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Panketal hat einen „Burger-Master“

„Supersize-me-Bürgermeister“ Rainer Fornell wirbt mit dem örtlichen Kindersegen um die Ansiedlung von Fastfood-Konzernen
Ernährungsbedingte Störungen bei Kindern und Jugendlichen sind ein ernstzunehmendes Problem unserer Zeit. Laut Bundesfamilienministerium sind etwa 80 Prozent aller späteren Krankheiten im weiteren Sinne ernährungsabhängig oder durch falsche Nahrung beeinflusst worden. Die WHO geht davon aus, dass weltweit 18 bis 22 Millionen Kinder unter fünf Jahren zu dick sind. In Europa gilt eines von fünf Kindern als zu dick und jedes Jahr kommen 400 000 übergewichtige Schulkinder hinzu. (…) Zu dicke Kinder haben nach einer Studie der Universität von Hamedan (Iran) ein 50 Prozent höheres Risiko an Bluthochdruck zu erkranken, als ihre normalgewichtigen Altersgenossen. (Quelle: www.medizin-aspekte.de)

Aus gutem Grund engagieren sich deshalb diverse Instituitionen und Einrichtungen schon seit Jahren für eine gesunde Ernährung des Nachwuchses. Dabei fällt der Abschied von liebgewordenen Kalorientraditionen und Fastfoodversuchungen nicht immer leicht. So erlitt der englische Star-Koch Jamie Oliver bei der Umsetzung seiner Kampagne herbe Rückschläge. Die britischen Kinder reagierten auf die weitgehende Verbannung von „Fish and Chips“ mit einer bemerkenswerten „Küchenflucht“. An 60 % der Schulen ging die Nutzung der Schulkantinen zurück.
Man geht aber davon aus, dass sich die anfänglichen Akzeptanzprobleme mittelfristig erledigen.

Die Gemeinde Panketal geht derzeit einen anderen Weg. Hier bemüht sich Verwaltungschef Fornell persönlich Fastfood „an das Kind zu bringen“. Zu den Hintergründen: Im Herbst vergangenden Jahres nahmen einige 10. Klassen der Zepernicker Gesamtschule am „Planspiel Kommunalpolitik“ teil. Im Verlauf mehrerer Projekttage lernten die Jugendlichen die Arbeit u.a. die Arbeit der Gemeindevertretung kennen und hielten als krönenden Höhepunkt eine fiktive Gemeindevertretersitzung ab. Wie im „wirklichen Leben“ brachten die Schüler Anträge und Anfragen ein, die mit dem echten Bürgermeister diskutiert wurden. Während Fornell dem Wunsch der Jugendlichen nach einer Kommunikationsplattform auf der örtlichen Internetseite nur bedingt nachkam (ein Gästebuch wird es z.B. nicht geben , da „Wildwuchs“ zu befürchten sei), stieg er bezüglich der angefragten Ansiedlung eines Fastfoodtempels in Panketal sofort voll ein.

In einem Bewerbungsschreiben an die Konzerne Mc Donalds, Burger King und Kentucky Fried Chicken heißt es:

Ich wende mich an Sie mit der Bitte um Standortprüfung für die Ansiedlung eines Mc Donalds (resp. Burger King resp. Kentucky Fried Chicken) Restaurants in Panketal.

Um den Firmen eine Ansiedlung schmackhaft zu machen preist der Verwaltungschef auch gleich ein verkehrsgünstig gelegenes Grundstück an der Bucher-Straße an. Trumpfkarte der Argumentationskette ist jedoch Panktals außergewöhnlicher Kindersegen. Hierzu Fornell:

Im Ort gibt es zwei Grundschulen, eine Oberschule, eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe sowie ein privates Gymnasium. Insgesamt werden an den Schulen ca. 1700 Kinder unterrichtet. In fußläufiger Entfernung zum vorgeschlagenen Standort Straße der Jugend/ Bucher Straße befindet sich der Schulstandort Zepernick mit der größten Grundschule des Landes Brandenburg (650 Schüler) sowie der Gesamtschule mit ca. 350 Schülern. (…)Außerdem befindet sich in ca. 250 Meter Entfernung der zentrale Sportplatz der Gemeinde Panketal der maßgeblich vom ca. 600 Mitglieder zählenden örtlichen Sportverein SG Einheit Zepernick e.V. betrieben wird. Ebenfalls an der Straße der Jugend in ca. 350 Meter Entfernung zum vorgeschlagenen Standort wird in den nächsten Jahren der zentrale Sport- und Spielpark der Gemeinde Panketal entstehen.

Ob Rainer Fornell mit seinem Engagement dem örtlichen Nachwuchs wirklich einen Gefallen tut, darf aus unterschiedlichen Gründen bezweifelt werden: Nicht erst seit „Supersize me“, dem Film des US-Regisseurs Morgan Spurlock, ist die „nachhaltige Wirkung“ von Fastfood bekannt. Zudem lassen bekannte Details zu den Hintergründen der Produktionsmethoden von Mc Donalds & Co. die „bürgermeisterlichen Anbiederungsversuche“ in einem nicht eben verantwortungsbewussten Licht erscheinen.

Weitere Details und Links gibt es bei den Grünen im Niederbarnim.
Informationen zum bedeutend gesünderen Slow-Food finden sie hier.

Panketal hat einen
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10 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Ich finde es eigentlich auch nicht sonderlich klug das ganze Vorhaben allein mit der Anzahl Schulen zu begründen. Aber es gibt schlicht keine anderen Gründe, wie z.B. : „große Stadt“ oder „Einkaufsstraße“ etc.
    Meiner Meinung reicht der MacD in Blumberg und Lindenberg völlig aus.
    Ich hab das noch nie irgendwo gesehen, das in solchen Vierteln deartige Fast Food Häuser stehen. Wo führt das am Ende hin? MacD ersetzt die Schulkantine? Kinder, die ihre Eltern nerven: „Aber der Mathias darf auch zu MacDonalds gehen!“ Naja, ich weiß nicht.

  2. Hier gibt der Burger-Master sich noch ganz sportlich, könnte glatt bei einer Baumbesetzung mitmachen.

    Aber im Ernst: Wenn Fornells Fast-Food-Träume wahr werden, werden die Zepernicker und Schwanebecker bald ganz schön in den Seilen hängen. Und der Weg nach Lindenberg ist ja wirklich nicht weit, für die ganz und gar Süchtigen.

  3. Hallo Andreas,

    weitere Fotos von Deinem Kletter-Genossen findest Du unter http://www.hobi-klettergarten.de . Ab April erwarte ich auch Dich dort zum täglichen Aufstieg.
    Was die Burger angeht bin ich kein militanter Verweigerer (obwohl ich schon sehr lange nicht mehr bei Mc-D. war und die bekannten Produktionhintergründe zum Teil wirklich gruselig “ finde)) finde es aber wirklich dreist Panketals Kinder zur Bewerbung der eigenen Interessen zu nutzen
    Panketal hat derzeit nicht genügend Kindergartenplätze um den Bedarf zu decken , aber zukünftig fettige Fritten für Alle?
    Großartige Leistung Herr Bürgermeister.

  4. Interessant, dass Panketal auf einmal auch einen BurgerKing oder Mc Doof braucht.
    Zwar wird Bernau auch einen bekommen, aber der kommt ins Gewerbegebiet (Änderung B-Plan im Verfahren), direkt neben einen neuen Baumarkt(Verlagerung OBI). Schulen sind da relativ weit weg. Der Fußballplatz vom FSV Bernau liegt da noch fast am nächsten…

  5. Hallo Herr Stahlbaum,

    „[…]finde es aber wirklich dreist Panketals Kinder zur Bewerbung der eigenen Interessen zu nutzen“ – hier hat wohl einer nicht aufgepasst. Ich erinnere mich nicht, ob Sie beim „Planspiel Kommunalpolitik“, der jugendlichen Gemeindevertretersitzung dabei waren, aber Sie hätten es auch der Presse entnehmen können: Der Wunsch nach einem Fastfoodrestaurant kam ausdrücklich von den Jugendlichen. Über alle Anträge wurde auch ganz demokratisch abgestimmt. Der Bürgermeister hat also „im Auftrag“ gehandelt. Soll die Jugend nun ernst genommen werden oder nicht? Ich fand jedenfalls die Sitzung sehr spannend, die Jugendlichen haben entgegen meinen Erwartungen überraschend vernünftig und ausgewogen diskutiert. Fakt ist, dass viele Jugendliche in Panketal einen Treffpunkt vermissen, in dem sie auch abends mal ungestört klönen können. Vielleicht kämen auch eine Milchbar oder ein Bio-Bistro gut an – es müsste nur eben zentral liegen, dennoch halbwegs lärmverträglich sein, jugendfreundliche Öffnungszeiten und Preise haben.
    Denken Sie doch mal ein bisschen konstruktiver statt jede Angriffsfläche als willkommene politische Profilierungsgelegenheit zu nutzen.

  6. Guten Abend Frau Muth,

    schön sie mal im Barnim-Blog zu sehen. Wenn sie sich meinen „Fastfood-Artikel “ mal in aller Ruhe durchsehen werden sie feststellen dass die Hintergründe der eindimensional gedachten „Burgermeisterinitiative“ im 3. Absatz ganz ausführlich dargestellt werden.
    In welcher Form ich das bewerte und was ich für konsruktiv halte müssen sie schon mir überlassen.
    Im übrigem haben die Jugendlichen sich meines „Wissens“ auch eine „Meinungs- bzw. Diskussionsplattform im Internet“ gewünscht. Dem wurde nicht gefolgt, warum?

    Beste Grüße

    von

    Stefan Stahlbaum

    PS: Ich bin mir übrigens sicher das Herr Fornell seine …äh.. etwas eigenwillige Jugendernährungskampagne“ ganz frei von politischem Profilierungsbestreben durchgeführt hat (hihi)

  7. „Im übrigem haben die Jugendlichen sich meines Wissens auch eine “Meinungs- bzw. Diskussionsplattform im Internet” gewünscht. Dem wurde nicht gefolgt, warum?“

    Ja, das stimmt. Ich kann mich jedoch nicht erinnern, dass Jugendliche das Gästebuch ausgiebig genutzt hätten. Auf Pankesurfer verirrt sich auch nur selten einer (Herr Friehe jun. fällt mir da nur ein). Aber statt pessimistisch zu unken „das würde von den Jugendlichen sicher sowieso nicht genutzt werden“, käme es wohl auf einen Versuch an.
    Mitunter reicht ja auch eine gute Vernetzung, aber die Seite der Gesamtschule geht wohl auch am Bedarf vorbei, sie hat gerade mal 2 registrierte Benutzer … Es gibt ja auch eine „Jugendkoordinatorin“, die für diese Aufgabe prädestiniert wäre, aber wie mir schien, war sie den Jugendlichen gar nicht bekannt, höchstens im Barnimer Jugendwerk, das wiederum nur von einer Minderheit und noch dazu überwiegend von Jüngeren genutzt wird.

    Übrigens hat soweit ich weiß kein Fastfood-Restaurant Interesse bekundet, hier eine Filiale zu eröffnen.

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