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Denn sie wissen nicht was sie tun… – SPD „bestraft“ engagierten Naturschützer

Dr. Andreas Steiner, Barnimer Sozialdemokrat und einer der Aktiven im Kampf um den Erhalt der „Rüdnitzer Allee“, soll nach Angaben der Märkischen Oderzeitung in Kürze von „seinen Genossen diszipliniert werden“. Nachdem die Kreistagsfraktion gestern einstimmig seine Abberufung aus dem Umweltausschuss beschloss, wird ein Parteiordnungsverfahren vermutlich folgen.

Treibende Kräfte der „Erziehungsversuche“ sind nach Presseangaben der Fraktionsvorsitzende Joachim Tonndorf, sowie die Bundestagsabgeordnete Petra Bierwirth. Steiner, kein wirklicher Verfechter „diplomatischer Zurückhaltung“, hatte die Haltung seiner Parteifreunde im Allenkonflikt massiv kritisiert und damit offensichtlich einigen „schmerzhafte Tritte gegen das Schienbein“ verpasst. Dabei reagierte er insbesondere auf das „Schmierentheater“ im Rahmen der Kreistagssitzung vom 21.02.2007.

Fassungslos stehen die Genossen vor der Tatsache, dass da „einer der Ihren“, unter vollständiger Missachtung „parteiinterner Kungelei und von oben verordneter Parteisoldatenmentalität“ schlichte Sachpolitik betreibt.

Sieht man die Sache wahlstrategisch und streng egoistisch, wäre ein Parteiausschluss des streitbaren Naturschützers eine „Steilvorlage“, die allen anderen Parteien zu Gute kommen dürfte. Es ist davon auszugehen, dass sich die SPD, mit der Demontage einer ihrer kompetentesten Umweltpolitiker empfindlich schwächt.
Als Initiator der „Rüdnitz-Proteste“ und Vorstandsmitglied der Barnimer Grünen kann sich der Autor dieses Artikels nur bedanken. Bei Dr. Andreas Steiner für sein enormes Engagement und bei der Barnimer SPD für die unverhoffte Wahlkampfhilfe.

Denn sie wissen nicht was sie tun... – SPD „bestraft
Denn sie wissen nicht was sie tun... – SPD „bestraft
Denn sie wissen nicht was sie tun... – SPD „bestraft

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9 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Man glaubt es kaum, aber doch ganz typisch für den Barnim. Es gibt ja kaum noch engagierte Menschen, die ihr Umweltinteresse so durchhalten und kontinuierlich leben wie Andreas Steiner.
    Dennoch behandelt ihn seine Partei auf diese Weise und wird hoffentlich bei der nächsten Wahl „belohnt“.
    Frau Bierwirth und Herr Tonndorf (kennt den einer?) müssen aufpassen, dass der Wind mit Ihnen, die ja beide vom Typ Wetterhahn sind, nicht sein wildes Spiel treibt.
    Die SPD, als Partei der meinungslosen Mitte bleibt dadurch ihrem Stil des rhetorisch unversierten Gestammels (Hallo Herr K., Herr G., Frau B. und ihr tollen Daumendreher!)treu.
    Typischerweise sind die Medienberichte in meiner Lieblingszeitung derzeit auch, wie wir das kennen und schätzen, ganz und gar „überparteilich“ und absolut „unabhängig“. Da sollte der Hans doch entsprechend seines Namens handeln!

  2. Das Barnimer Theaterstadl gibt nun schon viele Jahre Kostproben seines Schaffens. Mal sind es einzelne „Künstler“, mal erstrahlt die Barnimer Laienpolitik in ihrer ganzen Pracht. Stars der letzten Aufführungen waren Frau Bierwirth und einige weitere „hoffnungsvolle“ Laiendarsteller. Ihr neuestes Opfer wurde nun einer, der sich konkret und im Sinne der Bürger äußerte und damit wohl so gar nicht in das Bild der „ausdauernd abwartenden Barnim-SPD“ passt.

    Mit Dr. Andreas Steiner hat jemand für die Region und gegen die allgegenwärtigen Umweltfreveleien Partei ergriffen, der durch Kompetenz und Fachwissen glänzt und nicht wie viele andere Politiker durch nebulöses Gestammel. Beim Starensemble um Frau Bierwirth scheint es mit der Kritikfähigkeit ebenso bestellt zu sein, wie mit der politischen Kompetenz. Anstatt sich zumindest einmal an Ort und Stelle über die Situation zu informieren, muß man die SPD-Führung mit den Info-Ordnern der Alleen-Aktivisten, der MVA-Gegner oder der Biogas-Gegner fast schlagen, um etwas Aufmerksamkeit zu bekommen.
    Allerdings hat der Brandenburger „Miniprä“ Herr P. aus Potsdam wenigstens noch Zeit, die Redaktionsräume eines Eberswalder Anzeigenblattes zu besuchen. Auch als „Miniprä“ darf man seine Spezis nicht vergessen und muß Prioritäten setzen.

    Wenn da nicht Gegensätze zu Tage treten. Vielleicht ist es ja ein Gerücht, aber es soll darüber nachgedacht werden, Neumitgliedern der SPD sofort die Stimmbänder entfernen zu lassen, denn die sind ja in der Partei überflüssig. Dann werden wohl wieder Pantomimen-Stücke ins Repertoire der Barnimer Theaterstadls aufgenommen und Frau B aus B, Herr T aus P und der „Miniprä“ sind zufrieden.

    Übrigens scheint Kompetenz für die SPD im Umweltausschuss A5 nicht so wichtig zu sein. Mal sehen, ob ein Umweltexperte wie Dr. Steiner durch einen Bäcker, Bauern, Fleischer oder Tankwart ersetzt wird. In die Theatervorstellungen der Barnim-SPD würde es jedenfalls prime hineinpassen.

  3. Nachdem die SPD sich seit Jahren immer weiter von ihrem sozialen Anspruch entfernt und nicht nur das politische Feld der Wohlstandsverteilung kampflos geräumt hat, sondern auch noch die so genannte „Wirtschaft“ (nämlich die eh schon zu viel Besitzenden) beschenkt und hofiert, ist sie jetzt offenbar drauf und dran, auch noch das lästige Demokratische aus ihrem veralteten Namen abzuschütteln. Abweichende Meinungen sind offenbar nicht mehr hinnehmbar, innerparteiliche Pluralität ist nur was für Chaoten-Parteien und Kritikfähigkeit kann man doch wohl nicht ernsthaft von führenden Genossen, gar Bundestagsabgeordneten verlangen. Ich weiß – auch aus meinem privaten Umfeld – das es nicht wenige Mitglieder aus der SPD-Basis gibt, die bei der spöttischen Erwähnung alten SED-Liedguts („Die Partei, die Partei, die hat immer Recht…“) gar nicht mehr überlegen-mitleidig lächeln können.
    Vielleicht sollte man in der SPD mal über einen neuen Namen nachdenken, aber wenn „sozial“ wegfällt und jetzt auch noch „demokratisch“, bleibt nur noch Partei. – Und der Name ist leider schon für ein bedeutend unterhaltsameres Projekt mit konkreteren Visionen und durchsichtigerer Politik vergeben.

    Übrigens kenne ich Herrn Tonndorf noch sehr gut aus seiner Zeit in der Panketaler Gemeindevertretung. Ich verrate sicher nicht zu viel wenn ich sage: Der Eindruck, der sich hier ergibt, der täuscht nicht…

  4. Das ist wahrhaft eine Schande! Unabhängig davon, welcher Position man bei der angedachten Baumfällung war und ist, ist dieser Schritt ein weiteres Zeichen des Demokratieabbaus im Barnim. Da erdreistet sich tatsächlich die SPD, zu erzählen, Herr Steiner könne keine anderen Meinungen respektieren. Ja wer grenzt hier wen aus? Einer einen gesamten Kreisverband oder eine große Meute einen einzelnen, wie wir es ja von den „großen Volksparteien“ gewohnt sind. Es ist ein Verlust für die plurale, transparente, offene Diskussionskultur in unserer politisch so wenig bürgerschaftlich beackerten Landschaft.

  5. Zwischen den sogenannten Volksparteien verschwimmen mittlerweile die Grenzen völlig, falls sie überhaupt jemals bestanden haben. Und in vielen Bereichen liegen sie Kopf an Kopf.
    Da wird davon geredet, dass Dr. Steiner die Barnim-SPD zu sehr kritisiert hätte. Auch hier gibt es wie bei allen Dingen zwei Seiten. Die beschriebene Vehemenz wird eben auch durch die Kritikfähigkeit der SPD und ihres „Elferrates“ bestimmt. Und genau diese Kritikfähigkeit geht gegen Null.
    Dem Beobachter dieses Schau-Prozederes, welches letztlich zur Abwahl Dr. Steiners aus dem A5 führte, wird schnell klar, dass hier ebenso nachgetreten wird wie von den behördlichen Alleen-Gegnern. Letztlich ist es doch eigentlich egal aus welchen Parteien die meist stillhaltenden und selten handelnden Akteure stammen. Am Ende ziehen die ehrlichen und wahrhaftigen Politiker den Kürzeren.
    Leider kann man eine andere beliebte SPD-Politikerin nicht mehr nach ihrer Meinung zu einem solchen Verhalten gegenüber einem engagierten Parteimitglied fragen. Aufgrund ihrer ureigenen Art bleibt nur zu vermuten welche Meinung sie dazu hätte. Regine Hildebrandt ist aber leider 2001 verstorben.

  6. “ Freiheit ist immer die Freiheit der Anders denkenden“ schriieb eine gewisse Rosa Luxemburg in ihrer herben Kritik der russischen oktoberrevolution. Es gibt Zitate, die bleiben wahrscheinlich ewig wahr und die darin enthaltenen Wahrheiten erweisen sich leider als systemunabhängig…
    Wo führt d a s (s.o.) noch hin ?

  7. Lob der Dialektik

    Das Unrecht geht heute einher mit sicherem Schritt.
    Die Unterdrücker richten sich ein auf zehntausend Jahre.
    Die Gewalt versichert: So, wie es ist, bleibt es.
    Keine Stimme ertönt außer der Stimme der Herrschenden
    Und auf den Märkten sagt die Ausbeutung laut:
    Jetzt beginne ich erst.
    Aber von den Unterdrückten sagen viele jetzt:
    Was wir wollen, geht niemals.
    Wer noch lebt, sage nicht: niemals!
    Das Sichere ist nicht sicher.
    So, wie es ist, bleibt es nicht.
    Wenn die Herrschenden gesprochen haben
    Werden die Beherrschten sprechen.
    Wer wagt zu sagen: niemals?
    An wem liegt es, wenn die Unterdrückung bleibt? An uns.
    An wem liegt es, wenn sie zerbrochen wird? Ebenfalls an uns.
    Wer niedergeschlagen wird, der erhebe sich!
    Wer verloren ist, kämpfe!
    Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein?
    Denn die Besiegten von heute sind die Sieger von morgen
    Und aus Niemals wird: Heute noch!

    Bertold Brecht

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