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„Das kalte Kriegerlein“

Vor ca. 5 Wochen begann der Telekomstreik.
Dabei wenden sich die Mitarbeiter insbesondere gegen die seitens der Konzernführung geplanten Ausgliederungen, sowie Lohnkürzungen bei gleichzeitiger Mehrarbeit.
Trotzdem der Arbeitskampf bislang von zahlreichen Solidaritätsbekundungen getragen wurde gibt es auch kritische Stimmen. So bemerkt SPD-Arbeitsmarktexperte Rainer Wend: „Der Konzern steckt in großen Schwierigkeiten. In so einer Situation ist ein Arbeitskampf keine Hilfe.(…) Die Unternehmensführung könne jedoch nicht erwarten, dass ihre Pläne (…)einfach so geschluckt würden.“
Einen ähnlichen Standpunkt vertritt sein CSU-Kollege Max Straubinger der eine streikbedingte Verschärfung der wirtschaftlichen Schieflage des „Kommunikationsgiganten“ befürchtet. Man kann, so Straubinger, „nur an Unternehmensleitung und Gewerkschaft appellieren, die Verhandlungen wieder aufzunehmen“.
Ein „Donnergrollen“ ganz anderer Art kam kürzlich aus der Gemeinde Panketal. Hier wettert der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Uwe Voss gegen das, seiner Meinung nach, untragbare Verhalten der Gewerkschaft ver.di.

Dabei beschäftigt sich der Gemeindevertreter (übrigens selbst ver.di-Mitglied) augenscheinlich kaum mit inhaltlichen Fragen oder gar den Ursachen des Streiks.
Vielmehr gilt es einen „unfassbaren Skandal“ anzuprangern.

Am 30.05.2007 demonstrierten ca. 1500 Telekom-Mitarbeiter vor einer Berliner Konzernniederlassung.
Im Zuge dessen bedankte sich ver.di-Fachbereichsleiter Mike Döding für „die enge Solidarität der Linkspartei und dankte für das Angebot der Linksfraktion im Bundestag, dass sie die Patenschaft für die durch die Telekom-Arbeitgeber Erpressten und Bedrohten übernommen habe.“
Das reichte offensichtlich um „die heile Welt des Uwe V.“ in grobe Unordnung zu bringen.

Die Gewerkschaften, seit jeher quasi „Privatbesitz“ und „Wählerfarm“ der Sozialdemokraten „pussieren“ mit den Kommunisten? Das kann nicht sein !
Einem „betrogenen Liebhaber gleich“ machte Voss seinem Ärger wie folgt Luft:

Die kommunistische Agitation erinnert mich an alte Zeiten. Die reden jedem
zu Munde! Schade nur, dass sich verdi da vereinnahmen lässt. Mehr und mehr
muss ich über meine Mitgliedschaft in dieser Gewerkschaft nachdenken.
Offenbar sind es diese fatalen großen Streiks, die die Führer von verdi
brauchen, um sich vor ihrer immer kümmerlicher werdenden Mitgliedschaft zu
rechtfertigen. Ich kenne jede Menge Kollegen, die sich von verdi verraten
und verkauft fühlen und muss bedauern, dass es nach dem Ende des Streiks bei
der Telekom immer mehr werden dürften.

Klingt das noch einiger Maßen „sachlich“ bricht sich „die Verzweiflung des Gehörnten“
in den folgenden Zeilen ungehindert Bahn und auch Freunde der Deutschen Geschichte kommen nun voll auf ihre Kosten.

Sich dann noch der Linkspartei zu bedienen, ist schäbig! Die sind übrigens in Deutschland nicht mehrheitsfähig! Die brauchen soziale Spannungen und Unruhen, um sich profilieren zu können. Die Kommunisten in den 30-er Jahren haben nicht anders gehandelt. Das waren dann auch die Totengräber der Republik. Bedient sich meine Gewerkschaft der Agitation der Linkspartei, wird diese Partei zum Totengräber von ver.di.

Abschließend gibt „Hobbyhistoriker“ Voss seinen Gewerkschaftsfreunden noch einen guten Rat.

Kommt zur Vernunft und macht nicht kaputt, was Euch ernähren soll.

Es würde nicht verwundern, dächte die Chefetage der Telekom intensiv darüber nach Voss schnellstmöglich „zu klonen“.
Mit Gewerkschaftern wie ihm haben die Bosse zukünftig keinen Widerstand zu befürchten.

Grimms „tapferes Schneiderlein“ galt als eher einfältiger Gesell, schaffte aber immerhin „sieben auf einen Streich“. Vor wie vielen Leuten Voss sich jetzt mit seinen Aussagen blamiert hat ist derzeit schwer zu beurteilen.


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Veröffentlicht von

Stefan ist von Beruf Sozialarbeiter und arbeitet mit chronisch kranken Menschen. Der 2-fache Familienvater ist Autor verschiedener Websites und gelegentlich auch noch als Sänger aktiv. Als leidenschaftlicher Naturschützer wurde er unlängst in die Panketaler Gemeindevertretung gewählt. Weitere politische Schwerpunkte sind die Ortsentwicklung, sowie soziale Themen.

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