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Foto Olaf Schulz

Alleen-Endzeit

Da steh’n sie nun, die alten, starken Recken,
in dichten Reihen nah am Staßenrand.
Einst zierten sie unendlich lange Strecken,
im von Alleen reichen, deutschen Land.

Ihr Stamm ist breit und voll manch tiefer Narbe,
die Kronen tragen schwer an ihrer Last.
Die Blätter wechseln dann im Herbst die Farbe,
ganz gottgegeben und ganz ohne Hast.

Seht, wie die Bäume in den Himmel ragen,
wie sie verwoben, ja verschmolzen sind.
Und sie noch immer sich so gut vertragen,
wie man es unter Menschen kaum noch find’.

Was haben sie nicht alles schon ertragen,
hundertmillionenfachen Autolärm.
Wohl manch ein Baum träumt von den alten Tagen,
wo Kutschenräder rasselten von fern.

Doch diese Zeiten, die sind längst Geschichte.
Nein, heute wiehern keine Pferde mehr.
Die Zeit, sie heilt und macht zugleich zunichte;
„Gestern und „Heute“ vertragen sich nicht mehr.

Auch wenn die Stürme durch die Reihen toben,
so stehen sie doch fest wie eine Wand.
Und können ihren Schöpfer dankend loben,
der sie ja schuf und auch für gut befand.

Und wenn nun heut’ die Kettensägen heulen,
gleich denen, die am Baume sich erfreu’n.
So wird dereinst einmal für jede Träne
ein neuer Baum im Paradiese steh’n.

Olaf Schulz

Foto Olaf Schulz
Alleenbild in wehmütiger Stimmung – Mischallee bei Sorge
Foto: Olaf Schulz

Diese Gedanken eines traurigen Alleenfreundes aus dem “ehemaligen Mutterland der deutschen Alleen” entstanden aus Anlass der Veröffentlichung der “Alleenvernichtungs-Strategie 21″ des Brandenburgischen Ministers Reinhold Dellmann.

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