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Schweinerei – Tierfabrik im Biosphärenreservat geplant

Wie bereits den Kommentaren des Barnim-Blog-Artikels „Was ist eigentlich aus der Eberswalder Biogas-Anlage geworden?“ zu entnehmen war, ist in Ziethen, am nördlichsten Zipfel des Barnims, die Errichtung einer Schweinemastanlage geplant Hier, wie allenthalben im Osten des Landes, haben holländische Investoren brachliegende Ställe und Anlagen aufgekauft und wollen nun schnellstmöglichen eine Massentierproduktion aufbauen.

In den Niederlanden haben Schweinefabriken „aus ökologischen Gründen“ inzwischen einen schweren Stand und so weichen die Macher zunehmend nach Mecklenburg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt aus.

Zu den Hintergründen schreibt die „Unabhängige Bauernstimme“:

Die Exkrementüberschüsse der Tierproduktion in den Niederlanden und die damit einhergehenden Ammoniak-Emissionen führten zu massiven Problemen für Grund- und Oberflächenwasser, Luft und Klima. Die niederländische Regierung legte ein Programm auf, um die Exkremente aufzubereiten und als standardisierten Dünger zu exportieren. Es gab sogar Pläne, die riesigen Güllemengen in die entladenen Rohöltanker zu pumpen, um sie in den Nahen Osten zu exportieren. Auch die agrarindustriell stinkenden Lieferungen von Hühner- und Hähnchenkot in die deutschen Ackerbauregionen sind Ausdruck dieser Entwicklung.

(..)Derzeit gibt es keine staatlichen Herauskauf-Prämien mehr, aber bei Einstellung der Produktion kann ein Betrieb seine Produktionsrechte privat verkaufen, der Preis liegt je nach Marktlage bei 200 Euro je Schwein. Ein Branchen-Insider berichtet, dass z.B. der Agrarindustrelle Adriaan Straathof in Kapel-Avezaath (Gelderland) einen Schweinebetrieb mit 20.000 Tieren auf zwei Stockwerken hatte, den er nach einer Klage der Provinz wegen seiner Umweltbelastungen räumen musste. Die Einnahmen Straathofs aus Schweinerechten betrugen demnach rund 4 Millionen Euro. Diese Gelder können er und andere Agrarindustrielle dann wieder in Deutschland investieren. So führte das holländische Reduzierungsprogramm zur Finanzierung von Mega-Agrarfabriken in Ostdeutschland…

Ursache für die holländische Variante der agrarindustriellen Invasion ist also eine Mischung aus Druck (niederländische Reduzierungszahlungen) und Sog (ostdeutsche Subventionen und Baugenehmigungen). Gegen agrarindustrielle Mega-Agrarfabriken (von holländischen und von deutschen Agrarindustriellen) haben sich an allen Standorten Bürgerinitiativen gebildet, die mit Hilfe von Umwelt- und Tierschutzverbänden gegen diese Projekte klagen – an etlichen Standorten bereits mit Erfolg. Die Agrarindustrie-Verlagerung von Holland nach Ostdeutschland ruft nach einer internationalen Verflechtung dieses Widerstands

Die Ziethener Anlage (mit gekoppelter Biogasanlage) ist in einer Größenordnung von ca. 12000 Tieren geplant. Die Tiere sollen, so Investor Johann Dobbe, „in einer sauberen und netten Umgebung“ gehalten werden.

Neben der generellen Kritik an den Begleitumständen der Massentierhaltung fällt hier zusätzlich ins Gewicht , das sich der vorgesehene Standort im Biosphärenreservat Schorfheide und in unmittelbarer Nachbarschaft zu diversen FFH- Gebieten und extrem gegenüber Stickstoff empfindlichen Trockenrasen und Gewässern befindet.

Am 17. Februar 2007 fand in dieser Angelegenheit ein sogenannter „Scoping-Termin“ statt, in dessen Verlauf insbesondere Vorstellungen zum Untersuchungsbedarf und –umfang sowie weitere erhebliche Fragen mit der Behörde und dem Verfahrensträger erörtert wurden. Einige Monate nach dem Scopingtermin wird eine Anzeige im Amtsblatt für Brandenburg und in der MOZ, Ausgabe Eberswalde erscheinen der die Auslegung des Genehmigungsantrag ankündigt. Die Bürgerinnen und Bürger können dann bis 2 Wochen nach Ende der Auslegungsfrist Einwendungen erheben. Anlagen mit mehr als 2000 Mastschweinplätzen bedürfen grundsätzlich eines Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung. Das heißt, dass ein Erörterungstermin durchgeführt wird, an dem alle Einwenderinnen und Einwender teilnehmen können.

Die Einwohner Ziethens haben angekündigt sich gegen das Projekt zur Wehr zu setzen. Wie der Widerstand aussehen kann zeigt das Bespiel aus Haßleben (Uckermark) wo die Bewohner sich seit nunmehr 3 Jahren der geplante „Schweinerei“ widersetzen.

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6 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Auf den ersten Blick scheint die „Schweinerei“ in Ziethen im Vergleich zu anderen holländischen Mastbetrieben vergleichsweise klein zu sein.
    Die Nähe zum Biosphärenreservat Schorfheide vergrößert das Problem allerdings noch gegenüber größeren Betrieben, z.B. in Mecklenburg-Vorpommern, entscheidend.

    Seitdem die (nicht immer marode) Industrie im Osten fast komplett abgewickelt wurde und der Ostteil nunmehr lediglich ein Agrarland ist, wird versucht, die verrücktesten Investitionen durchzusetzen und alles in Dimensionen, die selbst aus Öko-Investments Umweltvernichter machen.

    1. Biogasanlagen (auch das Objekt in Ziethen) werden meist anteilig mit Gülle „befeuert“. Die Tiere stehen eng zusammengedrängt auf Spaltenböden. Eine weitere Gefahr stellt Genmais dar.
    http://www.bmt-tierschutz.de/index.php?Seite=11
    http://www.gentechnikfreies-brandenburg.de/

    2. Was man in den Niederlanden nicht mehr darf wird nun im Osten Deutschlands praktiziert.
    http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/17/0,1872,5249873,00.html

    3. Einziger Regler für Investitionen im Osten scheint nicht die systematische Entwicklung der Regionen zu sein, sondern die möglichst vollständige Abschöpfung von Landes- , Bundes- und EU-Fördermitteln. Barnim und Uckermark stellen da keine Ausnahme dar, leider.

    Auch in Ziethen gelten die gleichen Regeln wie bei der MVA in Eberswalde oder der geplanten Biogasanlage auf dem TGE:

    Verschafft der Problematik möglichst viel Öffentlichkeit, denn die wird von Investoren und „Regional-Altvorderen“ meist gescheut. Salamitaktiken sind hier allenthalben an der Tagesordnung.
    Auch hier stellt die Tatsache, dass derartige Unternehmen wie in Ziethen schon (in Holland) existieren, eine hervorragende Informationsquelle dar. Sie muß nur genutzt werden, sonst wird der Osten wirklich bald in einen Mülleimer, eine Toilette, ein Genlabor oder alles zusammen umgewandelt.

  2. Pingback: Die Woche im Barnim - Ein höchst subjektiver Rückblick « BAR-blog | Wir bloggen den Barnim

  3. Pingback: Ferkelmastanlage Klein-Ziethen - Bürgerinitiative wurde gegründet « BAR-blog | Wir bloggen den Barnim

  4. Pingback: Keine Indutrieschweine im Biosphärenreservat - Ziethens Einwohner demonstrierten « BAR-blog | Wir bloggen den Barnim

  5. Wir halten eine Ferkelzuchtanlage mit 4476 Tieren für stark überzogen und für ungeeignet im Sinne einer artgerechten Tierhaltung. Weiterhin befindet sich die Anlage im Biosphärenreservat Schorfheide Chorin. Durch die Menge der Tiere sind starke Beieinträchtigungen der Umwelt zu erwarten. Die unmittelbare Nähe von nur 249 Metern zur nächsten Wochnbebauung halten wir für höchst bedenklich (Schutzgut Mensch). Alleine die Geruchsbelästigungen werden um ein vielfaches weiter getragen. Der Mindestabstand zu empfindlichen Pflanzen und Ökosystemen beträgt nur bedenkliche 317 Meter. Bei einem möglichen Störfall ist eine starke Schädigung der Schutzgüter unausweichlich. Die Gülleausbringung in empfindliche Bereiche wie z.B. Rosinsee/Serwestsee halten wir für unverantwortlich. Ist doch hier die Gefahr der Überdüngung und der Gefähdung des Ökosystems der Seen gegeben. Wir werden in Potsdam eine Stellungnahme gegen diese Anlage abgeben.

  6. Pingback: Ferkelmastanlage Ziethen – Vorentscheidt im Dezember « BAR-blog | Wir bloggen den Barnim