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„Hefte raus, Klassenarbeit“ – Panketals Gemeindevertreter im Anwesenheitstest

Alle Jahre wieder servieren uns die Medien ein ebenso bekanntes wie spannendes Thema: „Wie arbeitsam und dienstbeflissen sind unsere Abgeordneten?“ Dabei wurde speziell den Europaabgeordneten gelegentlich harsche Kritik zuteil. So filmte z.B. das englische Fernsehen einige Mandatsträger, „die sich in Anwesenheitslisten eintrugen und sofort oder kurz darauf ins Wochenende verschwanden, also Sitzungsgelder erschlichen“.

Wie aber sieht es in den Stadt- und Gemeindeparlamenten, als „der Nahkampfzone des politischen Wirkens“, aus?

Die Auswertung der Panketaler Anwesenheitsdokumentation liefert hierzu überwiegend erfreuliche Fakten. Eine große Mehrheit der örtlichen Gemeindevertreter nimmt ihre Berufung, zumindest quantitativ, außerordentlich ernst und stellt sich regelmäßig der öffentlichen Diskussion.

Ein aus Christel Zillmann (PDS), Uwe Voss (SPD) und Peter Pick (FDP) bestehendes Trio erwies sich in diesem Zusammenhang als „absolut unverwüstlich“ und stand seit 2005 jede der bislang 25 Sitzungen tapfer durch. Aber auch Bürgermeister Rainer Fornell (SPD), Heinz-Joachim Bona (Grüne), Bernd Köbke (CDU), Carola Wolschke (Bündnis Panketal), sowie der 82-jährige „Parlamentsoldie“ Wilhelm Dräger (PDS) bewiesen eine erstaunliche Konstanz und fehlten jeweils nur ein einziges Mal.

Da auch Gemeindevertreter krank werden oder urlaubsreif sind ist dem weitgehend ehrenamtlichen, nebenberuflichen Einsatz der Genannten grundsätzlich hohe Anerkennung zu zollen. Lediglich den Herren Thiele und Rink (beide SPD) scheint das Spagat zwischen Beruf und Berufung nicht wirklich leicht zu fallen. Sie nahmen im Durchschnitt nur an jeder 2. Sitzung teil. Der Letztgenannte führt zudem die „Charts der offenbar unentschuldigt Fehlenden“ unangefochten an.

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10 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Bei vielen der Gemeindevertreter scheint das Engagement am Wahlabend zu enden. Schließlich ist man da angelangt, wo man hinwollte. Und von ehrenamtlicher Tätigkeit kann oft nur auf den ersten Blick gesprochen werden. Gemeidevertreter ebnen teilweise für ihre eigenen Privatunternehmen z.B. die Auftragslage. Ich kann hier nicht für Panketal sprechen, kenne aber Sachverhalte aus Nachbargemeinden, wo die wirtschaftlichen Vorteile (mobiler und immobiler Art) der Gemeindeoberen und die Gutsherrenart bei der Auftragsvergabe an Unternehmen oder die Benachteiligung anderer sehr stark auf Vorteilsnahme im Amt schließen läßt. Von nicht geahndeten oder bagatellisierten strafrechtlichen Vorfällen sei hier erst gar nicht geredet. Komischerweise findet ein Auflehnen dagegen eher selten statt. Oft laufen hauptberufliche Interessen den Verpflichtungen, die sich aus der ehrenamtlichen Tätigkeit ergeben, aufs Schärfste zuwider. Gerade weil sich dieses Verhalten nicht auf bloße regionale Einzelakteure beschränkt sondern eher als normal hingenommen wird, kämpft sich Deutschland langsam vor. 2001 war es noch Platz 20, nun rangiert Deutschland schon auf 16 oder weiter vorn.

    In welcher Statistik? In dieser.

  2. Stefan Reckin setzt die Sache ins richtige Licht.
    Ich persönlich messe und bewerte einen Gemeindevertreter in erster Linie daran, wieviel er für das Gemeinwohl zu leisten vermag. Und Lobbyarbeit ist davon ausgeschlossen.

  3. Sicher kann man Deutschland nicht mit irgendeiner Bananenrepublik vergleichen. Und ganz sicher sind wir nicht flächendeckend von Gemeindevertretern umgeben, bei denen zuerst der Euro, dann `ne ganze Weile nichts und dann erst das Gemeinwohl kommt.
    Allerdings sollte auch hier jeder seinen Gemeindevertretern auf die Finger schauen, denn Kontrolle ist besser als blindes Vertrauen.
    Wenn der eine Bürger an einer bestimmten Stelle nicht bauen darf und kurze Zeit später ein Spezi des Bürgermeisters genau dort seine Hacienda hochzieht, ist das sicher kein Einzelfall und zumindest sehr merkwürdig.
    Ganz sicher fallen dem geneigten Leser spontan ein paar Spezies oder Amigos in der eigenen Gemeinde ein. Besonders den brandenburger Aktivisten, die es sich auf die Fahnen geschrieben haben, sinnvoll und durchdacht sowohl Umwelt als auch Wirtschaft zu fördern, begegnen sie fast jeden Tag, zwangsläufig.
    Auch durchaus erfolgreiche Arbeit für die Bürger rechtfertigt keine Selbstbedienungsmentalität. Ehrenamtlich bedeutet nicht Arbeit gegen geldwerten Vorteil oder Bares.
    Gar nicht hoch genug ist hier die Arbeit der Bürgervertreter einzuschätzen, bei denen die Bürger an erster Stelle stehen und die im Ernstfall sogar die Auseinandersetzung mit der eigenen Partei nicht scheuen.

  4. Oft steht ja der Schwiegersohn des Bürgermeisters schon auf der Nachrückerliste des Wahlvereins, wenn auch ganz hinten. Durch kräftige Mobberei werden dann anständige Ehrenämtler aus der Bahn gedrückt, und schon rückt der Stecher nach, der Schwippschwager auch gleich noch.

  5. Der Schwiegersohn ist dann oft noch der Sohn des örtlichen Autounternehmens und der Chefin des Friseurladens. Probleme mit Baugenehmigungen o. ä. gibt`s in der Familie nicht. Übrigens ist man mit dem Chef des örtlichen Elektriker-Unternehmens zwar nicht verwandt, aber zur Familie gehört er dennoch. Genau wie die anderen Innungschefs. Sämtliche Vereine werden dann auch noch von der Truppe kontrolliert und der Bürgermeister ist noch (Förder-)Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr.
    Alle die sich nicht einnorden lassen kriegen dann nur noch Probleme. Manches örtliche Handwerksunternehmen bekommt von der Gemeinde keine Aufträge mehr, die Vereine, obwohl seit Jahren die Mitglieder weniger werden, nehmen plötzlich keinen mehr auf und Kindergartenplätze gibt`s sowieso nicht für die Kinder von Quertreibern.
    Alles nur eine überspitzte Anhäufung von Einzelfällen? In der Summe vieleicht, aber jede größere Gemeinde kann wohl mehr als ein Beispiel beibringen.

  6. In ländlichen Gebieten sitzen ,nahezu seit die Welt sich dreht, der Schmied,der Pfarrer und der Kneiper an den „dörflichen Schaltstellen der Macht“. Auch wenn Panketal nicht mehr so recht als Dorf bezeichnet werden kann, hat hier die Traditionspflege prima funktioniert.
    Noch immer entscheiden Pfarrer, Kneiper (naja, wenn auch letzterer wie beschrieben eher selten) und Bauingenieur (der dem Schmied logisch gefolgt ist) über da Wohl und Wehe der Gemeinde. Dabei ist der Ansporn, dass Gemeinwohl mit den Eigeninteressen möglichst eng zu verknüpfen, sicherlich nicht zu unterschätzen.
    Das die Mandate mit Leben erfüllt werden ist aber offenbar nicht in jedem Fall gegeben (siehe Europaparlament).
    wenn technisch alles irgendwie läuft heißt es aber leider noch lange nicht, dass auch die Inhalte dem „Gemeinwohl“ (ich gebe zu, das ist ein großes und unergründliches Wort) entsprechen.

  7. Abgesehen von den südlichen und südwestlichen, überwiegend katholischen Regionen Deutschland spielen auch Pfarrer in den Dörfern keine wesentliche Rolle mehr.
    So schwer finde ich die Definition des Wortes Gemeinwohl gar nicht. Man kann es sicherlich sowohl monetär als auch grundwertemäßig definieren. Da sich Verflechtungen ergeben, ist eher die Trennung zwischen diesen Beiden schwierig.

  8. Ich würde sagen, dass die Problematik sich auch in den Städten stellt. Auf dem Lande ist alles nur überschaubarer und die handelnden Personen sind leichter zuzuordnen.
    Ich würde es mir einfach machen und Gemeinwohl von Gemeinschaft herleiten. Das Wohl der Gemeinschaft kann danach nicht darin bestehen, dass sich einige auf Kosten der großen Masse (z.B. durch Steuergelder, denn die werden ja nun einmal bei Aufträgen der Gemeinden verteilt) die Taschen füllen und dann noch als Wohltäter und sogenannte „Wirtschaftsförderer“ auftreten.
    Hier wird nur eins gefördert, nämlich die eigene Wohlfahrt. Und welche Amigos man mitnimmt wird allein durch deren „Mitgift“ oder durch das Wissen um die Leichen im Keller der Anderen bestimmt.

  9. Also ich sehe nur ein 1-Parteien System: Das der Staatsbediensteten. Wählen wir Bürger scheinbar immer wieder. So kommt es denn auch zu solch absurden Situationen wie derer, wenn es um vermeintliche Fehlleistungen der Verwaltungen bei der Gesetzesauslegung geht, das der Vermittler zwischen Behörden und Bürgervertretern (so sehe ich zumindest den Bürgermeisterposten) daherkommt und meint: Lassen wir das Problem doch durch die jeweilige Behörde prüfen.
    Wenn das nicht loyal ist?

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