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Biesenthaler kämpfen für ihre Bäume

bb1.jpgEs gibt sie noch: Anwohner, die um den Erhalt der Straßenbäume vor ihrem Grundstück kämpfen. Und es gibt auch noch Politiker, die die Bürgerproteste ernst nehmen und den Erhalt der Bäume durch alternative Planung möglich machen. So geschehen in Biesenthal in den letzten beiden Monaten.

„Dieser Baum der inneren Reihe der Allee ist nicht zum Fällen freigegeben.“ Mit diesem Schild protestierten Biesenthaler gegen die Anfang Dezember großzügig angebrachten Fällmarkierungen an der Radwegallee der Bahnhofstraße in Biesenthal. Der Landesbetrieb für Straßenwesen hatte zur Vorbereitung des Straßenneubaus bereits alle Bäume am Fahrbahnrand der Bahnhofstraße gefällt und dabei gleich auch ein gutes Dutzend der Bäume der Radwegallee mit Fällmarken versehen. Für den Gesamtkomplex des Bahnhofstraßenausbaus sind jedoch zwei verschiedene Behörden zuständig: das Land Brandenburg für die Fahrbahn und die am Fahrbahnrand stehenden Bäume, die Stadt Biesenthal für Geh- und Radwege und die Bäume an der Radwegallee. Über letztere hat das Land also gar nicht mitzureden, da sie mit der Fahrbahnsanierung nichts zu tun haben. Auch der Bau der Grundstückszufahrten ist Sache der Stadt.

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Die von Anwohnern an den Bäumen angebrachten Plakate, viele Anrufe beim Bürgermeister und Proteste in der Einwohnerfragestunde der Ausschusssitzungen zeigten Wirkung: Der Planer wurde wieder an den Schreibtisch geschickt mit dem Auftrag, die Grundstückszufahrten so anzulegen, dass die nach dem ersten Entwurf im Wege stehenden Bäume erhalten bleiben. Das Ergebnis: zwei Bäume sind aus gutachterlicher Sicht zu fällen, weil sie nicht mehr standfest seien. Vier Bäume könnten aus planerischer Sicht gefällt werden – um dem Wunsch von Anwohnern zu entsprechen, die ihre Einfahrt verlegen wollen oder sich durch in der Einfahrt stehende Bäume gestört fühlen. Das sehen nicht alle so. „Die Einwohner haben bislang ihre Grundstücke befahren können, also können sie es auch weiterhin“, war die überwiegende Meinung der Stadtverordneten. Jeder einzelne der vier angeblich störenden Bäume wird demnächst vom Bauausschuss angeschaut, ob er wirklich in einer Grundstückszufahrt steht. „Die vier bleiben auch stehen!“ prognostizierte ein Mitglied des Bauausschusses nach der Sitzung. Man wird sehen.

Die Pläne sind in der Amtsverwaltung Biesenthal-Barnim für jedermann einzusehen – und das wird auch nötig sein, denn die Stadtverordneten beschlossen den als Tischvorlage (!) eingereichten Entwurf ohne genaue Prüfung. Ein Skandal, wo es doch hier um ein Bauvorhaben geht, das die Stadt und die Anwohner über eine dreiviertel Million in diesem Jahr kosten wird …

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Und so verfuhr das Land Brandenburg mit „seinen“ Bäumen: 43 Bäume am Fahrbahnrand wurden Anfang Dezember gefällt. Lediglich ein Baum, ein Ahorn, dessen Bild im vergangenen Jahr den Fotowettbewerb „Biesenthaler 4 Jahreszeiten“ gewonnen hatte, wurde dank eines Zuschusses der Stadt für Baumpflege und Wurzelbehandlung verschont – Kostenpunkt 2000 €. Somit wissen wir jetzt auch, was der Erhalt aller Bäume gekostet hätte: 43 x 2000 € = 86 000 €. Das Land lässt sich den Straßenbau 1,2 Mill. kosten incl. Fällen störender Bäume und die anschließende Neupflanzung von insgesamt 88 Bäumen.

Übrigens: Ursprünglich hatte das Land uns die Fällung der äußeren Baumreihe mit dem Versprechen auf Ersatzpflanzung von 160 Bäumen schmackhaft gemacht. Übrig geblieben ist bis jetzt eine gute Hälfte der Versprechungen.

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Veröffentlicht von

Lena wohnt in Biesenthal. Sie ist Diplom-Informatikerin mit dem Schwerpunkt Medienproduktion und erstellt zur Zeit zusammen mit Historikern und Informatikern ein multimediales Museumsinformationssystem für das Jüdische Museum Berlin. Ein besonderes Anliegen ist ihr die Beteiligung der Bürger an kommunalen Entscheidungen. Auf der Website www.biesenthal.de berichtet sie regelmäßig aus den Sitzungen der Biesenthaler Stadtverordneten und schreibt gelegentlich in ihrem privaten Weblog biesenthal journal.

4 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. @Lena Bonsiepen
    Über Ihren Artikel habe ich mich gefreut!
    Er zeigt, dass es in der Region doch noch eine Menge Leute gibt, die der Wert alter Bäume zu schätzen wissen. Das macht Hoffnung.

    Hoffnung hat es mir auch gemacht, dass sich bei unserer Unterschriftenaktion für den Erhalt der Allee Rüdnitz-Danewitz-L29 über 80% der Befragten in die Unterschriftenlisten eingetragen und damit unsere Forderung an die Kreisverwaltung unterstützt haben, bezüglich der Sanierung der Kreisstraße 6005 einen Straßenausbau zu realisieren, bei dem alle 726 Alleebäume erhalten bleiben.
    Siehe Artikel: 1.234 Bürgerinnen und Bürger für Straßenbau – gegen Alleenrodung

  2. Guten Morgen Lena,

    herzlich willkommen im Blog.
    Ich hoffe Du wirst zukünftig regelmäßig über gerettete Bäume und ähnliche Lichtbliche berichten können.

    Viele Grüße

    von

    Stefan

  3. Ich verfolge ja auch in unserer Zeitung diese Sinnlose Sache bäume nieder zu metzeln. Blos um irgendwelchen Rasern noch mehr Freiräume zu schaffen. Ich glaube diese Idioten kapieren erst das die Umwelt in Gefahr ist wenn Ihnen das Wasser bis zum Hals steht. Und die Politiker welche jetzt mit Arbeitsplätzen und Fördergeldern für den Ausbau oder die Erweiterung der Straße plädieren müßte man das Mandat entziehen, denn die haben ja wohl dann überhaupt nichts kappiert. Solchen Leuten sollte man wirklich nicht die Verantwortung für Mensch, Kultur und Natur in die Hände legen, denn irgendwie gehört doch alles zusammen.
    Matthias Bölke

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