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Liegt die Burg Kriebstein im Barnim?

burg_kriebstein_in_sachsen.jpgWenn „andere Leute“ völlig fragwürdige Bauprojekte bezahlen, also „Fördermittel“ am Horizont locken, prahlen kleingeistige Provinzpolitiker schon mal damit, dass sie Straßen bauen könnten, ohne auch nur einen Euro aus dem Kreishaushalt zu nehmen. Da ist es völlig egal, ob Gesetze ausgehebelt, Alleen abgeholzt oder Brücken, die niemand braucht, direkt neben eine mittelalterliche Burg gebaut werden. 13 Millionen Euro reichen offenbar völlig aus, um jegliche Vernunft abzuschalten, wie man am Dienstag bei Frontal 21 im Beitrag „Brückenwahn in Sachsen“ sehen konnte:

Seit dem Mittelalter erhebt sich Burg Kriebstein stolz auf steilem Felsen über der Zschopau: eine so genannte Bergspornburg mit spätmittelalterlichen Erkern und gotischer Halle. Fast 600 Jahre trotzte sie Kaisern und Königen, Kriegen und Diktaturen. Doch nun bedrohen Verkehrsplaner und Straßenbauer ihre Pracht, wollen eine Brücke direkt neben der Burg.

Selbst das sächsische Landesamt für Denkmalpflege hält die geplante Brücke für eine Katastrophe. Das will aber noch nichts bedeuten, liebe Kriebsteiner. Wir hatten hier auch einmal ein Landesamt, dass Alleenrodungen ablehnte. Da wird am Schluß nur das Gericht helfen – und eine breite Öffentlichkeit, die der Bau-Lobby auf die Finger klopft. Auch Burgbesetzungen wären sicher ein probates Mittel. Müßte auch gemütlicher sein, als Baumbesetzungen im Barnim.

Foto: Pixelmax (Pixelio.de)

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8 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Die Burg Kriebstein liegt überall im (EU-Förder)Osten. Überall dort im „Wilden Osten“, wo Investitionen laufen, die entweder anderswo gänzlich verboten (z.B. Großanlagen für die Schweinemast) oder unter den gegebenen Rahmenbedingungen völlig sinnlos sind (Biogas, MVA, Alleenrodungen, Biodiesel, Regionalflughäfen, etc.) ist Kriebstein.
    Überall dort frißt die Gier nach Fördergeldern das mehr oder minder vorhandene Hirn und mancher Bürger glaubt sogar, dass hier Arbeitsplätze geschaffen werden.
    Möglicherweise werden mehr Arbeitsplätze geschaffen wenn nach einiger Zeit auf Kosten des Steuerzahlers einige Investruinen wieder abgebaut werden müssen.
    Wenn es nicht so traurig wäre, konnte man sich darüber schieflachen, der Steuerzahler bezahlt nicht nur die Sinnlosinvestitionen, sondern auch deren Beseitigung.
    Da gab’s doch mal ein Lied:“Feste, Jungs, macht nur weiter so. Ihr bekommt schon alles kaputt …“

  2. Als ich den gestrigen Frontal21-Beitrag gesehen habe, sah ich auch Parallelen zum Fall der Allee Rüdnitz-Danewitz-L29.

    Dort in Sachsen soll die Ästhetik eines mittelalterlichen Burgensembles samt des sie umgebenden schönen Zschopautals geschmäht werden. Und hier im Landkreis Barnim hätte man es von behördlicher Seite beinahe geschafft, einen intakten Alleenaltbestand auf einer Länge von mehreren Kilometern einfach dem Erdboden gleich zu machen. Kulturvandalismus, so nennt es im Fall der Burg Kriebnitz bezeichnend Frontal21.

    In der Tat, Geld frisst Hirn. Und das nicht nur bei kleingeistigen Provinzpolitikern, sondern auch bei ihren Kolleginnen und Kollegen im Landtag und Bundestag, die scheinbar ebenso die Verantwortungslosigkeit gegenüber der Zukunft zelebrieren.

    Schlimm ist auch, dass die Ziele, zu deren Zweck die Fördermittel fließen, sich häufig gegenseitig aushebeln. Es ist diese unsinnige, ja unselige Fördermittelpolitik, die ich schon des Öfteren, auch gegenüber unserem Vizelandrat Bockhardt, scharf kritisiert habe! Ohne Erfolg, bei den Entscheidungsträgern Gehör oder Verständnis zu finden.

    Die Burg Kriebstein wurde aufwändig für 8 Mio. Euro renoviert: Jetzt fließen 13 Mio. Euro Fördermittel zum Straßenausbau, der zwangsläufig zum Anlocken des Durchgangsverkehr führen wird. Ganz abgesehen von der starken Beeinträchtigung des ästhetischen Landschaftsbildes, in das die Burg integriert ist, wird dies ganz toll für den Erhalt ihrer Bausubstanz sein.

    Ähnlich im Land Brandenburg: Hier werden einerseits Fördergelder zum Erhalt alter Alleenbestände bereit gestellt, während andererseits Kreisbehörden mit allen rechtlich möglichen Winkelzügen versuchen, alte, aber noch gesunde straßenbegleitende Baumbestände entfernt zu bekommen, damit der Weg für nicht notwendige breite Straßen frei ist. Dies trifft aber auch für kommunale Verwaltungen zu, wie es der Fall der Panketaler Breitscheidtstraße/Thälmannstraße zeigt.Da kann man sich nur noch an den Kopf fassen!

    Vor diesem Hintergrund möchte ich an dieser Stelle allen Bürgerinnen und Bürgern in Sachsen meine Solidarität aussprechen, die im Fall der Burg Kriebstein Zivilcourage zeigen und gegen diesen behördlichen Unsinn aufstehen! Wie man dagegen erfolgreich aufstehen kann, haben wir mit unserem Kampf für den Erhalt der Allee Rüdnitz-Danewitz-L29 gezeigt.

    Ich wünsche diesen Menschen, dass sie den Mut und die Ausdauer behalten mögen und dass ihr Kampf im Sinne der Burg Kriebstein am Ende ebenso von Erfolg gekrönt sein wird.

    Dr. Andreas Steiner
    derzeit noch: Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft, Umweltschutz und Abfallwirtschaft (A5) des Kreistages Barnim

  3. Viele Menschen, die wichtige Entscheidungen zu treffen haben – vornehmlich Politiker – sind Ergebnis einer starken Ausprägung eines ihrer individuellen Extrempunkte. Bei den meisten ist dieses nicht das Hirn, sondern das Bankkonto.

  4. @Matthias Löwe
    Wie ist denn der derzeitige Verfahrensstand bezüglich des Brücken- und Straßenbaus?
    Sieht es tatsächlich so düster aus?
    Welche öffentlichkeitswirksamen Aktionen wurden gegen dieses Unsinnsprojekt gefahren (Unterschriftensammlungen, Presse- und internetarbeit etc etc.)?
    Mit anderen Worten: Wurde genug öffentlicher Druck gemacht?

  5. @ Dr. Andreas Steiner

    Es laufen folgende Aktionen:

    1. Unterschriftensammlung
    2. Boykott- Aktionen
    3. Plakataktionen
    4. Bürgerversammlungen

    So wie es aussieht ist es eigentlich durch. Die Brücke wird gebaut, es geht nur noch ums aussehen. Ein Wettbewerb ist angelaufen.
    Eine Möglichkeit wäre den Status der Straße von einer Staatsstraße in eine stinknormale Dorfstraße umzuändern. Dann säße die Gemeinde Kriebstein auf den Kosten und das wäre nicht zu finanzieren.
    Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Gemeinde Kriebstein im Zuge der sächsischen Gemeindereform ab 01.07.2008 nach Waldheim eingemeindet wird.
    Die Brücke bring übrigends überhaupt keine Vorteile. Auch das Thema Brandschutz, was der Herr Thieme (Bürgermeister) gerne anspricht ist völliger Blödsinn, da beim Thema Brand trotzdem die Burg über den Kriebsteiner Berg angefahren werden muß und somit nix aber auch nix verbessert bzw. ändert.
    Der Beschluß zu so einem Projekt erfolgte bereits 1996.
    Baubeginn soll wahrscheinlich 2009 sein.
    Alternativen könnten sein:

    1. Ausbau der Straße Roßlau- Ehrenberg, auch für LKW.
    2. Eine zweite Umgehungstraße aus Richtung Hartha-Kreuz- Waldheim nach Kriebethal (Hauptproblem hier: Waldheim ist dagegen und es gibt ein Landschaftsschutzgebiet[ Betrifft aber glaub ich auch den Brückenbau])

    Beiträge gab es schon mehrfach in ZDF, MDR, Tageszeitungen usw.

    MfG

    Matthias Löwe

  6. Wie Frontal21 in einer Kurznachricht berichtete, ist wohl der Großbrückenbau über dem Zschopautal nahe der Burg Kriebstein abgeblasen worden. Bürgerproteste haben sich scheinbar ausgezahlt. In diesem Zusammenhang möchte ich Matthias Löwe und allen anderen Aktiven meinen Glückwunsch für ihren politischen Erfolg aussprechen!

    Siehe auch hierzu:
    Brueckenstopp.de

  7. Danke für den Hinweis.
    Ich hab den Beitrag auch gesehen und mich echt gefragt, was das soll…