegenüber der Märkischen-Oderzeitung erklärte habe

der Initiator des Beschlusses, Peter Vida von der Unabhängigen Fraktion (…)ihm gegenüber falsche Aussagen gemacht. Er habe erklärt, die Vorlage sei fraktionsübergreifend abgesprochen und entspräche wörtlich dem Kreistagsbeschluss. Auch vom Wortlaut des nun vorliegenden Antrags distanzierte sich Findeis.
Beschlossen werden sollte, dass nach der Überprüfung über die Ergebnisse in der Stadtverordnetenversammlung und im Hauptausschuss öffentlich informiert werden soll. Der Rechtsstaat werde mit Füßen getreten, so Findeis, wenn auf der Grundlage der Aussagen einer DDR-Behörde, deren Glaubwürdigkeit in der Vergangenheit wiederholt in Frage gestellt werden musste, ohne differenzierte Abwägung eine öffentliche Verurteilung erfolgt“.
Vida wies seinerseits die Aussagen von Bernd Findeis als falsch zurück und hielt eine eidesstattliche Erklärung hoch, die er vorsorglich bei einem Notar habe anfertigen lassen. Sie gebe wieder, was er dem CDU-Abgeordneten gegenüber gesagt habe, erklärte er.

Ob und in welchem Umfang der Mediziner tatsächlich in die Machenschaften „der Firma“ verstrickt war ist derzeit unklar.
Bleibt zu hoffen das Findeis zu den Vorwürfen Stellung nimmt und „Licht ins Dunkel bringt“.

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Veröffentlicht von

Stefan ist von Beruf Sozialarbeiter und arbeitet mit chronisch kranken Menschen. Der 2-fache Familienvater ist Autor verschiedener Websites und gelegentlich auch noch als Sänger aktiv. Als leidenschaftlicher Naturschützer wurde er unlängst in die Panketaler Gemeindevertretung gewählt. Weitere politische Schwerpunkte sind die Ortsentwicklung, sowie soziale Themen.

29 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Hier einige Informationen aus seiner Biografie.
    Demnach ist Dr. Findeis seit 2003 Beauftragter für Unternehmensentwicklung der Hoffnungstaler Anstalten…

  2. Tja, wie das Leben so spielt. Im Januar wurde ich noch von Hrn. Findeis beschimpft und bürgermeister Handke sprang ihm beiseite und beschuldigte mich, Leute unnötig zu verdächtigen.
    Und was kommt nun heraus? Peinlich, peinlich1

    Meien Fraktion bringt zur Sondernsitzung der SVV am 19.07. den Stasi-Überprüfungs-Antrag neu ein. auch die Opferverbände fordern dies

  3. Wie die MOZ (leider nur im Bernauer Teil der Printausgabe) heute berichtet hat sich Dr. Berndt Findeis zu den gegen ihn erhobenen Stasi-Vorwürfen erklärt.
    Demnach habe er 1981 einem Freund bei der Flucht in den Westen geholfen und sei in Folge dessen von der Stasi verhört und massiv unter Druck gesetzt worden.
    Von dem Freund soll eine diesbezügliche Ehrenerklärung vorliegen, die diese Aussagebestätigt.
    Die Kontakte zur Stasi ahbe Findeis 1984 selbst abgebrochen.

    Aus den Akten selbst geht offenbar hervor, das die Stasi Findeis eine verfestigt, negative politische Grundeinstellung bescheinigte und bestätigte, dass er nicht Willens wahr, „zielgerichtet“ mit den Behörden zusammenzuarbeiten.
    Findeis soll zudem Arbeitgeber und Kirche zu seinen Kontzakten informiert haben.
    Das er es nicht gegenüber den Stadtverordneten tat, erscheint auf den ersten Blick allerdings zumindest ungeschickt.
    Sollte sich Findeis-Version spätigen dürfte ein möglicher Demontageversuch hiermit gescheitert sein.
    Bin gespannt ob Herr Vida sich jetzt immer noch so freut oder gar weitere belastende Hintergründe kennt.

  4. Herr Findeis hat sich gegenüber dem MfS verpflichtet, mit dem Geheimdienst zusammenzuarbeiten. Als Arzt hat er damit seine Spitzel-Tätigkeit über das Verhältnis zus einen Patienten gestellt. Ganz schön niederträchtig. Zum Glück waren die meisten Ärzte in der untergegangen DDR-Dikatur nicht so schäbig. Trotzdem müssen noch viele Medizin-Verbrechen aufgeklärt werden. Es wäre schön, wenn solche Systemträger – und unterstützer wie Findeis im Sinne der historischen Wahrheit dazu einen Beitrag leistebnn würden!

  5. Mensch Herr Stahlbaum,

    Sie scheinen sich ja richtig zu freuen für Bernd Findeis. Und die Aussagen des MfS scheinen sie richtig ernst zu nehmen. Wahrscheinlich wurde Herr Findeis auch noch gezwungen, seine Verpflichtungserklärung zu schreiben? Vielleicht sogar mit Psychopharmaka in den richtigen Zustand versetzt? Wäre dem MfS ja zuzutrauen, oder Herr Stahlbaum?

    Dass Findeis über Patienten berichtet hat, scheinen Sie plötzlich ganz zu vergessen! Und dass Findeis auch nicht wissen konnte, was die Stasi mit den Informationen machte, liegt ja auf der Hand. War ja schließlich ein GEHEIMdienst. Finden Sie all da snicht zumindest grob fahrlässig und eines Mediziners unwürdig!?

  6. Stefan Stahlbaum braucht dringend Nachhilfestunden in DDR-Geschichte!
    Über andere dem MFs zu berichten, konnte schlimmste Folgen haben. Darüber wusste oft der Spitzel gar nichts! Deswegen haben Sie ja auch über 90% Prozent der Leute nicht mit diesem menschenverachtenden Unterdrückungsapparat eingelassen!

  7. Das Verhalten von Dr. Findeis ist dennoch merkwürdig. Sein Tête-à-tête mit der Stasi ist erst 1992 bei einer Überprüfung bekannt geworden, wenn man der Bernauer MOZ-Lokalausgabe von heute (4. Juli 2007) Glauben schenkt.

    Für mich als Barnimer und DDR-Bürger ist es unerträglich, dass sich Kollaborateure des MfS heute wieder „ohne Not“ in Volksvertretungen und öffentlche Ämter wählen lassen, ohne irgendwelche Skrupel zu haben.

    In Wendezeiten gab es das Motto: „Arbeiten soll’n se geh’n! Arbeiten!“

  8. Tja Karl-Heinz,

    und genau deshalb muss es die Stasi-Überprüfungen weiter geben. Ich hoffe für Bernau, dass der „Eiertanz“ um einen entsprechenden Antrag endlich zu einem Ergebnis führt.
    Dr. Findeis wird im übrigen weitere Fragen beantworten müssen und gegebenen Falls Konsequenzen ziehen müssen.
    Dennoch hat es Fälle gegeben (mir persönlich ist einer bekannt in dem die „zu Verpflichtene Person“ mit Kindesentzug bedroht wurde) in denen die IM-Registrierung alles andere als freiwillig geschah und die „zu Bespitzelnden“ von diesem Umstand sofort informiert wurden.
    Ob das für Dr. Findeis gilt entzieht sich derzeit meiner Kenntnis.
    Ich denke das die Pflicht zur Wahrheit von der Pflicht zur Sorgfalt und gründlichen Recherche nicht befreit.
    Schließlich war konstruierte Anklagen auf Grund loser Verdachtsmomente eine „Spezialität“ des Stasi-Systems.

  9. Leider ist gerade in Bezug auf die Aufarbeitung der DDR-Geschichte und der Stasi nichts schädlicher als das öffentlich geförderte Schwarz-Weiß-Denken. Die Wahrheit gerade in Bezug auf die Stasi-IM ist machmal grau, nicht immer, aber manchmal eben doch. Ich würde mir jedenfalls eine öffentliche Äußerung von Herrn Findeis wünschen! Und so manchem Schlauberger wünsche ich, dass er es niemals mit einem Geheimdienst wie z.B. der Stasi zu tun bekommt. Wie sagte schon Wilhelm Tell: „Vom sich’ren Port läßt sich’s gemächlich raten.“

  10. Nachbemerkung:
    1. Nein,ich war kein IM.
    2. Ja, ich hatte Kontakt mit der Stasi. Sie strafte mein Desinteresse an einer Zusammenarbeit mit regelmäßiger Ablehnung von sog. NSW-Reisen, u.a. zur Biotechnica nach Hannover. Ich durfte „nur“ nach Budapest und Plovdiv.Heute kann ich darüber lachen, ich fahre ständig ins „NSW“.
    3. Mein bester Freund wurde massiv zur Zusammenarbeit erpreßt, er war alleinerziehender Vater und was Knast bedeutet hätte, muss ich wohl nicht weiter ausführen.Dieser Freund hat sämtlichen Kontakt zu mir abgebrochen, aus Scham ? Ich weiß es nicht und bin tieftraurig.
    4.Ein ehemaliger Dozent von mir spielte sich nach der Wende als Widerstandskämpfer auf und wollte die Uni übernehmen, in dem er seine Kollegen als Systemträger denunzierte. Wie sich zufällig herausstellte, hatte er freiwillig gespitzelt.

    Ist die Wahrheit nun schwarz-weiß und ist sie überhaupt in Akten zu fassen ? Ich denke, die Aufarbeitung ist noch lange nicht vorbei. Aber was gewinnen wir, wenn wir Menschen vorverurteilen und ausgrenzen ?

  11. Liebe Freunde,

    ich kenne die Stasi-Akte des Herrn Findeis. Wer sie kennt, würde nicht in derart lauten Tönen die MOZ verteidigen, Herr Stahlbaum!

  12. Zitat aus der Stasi/BStU-Akte des IM-Erich (alias: Bernd Findeis):

    „Ich erkläre mich bereit, dass MfS zu unterstützen. […] IM Erich lieferte […] über Kollegen, Patienten und eine ‚Menschenhändlerbande‘ Informationen.“

    Findeis hat seine Spitzeltätigkeit gegenüber der Bild eingeräumt, hielt sich aber zu Gute, dass seine Zusammenarbeit mit der Stasi früher zu keinen arbeitsrechtlichen Konsequenzen geführt habe.

  13. Noch immer ein heiß diskutiertes Thema, wie die vielen Kommentare zeigen.
    Prinzipiell hat sich aber nichts geändert. Leider wird es immer genug tote Fische geben, die mit dem Strom schwimmen.

  14. Zum Thema gibt es eine aktuelle Pressemitteilung der Niederbarnimer Grünen. Hier der Link:

  15. Hallo Hr. Stahlbaum,

    ich hoffe Sie meinen mit Marktschreier nicht die Unabhängige Fraktion – wenn dies wieder in der MOZ steht, kann ich Ihnen schon im Voraus danken. Überlegen sie mal, wo der Feind steht? Dort, wo keine Überprüfung gewollt wird, oder dort wo Überprüfung gefordert wird?!

    MfG,
    Péter Vida

  16. Guten Abend Herr Vida,

    wer sich welche „Jacke anzieht“ überlasse ich der individuellen Phantasie und Selbsteinschätzung.
    Kernausssage der Pressemitteilung ist allerdings, das die Überprüfung der Abgeordneten überfällig ist und ich persönlich keine wie auch immer geartete Rechtfertigung gelten lasse dies erneut scheitern zu lassen.
    Diese Auffassung vertrete ich übrigens schon immer.
    Was Dr. Findeis angeht hoffe ich auf eine möglichst umfassende und detailierte Darstellung seiner MfS-Verbindungen. Die bisherigen Infos aus der Akte (hat unterschrieben, hat Informationen geliefert) sind mir derzeit etwas zu dürftig um daraus Schlüsse abzuleiten.
    Wie bereits beschrieben: ich selbst bin Leuten begegnet die unter schlimmsten Drohungen zu einer Verpflichtungserklärung gezwungen wurden und weigere mich unverändert (nach Kenntnis der individuellen Hintergünde) diese pauschal zu verurteilen.
    Im übrigen hat das Stasi-System bei weitem nicht nur von seinen „offiziellen Spitzeln“ gelebt, sondern auch von etlichen „netten Nachbarn, Freunden und Kollegen“ die aus freien Stücken ihre Mitmenschen angeschwärzt und verraten haben.
    Es ist eben bei weitem nicht so einfach über einen Menschen und seine Verantwortlichkeit zu urteilen.
    Was Herrn Findeis angeht steht, aus meiner derzeitigen Sicht , allerdings zumindest der Vorwurf der Wählertäuschung im Raum.

    Ich selbst habe nicht vergessen wie die Stasi meine Mutter abholte und stundenlang an einem uns nicht bekannten Ort verhörte. Das wir selbst nach unserer Ausreise noch recht intensiv „bespitzelt wurden“ hat meine Einstellung zum Thema ebenso geprägt wie die Monate, in denen wir uns im zentralen Aufnahmelager West-Berlins mit mehreren ehemaligen politischen Gefangenen eine Wohnung teilten.

    Dennoch bin ich froh nicht in „schwarz-weißen Feindbildern“ leben zu müssen und brauche daher auch kein „Kriegsberichterstatterdeutsch“ (..wissen wo der Feind steht).

    Schlußendlich kann eine Überprüfung der Stadtverordneten auch dazu beitragen Generalverdächtigungen und Spekulationen den Nährboden zu entziehen und auch das wäre aus meiner Sicht ein großer Erfolg.

    Eine möglichst stressarme Woche wünscht allen Lesern und Autoren

    Stefan Stahlbaum

  17. Gut, Herr Stahlbaum,

    dann kommen Sie am 18.07.07 in die SVV! Da werden Sie einiges hören!

  18. Guten Abend allerseits,

    bin auch schon gespannt, wie das morgen in der SVV von Bernau läuft. Hoffe, dass der Barnim-Blog berichtet wird.

    Über 20 Treff- und IM-Berichte von Bernd Findeis sind schon allerhand.

    Auszüge:

    In einem „Bericht“ vom 20.01.81 über ein Gespräch zwischen einem Mitarbeiter des MfS und Findeis heißt es: „Er berichtete, dass der Patient —, geb. — in Dreseden, wohnhaft 8036 Dresden, —, im Jahre 1979 durch Gerichtsbeschluß in die Nervenklinik eingeliefert wurde. — war in der VR Ungarn wegen versuchten ungesetzlichen Verlassens der DDR in Haft genommmen worden. In der U-Haft wurde seine Krankheit festgestellt. — ist schizophren. … und nach Meinung des F. handelt es sich bei — um eine klassische Erkrankung mit allen Anzeichen. … Der Grund , warum F. unser Organ informierte, ist folgender: … In einem Gespräch mit dem F. im Dezember 1980 brachte der Vater des — zum Ausdruck, daß der Zustand seines Sohnes auf die politischen Verhältnisse in der DDR zurückzuführen ist, daß man ihn nicht studieren läßt und gegen Andersdenkende einen psychologischen Krieg führt. … Er [der Vater] wird sich dafür einsetzen, daß sein Sohn in die BRD übersiedeln kann. … Er [der Vater] habe schon Kontakt mit Bekannten in der BRD aufgenommen. … Als treibenden Faktor betrachtet der F. in diesem Fall die Eltern des —. Gegen die Meinung der Eltern des — habe sich F. entschieden verwahrt und versucht, sie von der Unrichtigkeit ihrer Vorstellungen zu überzeugen. … Dem F. wurde für die gegebenen Informationen gedankt und vereinbart, daß sich der Mitarbeiter in der nächsten Woche wieder meldet , um ein weiteres Gespräch zu führen. …

    ÄRZTLICHE SCHWEIGEPFLICHT??? KANNTE FINDEIS WOHL NICHT!! UND OB DIE ELTERN SCHWIERIGKEITEN BEKOMMEN HABEN – WER WEIß ?

    Bericht vom 26.01.81:

    … F. war wiederum freundlich und aufgeschlossen. Er berichtete das er mit dem Patienten — weitere Gespräche geführt hat mit den Ziel nähere Angaben über den BRD-Bürger zu erhalten, mit dem sich — wegen seiner Übersiedlung nach der BRD beraten hat.

    OH GOTT, FINDEIS!!!

  19. Spätes IM-Geständnis in Bernau

    Jetzt werden sicherlich wieder die Rufe nach der „Beendigung unseliger Vergangenheitsbeschwörungen“ erhoben. Muss nicht endlich Schluss sein mit dem „Wühlen in den persönlichen Lebensbildern“?
    Den ehemaligen „Tätern“ kommen solche Rufe gerade recht, sehen sie sich doch „beispiellosen Hetzjagden“ ausgesetzt.

    Doch es geht hier gar nicht um die behauptete (nachträgliche) Vernichtung von Existenzen. Es geht um die Unaufrichtigkeit ehemals Verantwortlicher, die nach wie vor nur bereit sind, Verstrickungen dann einzuräumen, wenn Geständnisse durch vorausgehende publizierte Informationen unausweichlich
    geworden sind.
    Diese Verdrängung eigener Verantwortung bringt die Bürger auch
    17 Jahre nach der Wende zu Recht in Rage. Die oft jammervoll vorgetragene Mitleidstour, die für Opfer dieses Genre schon widerlich anmutende Behauptung, man sei immer nur der „Gut-Mensch“ in einem schlimmen System gewesen, ist der eigentliche Skandal.
    Vielleicht sollten sich ja die politischen Justiz- und Stasi-Opfer dafür entschuldigen, dass sie durch ihre Verhaltensweisen den Mitarbeitern des MfS soviel Arbeit gemacht haben?
    Verkehrte Welt: Die MfS-Mitarbeiter als eigentliche Opfer, ihre drangsalierten Opfer die eigentlich Verantwortlichen!

    Das Netz der IM´s spannte sich über die gesamte ehemalige
    DDR. Durch dessen Informationen war es dem MfS überhaupt erst
    möglich, Menschen zu beschuldigen und zu verurteilen. In den
    Haftanstalten kam die perfide >operative Psychologie

  20. Fortsetzung von obigem Text, da Server nicht alles übernommen hat:


    des MfS
    zum Einsatz, die sie zuvor in der Hochschule Potsdam Golm
    von Medizinern erworben hatten.

    Nein, es geht nicht um die Existenz der damals Verantwortlichen. Deren Rentenansprüche werden (im Gegensatz zu betroffenen Opfern) so oder so nicht geschmälert. Es geht schlicht und einfach um die Übernahme bzw. das Bekenntnis zur Verantwortung! Dabei reicht eine weinerliche Erklärung in der örtlichen Zeitung und auch ein Verkriechen hinter Mauern der Vergangenheit keineswegs aus.

    Tatjana Sterneberg
    verurteilt zu 3 Jahren 8 Monaten Gefängnis mit strengem Strafvollzug und Neuroleptika misshandelt
    i. V. der Opfer der SED / MfS – Diktatur

    Die umfangreiche Dokumentation von Dr. Francesca Weil,
    Hannah Ahrendt Institut, belegt sehr eindrücklich die
    Verstrickungen von Ärzten mit dem MfS.

  21. @Tatjana Sterneberg:
    Ich bin sehr berührt von Ihrer Darstellung. Und kann auch, so wie Sie, nicht nach 17 Jahren finden, dass hier alte Dinge aufgewärmt werden. Das ist absolut notwendig. Ethik sollte nicht nur unterrichtet werden, man sollte sie auch leben und vorleben. Erst vor zwei Jahren haben wir für ein unrechtmäßig inhaftiertes Familienmitglied die Rehabilitierung erhalten. Dieses Familienmitglied wurde im Sommer 1946 von der sowjetischen Besatzungstruppe verhaftet und ist als kerngesunder Mensch in dieser Haft jämmerlich zu Grunde gegangen. Was daraus folgte war ein Leben einer Alleinerziehenden mit zwei Kindern, die ihren Vater nie kennenlernten bzw. keine Erinnerung mehr haben. Ein Leben, das mit 27 Jahren mit Gewalt beendet wurde und ein Mensch, der seine letzten Monate in schrecklicher Depressivität verbrachte, weil er wußte, dass seine kleine Familie ihn gebraucht hätte. Diese Verhaftung kam nur zustande, weil Menschen Andersdenkende zum eigenen Vorteli diffamieren – meist zum materiellen Vorteil oder wegen anderer Erfolgsaussichten oder aus ganz niedrigen Gründen. Ich kenne mich bei uns im Ort(Lichterfelde) ganz gut aus und weiß sehr genau, wer für sich und seine Nachkommen das finanzielle Auskommen durch eine „Gummiohrenkarriere“ gesichert hat. Man kann es kaum übersehen haben, wenn man sich mal den Wohlstand einiger Familien gleich nach der Wende und die vielen Existenzgründungen bei Leuten, die doch vorher angestellt waren, ansieht!!! Es ist auch heute so, dass diese Menschen ihre Existenz und die der inzwischen dritten Generation auf Blut aufgebaut haben. Das sollte man nicht vergessen. Es ist die für meine Begriffe schlimmste Sache der Welt, jemandem sein Leben zu zerstören aufgrund niedriger Beweggründe, so das daraus nicht nur Überwachung sondern auch Gefängnis und Mißhandlungen und alles was daraus noch folgt für die Opfer resultieren. Was man aber auch nicht vergessen darf, ist die andere Seite. Nämlich der Wohlstand und die Sonderrechte der Verräter. Wohlstand vererbt sich! Das geht ja bis in die Bildung hinein, die sich auch nicht mehr jeder so einfach leisten kann, aber wenn Opa bei der Stasi war, dann ist das alles kein Problem.

    Es gibt ja immer wieder auch tragische Schilderungen, wo z.B. wie hier schon von jemandem erwähnt, mit Kindesentzug oder mit nicht ausreichender medizinischer Versorgung bei Krebserkrankung vom MfS gedroht wurde, aber die Auszüge zum Herrn Findeis lassen den Eindruck entstehen, dass er ganz versessen auf seine Zusatzdienste war, so nach dem Motto „Herr Lehrere, ich weiß was…“

  22. In diesem Zusammenhang möchte ich den Satz von Otto Brenner (1968) an Frau und Mann bringen, der gleichzeitig zu meinem Leitspruch geworden ist:
    „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“.

    Wenn sich mehr Leute daran halten würden, würde die Welt besser aussehen…

  23. Meine Stellungnahme zum Beitrag: Klarheit schaffen – GRÜNE für Überprüfung …
    Sehr geehrter Herr Stahlbaum,
    zunächst herzlichen Dank für Ihre klare Erklärung an die PRESSE zu den Vorgängen in Bernau vom 16.07.2007.

    Nicht einig gehe ich mit Ihrer Formulierung des Unbehagens einiger Stadtverordneter über „Marktschreiermethoden selbsternannter Aufklärer“ , für das Sie Verständnis haben.

    Es verwundert, wenn gerade aus Reihen Ihrer Partei derartige unbedachte Formulierungen kommen, hat sich diese doch einst mit dem BÜNDNIS 90, der Bürgerbewegung der ehemaligen DDR, zusammengeschlossen.

    Auch vermute ich, dass Sie über die Hintergründe, die schließlich zum Eingeständnis einer IM-Tätigkeit des Herrn Dr.Findeis geführt haben, zumindest nicht vollständig informiert sind.

    Ein Mitglied unserer Vereinigung hatte während der Turbulenzen um die erste Abstimmung einer freiwilligen Überprüfung vernehmbar angekündigt, Informationen über die „IM-Tätigkeit eines Mitgliedes der Stadtverordnetenversammlung“ Nachforschungen anzustellen. Vier Tage später, vom ungeklärten Todeszeitpunkt aus zwei Tage später, war unser Mitglied tot. Ob Zufall oder nicht, war und ist an dieser Stelle nicht die Frage. Aber der plötzliche Tod veranlaßte uns nun, die Nachforschunge im Sinne des Verstorbenen fortzuführen. Dabei trat ich als Vorsitzender mit sehr moderaten Presse-Erklärungen an die Öffentlichkeit (www.17juni1953.de Presse), um in den Opferverbänden aufkeimenden Gerüchten um mögliche Zusammenhänge mit dem Tod oder gar Spekulationen um die Ursache des Todes sachlich entgegen zu treten. Dazu gehörte der sofortige Versuch, mit Herrn Dr. Findeis persönlich Kontakt aufzunehmen, um seine Meinung zu den Vorwürfen zu hören. Zu diesem Zweck habe ich diesen nicht nur angeschrieben (Brief und Mail), sondern auch den Versuch unternommen, ihn persönlich aufzusuchen.

    Leider meldete sich Herr Dr.Findeis bei mir erst telefonisch, nach dem – nach seinen eigenen Angaben – die BILD-Zeitung recherchierte. Unmittelbar vor der Veröffentlichung erklärte sich Herr Dr. Findeis auch zu einem Treffen in Berlin bereit, das er allerdings nach den Veröffentlichungen unmittelbar am Tag des vereinbarten Termins absagte.

    Ich denke, dass Sie aus dieser hier angeführten Bereitschaft zu aufklärenden Gesprächen seitens vom SED-Unrecht betroffener Opfer Ihre Formulierung über „Marktschreiermethoden selbsternannter Aufklärer“ nicht weiter aufrecht erhalten können und wollen, oder? Jedenfalls ist das Interesse von Opfern an der Aufklärung von Verstrickungen ehemaliger Beteiligter höher zu bewerten, als der mögliche Schutz von Menschen, die bis heute Schwierigkeiten haben, sich ihrer Verantwortung zu stellen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Carl-Wolfgang Holzapfel

    Vors. Vereinigung 17.Juni 1953 e.V.

  24. Ein weiterer Auszug aus der sog. „Opfer-Akte“ von B. Findeis:

    Im Protokoll über den Treffbericht vom 13.06.1983 heißt es:

    „Der IM erkannte die Notwendigkeit der Bearbeitung und Liquidierung solcher Elemente [die Fluchthelfer] an und will entsprechend seiner gegenüber dem MfS abgegebenen Verpflichtung seinen Beitrag leisten.“

  25. Es kommt noch besser:

    Dr. Bernd Findeis – IM Erich
    Seine Tätigkeiten im Dienste des MfS / Auszüge einer Chronologie

    1. Treffbericht vom 26.01.1981, gez. von Leutnant Schuricht:

    „[… ] F. war wiederum freundlich und aufgeschlossen. Er berichtete daß er mit dem Patienten — weitere Gespräche geführt hat mit den Ziel nähere Angaben über den BRD-Bürger zu erhalten, mit dem sich — wegen seiner Übersiedlung nach der BRD beraten hat.“

    2. Protokoll der MfS-Kreisdienststelle Döbeln vom 04.11.1981, gez. von Wagner:

    „Der IM soll vorrangig zur Bearbeitung der Personen — und — eingesetzt werden. Desweiteren wird er zur Aufdeckung, Bearbeitung und Zurückdrängung negativ-feindlicher Erscheinungen durch planmäßigen Klärungsprozess in der Zielgruppe des Gegners, der medizinischen Intelligenz eingesetzt. […] [Er/Findeis] berichtete ohne Hemmungen […] Er erklärte sich sofort bereit, das MfS bei der Verhinderung und Aufklärung derartiger Aktivitäten zu unterstützen.“

    3. Protokoll über den Treffbericht vom 21.05.1982, in dem Findeis u.a. eine Einschätzung über einen Patienten gibt:

    „Bereits seit 2 Jahren gibt es bei ihm dieses Problem. Er schätzt sich ein als sexueller Versager, Versager in der Kinderzeit.“

    4. Protokoll über den Treffbericht vom 24.07.1982:

    „Während des Treffs war zu erkennen, daß der IM unter Berücksichtigung seiner religiösen Ansichten und Bindungen bereit ist mit dem MfS über kirchliche Probleme zu sprechen.“

    5. Protokoll über den Treffbericht vom 21.08.1982:

    „— äußerte kurz vor seinem Urlaub, wo er wieder stark dem Alkohol verfallen war u. es zu Auseinandersetzungen kam, daß er sich mit dem Gedanken einer Ausreise in die BRD trage.“

    6. Protokoll über den Treffbericht vom 04.09.1982:

    „Der IM erwartete den MA [Mitarbeiter] und hatte den Treffort durch Legende bereits nach Hause von fremden Personen freigehalten. Dem IM wurde zu seinem Geburtstag gratuliert u. ihm Gesundheit u. Schaffenskraft, sowie weitere gute Zusammenarbeit gewünscht. Er erhielt als Präsent eine Flasche Schnaps, für welche er sich bedankte.“

    7. Beteiligung am Operativen Vorgang „Neuro II“ zum Zwecke der Vereitelung von Fluchtplänen:

    Dabei war der Einsatz von Findeis als ‚agent provocateur‘ vorgesehen. Findeis sollte sich als Ausreisewilliger anbieten, um so über die genauen Pläne informiert zu werden.
    „Mit dem IM wurden Varianten zur Finanzierung seiner vorgetäuschten Ausschleusung erörtert.“ (aus: Protokoll über den Treffbericht vom 23.12.1982)

    8. Protokoll über den Treffbericht vom 02.08.1983:

    „Der IM erklärte, daß er den — dazu bringen wird, mit der Entlassung aus der Nervenklinik sein Übersiedlungsersuchen zurückziehen.“

    9. Protokoll über den Treffbericht vom 05.12.1983:

    „Auf Befragen berichtete der IM zur Situation in der NK sowie zu Patienten seiner Station.“

    10. Protokoll über den Treffbericht vom 01.12.1984:

    „Mit dem IM wurde vereinbart, daß er die Karte des — übergibt. Dazu wird er am 01.02.84 um 14.00 Uhr von einem in der Klinik unbekannten Mitarbeiter aufgesucht. Auf die Losung „Ich möchte den Befund von Herrn Drechsler abholen.“ übergibt der IM diese Karte in einem verschlossenen Briefumschlag.“

    11. Protokoll über den Treffbericht vom 02.08.1984:

    „Der IM informierte noch über seiner Meinung nach falsche Leitungsmethoden des —.“

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