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Brennende Schweinemastanlage im Frühling

Es ist ein wunderschöner Frühlingsvormittag mit Sonnenschein und blauem Himmel. Ich habe einen freien Tag und hänge die Wäsche auf. Dann sitze ich auf der Bank, an meinem Teich und sehe den Fröschen bei ihrem emsigen Treiben zu. Der Kirschbaum blüht, die Vögel zwitschern und ich beobachte eine Misteldrossel bei Baden. Nichts treibt mich, rein gar nichts. Der Hund scharwenzelt um den Teich herum, versucht vergeblich, eine Hummel zu fangen und legt sich dann zu meinen Füßen nieder.

Diese, beinahe kitschige Idylle, zerstört das Geheul von Sirenen. Auf der Straße in weiter Ferne, rasen plötzlich Polizeiwagen und Feuerwehren in Richtung Schönfeld. Einige Hunde der Siedlung stimmen ein, sie beginnen zu winseln und zu heulen. Ich werde neugierig und gehe ein Stück in Richtung Feld, den Hund im Schlepptau. Er drückt sich dicht an mich, denn diese Sirenengeräusche verunsichern ihn. Den blauen Himmel über Schönfeld trübt eine riesige, fast schwarze Rauchwolke. Es brennt dort irgendwo, das ist klar und ich wünsche nichts sehnlicher, als dass es sich um ein unbewohntes Haus, um ein ausgeufertes Lagerfeuer oder andere unbedeutende Dinge handelt. Zunächst erfahre ich aus der Nachbarschaft, dass wohl ein alter, leer stehender Stall brennen würde. „Tatsächlich nichts von Bedeutung“, denke ich. Und: “Da will wohl einer seine Ruine kostengünstig loswerden.“

Es ist mein freier Tag. Ich höre weder Radio, noch sehe ich fern, besuche eine Freundin und abends, gegen 17 Uhr, verwickelt mich beim Wäscheabnehmen mein Nachbar in ein Gespräch. Nach Belanglosigkeiten kommen wir auf den Brand in Schönfeld zu sprechen und ich erfahre: In einem der drei Ställe einer Schweinemastanlage ist dieses Feuer ausgebrochen. Möglicherweise sind etwa 2000 oder auch 2700 Schweine verendet, genau weiß man es nicht. 30 Tiere konnten gerettet werden. Im Internet finde ich nur eine winzige Mitteilung: „…nach „Schätzungen“ wahrscheinlich 2500 Schweine beim Brand in Schweinemastanlage in Schönfeld verendet, ca. 30 Tiere gerettet…“

Meine Betroffenheit kennt keine Grenzen. Ich frage mich: Wieso muss man den Bestand in einer Schweinemastanlage eigentlich schätzen? Weiß der Besitzer nicht, wie viele Schweine er im Stall hat (hatte)? Ich denke, bei uns in Deutschland kennen die Kontrollen keine Grenzen? Alles wird doch akribisch kontrolliert, gemeldet und mit Chips versehen! Und: Was kann in einer Mastanlage überhaupt brennen? Die Tiere stehen doch auf blanken Böden oder Gittern herum. Gibt es keine Sicherheitsbestimmungen oder Brandschutzverordnungen in einer solchen Anlage? Gibt es keine Warnsysteme? Ich habe Fragen ohne Ende und keine Antworten.

Schließlich denke ich, wenn die Tiere draußen gelebt hätten, würden sie jetzt vielleicht nicht tot sein. Aber dann könnte ich gemischtes Hackfleisch im Supermarkt nicht zu diesem Preis kaufen. Ein Nachbar bringt es mit seiner Emotionslosigkeit auf den Punkt: „Dann wird man eben neue Schweine nachzüchten. Ich habe jedenfalls keine Angst davor, dass wegen dem Brand demnächst das Grillfleisch im Supermarkt knapp wird.“

In dieser Hinsicht kennt auch meine Angst Grenzen. Denn zukünftig werde ich auf den Genuss von Schweinefleisch verzichten, es sei denn, es kommt aus dem Bio-Laden. Zugegeben, es ist ein großes Opfer, denn ich bin eigentlich ein wahrhafter Fleischfresser. Ich schätze, dass ich bestimmt ein ganzes Schwein im Jahr vertilge, wenn nicht noch mehr.
Ich fühle mich schuldig, weil ich als Konsument die Nachfrage an billigem Schweinefleisch mitbestimme. Somit bin ich auch mitverantwortlich für die Schweinemastanlagen.

Also gelange ich zu der zweifelhaften Erkenntnis: Wenn ich und andere meiner Spezies, nicht an der Nachfrage von billigem Schweinefleisch beteiligt gewesen wären, würde es die Mastanlage in Schönfeld nicht gegeben haben, und somit wären 2000 bis 2700 Schweine (oder waren es denn doch 3000?) nicht gestorben worden sein…

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3 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. 2000, 2500 oder 2700 Schweine tot und 30 gerettet. Ist da nicht irgendwo ein Missverhältnis zu erkennen und sind eigentlich Schweine, Kühe oder Hühner aus Massentierhaltung weniger zu retten als Tiere, die unter artgerechten Bedingungen gehalten werden? Zahlt die Versicherung bei Massentierhaltung eigentlich schneller bzw. besser als beim Öko-Bauernhof und ist es eigentlich normal, dass Masttiere ihre nicht registrierten Artgenossen mit beherbergen? Was unterscheidet eigentlich Menschen, die sich in Anbetracht eines solchen Ereignisses nur um ihre nächste Grillfete sorgen, von eingesperrten Säugern, die die eigene Grundintelligenz längst nachgewiesen haben und sich gezwungenermaßen nur dem eigenen Stoffwechsel hingeben können? Wer kontrolliert eigentlich derartige Unternehmen und vor allem wie und wann? Wird wegen wirtschaftlicher Interessen über vorhandene Missstände hinweg gesehen? Ist es wirklich der einzige Lebenszweck eines Tieres in Massentierhaltung, auf Spaltböden stehend, genug Fleisch für den Supermarkt und ausreichend Gülle für die Biogasanlage zu produzieren?

    Ich bedanke mich für den Artikel und beglückwünsche die Autorin zum toll gewählten Kontrast zwischen heiler Welt und dem Elend der verendetet Tiere. Genau so ist die Realität, und selbst wenn sich manche „Neugierigen“ aufraffen um zuzuschauen, bekommen viele wegen des Geruchs nur Appetit auf ein Steak. An die Tiere, die nicht wirklich Feuer und Qualm brauchen um schon so ein mieses Leben zu führen, denken eher weniger Menschen.

    Zum totalen Verzicht auf Schweinefleisch gibt es allerdings nach meiner Meinung noch eine Alternative.
    Seuchen u.ä. haben in den vergangenen Jahren dazu geführt,dass viele Verbraucher für Transparenz beim Fleischer gerne ein wenig mehr bezahlen. Mancher Metzger bietet sogar den Kontakt zum Erzeuger an.
    Vielleicht ist ein weiterer wirkungsvoller Weg die Stärkung der Öko-Konkurrenz derartiger Anlagen.

    Viele Metzger und Fleischer haben in den vergangenen Jahren hart gegen Supermärkte etc. kämpfen müssen und werden die Situation annehmen. Alles setzt natürlich Kommunikation voraus. Woher, wovon, wann und wie lange können Frageworte sein, die im Laden zum Standard werden und irgendwann ungefragt vom Fleischer selbst beantwortet werden.

    Es gibt sie übrigens im Barnim schon, die artgerechte Viehhaltung. Sicher werden sich die Bauern über Anfragen freuen.

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  3. Trotzdem gibt es schwarze Schafe unter den Bauern. Auf den ersten Blick sieht alles nach artgerechter Haltung aus, aber wenn man dann das Fleisch zubereitet und es bleibt höchstens ein Drittel der ursprünglich abgewogenen Fleischmenge übrig und der Rest kocht als Wasser raus, dann hatte das Tier ganz sicher Stress. Die artgerechte Haltung erkennt man meist daran, dass das Fleisch einen stolzen Preis hat. Auf die Bauern würde ich mich nicht in jedem Fall verlassen, der erste Blick kann auch getrübt sein.