web analytics

Ausweg oder Irrweg?

robert-koch-1.jpgUmstrittenes „Pionierprojekt“ an der Robert-Koch-Straße in Panketal erweist sich als Erfolg
Es war einer der Panketaler Skandale des Jahres 2006. Im Zuge des Straßenausbaus „Robert-Koch-Straße“ gab es Probleme mit einigen angrenzender Linden. Durch den besonders flachen Wurzelverlauf war es nicht möglich den Gehweg durchgehend zu pflastern ohne die Bäume zu beschädigen. In einem seltenen, aber überaus erfreulichen Anfall von Innovationsgeist entschloss sich die Gemeindeverwaltung eine Fällung zu umgehen und die fraglichen Abschnitte des Weges mit einer wassergebundenen Decke zu überbrücken. Leider dachten die Planer jedoch weder daran diese Maßnahme in das Gesamtkonzept zu integrieren, noch wurden Anwohner und Gemeindevertretung über das Vorhaben informiert.

Als die Straße dann im Herbst 2006 für den Fahrzeugverkehr geöffnet wurde präsentierte sich die Gehbahn noch immer als Stückwerk. Wie zu erwarten war, entfacht dies sehr schnell den „gesunden Volkszorn“. Die verunsicherten, weil uninformierten Anwohner fühlten sich verschaukelt und befürchteten eine eingeschränkte Nutzbarkeit des Weges. Abgeordnete sahen Fußgänger und Rollstuhlfahrer in Bedrängnis und Matthias Friehe, jugendlicher Webmaster von www.CDU-Panketal.de, ängstigte sich bereits vor Fertigstellung des Projektes um die Sicherheit „unserer Schulkinder“. Auch die Märkische Oderzeitung kritisierte das „Abenteuer Straßenbau“.

robert-koch-1.jpg
So sieht’s aus

Vermutlich hätte eine gezielte Informationsstrategie der Panketaler Verwaltung einige Missverständnisse rechtzeitig aufklären und das „Überkochen der Anwohnerseele“ verhindern können. Ob das überhaupt erwünscht war darf freilich bezweifelt werden. Immerhin bietet sich nun vielleicht eine vortreffliche Möglichkeit quasi nach dem „erklärten Willen der Bürger“ und bewährtem Muster den vorhandenen Baumbestand beim Straßen – und Wegebau großzügig abzuholzen.

Wassergebundene Wegedecken, die aus gebrochenem Naturstein bestehen, werden immer häufiger genutzt, da sie diverse Vorteile haben. Die komplette Bodenversieglung wird verhindert und das Oberflächenwassern kann zum Teil vor Ort versickern. Das senkt die Gefahr von Überschwemmungen und begünstigt die Bewässerung des Straßengrüns.
Gerade Fußgänger und Jogger profitieren vom wassergebundenen Belag, da er etwas weicher ist und die Gelenke schont.

robert-koch-2.jpg
Detailansicht

Am heutigen Tage wagte der Verfasser dieses Artikels schließlich den Selbstversuch. 80 Kilo Mensch und ein Fahrrad brachen auf., das inzwischen (fast) fertiggestellte Werk Panketaler Wegebaukunst einem Härtetest zu unterziehen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Wegedecke präsentiert sich, trotz intensiver Regenbewässerung, in festem, belastbarem Zustand und ließ sich problemlos befahren. Selbst bei genauestem Hinsehen waren kaum Abnutzungsspuren auszumachen. Nichts versank, rutschte, wurde beschmutzt oder beschädigt.

Der Versuch scheint gelungen und ermutigt zu Wiederholungen. Bleibt zu hoffen das die Verantwortlichen ihre gute Idee zukünftig etwas besser verkaufen.

robert-koch-3.jpg
Unbefestigter Weg zur gleichen Zeit

Ausweg oder Irrweg? auf Facebook teilen
Ausweg oder Irrweg? auf Twitter teilen
Ausweg oder Irrweg? auf Google Plus teilen

Ähnliche Artikel:

Veröffentlicht von

Stefan ist von Beruf Sozialarbeiter und arbeitet mit chronisch kranken Menschen. Der 2-fache Familienvater ist Autor verschiedener Websites und gelegentlich auch noch als Sänger aktiv. Als leidenschaftlicher Naturschützer wurde er unlängst in die Panketaler Gemeindevertretung gewählt. Weitere politische Schwerpunkte sind die Ortsentwicklung, sowie soziale Themen.

7 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Wäre interessant, noch was über die Erfahrung der Anwohner in Sachen Schneeschieben zu lesen. Leider gab es in diesem Winter diesbezüglich noch keine ausgiebige „Testphase“.

  2. Hallo allerseits,
    ich bin Anwohner der RKS und kann sagen, dass das Schneeschieben auf jeden Fall leichter geworden ist. Zumindest auf dem gepflasterten Teil. Da ich vor meinem Grundstück keine solch geartete „Wassergebundene Wegedecke“ habe, kann ich hierzu jedoch keine Aussage treffen. Ich denke, dass das Streuen auf diesen Teilstrecken die beste Lösung wäre, sonst wäre eine Zerstörung der Oberfläche zu befürchten. Im trockenen Zustand ist diese Beestigung ganz ok, wenn´s nass ist, dann sinkt man wieder ein. Das Non Plus Ultra ist diese Befestigung auch nicht, auf jeden Fall scheint sie wartungsintensiver zu sein, das erkennt man auf den Fotos an den seitlichen „Ausblühungen“.

    Was jetzt kommt ist zwar etwas off topic, aber ein paar Worte zum BVH RKS seinen erlaubt:

    Die gesamte Baumaßnahme war für uns Anwohner ein reines Ärgernis. Das fing schon in der Planungsphase an, nachdem man die Hinweise der Anwohner seitens einiger Gemeindevertreter als Anwohnerinteressen stigmatisierte. Es wurden keinerlei Hinweise der Anwohner realisiert. Und so kommt es, dass wir vor der Haustür eine 600m lange Rennstrecke ohne Verkehrsberuhigungen haben.
    Es ging weiter, als man auf der Nordseite sämtliche Bäume fällte (unter Missachtung der Vegetationsphase). Begründet wurde das mit der Wiederanpflanzug neuer Bäume. Auf diese warten wir bis heute.
    Es zog sich fort mit der Freigabe der Straße als Umleitungsstrecke am 12.9.2006. Einen Bürgersteig gab es nicht, wegen Baugeschehens konnte man selbst die tiefen Kuhlen nicht begehen, so dass man als Fußgänger gezwungen war, die Fahrbahn zu benutzen, ohne dass hier etwas für Fußgänger abgetrennt wurde. Ich hatte Angst um meine Kinder, die diesen weg als Schulweg benutzen müssen. Seitens der Gemeinde gab es hierzu keinen Kommentar, die freie Fahrt für die Autos schien wichtiger zu sein.
    Was bleibt ist noch die Erklärung der Gemeinde, warum wir als Anwohner der RKS für den Ausbau nahezu das doppelte zahlen müssen als die Anwohner der Fontanestraße, obwohl der Ausbaustandard der gleiche ist.
    Ich hoffe, die Gemeinde hat ein Einsehen und bekennt sich zu notwendigen Verkehrsberuhigungen. Bis jetzt war sie hierzu schlichtweg unfähig.

  3. Guten Abend Nino,

    da es heute zwischenzeitlich mal „ganz gut geschüttet hat, habe ich meine allabendliche Joggingstrecke an ihrer Straße vorbeigeführt.
    Einmal hin , einmal zurück. Ein wirkliches Einsacken habe ich , bei wirklich gutem Willen zur kritischen Betrachtung, nicht feststellen lassen.
    Zwar gab es diesmal etwas deutlichere Abdrücke von Fahrrädern usw. und der Belag war klogsicher weise etwas weicher als das Pflaster, wirlich bedenkliche Anzeichen wie Spurrillen o.ä. suchte ich aber vergeblich.
    Immerhin kam ich in der RKS trockenen Fußes durch, während ich auf einigen gepflasterten Wegen (Schönower Straße u.a.) nicht allen angestauten Pfützen (wo soll das Wasser auch so schnell hin)ausweichen konnte.
    Aus meiner Sicht ist es nicht nötig zukünftig alle Wege in wassergebundener Bauweise zu gestalten, als partielle Alternative (z.B. zum Baumerhalt) finde ich das Projekt aber wirklich brauchbar. Wie qualitativ hochwertig die Ausführung ist bleibt abzuwarten. Ich gehe aber davon aus das sich der Weg im Zuge der Benutzung noch weiter verfestigt
    Was die Auswaschungen an den Seitenrändern angeht stellte ich fest , dass nicht alle wassergebundenen Wegstücke mit einem seitlichen Metalband befestigt sind (besonders im hinteren Teil der RKS). Ist das vergessen worden?
    Für das Scheeschieben denke ich ebenfalls , dass man mit einer groben Räung + anschließendem Streuen ganz gut hinkommt.
    Vorteile für den wassergenundenen Belag sehe ich vor allem bei dem gefährlichen Phänomen Blitzeis, da ich davon ausgehe das man auf dem rauhen, griffigen Untergrund besseren Halt findet.
    Ihre Kritik zum Umgang mit den Anwohnern in der Planungs – und Basuphase kann ich allerdings ehr gut nachvollziehen.

    Einstweilen mit freundlichen Grüßen an alle Autoren und Leser

    Stefan

  4. Bezüglich der Bauausführungen kann ich als Anwohner der Buchenallee nur zustimmen zumal ich nicht verstehe, wie bei einer sorgfältigen Planung (darauf wird doch wohl unsere Verwaltungsprojektleitung besonders achten)60.000 EUR Mehrkosten auf ca 600m Strasse entstehen können.
    Übrigens sind letzte Woche 2 junge Rehe in der Buchenallee (neugebauter Abschnitt)überfahren worden. Wie so etwas in einer Tempo-30 Zone geschehen kann ist mir ein Rätsel. Oder wird etwa auf unseren neuen Asphaltpisten (einen schönen Gruss an die Autolobby in der Gemeindevertretung)gerast?
    Noch sind es „nur“ kleine süsse Rehe – oder muss erst ein Kind dafür herhalten, damit sich in Bezug auf Verkehrsberuhigung in Panketal etwas bewegt?

    Arian Schütt

  5. Na das ist doch mal was,

    jetzt hat auch die Märkische Oderzeitung ihren Frieden mit dem RKS-Gehweg geschlossen.
    Passanten beurteilen die Nutzung der wassergebundenen Wegedecke demnach als angenehm und auch die Anwohner sollen sich wohl versöhnlich zeigen.
    Den kompeltte MOZ-Artikel kann unter;
    http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Bernau/id/172555
    angesehen werden

    Gruß

    Stefan

  6. Hallo Karl-Heinz,

    …ja buhu, schluchz, sie haben mich einfach ignoriert…
    Nee aber im Ernst, ich habe die Kollegen der MOZ vor 2 Tagen mit Bezug auf meinen Artikel sehr deutlich darum gebeten mit den vielen Vorverurteilungen, und Ängste die es in diesem Fall gab (und die von der MOZ nicht grade entkräftet wurden) aufzuräumen.
    Immerhin hat man ja recht prompt reagiert.
    Das man mich für diese (wenn auch sehr nette, so bin ich nun mal…hähä) Zurechtweisung nicht auch noch in ein positives Licht rückt kann ich fast nachvollziehen (wir Sozialarbeiter haben halt von Berufs wegen viel Verständnis)

    Shcönste Grüße

    Stefan
    PS: ich finds übrigens toll wie viele Leute sich hier inzwischen hier zu Wort melden (kleine Verbeugung an die Leser)