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Das Imperium schlägt zurück – „Mogelpackung“ bedroht Brandenburgs Alleen

Nachdem der Bestand der Rüdnitzer Allee einstweilen auf dem Rechtsweg erstritten werden konnte, droht nun vielen Alleen des Landes der perspektivische Kahlschlag.

Die Geheimwaffe der Straßenbaulobby: Reinhold Dellmann und seine sogenannte „Strategie 21“. Wie Dellmann gegenüber der Lausitzer Rundschau erklärte, soll zukünftig „nicht der einzelne Baum im Mittelpunkt stehen, sondern der Erhalt des Systems Allee“. So sollen weniger Lücken bepflanzt, dafür aber neue Alleenabschnitte gebildet werden. Ein Grundsatz sei auch, „Alleen in Auflösung komplett zu ersetzen.“ Der fatale und derzeit nachweislich rechtswidrige Ansatz des Landkreises soll demnach zum Gesetz erhoben werden.


Denn während die vollmundig versprochenen Pflanzungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit formalrechtlich Absichtserklärungen bleiben werden, soll das Herzstück des gesetzlichen Alleenschutzes, der § 31 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes, abgeändert werden. Hier heißt es derzeit: „Alleen dürfen nicht beseitigt, ersetzt, beschädigt oder sonst erheblich oder nachhaltig beeinträchtigt werden.“

Der Verkehrsminister scheint wildentschlossen einem „zweiten Rüdnitz“ den „präventiven Riegel vorzuschieben“. So sich der Naturschutz nicht freiwillig dem geschäftlichen Interessen Einzelner beugen will, muss er eben weichen.
Norbert Wilke, Pressesprecher der GRÜNEN LIGA Brandenburg , äußert sich wie folgt:

„(…)der Alleenstatus soll neu definiert und der § 31 des BbgNatSchG, der den Alleenschutz
regelt, geändert werden. Ziel der so genannten „Strategie 21“ für die Alleen in Brandenburg ist es, jährlich etwa 32 Kilometer Alleebäume zu roden und ersatzweise 5.000 Bäume pro Jahr neu zu pflanzen. Damit würde sich der Alleenbestand im Land von derzeit 2.500 Kilometern verringern. Dies ist darin begründet, weil viele Alleenabschnitte nach der neuen zu erwartenden Definition keine Alleen mehr sind und der Überhang von Baumfällungen in den letzten 15 Jahren in Höhe von 11.200 Bäume nicht mehr ausgeglichen wird. Weiterhin geht das Gutachten davon aus, dass in jedem Jahr 2,5 Millionen Euro für die notwendigen 5.000 Neupflanzungen zur Verfügung stehen. Teuerungen oder etwaige finanzielle Kürzungen werden in den nächsten 80 Jahre (Zeitraum der Umsetzung des
Konzeptes) nicht erwartet, ebenso wird davon ausgegangen das jede Neupflanzung anwächst. Der durch die Austrocknung der Landschaft stetige Pflegeaufwand für
Neuanpflanzungen wird außer Achtgelassen. Auf die Frage der Bedeutung alter, vitaler Alleebäume für den Artenschutz und die Funktion als CO2-Speicher wird gar nicht erst eingegangen.“

Cornelia Behm, Abgeordnete der Grünen im Bundestag, meint:

Es muss auch zukünftig ein Ziel der Politik sein, Lücken in Alleen wieder zu bepflanzen. Unterschiedliches Alter von Alleebäumen darf kein Kriterium dafür sein, das der Status als Allee verloren geht. Radikalkuren, d.h. Fällen der Altbäume und Neupflanzungen, sind aus ökologischen und ökonomischen Gründen abzulehnen. Fachleute empfehlen seit langem, Lücken sofort durch Nachpflanzungen zu schließen. Die jungen Bäume holen im Bestand schnell auf und sorgen binnen weniger Jahre wieder für einen perfekten Eindruck der Baumreihe.

Als der Widerstand gegen die „Rüdnitzer Kahlschlagpläne“ begann, ahnten viele der Beteiligten veilleicht noch nicht, dass der jetzt erreichte Etappensieg vermutlich nur der Prolog einer noch größeren Herausforderung sein könnte.

Wie sagte schon Brösels Comic-Kultfigur WERNER? „Arbeit zieht Arbeit nach sich.“

Das Imperium schlägt zurück -
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5 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Gegner glauben uns zu widerlegen, wenn sie ihre Meinung wiederholen und auf die unsrige nicht achten.

  2. Ich hätte da auch noch einige Weise Worte (eines Anderen):

    Ein alter Baum ist ein Stück Leben.
    Er beruhigt. Er erinnert. Er setzt das sinnlos
    heraufgeschraubte Tempo herab, mit dem man unter großem
    Geklapper am Ort bleibt. Und diese alten sollen
    dahingehen, sie, die nicht von heute auf morgen nach-
    wachsen? Die man nicht nachliefern kann?

    Kurt Tucholsky

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