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Dr. Elvira Kirschstein kritisiert Alleenrodung im Barnim

In der Bernauer MOZ-Ausgabe vom 5. Januar war ein lesenswerter Brief von Frau Dr. Kirschstein aus Eberswalde abgedruckt, der sich mit der geplanten Rodung in Rüdnitz und dem Umgang der Lokalpresse mit kritischen Leserbriefen auseinandersetzt. Um die MOZ-Leser in Eberswalde (dort erschien der Artikel nicht) und anderswo am Lesevergnügen teilhaben zu lassen, riefen wir Frau Dr. Kirschstein an. Sie erteilte uns die freundliche Erlaubnis, ihren Brief ungekürzt und unredigiert zu veröffentlichen:

Wunsch nach objektivem Journalismus in der Alleenproblematik
Meines Erachtens ist man in den letzten Monaten in der Lokalpresse vorwiegend einseitig mit der Problematik des Ausbaus der Kreisstraße 6005 und der damit geplanten Rodung der Allee zwischen Rüdnitz, Danewitz und der Landesstraße 29 umgegangen. Den Argumenten der Fällungsbefürworter wurde viel Platz eingeräumt, während die Alleenschützer ins negative Licht gerückt wurden.

Wirtschaftsdezernent Bockhardt hat in einem Artikel der Märkischen Oderzeitung fälschlicherweise behauptet, dass der Ausbau der Kreisstraße 6005 und der gewünschte Erhalt der Bäume zugleich nicht realisierbar sei. Im Gegensatz dazu belegt das straßenbauliche Gutachten des Verkehrsplaners Dr. Hunger, dass die EU-Fördermittel sehr wohl für eine Erneuerung der Fahrbahnoberfläche verwendet werden können. Denn bei den wenigen hundert Fahrzeugen pro Tag wäre eine überdimensionierte Verbreiterung der Straße ökonomisch nicht vertretbar.

Unrichtig ist zudem die Behauptung einiger Verfasser, dass sich die besagten Alleebäume in einem kranken Zustand befinden. So hat der renommierte Baumexperte und Vorsitzende des Gehölzsachverständigenverbandes Brandenburg-Berlin Manfred Frommer die Allee Rüdnitz-Danewitz-L29 in einer Stellungsnahme als ausreichend vital eingestuft. Konkret heißt dies, dass sich die Bäume im Vergleich zu anderen Alleenaltbeständen in Brandenburg in einem durchschnittlichen Gesundheitszustand befinden. Der Wirbelsturm im Sommer des Jahres 2005, der in der Rüdnitzer Allee wütete, hatte solch eine ernorme Zerstörungskraft, dass ihn auch anderswo kein gesunder Baum ohne Astbruch überstanden hätte. Hierbei sind in der Rüdnitzer Allee jedoch keine Bäume entwurzelt worden, in den Gärten der Anwohner aber mehrere. Auch dies spricht für die ausreichende Vitalität und Standfestigkeit dieser Straßenbäume. Nicht auszudenken, was in den benachbarten Gartenanlagen für ernorme Schäden entstanden wären, wenn kein windschützender Alleenbestand vorhanden gewesen wäre, der die Kraft dieses Mini-Tornados eingedämmt hat.

Obwohl der Straßenbau an der K 6005 auf sinnvollere Weise realisiert werden könnte, will die Kreisverwaltung von ihrer ursprünglichen, teureren und naturzerstörenden Planungsvariante nicht abrücken. Warum? Scheinbar locken lukrative Aufträge, die an Unternehmen vergeben werden können: Straßenplanung, Fällungsarbeiten, Straßenbau und Neupflanzung. Firmenprofite, die vom Steuerzahler finanziert werden und letztendlich zu Lasten der Natur gehen? Oder vielleicht nur die Umtriebigkeit, Arbeitsplätze um jeden Preis schaffen zu wollen? Wenn diesbezüglich Verflechtungen von Kreisverwaltung und Wirtschaft bestehen sollten, müssen sie schleunigst aufgedeckt und entflochten werden. Der Ruf nach Unabhängigkeit der Politik zum Schutz und zum Wohl der Gemeinschaft wird laut.

Dr. Elvira Kirschstein, Eberswalde

P.S. Im „Märkischen Markt“ (Ausgabe Bernau) vom 3. Januar war ebenfalls ein sehr kluger Leserbrief von Rainer Nimsch aus Schönow zu diesem Thema zu lesen. Herr Nimsch, falls Sie dies hier lesen: Schicken Sie doch bitte ebenfalls Ihren Brief an uns (redaktion[at]BAR-blog.de). Wir machen ihn gern hier einer größeren Öffentlichkeit zugängig.

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