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Eine höchstens zufällig bekannte Handlung, oder: Es war einmal…

Porta Niagra in Trier - hier spielt unser Märchen…ein Mann. Der arbeitete in einem mittelgroßen Unternehmen. Er war schon lange im Unternehmen und bei fast jeder Beförderung übergangen worden. Jüngere und fachlich unbedarftere Kollegen waren ihm vorgezogen worden. Er wollte eigentlich gehen, aber endlich aufzusteigen wäre die bessere Lösung für ihn. Deshalb überlegte er an einem verregneten Wochenende, wie er seinen Chefs imponieren könnte. Er wusste, dass es sich bei den Chefs um eher „einfach gestrickte“ Menschen handelte. Mancher sagt auch bodenständig dazu. Weil das Unternehmen von der Familie der Chefs aufgebaut worden war und beide eher als Produktionsarbeiter denn als Chefs durchgehen würden, kamen sie bei der Belegschaft gut an. Allerdings hatten es Akademiker wie er schwer in Unternehmen, aus welchen Gründen auch immer. Er schaute sich also die Unternehmenszahlen an und fand einen Punkt, der ihn interessierte.

Seit Jahren bot das Unternehmen einen besonderen Service an. Neben der Schrottverwertung wurden auch andere Leistungen angeboten und auch eingekauft. So konnten andere Unternehmen ihren Sondermüll gegen Gebühr abgeben, und gegen die Zahlung einer Gebühr wurde der Müll dann in einer nahegelegenen Anlage verbrannt. Das kostete zwar einiges, aber obwohl unter dem Strich immer eine schwarze Zahl stand, wäre hier noch eine „Verbesserungsmöglichkeit“. Der wilde Osten, den der Mann nur aus einer Episode von vor 13 Jahren kannte, böte verschiedene Möglichkeiten.

Damals hatte man in einer Dorfkneipe den Bürgern eines ganzen Dorfes Versprechungen gemacht und wurde letztlich auch durch Regionalpolitiker und die Naivität der Leute von der Einhaltung entbunden. Sicher würde es heute genauso einfach sein, aus der Naivität der dort ansässigen Menschen reichlich Kapital zu schlagen, denn was sich alles ungestraft in der Zwischenzeit ereignet hat, gibt allen Anlass, dass zu glauben. Brände und andere Störfälle wurden von keiner Behörde länger verfolgt, als man benötigt um einen Hustenbonbon zu lutschen.

Eine Dienstreise in einen der Filialbetriebe des Schrottunternehmens erinnerte den Mann immer an verschiedene amerikanische Filme. Oft wurde in diesen Filmen von „Familie“ und „ehrenwerter Gesellschaft“ geredet und auch sonst sah alles aus wie in den Filmen. Er nahm sich also die Unternehmenszahlen vor und erinnerte sich an eine Aufgabe aus seinem Studium: „Was ist günstiger, die Leistung einzukaufen oder sie selbst zu erledigen?“

Er rechnete und rechnete und rechnete. Am Ende wollte er den sonst abgegebenen Müll selbst verbrennen. Wenn er alles nach dem besten Standard ausführen würde, könnte er den Chefs die Zahlen nicht präsentieren. Also wählte er günstigere Komponenten, denn wer sich 13 Jahre fast ohne zu murren die schon vorhandene Schrottanlage bieten ließ, würde sicher auch mit einer Müllverbrennungsanlage, die nicht auf dem neuesten Stand wäre, nichts anfangen können. Bei der vorhandenen Arbeitslosigkeit würden sicher viele die Anlage befürworten. Trotzdem würde man so wenig Informationen wie möglich bekannt machen. Vielleicht könnte man sogar Mitarbeiter unter wesentlich schlechteren Bedingungen beschäftigen, als es heute die Norm ist. Der Witz bestand bisher darin, die Anlage an den Rand des einen Ortes zu setzen und die Schadstoffe und den Lärm in den anderen Ort abzugeben. Die Zuständigkeiten und in den 13 Jahren „geschaffene politische Kontakte“ würden den Weg für jede weitere Investition schon ebnen.

Er legte seinen Chefs die Zahlen also vor und zu seinem Ärger verstanden sie diese nicht. Erst nachdem er einen weiteren Kollegen um Hilfe gebeten hatte, wurde den Chefs das Profit-Potential klar. Der Weg einer Planung wurde nur noch durch den Standort blockiert. Aber auch hier hatte der Mann ja einen Plan. Der Ort, der in den letzten Jahren bereitwillig jede Änderungsgenehmigung gab, wurde auch hier wieder gewählt. Es war eine Stadt namens Schweinebaum im Landkreis Bargeld, die in ihren Ämtern Leute zu sitzen hatte, die bedingungslos den wirtschaftlichen Aufschwung förderten. Vielleicht auch ihren eigenen.

Gesagt, getan. Nach kurzer Zeit hatte man die notwendigsten Unterlagen zusammen und den Bewilligungsweg geebnet. Verschiedene Entscheidungsträger der Ämter waren bei einer Scoping-Veranstaltung unter Ausschluss der Öffentlichkeit eingenordet worden. Bis dato hatte man die Heimlichkeiten vor den Anwohnern, die die wirtschaftliche Wohltat sowieso nicht verstehen würden, erfolgreich verborgen.

Eigentlich hatte man an alles gedacht. Eigentlich …

Da kam plötzlich eine Frage aus Hamburg: „Was baut Ihr denn da bei euch für eine Müllverbrennungsanlage?“

„Eine Müll…? Was? Unfassbar!!!“

Und so begann sich in der Gemeinde Heidengrind eine Bürgerbewegung zu etablieren. Plötzlich wurden Fragen gestellt und das erste Licht fiel auf das Projekt. Nach und nach wurden immer mehr Daten bekannt und die Dimension der Planung öffentlich.

Bei allen Negativnachrichten war die Beteiligung der Öffentlichkeit wohl die schlimmste Nachricht für den Mann aus der Schrottfirma, denn seine Chefs mussten ihn nun gegen einen Anwalt austauschen…

Fortsetzung folgt

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