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Alles Norma(l)? – Gemeindevertreter beschert Panketal eine „beachtliche Bausünde“

norma-in-panketal.jpgNachdem das Online Gästebuch der Gemeinde Panketal vor ca. 3 Wochen geschlossen wurde, ist die Einwohnerfragestunde im Rahmen der monatlichen Gemeindevertretersitzungen die quasi letzte Möglichkeit öffentlichkeitswirksam zu Problemen Stellung zu nehmen. Natürlich gehört hierzu manchmal etwas Mut und erhebliche Überwindung, ist doch nicht jeder gleich redegewandt und selbstbewusst.

In der Sitzung vom 22.01.2007 „trauten“ sich jedoch Einige. Ein Dauerbrenner, die Gestaltung des Norma-Geländes am S-Bhf Zepernick, stand mal wieder im Mittelpunkt des Interesses.

Zur Geschichte:
Das Gelände an der Schönower Straße bestand bis zum Jahre 2005 aus 2 Grundstücken die vom Radwanderweg Berlin-Usedom durchschnitten wurden. Da Gemeindevertreter und Besitzer Peter Thiele an einer möglichst gewinnträchtigen Verwertung der Flächen interessiert war, genehmigte die Gemeindevertretung im Zuge eines Flächentausches, die Verlegung des Radweges. Die Grundstücke wurden zusammengeführt. Nachdem verschiedene Nutzungsarten erwogen und verworfen waren, erteilten Panketals oberste Entscheidungsträger schließlich mehrheitlich ihr Einvernehmen für die Errichtung eines Lebensmittelmarktes mit Backshop.

Genau dass war im Vorfeld eigentlich versagt worden, befindet sich doch seit langer Zeit auf der gegenüberliegenden Straßenseite bereits ein großer Markt. Offenbar brachten es die meisten Gemeindevertreter dann aber doch nicht übers Herz, „einem der Ihren“ ein lukratives Geschäft „zu versauen“. Unter der Regie von Eigentümer Thiele entstand in relativ kurzer Zeit ein architektonischer Schandfleck, eine in Beton gegossenen Bausünde beachtlichen Umfangs. Besonders die örtlichen Grünen griffen die Problematik früh auf und forderten zumindest die Umsetzung der gemeindlichen Auflagen ein.

Folgendes war beschlossen worden:
1. Der Bürgermeister der Gemeinde Panketal wird beauftragt im Rahmen des Neubaus der Marktanlage Schönower Str. 41 – 43 verbindliche Auflagen an Herrn Thiele zu erteilen, die die Anlieger sowohl akustisch als auch optisch (durch immergrüne Hecken oder andere Bepflanzungen) vom Marktbereich einschließlich der Parkplätze abschirmen.
2. Weiterhin sind Auflagen zu erteilen, dass zur Straßenseite (Schönower Straße) das
Objekt durch 1,50 m hohe Hecken abgeschlossen wird.
3. Auf dem Parkplatz sind drei 3-fach verschulte breitkronige Laubbäume aus regionaler Schulung zu setzen.

Nach Aussage der Anwohner kann das Ergebnis in der Realität in keinster Weise zufrieden stellen.
So bemerkte ein Betroffener:

Laut Beschlussfassung der Gemeindevertretung waren verbindliche Auflagen an Herrn Thiele erteilt worden, die die Anlieger sowohl akustisch als auch optisch (durch immergrüne Hecken oder andere Bepflanzungen) vom Marktbereich abschirmen. Der dort stehende Bretterzaun ist nur auf Druck der Anwohner entstanden. Über Geschmack kann man sich streiten, aber die Gestaltung des Umfeldes des Norma-Marktes ist einfach eine Katastrophe. Ich spreche inzwischen im Namen aller Anwohner. Es gibt Fakten. Da wird eine Baugenehmigung für ein Einfamilienhaus erteilt, später wird dies umgewandelt in ein Ärztehaus mit 5 Parkplätzen. Ich war vorstellig beim 1. Beigeordneten, aber dieser sagte mir, dass ihn das nichts angeht. Jetzt sind es 12 Parkplätze. Diese sind – aus meiner Sicht – nicht genehmigt.

Besonders beklagenswert wird hervorgehoben, dass die beauflagten Bäume nicht auf sondern neben bzw. hinter dem Parkplatz stehen und die Ihnen zugedachte Funktion der Beschattung so kaum erfüllen werden. Eine direkte „Anwohnerin“ erläuterte:

Wir sind die unmittelbaren Nachbarn. Wir haben eine halbfertige Einfahrt durch Herrn Thiele
bekommen. Es geht jetzt seit Wochen nicht mehr weiter. Wir wurden leider zu dem vom
Bürgermeister bereits erwähnten Ortstermin – entgegen seiner Aussage – nicht eingeladen.
(…) Der Norma-Markt hat bereits sein einjähriges Bestehen gefeiert. Was wird eigentlich von der Seite der Gemeinde als erträgliches Maß angesehen, wie lange sollen wir eigentlich noch Geduld haben. Wann können wir endlich von Herrn Thiele eine fertig gestellte Einfahrt erwarten?

Zur Frage des Lärmschutz war zu hören:

Fakt ist aber, wir hören die (Papier)Presse Tag und Nacht und
oft ist sie mindestens 40 Minuten hintereinander an. Die sich ebenfalls in der Nähe
befindliche Bahn stört nur 20 Sekunden, dann ist sie durch. Warum gibt es keinen
ausreichenden Schutz für die unmittelbaren Anwohner?

Grundsätzlich gaben sich Bürgermeister und Abgeordnete gegenüber den Klagen durchaus verständnisvoll. Man habe, so die mehrheitliche Meinung, ein solches Ergebnis nicht gewollt und fände es ebenfalls unansehnlich.
Eine weitere Zuständigkeit der Gemeindevertretung wurde aber weitgehend verneint. Bürgermeister Fornell erklärte hierzu:

Die Gemeindevertretung hat zwei Dinge beschlossen und hat gesagt, wenn wir unser Einvernehmen erteilen, dann möge die Verwaltung mit dem Bauherren Folgendes verabreden: Einmal sind die Bäume auf dem Parkplatz zu pflanzen und weiterhin ist ein optischer Sichtschutz zur Straße hin zu bauen. Das waren die beiden Dinge, die die Gemeindevertretung gefordert hat. Dass die Bäume nicht so gepflanzt worden
sind, wie wir es uns vorgestellt haben ,zeugt davon, dass die Gemeindevertretung ein wenig
blauäugig mit der Formulierung war, Bäume zu pflanzen.
(…)Die Gemeindevertretung hat keine Auflagen zu beschließen. Die Frage, ob etwas
baurechtlich zulässig ist oder nicht, richtet sich nach dem Baugesetzbuch und nach der
Baunutzungsverordnung. Das, was baurechtliche Auflagen sind, das sind Auflagen der
Unteren Bauaufsicht Eberswalde.(…)
Alle anderen Streitigkeiten sind mit dem Nachbarn zu klären. Vielleicht ist auch der Weg zur Schiedsstelle ein geeigneter Weg.

Im Publikum bedauerte man besonders, dass der vielgescholtene Herr Thiele nicht anwesend war um zu den Vorwürfen und Unmutsäußerungen Stellung zu nehmen. „Der kommt doch nur wenn es um lukrative Aufträge geht“, rief ein Mann erbost. Bei allem verständlichen Ärger ist diese Äußerung natürlich recht spekulativ.

Tatsache aber ist, dass der Bauingenieur in der Gemeinde zwar deutliche Spuren hinterlässt, an den Sitzungen des Gemeindeparlamentes aber nur höchst unregelmäßig teilnimmt. So ließ er sich seit Januar 2005 bislang 12 mal „zu vereinbarter Stunde“ im Rathaus sehen. Eine eher mäßige Quote, bedenkt man, dass in besagtem Zeitraum insgesamt 23 Sitzungen stattfanden.

norma-in-panketal.jpg
Ein lauschiges Plätzchen

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5 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Dieses Bauprojekt ist der jüngste Beweis, wie man in unserer Gemeinde Investoren den Hof macht. Da wird nicht etwa abgewogen, ob für diesen sensiblen Standort (schließlich präsentiert sich hier Panketal allein durch die vielen durchfahrenden Züge einer unbekannten Anzahl an Leuten, die hier einen ersten Eindruck gewinnen können) nicht doch etwas Repräsentativeres gebaut werden könnte.
    Fassungslos erfuhr ich von der Nachricht, dass für Norma ein neuer Standort gebaut wird. Hätte er nicht am alten Standort bleiben können, so schlecht war der ja auch nicht. Und über Einkaufskultur lässt sich ja streiten. Panketal hat wirklich etwas Besseres verdient als diesen Einkaufsmarkt.
    Übrigens kam die Verlegung des Usedom-Radweges einem Schildbürgerstreich gleich. Das war nun die offensichtlichste Verarsche für die vielen Fussgänger. Musste man früher nur die Straße überqueren, so ist man nun gezwungen einen Riesenschwenk über den Bürgersteig zu fahren (oder gehen). Schon aus diesem Grund hätte ich eine Genehmigung nicht erteilt.
    Nun ja, man kann nur vermuten, dass an entsprechender Stelle genügend Silberlinge über den Tisch geflossen sind, damit im Sinne des Investors entschieden wurde. Ein Argwohn, ist doch der Investor gleichzeitig Gemeindevertreter. Beziehungen waren also nicht nur zu DDR-Zeiten von Vorteil.
    Ich würde nur noch den Rückbau für diesen Schandfleck empfehlen. Panketal hat etwas Besseres verdient.

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